4 Bauwerksabdichtung
4.8 Verarbeitung der Stoffe (#ddbau10703)
4.8.3 Verarbeitung von Bitumenvoranstrich, Bitumenklebemasse und Bitumendeckaufstrich (#ddbau10706)
4.8.4 Polymerbitumen- und Bitumenbahnen (#ddbau10707)
4.8.4.1 Allgemeines (#ddbau10708)
(1) Die Abdichtung kann je nach Bauweise auf dem Untergrund vollflächig verklebt, teilflächig verklebt oder lose verlegt werden. Siehe dazu Tabellen #ddbau02015, #ddbau02016, #ddbau02017, #ddbau02018, #ddbau02019, #ddbau02020 und #ddbau02024.
(2) Die Überdeckung an Längs- und Quernähten beträgt bei Polymerbitumen- und Bitumenbahnen mind. 8 cm, bei Anschlüssen 10 cm. Die Überdeckung ist zu verkleben. Bei Polymerbitumendichtungsbahnen mit Aluminiumverbundträgereinlage (PYE-ALV 0,9) beträgt die Überdeckung 10 cm.
(3) Jede Lage sollte mit Quernahtversatz verlegt werden. Bei mehrlagigen Abdichtungen sind die Bahnen von Lage zu Lage versetzt anzuordnen. Alle Lagen sollten in gleicher Richtung verlegt werden. Die Lagen sind untereinander vollflächig zu verkleben.
4.8.4.2 Schweißverfahren (Schmelzverfahren) (#ddbau10709)
(1) Bei diesem Verfahren werden Schweißbahnen verwendet.
(2) Bei vollflächiger Verklebung werden die zu verklebenden Bitumendeckschichten aufgeschmolzen und die Bahn unter leichtem Druck so eingerollt, dass sie sich vollflächig mit dem Untergrund verbindet. Um dies zu erreichen, muss die aufzuklebende Bahn fest aufgerollt sein. Der Einsatz eines Wickelkerns ist zu empfehlen.
(3) Bei teilflächiger Verklebung wird die untere Deckschicht der aufzuschweißenden Bahn punkt- oder streifenweise aufgeschmolzen und die Bahn unter leichtem Druck eingerollt.
(4) Bei Arbeiten mit offener Flamme sind Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Feuerlöscher sind vor Ort bereitzuhalten.
(5) Auf senkrechten oder stark geneigten Flächen sollten Bahnen nur mit einer Breite bis 0,75 m verwendet werden, es sei denn, dass ein geeignetes Verarbeitungsverfahren eine größere Breite zulässt.
4.8.4.3 Gießverfahren (#ddbau10710)
(1) Bei diesem Verfahren werden Dachdichtungs- und Dachbahnen verwendet. Folienkaschierte Bahnen sind nicht dafür geeignet.
(2) Bei vollflächiger Verklebung wird die Heißbitumen-Klebemasse vor die Bahn so reichlich aufgegossen, dass beim Einrollen der Bahn vor der Rolle in ganzer Bahnenbreite ein Klebemassenwulst entsteht. Um dies zu erreichen, muss die aufzuklebende Bahn fest aufgerollt sein. Der Einsatz eines Wickelkerns ist zu empfehlen.
(3) Bei teilflächiger Verklebung wird die Heißbitumen-Klebemasse punkt- oder streifenweise aufgetragen und die Bahn unter leichtem Druck eingerollt.
(4) An den Bahnenrändern sollte bei Unter- und Zwischenlagen das austretende Klebebitumen glattgestrichen werden.
(5) Für das Gießverfahren werden ungefüllte Klebemassen verwendet.
4.8.4.4 Gieß- und Einwalzverfahren (#ddbau10711)
(1) Beim Gieß- und Einwalzverfahren werden Bitumen- und Polymerbitumenbahnen bzw. Metallbänder in die zuvor ausgegossene, gefüllte Klebemasse eingewalzt. Es darf ausschließlich gefüllte Klebemasse verwendet werden.
(2) Die Ausführung des Verfahrens erfolgt sinngemäß nach Kap. 3.4.6.1.3.4 (#ddbau10474). Dabei ist jedoch sicherzustellen, dass die zu verklebende Bahn straff auf einen Kern aufgewickelt ist und beim Abrollen fest in die Klebemasse eingewalzt wird.
(3) Auf senkrechten oder stark geneigten Flächen dürfen Bitumen- und Polymerbitumenbahnen nur bis zu einer Breite von 0,75 m eingesetzt werden – es sei denn, ein geeignetes Verarbeitungsverfahren erlaubt eine größere Breite. Abweichungen von dieser Breite können auch durch Unebenheiten des Untergrunds erforderlich werden.
