Bahnenförmige Abdichtungen und die herstellenden Unternehmen leisten einen realen und nachvollziehbaren Beitrag zur Nachhaltigkeit.
Die Mitgliedsunternehmen des vdd Industrieverband Dach- und Dichtungsbahnen e. V. sind sich bewusst, dass industrielle Produkte und Produktionsprozesse über den gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung und den Transport bis hin zur Nutzungsphase sowie der Entsorgung – mit messbaren Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft verbunden sind. Jeder dieser Schritte beeinflusst ökonomische, ökologische und soziale Systeme und führt zu Emissionen sowie Ressourcenverbräuchen.
Um diese Auswirkungen zu erfassen, hat der vdd eine umfassende Branchenanalyse anhand eines SDG-Mappings durchgeführt. Dieser Prozess basierte auf der international anerkannten Methodik des „SDG Compass“. In einem mehrstufigen Verfahren wurde recherchiert, bestehende Unterlagen (wie EPDs und Sicherheitsdatenblätter) analysiert, eine Webinar-Reihe zur nachhaltigen Entwicklung von Unternehmen durchgeführt und die Ergebnisse in Einzelgesprächen mit den Herstellern und dem vdd verifiziert.
Die nachfolgenden Informationen haben den Anspruch, Baubeteiligten herstellerübergreifende und transparente Informationen zu liefern. Es zeigt das Engagement und die Beiträge der Abdichtungsbranche in Deutschland für die von den Vereinten Nationen 2015 vereinbarten Sustainable Development Goals (kurz SDGs).
1. Was sind die Sustainable Development Goals und welche Bedeutung haben sie für die Abdichtungsbranche?
Die Sustainable Development Goals (SDGs) sind 17 globale Nachhaltigkeitsziele, die von den UN-Mitgliedstaaten als Teil der Agenda 2030 verabschiedet wurden. Sie bilden einen universellen Aktionsrahmen, um ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele zu vereinen und die größten globalen Herausforderungen zu bewältigen.
Die vdd-Mitgliedsunternehmen repräsentieren rund 95 % des deutschen Marktes. Die SDGs sind für sie ein wesentlicher Orientierungsrahmen für ihr Handeln. Ihre Abdichtungsprodukte bilden die unverzichtbare technische Grundlage für nachhaltige Baukonzepte wie Gründächer, Retentionsflächen oder Solardächer und ermöglichen so erst die Transformation vom reinen „Schutzdach“ zum multifunktionalen „Nutzdach“. Sie können damit einen nennenswerten Beitrag zur Erreichung der nationalen Klimaziele leisten.
Mehr dazu erfahren Sie im Anhang IV Hinweise zur Nachhaltigkeit und Ökologie von Flachdächern und Abdichtungsbahnen im „abc der Abdichtungsbahnen“.
2. Warum beschäftigen wir uns als Verband mit den SDGs?
Der vdd Industrieverband Dach- und Dichtungsbahnen e. V. nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung wahr, indem er den Transformationsprozess der Branche hin zur Klimaneutralität aktiv mitgestaltet. Ein zentraler Bezugspunkt ist die Agenda 2030 und die Erkenntnis, dass das Potenzial von Dachflächen in der Stadtentwicklung oft nicht genutzt oder unterschätzt wird.
Gemäß dem Leitsatz der UN „Dächer und Fassaden dürfen nicht ungenutzt bleiben“ (SDG 9) setzt sich der Verband dafür ein, Flachdächer als wertvolle Flächen für Energieerzeugung, Biodiversität, Wassermanagement und neuen Wohnraum durch Aufstockung zu nutzen. Die Branche bekennt sich ausdrücklich dazu, positive Beiträge konsequent zu steigern und negative Auswirkungen zu minimieren und zu vermeiden. Das Ziel des vdd ist es, fundiertes Wissen zu vermitteln und verständliche, herstellerübergreifende Informationen bereitzustellen, wie sie auch im „abc der Abdichtungsbahnen“ dargelegt sind. „Wir haben die (potenziellen) Auswirkungen der Produkte erkannt und stellen diese transparent dar.“, Adrian Dobrat, Vorsitzender vdd-Ausschuss-Umwelt.
3. Bewertung und Erläuterung der potenziellen Beiträge der Abdichtungsbranche zu den SDGs über den Lebenszyklus hinweg
Klicken Sie die einzelnen SDG-Icons an um zur detaillierten Betrachtung zu gelangen.
Sowohl das Bitumen als auch die Polymere für die Herstellung von Abdichtungsbahnen werden primär aus Erdöl gewonnen. Die Förderung und der Transport von Erdöl und Erdgas sowie die weitere Verarbeitung zu Bitumen und Polymeren sind heute noch klimaintensiv.
In der Phase der Rohstoffgewinnung bringen Abdichtungsbahnen somit noch einen negativen CO2-Beitrag mit sich, was sich nachteilig auf die Erreichung des SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz auswirkt. Neben den Treibhausgasemissionen sind mit der Förderung von Erdöl und Erdgas je nach Standort zudem weitere negative Umweltauswirkungen wie z. B. Methanemissionen oder Luftverschmutzung verbunden.
Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung
Die Branche hat bisher nur einen relativ geringen Einfluss auf die vorgelagerte Lieferkette. Eine stärkere Transparenz in der Lieferkette wird begrüßt. Unternehmen sollten die Herkunft und soziale bzw. menschenrechtliche Risikolage ihres eingesetzten Erdöls risikobasiert prüfen und bevorzugt mit Lieferanten zusammenarbeiten, die belastbare Sorgfaltsprozesse nachweisen und auf erkannte Risiken wirksam reagieren. Zur Sicherstellung menschenwürdiger Bedingungen unterstützen die Unternehmen die Einhaltung von Sozialstandards entlang der Kette und fördern die Implementierung von Risikomanagement-Systemen.
Ein zentraler Hebel zur langfristigen Reduktion fossiler Abhängigkeiten ist die Erforschung und Testung alternativer Rohstoffe. Hierzu zählen z. B. innovative Ansätze wie die Bitumenherstellung auf Basis von Cashewnuss-Schalen-Extrakt oder der Einsatz klimaneutraler und biobasierter Polymere.
Der Bedarf an Primärrohstoffen wird durch den verstärkten Einsatz von Rezyklaten und Produktionsresten konsequent gesenkt, was die ökologischen und sozialen Belastungen in der Gewinnungsphase minimiert.
Abdichtungsbahnen werden hauptsächlich zur Abdichtung von Bauwerken oder Flachdächern eingesetzt. Damit bieten sie eine technisch notwendige Funktion und schaffen erst die Voraussetzung für sichere, hygienische Bauwerke. Durch die Verarbeitung der Abdichtungsbahnen auf der Baustelle entsteht die Abdichtung, die die Grundvoraussetzung ist für zahlreiche positive Auswirkungen während der Nutzungsphase, insbesondere in Bezug auf die SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen, 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden und 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz. Diese positiven Beiträge werden unter Nutzungsphase detailliert erläutert. Im Vergleich zu anderen Dachbaustoffen weisen Bitumen- oder Kunststoffbahnen zudem oft eine höhere Ressourceneffizienz auf: Aufgrund ihrer geringen Materialstärken kann der Materialeinsatz bezogen auf die abgedichtete Fläche gering ausfallen, was einen potenziell ressourcenschonenden Einsatz ermöglicht. Gleichzeitig führen die niedrigen Bahnenquerschnitte zu einem geringen Transportvolumen, wodurch die daraus entstehenden Emissionen reduziert werden.
Branchenweite Zusammenarbeit
Der vdd bündelt seine Nachhaltigkeitsaktivitäten unter anderem in seinem Ausschuss Umwelt. Der Ausschuss untersucht potenzielle Lösungsansätze zum Klimaschutz und zur nachhaltigen Entwicklung. Der Austausch beinhaltet den Stand der Technik zu den Themen wie Materialverwertung und Recycling aber auch neue innovative Ansätze wie die Bitumenherstellung auf Basis von Cashewnuss-Schalen-Extrakt sowie die Produktion von klimaneutralen oder biobasierten Polymeren. Zudem unterstützt der Verband im Rahmen seiner Mitgliedschaft beim VCI (Verband der Chemischen Industrie e. V.) den Transformationsprozess hin zur Klimaneutralität.
Unternehmensstrategien und Klimabilanzierung
Die vdd-Mitgliedsunternehmen haben Nachhaltigkeit in ihren Unternehmensleitbildern verankert und leiten daraus spezifische Nachhaltigkeitsstrategien ab. Ein Großteil der Unternehmen führt Klimabilanzierungen (Corporate Carbon Footprint) durch, um individuelle „Hotspots“ der Klimawirkung zu identifizieren und gezielte Reduktionsmaßnahmen umzusetzen. Produkt- und unternehmensspezifische Informationen können direkt bei den Herstellern abgerufen werden.
Ressourcenschonung durch Recycling
Zur Verringerung des Primärrohstoffbedarfs werden bei der Fertigung vermehrt Rezyklate und Produktionsreste eingesetzt. Der aktuelle Stand der Technik ist in der DIN EN 18088 für das Recycling von Kunststoffbahnen sowie in einem laufenden CEN-Normungsprojekt für das Bitumenbahnenrecycling dokumentiert. Beide vorgenannten Normungsprojekte wurden maßgeblich durch die europäischen Herstellerverbände ein- und vorangebracht.
Für die Abdichtungsbranche weist die Phase der Rohstoffgewinnung potenziell negative Beiträge zu SDG 6 – Sauberes Wasser, SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit, SDG 14 – Leben unter Wasser und SDG 15 – Leben an Land auf. Diese Auswirkungen sind im Vergleich als nachrangig eingestuft, sie resultieren unmittelbar aus der Gewinnung und Verarbeitung des fossilen Rohstoffs Erdöl.
