2 Grundlagen zu Abdichtungsbahnen
2.3 Kunststoff- und Elastomerbahnen (#ddbau10375)
2.3.1 Allgemeines (#ddbau10376)
Kunststoff- und Elastomerbahnen bestehen aus Werkstoffen, die für sie namensgebend und eigenschaftsbestimmend sind. Die Bahnen können Verstärkungen, Einlagen, Kaschierungen, Selbstklebe- oder Polymerbitumenschichten sowie Kombinationen davon enthalten. Kunststoff- und Elastomerbahnen sind für die einlagige Abdichtung von Dächern und Bauwerken vorgesehen. Die Eigenschaften von Abdichtungsbahnen für die Dach- und Bauwerksabdichtung sind in den harmonisierten europäischen Normen geregelt, z. B. DIN EN 13956 und DIN EN 13967.
2.3.2 Bahnenarten (#ddbau10377)
Kunststoff- und Elastomerbahnen können aus Werkstoffen auf Basis von Thermoplasten, thermoplastischen Elastomeren oder Elastomeren hergestellt sein.
Die Bahnen können in verschiedenen Herstellverfahren z. B. extrudiert oder kalandriert gefertigt werden. Das Fertigungsverfahren hat auf die Funktion und maßgeblichen Eigenschaften der Kunststoff- und Elastomerbahnen keinen Einfluss.
Die jeweiligen Werkstoffe sind der namensgebende Bestandteil der Abdichtungsbahnen und bestimmen die grundlegenden Eigenschaften der Bahnen.
ECB
ECB-Abdichtungsbahnen verbinden die Eigenschaften von Bitumen mit denen des Polyethylen-Copolymerisats (eines Kunststoffs) zu einem thermoplastischen Werkstoff – dem ECB. Diese Kunststoffabdichtungsbahnen aus ECB sind bitumenverträglich und dauerhaft flexibel. Die Nahtfügung wird mittels Heißluftschweißen hergestellt.
EVA
EVAC-Abdichtungsbahnen (Ethylen-Vinylacetat-Copolymer, in Deutschland kurz mit EVA bezeichnet) bestehen aus einer Hochpolymerlegierung aus EVA-Terpolymer und PVC sowie Zusatzstoffen. Ethylen-Vinylacetat ist der namensgebende und eigenschaftsbestimmende Bestandteil von thermoplastischen EVA-Kunststoffbahnen. Die Abdichtungsbahnen sind bitumenverträglich und dauerhaft elastisch. Die Nahtfügung wird mittels Heißluft- oder Quellschweißen hergestellt.
FPO
FPO-Abdichtungsbahnen bestehen aus copolymeren Legierungen von Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP). Die Flexibilität des Materials wird ausschließlich durch die Kombination unterschiedlicher Copolymere und thermoplastischen Weichkomponenten erzielt. Neben den Polymeren ist die Art und der Gehalt der Flammschutzmittel eigenschaftsbestimmend. Außerhalb Europas (International) wird der Werkstoff auch als TPO (Thermoplastic Polyolefine) bezeichnet.
FPO-Abdichtungsbahnen enthalten in der Regel keine Halogene. Die Bahnen sind bitumenverträglich, weisen eine hohe chemische Beständigkeit auf und sind dauerhaft flexibel. Die Nahtfügung wird mittels Heißluftschweißen vorgenommen.
PIB
PIB-Abdichtungsbahnen bestehen aus Polyisobutylen (PIB), einem Material von fester Konsistenz und kautschukartiger Beschaffenheit. PIB-Abdichtungsbahnen verfügen über ein elastisch-plastisches Verformungsverhalten. Die Bahnen sind bitumenverträglich, weisen eine hohe chemische Beständigkeit auf und sind dauerhaft flexibel. Sie werden mittels Heißluftschweißen, Quellschweißen oder Nahtfügeband gefügt.
PVC-P (bitumenverträglich BV oder nicht bitumenverträglich NB)
PVC-Abdichtungsbahnen werden entweder monomer weichgemacht oder mit polymeren Weichmachern ausgerüstet. Die Art der Weichmachung ist wesentliches eigenschaftsbestimmendes Merkmal und klassifiziert die PVC-Abdichtungsbahnen signifikant. Sie werden deshalb technisch als PVC-P-Abdichtungsbahnen bezeichnet (P: plasticized = weichgemacht). Monomer weichgemachte PVC-P-Abdichtungsbahnen sind nicht bitumenverträglich (PVC-P NB) und sehr weit verbreitet. Polymer weichgemachte PVC-P-Abdichtungsbahnen sind bitumenverträglich (PVC-P BV) und höherwertiger. Die Nahtfügung erfolgt mittels Heißluft- oder Quellschweißen.
TPE
TPE-Abdichtungsbahnen bestehen aus einer Hochpolymerlegierung von Elastomeren und PP und/oder PE. Charakteristisch für TPE-Bahnen ist die Kombination von elastischen Gummieigenschaften mit der Möglichkeit der thermoplastischen Verarbeitung der Abdichtungsbahnen. TPE-Bahnen sind chemisch hoch beständig und dauerhaft flexibel. Die Nahtfügung erfolgt mittels Heißluftschweißen.