4.8.4.5 Bürstenstreichverfahren (#ddbau10712)
Bei diesem Verfahren werden Dachdichtungs- und Dachbahnen verwendet. Folienkaschierte Bahnen sind nicht dafür geeignet. Die Heißbitumenklebemasse wird vor die Bahn in Bürstenstrichbreite quer zur Verlegerichtung so reichlich aufgetragen, dass beim Einrollen der Bahn vor der Rolle in ganzer Bahnenbreite ein Klebemassenwulst entsteht. Um dies zu erreichen, muss die aufzuklebende Bahn fest aufgerollt sein. Der Einsatz eines Wickelkerns ist zu empfehlen. An den Bahnenrändern längs und quer muss die Bitumenklebemasse sichtbar heraustreten. Das austretende Klebebitumen sollte glattgestrichen werden.
4.8.4.6 Kaltselbtsklebeverfahren (KSP-Bahnen) (#ddbau10713)
(1) Bei diesem Verfahren werden kaltselbstklebende Polymerbitumenbahnen mit Trägereinlage verwendet. Der Untergrund muss für eine Kaltverklebung geeignet oder dafür vorbereitet sein. Die KSP-Bahn wird unter Abziehen eines Trennpapiers oder einer Trennfolie flächig verklebt und angedrückt. Es empfiehlt sich im Wandbereich die Verlegung von oben nach unten. Im waagerechten Bereich ist auch eine teilflächige Verklebung zulässig. An An- und Abschlüssen, allen Überlappungen sowie senkrechten Flächen ist die KSP-Bahn anzudrücken, um so eine optimale Verklebung zu erreichen. Bei senkrechten oder stark geneigten Flächen, Überlappungen und sonstigen Details sind Zusatzmaßnahmen, z. B. Zuhilfenahme thermischer Aktivierung beim Aufbringen der KSP-Bahn, vorzusehen. Am oberen Wandabschluss ist die Abdichtungsbahn gegen ein mögliches Abklappen zu sichern. Dies kann z. B. durch eine mechanische Fixierung erfolgen. Zur Vermeidung von Kapillaren sind am T-Stoß gesonderte Maßnahmen zu ergreifen (z. B. Schrägschnitt der unterdeckenden Bahn). Auf senkrechten oder stark geneigten Flächen sollte die Breite der Bahnen 1,10 m nicht überschreiten. Die Herstellervorschriften sind zu beachten.
(2) Bei mehrlagigen Abdichtungen unter Verwendung von kaltselbstklebenden Polymerbitumenbahnen mit Trägereinlage (KSP-Bahnen) als erste Lage der Abdichtung ist die Folgelage im Schweißverfahren, gemäß Kap. 4.8.4.2, aufzubringen. Bei senkrechten oder stark geneigten Flächen sind Zusatzmaßnahmen, z. B. Zuhilfenahme thermischer Aktivierung beim Aufbringen der kaltselbstklebenden Polymerbitumenbahn mit Trägereinlage vorzusehen. Die Herstellervorschriften sind zu beachten.
4.8.4.7 Kaltselbstklebeverfahren (KSK-Bahnen) (#ddbau10714)
Bei diesem Verfahren werden kaltselbstklebende Bitumendichtungsbahnen verwendet. Der Untergrund muss für eine Kaltverklebung geeignet oder dafür vorbereitet sein. Die Dichtungsbahn wird unter Abziehen eines Trennpapiers oder einer Trennfolie flächig verklebt und angedrückt. An den Überlappungen muss der Andruck mit einem Hartgummiroller erfolgen. Zur Vermeidung von Kapillaren sind am T-Stoß gesonderte Maßnahmen zu ergreifen (z. B. Schrägschnitt der unterdeckenden Bahn). Auf senkrechten oder stark geneigten Flächen sollte die Breite der Bahnen 1,10 m nicht überschreiten. Die Herstellervorschriften sind zu beachten.
4.8.5 Kunststoff- und Elastomerbahnen (#ddbau10715)
4.8.5.1 Allgemeines (#ddbau10716)
(1) Die Abdichtung kann je nach Bauweise auf dem Untergrund vollflächig verklebt oder lose verlegt werden. Siehe dazu Tabellen #ddbau02015, #ddbau02016, #ddbau02017, #ddbau02018, #ddbau02019, #ddbau02020 und #ddbau02024.