Beim Abbau von Erdöl und Erdgas kann es, abhängig von Standort und Fördermethode, zu verschiedenen Beeinträchtigungen der Ökosysteme kommen, etwa durch Wasserverschmutzung, die Freisetzung von Chemikalien und Öl infolge von Unfällen. Diese Faktoren wirken sich nachteilig auf SDG 6 – Sauberes Wasser und SDG 14 – Leben unter Wasser aus. Gleichzeitig führen die Erschließung von Förderstätten und begleitende Prozesse häufig zu Boden- und Landschaftszerstörungen sowie Lärmbelastungen, was die Zielerreichung von SDG 15 – Leben an Land beeinträchtigt.
Hinsichtlich SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit ist die Rohstoffgewinnung in der vorgelagerten Lieferkette oft mit gefährlichen Arbeitsbedingungen verbunden. Insbesondere in Ländern mit niedrigen Arbeitsschutzstandards bergen Tätigkeiten mit schweren Maschinen oder Arbeiten in großen Höhen signifikante Unfallrisiken für die dort Beschäftigten.
Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung
Die Maßnahmen sind unter SDG 13 beschrieben, hier klicken.
Die Herstellung von Bitumen- und Kunststoffbahnen ist potenziell klimaintensiv, da für die Produktionsprozesse erhebliche Mengen an Wärme- und Stromenergie benötigt werden. Ein wesentlicher Faktor für die Klimawirkung in dieser Phase ist die fossile Basis der Rohstoffe, die primär aus Erdöl gewonnen werden (s. Phase Rohstoffgewinnung). Aufgrund dieses Energiebedarfs und der Abhängigkeit von fossilen Ressourcen leistet die Herstellungsphase einen negativen Beitrag zur Erreichung des SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz.
Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung
Um die Emissionen so gering wie möglich zu halten, erfolgt die Produktion in deutschen und europäischen Werken bereits heute unter Einsatz fortschrittlicher Fertigungstechnologien und computergesteuerter Prozessführung, die eine kontinuierliche Optimierung des Energieverbrauchs ermöglichen.
Darüber hinaus haben die Mitgliedsunternehmen des vdd Nachhaltigkeit in ihren Unternehmensleitbildern verankert und setzen unter anderem auf Klimabilanzierungen, einen teilweise hohen Einsatz erneuerbarer Energien sowie die stetige Entwicklung nachhaltiger Materialien. Hersteller- und Produktionsstandorte nutzen zunehmend z. B. Solarparks, Windkraftanlagen und Energiespeicher sowie Gründächer um ihre Klimaauswirkungen zu minimieren.
Ergänzend werden Maßnahmen zur Ressourcenschonung und Emissionsminderung umgesetzt, etwa durch den verstärkten Einsatz von Rezyklaten und die Weiterentwicklung von Recyclingstandards.
Detaillierte Informationen können bei den Herstellern abgerufen werden.
Weitere und insbesondere auf die vorgelagerte Wertschöpfung bezogene Maßnahmen sind im Abschnitt „Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung“ in der Phase der Rohstoffgewinnung dargestellt.
Abdichtungsbahnen erfüllen eine unverzichtbare technische Funktion, indem sie die Voraussetzung für trockene und hygienische Bauwerke schaffen und damit das Grundbedürfnis des Menschen nach einem Dach über dem Kopf erfüllen. Darüber hinaus tragen sie zur dauerhaften Erhaltung der Bausubstanz bei. Aufgrund ihrer geringen Materialstärken kann der Materialeinsatz bezogen auf die abgedichtete Fläche gering ausfallen, was einen potenziell ressourcenschonenden Einsatz ermöglicht. Gleichzeitig führen die niedrigen Bahnenquerschnitte zu einem geringen Transportvolumen, wodurch die daraus entstehenden Emissionen reduziert werden. Da die Produktionsstätten über ganz Deutschland verteilt sind und die Herstellung primär in Deutschland und Europa erfolgt, werden ebenfalls geringere Transportwege sichergestellt.
Alle Mitgliedsunternehmen des vdd haben Nachhaltigkeit in ihren Unternehmensleitbildern verankert. Zwei Unternehmen veröffentlichen eigenständige Nachhaltigkeitsberichte und viele Hersteller haben spezifische Nachhaltigkeitsdatenblätter für ihre Produkte. Ein zentraler positiver Beitrag dieser Phase ist die Bereitstellung von Umweltproduktdeklarationen (Environmental Product Declarations, EPDs), die von allen Herstellern für ihre Produkte oder Produktgruppen angeboten werden. Die Art und der Umfang der konkret bereitgestellten Umweltinformationen können bei den Herstellern abgerufen werden. EPDs stellen geprüfte und vergleichbare Umweltinformationen bereit und sind ein wesentliches Instrument, um Planer und Bauherren bei fundierten, nachhaltigkeitsbezogenen Entscheidungen zu unterstützen. Dadurch wird eine datenbasierte Bewertung ermöglicht, die zur nachhaltigen Gestaltung von Produkten und Gebäuden entlang ihres gesamten Lebenszyklus beiträgt.
