Anhang III Entwässerung und Notentwässerung

III.9 Bemessung von Dachabläufen und Notentwässerungen (#ddbau10630)

III.9.1 Regenwasserabfluss (#ddbau10631)

Der Regenwasserabfluss von einer Niederschlagsfläche ist mit folgender Gleichung zu ermitteln:
Q = r(5,5) · C · A / 10000

Hierin gilt:

Berechnungsregen r(5,5)
Für die Ermittlung der Berechnungsregenspenden sind die Werte nach KOSTRA-DWD 2020 zu verwenden.

Dabei ist:
    
r(5,5) = die Berechnungsregenspende, in Liter je Sekunde und Hektar, (l/(s · ha)),
C = der Abflussbeiwert
A = die wirksame Niederschlagsfläche, in Quadratmeter, (m²)
Q = der Regenwasserabfluss, in Liter je Sekunde, (l/s).

Für ausgewählte Orte in Deutschland sind in DIN 1986-100 Tabelle A.1 beispielhaft Regenspenden angegeben, die sich nach definierter Vorgehensweise aus KOSTRA-DWD* 2020 ergeben.

*KOSTRA-DWD – KOordinierte STarkniederschlags-Regionalisierungs-Auswertungen des Deutschen Wetterdienstes.

Abflussbeiwert C (nach DIN 1986-100:2016-12 Tabelle 9) © vdd
Tabelle: Abflussbeiwert C (nach DIN 1986-100:2016-12 Tabelle 9) © vdd #ddbau01880

Abflusswirksame Flächen A
Bei der Bemessung ist als wirksame Dachfläche die im Grundriss projizierte Dachfläche zu verwenden.
Bei der Planung ist zu prüfen, ob Wind getriebener Regen auf Fassaden Einfluss auf den Regenwasserabfluss in die Entwässerungsanlage hat. Muss Windeinwirkung berücksichtigt werden, ist 50 % der Wandfläche zur wirksamen Dachfläche zu addieren.


III.9.2 Anzahl der Dachabläufe (#ddbau10632)

Die Vorgehensweise für die Ermittlung der Anzahl der Dachabläufe gilt sinngemäß auch für Attikaabläufe, Rinnenabläufe und Notabläufe bzw. -überläufe.

Bei der Entwässerung von Dachflächen sind folgende Kriterien zu berücksichtigen:

  • jeder durch die Dachkonstruktion vorgegebene Tiefpunkt muss mindestens einen Dachablauf erhalten;
  • es muss geprüft werden, ob weitere Tiefpunkte bedingt durch die Dachkonstruktion entstehen (z. B. durch große Binderabstände bei Trapezprofildächern, vorgefertigte Dämmkonstruktion, Durchbiegung der Dachfläche);
  • konstruktionsbedingte Aufteilung der Dachflächen (z. B. durch Lichtöffnungen, Gebäudewände, Aufbauten);
  • wenn sich die Dachabläufe in einem linearen Tiefpunkt ohne nennenswerte Höhendifferenzen befinden, sollte der maximale Abstand der Dachabläufe 20 m nicht überschreiten. In nicht geradlinigen Tiefpunkten mit Höhenunterschieden sind entsprechend kürzere Abstände zu wählen, um die Ansammlung von Niederschlagswasser zu vermeiden.

Die Anzahl der erforderlichen Dachabläufe ist unter Verwendung der nachfolgenden Gleichung zu ermitteln.

Das jeweilige Abflussvermögen, QDA, in Abhängigkeit von der Druckhöhe muss vom Hersteller des Dachablaufes durch eine Prüfung nach DIN EN 1253-2 nachgewiesen werden. Die Mindestwerte sind in DIN 1986-100:2016-12, Tabelle 9 (siehe Tabelle #ddbau01880) angegeben.

nDA = Q / QDA

Dabei ist:

  • nDA = die Mindestanzahl der Dach- bzw. Rinnenabläufe, auf volle Stückzahl aufgerundet
  • Q = der Regenwasserabfluss von einer Dachfläche bzw. von einer Teilfläche, in Liter je Sekunde, (l/s)
  • QDA = das Abflussvermögen des gewählten Dachablaufs in Abhängigkeit von der Stauhöhe (Druckhöhe) am Dachablauf, in Liter je Sekunde, (l/s)
Erforderliche Druckhöhe am Dachablauf zur Erreichung des Mindestabflusses nach DIN EN 1253-2 (aus DIN 1986-100:2016-12) © vdd
Tabelle: Erforderliche Druckhöhe am Dachablauf zur Erreichung des Mindestabflusses nach DIN EN 1253-2 (aus DIN 1986-100:2016-12) © vdd #ddbau01883

III.9.3 Regenwasserabfluss über Notentwässerung (#ddbau10633)

Entwässerungs- und Notentwässerungssystem müssen gemeinsam mindestens das am Gebäudestandort über 5 min zu erwartende Jahrhundertregenereignis (r(5,100)) entwässern können. Das Mindestabflussvermögen der Notentwässerung wird nach folgender Gleichung berechnet.

QNot = (r(5/100) – r(5,5) · C) · A / 10000

Dabei ist:

  • QNot = das Mindestabflussvermögen der Notentwässerung, in Liter je Sekunde, (l/s);
  • r(5/100) = die 5-Minuten-Regenspende, in Liter je Sekunde und Hektar, (l/(s · ha)), die einmal in 100 Jahren erwartet werden muss,
  • r(5,5) = die Berechnungsregenspende, in Liter je Sekunde und Hektar, (l/(s · ha))
  • C = der Abflussbeiwert. Die Berücksichtigung des Abflussbeiwertes, C, ist nur bei der Ermittlung des Abflusses aus dem Berechnungsregen r(5,5) für die Dachfläche zulässig;
  • A = die wirksame Niederschlagsfläche, in Quadratmeter, (m²).

Ist ein außergewöhnliches Maß an Schutz für ein Gebäude notwendig, sollte die Notentwässerungseinrichtung allein den Jahrhundertregen r(5,100) entwässern können. Die Unterkante der Notentwässerung muss oberhalb der erforderlichen Abdichtung für den gewählten Dachablauf liegen.

Die Addition der Druckhöhen am Dachablauf und an der Notentwässerung ergibt die maximal zu erwartende Überflutungshöhe auf dem Dach. Die Überflutungshöhe muss mit dem Tragwerksplaner abgestimmt werden. Die aus der Überflutungshöhe resultierende Flächenlast über dem Entwässerungstiefpunkt (Dachablauf) darf den statisch zugelassenen Wert für die Dachkonstruktion nicht überschreiten. Kann dieses Ziel nicht erreicht werden, muss die Dachkonstruktion mindestens im Bereich der Gefälletiefpunkte verstärkt werden.