(2) Die Längs- und Quernähte sind mind. 4 cm überlappt auszuführen und durch geeignete Verfahren wasserdicht zu verbinden. Hierzu eignen sich in Abhängigkeit des verwendeten Abdichtungsstoffes Heißluftschweißen, Heizkeilschweißen, Quellschweißen oder geklebte Verbindungen.
4.8.5.2 Lose Verlegung (#ddbau10717)
(1) Die Abdichtungsschicht aus einer Lage Kunststoff- oder Elastomerbahn ist lose auf dem Untergrund zu verlegen. In Abhängigkeit des Untergrundes sind ggf. zusätzliche Schutzlagen vorzusehen. Je nach Anwendungsbereich sind hierfür Bahnen nach Tabelle #ddbau02009 geeignet. Eine Einpressung der Abdichtungsschicht ist nicht erforderlich.
(2) Als Montagehilfe können zur Lagesicherung bei der Verarbeitung z. B. Kaltklebestoffe, Befestigungsmittel oder temporäre Auflasten verwendet werden.
(3) Als Befestigungsmittel für Kunststoff- oder Elastomerbahnen eignen sich auf das jeweilige System abgestimmte Flachbänder oder Halteteller aus Metall, kunststoffbeschichtetem Metall oder aus Kunststoff, die mit Nieten, Schrauben oder Dübeln am Untergrund befestigt werden, sowie Profile zum Einbetonieren aus Kunststoff oder kunststoffbeschichtetem Metall (Verbundblech).
(4) Die gesamte, durch die lose verlegte Kunststoff- oder Elastomerbahn abgedichtete Fläche ist bei W2-E in Felder von höchstens 150 m2 durch ein Abschottsystem zu unterteilen. Dazu sind außen liegende, mindestens vierstegige Fugenbänder aus Materialien zu verwenden, die mit der Abdichtungsschicht zu verschweißen sind und bauseits in Fugen angeordnet werden. Für jedes dieser Abdichtungsfelder sind in dem abzudichtenden Bauwerksteil Kontroll- und Verpressröhrchen anzuordnen.
4.8.5.3 Selbstklebeverfahren (#ddbau10718)
Die Abdichtungsbahn mit Selbstklebeschicht wird nach dem Abziehen des Trennpapiers bzw. der Trennfolie flächig auf den Untergrund aufgeklebt und angedrückt.
4.8.5.4 Schweißverfahren (#ddbau10719)
Bei Verwendung einer Bahn mit rückseitiger Bitumenschweißmasse ist analog zum Schweißverfahren bei Bitumen- und Polymerbitumenbahnen die dem Untergrund zugewandte Seite der Kunststoff- oder Elastomerbahn zum Zwecke einer einwandfreien Verklebung ausreichend zu erhitzen. Die Masse muss dabei so weit aufgeschmolzen werden, dass beim Ausrollen der Bahn ein Bitumenwulst in ganzer Breite vorläuft.
4.8.5.5 Klebeverfahren mit Klebstoff (#ddbau10720)
Bei der Verklebung einer Bahn mit zugehörigem Klebstoff wird der Klebstoff nach Herstellerangabe auf den Untergrund und/oder die Bahnenrückseite aufgetragen. Die Bahn ist nach Herstellerangaben in den Klebstoff einzurollen und anzudrücken. Es ist sicherzustellen, dass die zu überlappenden Teile der Bahn frei von Klebstoff bleiben. Nähte und Stöße sind systemgerecht zu fügen.
4.8.5.6 Klebeverfahren mit Bitumenklebemasse (#ddbau10721)
(1) Bei der Verklebung einer Bahn mit Bitumenklebemasse ist eine bitumenverträgliche Kunststoff- oder Elastomerbahn zu verwenden. Die Bitumenklebemasse ist so weit zu erhitzen, dass sie verarbeitungsgerecht ist (Gießbarkeit/Streichbarkeit). Hierbei sind die jeweiligen Verarbeitungsvorgaben des Bahnenherstellers zu beachten.
(2) Es ist sicherzustellen, dass die zu überlappenden Teile der Bahn frei von der Bitumenklebemasse bleiben. Nähte und Stöße sind systemgerecht zu fügen.
4.8.5.7 Flämmverfahren mit Polymerbitumenbahnen (#ddbau10722)
Bei diesem Flämmverfahren besteht die Unterlage aus einer vollflächig verklebten Polymerbitumenbahn nach DIN/TS 20000-202. Zum Verkleben mit der Kunststoffbahn ist die Oberseite der Polymerbitumenbahn durch Wärmezufuhr aufzuschmelzen und die fest aufgerollte Kunststoffbahn darin einzurollen und gleichmäßig anzudrücken, so dass möglichst keine Hohlräume oder Blasen entstehen.