Darüber hinaus leisten einige Verbandsmitglieder in der Herstellungsphase einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft, indem sie den während der Produktion anfallenden Materialausschuss gezielt verwerten. Abhängig vom Material erfolgt eine stoffliche Verwertung – beispielsweise durch die Zuführung von Randschnittresten bei der Produktion von Kunststoffbahnen oder von Bitumenresten zur Asphaltindustrie. Durch thermische Verwertung kann eine Rückgewinnung der enthaltenen Energie erfolgen. Auf diese Weise werden Primärressourcen geschont und Abfallmengen reduziert.
Die Abdichtungsbranche leistet einen positiven Beitrag zur hochwertigen Bildung, indem sie aktiv den Wissenstransfer und die Qualifizierung von Fachkräften entlang der gesamten Wertschöpfungskette fördert. Ein Großteil der vdd-Mitgliedsunternehmen sichert durch gezielte Aus- und Weiterbildungsprogramme für Architekten, Planer, Dachdecker und Verarbeiter in eigenen Akademien ein hohes fachliches Niveau. Zudem bilden alle Mitgliedsbetriebe Mitarbeiter in verschiedenen Berufen aus und weiter.
Dieses Engagement wird durch enge Kooperationen mit dem Handwerk ergänzt, unter anderem z. B. durch die Bereitstellung von Schulungsmaterialien für zentrale Institutionen wie das Bundesbildungszentrum des deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen und bei der Nachwuchsgewinnung im Rahmen der „Aktion Dach“, in der Industrie, Handel und Handwerk gemeinsam daran arbeiten, junge Menschen für das Dachdeckerhandwerk zu begeistern.
Zudem stellt der vdd mit dem „abc der Abdichtungsbahnen“ ein umfassendes technisches Regelwerk kostenfrei zur Verfügung. Als herstellerunabhängige Wissensquelle dient dieses Werk seit Jahrzehnten als zentrales Standardwerk für die fachgerechte Planung und Verarbeitung und unterstützt die Ausbildung von Studierenden sowie Fachkräften in der Baupraxis.
Die Abdichtungsbranche leistet in der Herstellungsphase einen positiven Beitrag zu menschenwürdiger Arbeit und Wirtschaftswachstum, da alle Mitgliedsunternehmen des vdd ihren Sitz in Europa haben – der Großteil davon in Deutschland. Durch diesen Standortschwerpunkt werden die strengen europäischen bzw. deutschen Arbeits- und Sozialstandards konsequent erfüllt oder durch selbst auferlegte, weiterführende Richtlinien sogar übertroffen.
Ein zentraler Faktor für faire Arbeitsbedingungen ist die Vergütung: Die meisten Unternehmen des Verbandes sind tarifgebunden und gewährleisten durch die Zahlung nach Tarifvertrag eine gerechte sowie einheitliche Bezahlung ihrer Mitarbeitenden. Diese verlässlichen Rahmenbedingungen und die strategische Verankerung von Nachhaltigkeitszielen in den Unternehmensleitbildern fördern ein stabiles Wirtschaftswachstum und stärken auch die Attraktivität der Branche für qualifizierte Fachkräfte. Weitere Informationen zu den spezifischen Standards der einzelnen vdd-Mitgliedsunternehmen können direkt bei den Herstellern abgerufen werden.
Ein wesentlicher Beitrag zu diesem Nachhaltigkeitsziel ergibt sich aus der hohen Standardisierung der industriellen Fertigungsprozesse. Alle vdd-Mitgliedsunternehmen verfügen über ein Qualitätsmanagementsystem nach DIN EN ISO 9001; teilweise sind darüber hinaus Umwelt- und/oder Energiemanagementsysteme implementiert. Diese Systeme gewährleisten eine verlässliche Basis für prozesssichere und ressourceneffiziente Produktionsabläufe, wobei detaillierte Informationen zu den spezifischen Zertifizierungen und Maßnahmen direkt bei den Herstellern eingesehen werden können.
Zudem leisten die Produkte einen direkten Beitrag zur Infrastruktur, indem sie durch ihre technischen Eigenschaften und ihrem geringen Eigengewicht energetisch optimierte Aufstockungen von Bestandsgebäuden ermöglichen. Solche Maßnahmen wirken dem Wohnraummangel entgegen, ohne neue Flächen zu versiegeln, und unterstreichen den innovativen Charakter moderner Abdichtungssysteme für eine nachhaltige Stadtentwicklung.
Durch die Mitgliedschaft im vdd profitieren die Unternehmen von einem kontinuierlichen Wissensaustausch im Ausschuss Umwelt, in dem Experten gemeinschaftlich an der Steigerung der Nachhaltigkeit von Abdichtungssystemen sowie an Strategien zur Abfallvermeidung arbeiten. Als Fachverband des VCI (Verband der Chemischen Industrie e. V., vci.de) teilt der vdd dessen Nachhaltigkeitsleitbild und unterstützt seine Mitglieder durch gezielte Informationen und Workshops bei ihrer Nachhaltigkeitsentwicklung.
Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt zudem in der aktiven Unterstützung der Normungsarbeit von DIN und CEN. Hier bringen der Verband und seine Mitgliedsunternehmen ihre Expertise ein, um die Entwicklung europäischer Umweltnormen, etwa für Produktkategorieregeln (PCR) oder das „Design for Recycling“, maßgeblich voranzutreiben (#ddbau10676).
Hochwertige Flachdächer zu bauen und diese langfristig nachhaltig zu nutzen ist ein zentrales Ziel, an dem die Branche eng mit Partnerverbänden wie beispielsweise:
- Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH),
- Industrieverband Polyurethan-Hartschaum e. V. (IVPU),
- Bundesverband Gebäudegrün e. V. (BuGG),
- Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) und der
- Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) zusammenarbeitet.
Diese Kooperationen fokussieren sich auf die technische Sicherheit und die ökologische Aufwertung von Dachflächen, etwa im Bereich der Dachbegrünung oder der Solartechnik.
Auf europäischer Ebene erfolgt eine enge Vernetzung über Organisationen wie WE (Waterproofing Europe, ehemals EWA und ESWA), um den Austausch zu Themen wie Dauerhaftigkeit und Kreislaufwirtschaft international zu harmonisieren.
Über das Verbandsengagement hinaus arbeiten die Hersteller in individuellen Netzwerken und Kooperationen mit wissenschaftlichen Institutionen oder anderen Fachverbänden zusammen, wobei detaillierte Informationen hierzu direkt bei den Herstellern abgerufen werden können.
In der Nutzungsphase von Abdichtungssystemen sind zwei Bereiche zu unterscheiden:
- Die Phase der Installation durch das Fachhandwerk sowie
- der Zeitraum nach der Fertigstellung des Dachs.
In beiden Phasen können potenziell negative Einflüsse auf die Gesundheit und die Umwelt auftreten.
Einbau und Installation auf der Baustelle
Während der Verarbeitung und Nahtfügung von Kunststoff- und Elastomerbahnen sowie beim Verschweißen von Bitumenbahnen können potenziell schädliche Gase, Dämpfe und Aerosole freigesetzt werden.
Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung
Produktsicherheit und Emissionskontrolle
Moderne Bitumen- und Kunststoffabdichtungsbahnen gelten bei fachgerechter Verarbeitung als gesundheitlich unbedenklich. Messungen zeigen, dass bei der Verarbeitung von Polymerbitumen- und Bitumenbahnen die relevanten Luftkonzentrationen deutlich unter den geltenden Arbeitsplatzgrenzwerten liegen (#ddbau01913). Diese Emissionen und ihre Auswirkungen auf die verarbeitenden Fachkräfte wurden in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich untersucht.
Arbeitsschutz und sichere Verarbeitung
Im Bereich des Arbeitsschutzes werden Belastungen für Verarbeiter durch technische und organisatorische Maßnahmen reduziert. Dazu zählen unter anderem die Verarbeitung im Freien, der Einsatz geeigneter persönlicher Schutzausrüstung.
Bei Kunststoff- und Elastomerbahnen erfolgt die Nahtfügung in der Regel mittels Heißluft, wobei unter üblichen Bedingungen keine besonderen zusätzlichen Schutzmaßnahmen erforderlich sind (#ddbau01914).
Nach Fertigstellung des Daches
Sowohl Bitumen- als auch Kunststoffbahnen können Stoffe enthalten, die im Laufe der Zeit durch Witterungseinflüsse ausgewaschen oder ausgelaugt werden können. Hierzu gehören z. B. funktionale Additive. Diese bringen auch einen potenziell negativen Beitrag zu den SDGs 6, 14, 15 mit sich.
Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung
Zur Minimierung potenzieller gesundheitlicher Auswirkungen in der Nutzungs- und Verarbeitungsphase setzt die Branche auf umfassende Maßnahmen in den Bereichen Produktsicherheit, Arbeitsschutz und kontinuierliche Weiterentwicklung der eingesetzten Materialien.
Transparenz zu Inhaltsstoffen und regulatorische Konformität
Die Hersteller stellen transparente Produkt- und Sicherheitsinformationen bereit und stellen sicher, dass Abdichtungsbahnen keine besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC), keine Stoffe der REACH-Kandidatenliste sowie keine als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend (CMR) eingestuften Substanzen enthalten. Inhaltsstoffe und Rezepturen werden fortlaufend überprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst oder ersetzt.
Substitution problematischer Stoffe und Innovationsmanagement
Darüber hinaus verfolgt die Branche seit Jahrzehnten einen innovationsgetriebenen Ansatz zur Substitution potenziell problematischer Stoffe. Bereits seit 1979 ist das in Bitumenbahnen eingesetzte Bitumen frei von Teer und Teerprodukten (#ddbau10654). Seit 2020 verzichtet die Branche auf den Einsatz von Oxidbitumen.
In Kunststoffbahnen wurden Schwermetallstabilisatoren wie Blei und Cadmium bereits in den 1980er-Jahren ersetzt; heute kommen überwiegend hochmolekulare Weichmacher zum Einsatz, die von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) nicht als bedenklich eingestuft sind.
Minimierung von Auswaschungen und präventive Tests
Zur weiteren Risikominimierung arbeitet die Branche zudem an der Reduzierung möglicher Auswaschungen, etwa durch die verbesserte chemische Einbindung von Wirkstoffen in die Bahnenmatrix. Ergänzend werden freiwillige Auslaugungs- und Emissionstests durchgeführt, die über gesetzliche Anforderungen hinausgehen.
Erst die fachgerechte Abdichtung schafft durch ihr jeweiliges Funktionsprofil die notwendige technische Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung des Bauteils Dach. Eine hohe Produktqualität und eine damit verbundene lange Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten sind dabei zentrale Faktoren, da sie den Ressourcenverbrauch minimieren und die ökologische Bilanz des gesamten Gebäudes verbessern. Zur Erzielung dieser maximalen Nachhaltigkeitsperformance ist eine regelmäßige Wartung und Instandhaltung während der Nutzungszeit unabdingbar.
Nicht genutzte Dächer
Bereits bei einem nicht genutzten Dach bietet die Abdichtung die grundlegende Voraussetzung für trockene und hygienische Bauwerke, was einen direkten positiven Beitrag zum Gesundheitsschutz (SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen) leistet. Durch die gezielte Auswahl technischer Innovationen lässt sich dieser Beitrag steigern, wie z. B. durch helle Kunststoffbahnen mit hohem Reflexionsindex, die der Entstehung städtischer Hitzeinseln entgegenwirken und so das Mikroklima entlasten (SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden; SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz).
Genutzte Dächer (Nutzdach-Konzept)
Maßgebliche positive Beiträge zu den Nachhaltigkeitszielen werden vor allem durch genutzte Dächer erzielt, weshalb die Branche das Ziel verfolgt, dass kein Flachdach ungenutzt bleiben sollte.
- Gesellschaftlicher Mehrwert (SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen; SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden):
Flachdächer schaffen zusätzliche, multifunktionale Flächen für Gemeinschafts-, Freizeit- und Erholungszwecke, etwa in Form von Dachterrassen, Sport- und Bewegungsflächen oder Urban-Gardening-Angeboten. Dadurch wird die Lebensqualität in dicht besiedelten urbanen Räumen gesteigert. Darüber hinaus ermöglichen Flachdächer effiziente Aufstockungen von Bestandsgebäuden, wodurch dringend benötigter Wohnraum geschaffen werden kann, ohne zusätzliche Flächen zu versiegeln. - Klimaschutz und Ökologie (SDG 11 – Nachhaltige Städte und Gemeinden; SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz):
Begrünte Dächer und Retentionsdächer leisten einen wesentlichen Beitrag zur Klimaanpassung und zur ökologischen Aufwertung von Städten. Durch Verdunstungseffekte tragen sie zur Kühlung des Mikroklimas bei und wirken der Ausbildung städtischer Hitzeinseln entgegen. Gleichzeitig verbessert die Vegetation die Luftqualität, indem sie CO₂ bindet und Feinstaub filtert. Als Bestandteil des „Schwammstadt“-Konzepts übernehmen Retentionsdächer zudem eine wichtige Funktion in der Regenwasserbewirtschaftung, indem sie Niederschläge speichern, zeitverzögert ableiten und so die Kanalisation bei Starkregenereignissen entlasten. - Energieeffizienz und erneuerbare Energien (SDG 13 – Maßnahmen zum Klimaschutz):
Flachdächer bieten optimale Voraussetzungen für die Installation von Photovoltaikanlagen zur Erzeugung erneuerbarer Energie. Dadurch kann der CO₂-Ausstoß von Gebäuden reduziert und die Eigenversorgung mit Strom gestärkt werden. Ergänzend tragen Dachaufbauten und Begrünungen durch ihre temperaturausgleichende Wirkung zur Reduzierung des Energiebedarfs für Heizung und Kühlung bei.
In der Nutzungsphase können negative Auswirkungen auf die Ökosysteme zu Lande und im Wasser sowie auf die Wasserqualität auftreten, siehe auch SDG 3 – Gesundheit und Wohlergehen nach Fertigstellung des Daches.
Sowohl Bitumen- als auch Kunststoffbahnen können Stoffe enthalten, die im Laufe der Zeit durch Witterungseinflüsse ausgewaschen oder ausgelaugt werden können. Hierzu gehören z. B. funktionale Additive.
Aufgrund dieser Substanzen besteht das Risiko, dass sie durch Auswaschung oder Auslaugung (Leaching) über das Niederschlagswasser in den Boden und in Gewässer gelangen. Dies kann die Wasserqualität beeinträchtigen (SDG 6 – Sauberes Wasser) und toxische Wirkungen auf Organismen in aquatischen (SDG 14 – Leben unter Wasser) sowie terrestrischen (SDG 15 – Leben an Land) Lebensräumen haben. Über das Auswaschverhalten vieler Additive liegen bislang nur vereinzelte Forschungsergebnisse vor, was eine abschließende Risikobeurteilung erschwert.
Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung
Grundsätzliche Wasserunbedenklichkeit
Bitumen enthält keine wasserlöslichen oder wasserbelastenden Stoffe und ist daher, wie auch die verwendeten Polymere und Kunststoffe, von der Kommission zur Bewertung wassergefährdender Stoffe als nicht wassergefährdend eingestuft (UBA-Kenn-Nummern 326 für Bitumen und 766 für Kunststoffe) (#ddbau01910).
Eine ausführliche Liste zum Thema Wassergefährdung und Wassergefährdungsklassen ist auf der Internetseite des Umweltbundesamtes unter www.umweltbundesamt.de hinterlegt.
Strenge Nachweise für Wurzelschutzmittel
Bei Abdichtungen mit Bitumenbahnen unter Begrünung können chemische Wurzelschutzmittel (Biozide oder Herbizide) wie MCPP oder MCPA zum Einsatz kommen, die bei einer Auswaschung toxisch auf Organismen wirken können. Diese Stoffe können über das Niederschlagswasser in die natürliche Umwelt gelangen und dort aufgrund ihrer Toxizität, Persistenz oder Umweltmobilität auch SDG 6 – Sauberes Wasser, SDG 14 – Leben unter Wasser und SDG 15 – Leben an Land beeinträchtigen.
In der MVV TB werden im Abschnitt A 3.2.3 sowie im Anhang 10 Anforderungen an Abdichtungsstoffe hinsichtlich einer Belastung von Boden und Gewässern bezüglich Stoffen gestellt, die das Wurzelwachstum hemmen oder verhindern. Für Abdichtungsbahnen gilt dabei: Polymerbitumenbahnen, die mit Wurzelschutzmitteln ausgerüstet sind, müssen den Nachweis der Unbedenklichkeit des Auswaschverhaltens im Falle der Versickerung des Dachablaufwassers erbringen. Alle im Gutachten des DIBt Nr. G-101-18-0008[5] genannten Bahnen erfüllen diese Anforderungen ohne weiteren Nachweis. (#ddbau01911).
Kunststoff- und Elastomerbahnen benötigen in der Regel keine chemischen Wurzelschutzmittel, da sie bereits aufgrund ihrer Materialeigenschaften einen ausreichenden mechanischen Schutz gegen Durchwurzelung bieten (#ddbau01911).
Optimierung der Verbundenheit der Wurzelschutzmittel in den Produkten
Die Hersteller von Bitumenbahnen arbeiten daran, die Menge an Wurzelschutzmitteln in den Produkten zu reduzieren und das Auswaschverhalten zu optimieren. Auch Produkte, die ohne zusätzliche Wurzelschutzmittel auskommen, sind bereits im Markt verfügbar und werden zunehmend eingesetzt.
Bedarfsgerechte Produktwahl
Um unnötige Umweltbelastungen zu vermeiden, setzt die Branche auf eine gezielte Produktwahl: Bei Dächern, die nicht begrünt werden, kommen Produkte zum Einsatz, die keinen (hier nicht erforderlichen) Wurzelschutz enthalten.
Die Hersteller unterstützen diesen nachhaltigen Ansatz durch ein breites Produktspektrum, das für jede spezifische Dacharchitektur und Nutzungsart die technisch sowie ökologisch optimale Lösung bereithält. Die Hersteller beraten Planer und Verarbeiter bereits in der Entwurfsphase dabei, die auf den vereinbarten Anforderungskatalog passenden Abdichtungssysteme auszuwählen. Dabei können z. B. der Materialeinsatz optimiert, Ressourcen geschont und potenzielle Umweltrisiken von vornherein minimiert werden. Detaillierte Informationen zu den jeweiligen Systemlösungen sowie den direkten Kontakt zu den technischen Fachberatungen sind bei den Herstellern abrufbar.
Transparenz und Forschung
Die Hersteller fördern Transparenz und wissenschaftliche Fundierung über gesetzliche Anforderungen hinaus. Dazu zählen insbesondere freiwillige Auslaugungstests zur Bewertung potenzieller Umweltwirkungen sowie die Bereitstellung detaillierter Informationen zu Inhaltsstoffen in Sicherheitsdatenblättern gemäß REACH.
Ergänzend stellen alle Hersteller für ihre Produkte oder Produktgruppen unabhängig verifizierte Umweltproduktdeklarationen (EPDs) zur Verfügung. Diese liefern geprüfte und vergleichbare Informationen zum gesamten Lebenszyklus sowie zu relevanten Umweltindikatoren (z. B. Treibhauspotenzial) und dienen als verlässliche Datengrundlage für die Gebäudezertifizierung. Weitere produktspezifische Informationen und zusätzliche Umweltkennzeichnungen (wie z. B. Cradle-to-Cradle) können direkt über die Hersteller abgerufen werden.
Dichtungsbahnen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Energiewende, indem sie die Nutzung erneuerbarer Energien auf Gebäudeebene ermöglichen. Da diese Materialien überwiegend auf Flachdächern zum Einsatz kommen, bieten sie die ideale technische Voraussetzung für eine einfache Installation von Photovoltaik-Anlagen. Damit fördert die Branche aktiv den Ausbau sauberer Energiequellen und unterstützt die Reduzierung des CO2-Ausstoßes von Bauwerken.
Detaillierte fachliche Informationen zur sicheren Kombination von Abdichtung und PV-Technik finden Sie im Merkblatt Solar in unserer Mediathek.
Dachbegrünungen fördern die urbane Biodiversität, indem sie neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel schaffen und so die negativen Folgen der Flächenversiegelung reduzieren oder ausgleichen. Sie verbessern das Mikroklima durch natürliche Verdunstungseffekte und Temperaturausgleich, was die Entstehung städtischer Hitzeinseln effektiv reduziert. Zudem tragen diese Systeme zur Luftreinhaltung bei, indem die Vegetation Feinstaub bindet und CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt.
In der End-of-Life-Phase ergeben sich erhebliche Herausforderungen für eine effektive Kreislaufwirtschaft, da das tatsächliche Recycling von Bitumen- und Kunststoffbahnen derzeit noch wenig umgesetzt wird. Dieser Prozess wird maßgeblich durch wirtschaftliche und regulatorische Faktoren bestimmt. Zudem variiert das Recyclingpotenzial stark zwischen den verschiedenen Produkten, da Faktoren wie die spezifische Zusammensetzung aus Additiven, Trägereinlagen, Beschichtungen oder mineralischer Bestreuung die technische Machbarkeit beeinflussen.
Ein zentrales Hindernis ist die Schwierigkeit eines sortenreinen Rückbaus. Abhängig von der ursprünglichen Verlegeart (z. B. Verklebung), Witterungseinflüssen sowie späteren Nachbesserungen oder Ergänzungen durch andere Materialien ist eine saubere Trennung der Komponenten oft schwierig. Diese Problematik verschärft sich, wenn die verwendeten Produkte über die Jahrzehnte nicht lückenlos dokumentiert oder kartiert wurden. Bei der Abdichtung von Erdbauwerken wird aufgrund der extrem langen Lebensdauer und der unvermeidbaren Fremdkontamination durch das umgebende Erdreich in der Regel bisher kein Recycling angestrebt.
Bei Altdächern können aufgrund der langen Liegedauer von mehreren Jahrzehnten Kontaminationen durch Umwelteinflüsse auftreten. Gleichzeitig besteht eine grundlegende Unsicherheit hinsichtlich künftiger gesetzlicher Anforderungen: Stoffe, die zum Zeitpunkt des Einbaus dem damaligen Stand der Technik entsprachen, können durch spätere Regulierungen oder Verbote die Verwertung erheblich erschweren oder unmöglich machen. Beispiele aus der Vergangenheit – etwa Asbest oder teerhaltige Materialien – verdeutlichen, dass ehemals technisch etablierte Baustoffe heute als gefährlicher Abfall gelten und nur unter strengen Vorgaben rückgebaut und entsorgt werden dürfen.
Maßnahmen der Branche zur Reduktion und Gegensteuerung
Das technische Recycling von Abdichtungsbahnen ist bereits heute möglich. Besonders lose verlegte oder mechanisch befestigte Dachaufbauten eignen sich für einen sortenreinen Rückbau; bei verklebten Systemen können Anhaftungen durch eine entsprechende Aufbereitung entfernt werden.
Einzelne Hersteller von Kunststoffbahnen nehmen auf Projektbasis ihr Bahnenmaterial zurück. Die Hersteller können Rezyklat aus ihren Altbahnen bei der Produktion neuer Bahnen einsetzen. Dies ist zurzeit flächendeckend noch nicht wirtschaftlich.
Unter dem Management des europäischen Verbands der Kunststoffabdichtungsbahnen (ESWA) wurde ROOFCOLLECT, das Sammel- und Recyclingsystem für Kunststoffdachbahnen, betrieben (#ddbau10667).
Recycler und ein Markt für Recyclingprodukte sind zurzeit nur auf Projekt-/Versuchsebene operativ. Neue mögliche Recycling-Partner-Unternehmen werden permanent gesucht und seit einigen Jahren werden Versuche bei entsprechenden Betrieben durchführen.
Polymerbitumen- und Bitumenbahnen werden nach der Aufbereitung vorrangig im Straßen- und Asphaltbau wiedereingesetzt.
Ergänzend dazu ist für alle Abdichtungsbahnen die thermische Verwertung üblich, bei der die in den Produkten enthaltene Energie in Verbrennungsanlagen zurückgewonnen wird (#ddbau10668).
Die Unternehmen des vdd verfolgen das Ziel, langfristig vollständig kreislauffähig zu werden, um Vorteile wie Ressourcensicherheit, Kostenersparnisse und die Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase zu realisieren. Im Zuge der Brancheninitiative „Circular Plastic Alliance“ und dem Prinzip „Design for Recycling“ wurde bereits die DIN EN 18088 für Kunststoffbahnen erarbeitet. Ein vergleichbares Normungsprojekt für Bitumenbahnen ist bereits initiiert. Bisher stehen neben regulatorischen Hemmnissen vor allem auch wirtschaftliche Gründe und Zweifel der Kunden gegenüber der Qualität von Produkten mit Rezyklatanteil dem Recycling entgegen.