EPDM
EPDM-Abdichtungsbahnen bestehen aus einer Mischung aus Ethylen, Propylen und einem Synthesekautschuk mit vernetzbaren Doppelbindungen. Sie sind aufgrund ihrer molekularen Netzstruktur elastomere Werkstoffe und chemisch hoch beständig sowie dauerhaft flexibel. EPDM-Abdichtungsbahnen mit thermoplastischen Eigenschaften oder Schichten (z. B. aus Polymerbitumen) werden heißluftgeschweißt. Je nach Produkt können die Nähte auch mit Nahtfügebändern gefügt werden.
2.3.3 Aufbau (#ddbau10378)
(1) Kunststoff- und Elastomerbahnen werden als homogene Bahnen, Bahnen mit Verstärkung oder Bahnen mit Einlage sowie als Bahnen mit einer Kombination aus Verstärkung und Einlage hergestellt. Sie können zusätzlich unterseitig mit Kaschierungen aus Vliesen, Geweben, Selbstklebe- oder Polymerbitumenschichten ausgerüstet sein.
(2) Verstärkungen und Einlagen bestimmen die mechanischen Eigenschaften, die Verarbeitung sowie das Brandverhalten von Kunststoff- und Elastomerbahnen.
Beeinflusst werden insbesondere:
- Festigkeit
- Dehnfähigkeit
- Weiterreißkraft
- Nagelausreißfestigkeit
- Maßhaltigkeit und Dimensionsstabilität
- Geradheit und Planlage
- Brandverhalten
Verstärkungen und Einlagen sind in der Regel in die Kunststoff- oder Elastomerbahn eingebettet.
Gebräuchliche Werkstoffe für Verstärkungen sind Kunstfasergelege oder -Gewebe sowie Glasgelege oder -Gewebe. Als Einlagen werden Glasvliese verwendet. Kombinationen von Geweben/Gelegen und Glasvliesen verbinden die jeweiligen Eigenschaften.
Glasvlies (GV)
Ein Glasvlies besteht aus einzelnen (monofilen) Glasfasern, die regellos orientiert, gleichmäßig verteilt und mit einem Binder verklebt sind. Glasvlies kann Verstärkungen aufweisen.
Vorteile: Dimensionsstabilität, Maßhaltigkeit, Brandverhalten
Glasgewebe/-Gelege (GG)
Glasgewebe besteht aus Glasfilamentgarn in Kett- und Schussrichtung. Es ist mit einer wasserabweisenden Ausrüstung (hydrophob) versehen. Glasgelege sind im Unterschied zu Glasgeweben nicht miteinander verwoben.
Vorteile: Dimensionsstabilität, Maßhaltigkeit, Festigkeit, Weiterreißwiderstand, Ausreißfestigkeit Perforationsfestigkeit, Brandverhalten
Polyestergewebe/-Gelege (PG)
Polyestergewebe/-Gelege werden allgemein als Synthesefaserverstärkung bezeichnet. Diese Verstärkungen sind Gewebe- oder Gelege aus Polyester (PES)-Multifilamentgarn in Kett- und Schussrichtung. Die Fäden sind entweder gewebt oder gelegt und mit einer wasserabweisenden Ausrüstung versehen.
Vorteile: Festigkeit, Weiterreißwiderstand, Ausreißfestigkeit, Perforationsfestigkeit, Dimensionsstabilität, Dehnfähigkeit
(3) Kaschierungen haben die Aufgabe, Kunststoff- und Elastomerbahnen mit besonderen mechanischen Eigenschaften auszustatten und gleichzeitig als Trenn- oder Ausgleichslage zu wirken. Sie können auch als Haftvermittler für geklebte Aufbauten mit zusätzlichen Systemklebstoffen, z. B. Polyurethan (PU)-Klebstoffen, dienen.
Gebräuchliche Werkstoffe für Kaschierungen sind Polyester-, Polypropylen- oder Glasvliese.
Polyestervlies (PV)
Ein Polyestervlies besteht aus Fasern aus Polyester (PES). Es ist vorverfestigt durch Vernadelung oder Wärme und thermisch (T) oder durch Binder (B) endverfestigt.
Vorteile: Festigkeit, Dehnfähigkeit, Ausreißfestigkeit, Perforationsfestigkeit
Polypropylenvlies (PPV)
Ein Polypropylenvlies ist ein Spinn- oder Stapelfaservlies aus Fasern des Werkstoffes Polypropylen (PP). Es ist thermisch verfestigt.
Vorteile: Festigkeit, Dehnfähigkeit, Durchstoßfestigkeit, Druckfestigkeit, keine Binderanteile
Glasvlies (GV)
Ein Glasvlies besteht aus einzelnen (monofilen) Glasfasern, die regellos orientiert, gleichmäßig verteilt und mit einem Binder verklebt sind. Glasvlies kann Verstärkungen aufweisen.
Vorteile: Dimensionsstabilität, Maßhaltigkeit, Brandverhalten
(4) Selbstklebeschichten haben die Aufgabe, auf geeigneten Untergründen die Lagesicherung ohne die Verwendung von mechanischen Befestigungs- oder Auflastsystemen dauerhaft herzustellen.
Übliche Werkstoffe für Selbstklebeschichten bestehen aus Butyl, Synthesekautschuk, Acrylat oder Polymerbitumen.
Selbstklebeschichten (SK) aus Butyl, Acrylat oder Synthesekautschuk sind vollflächige bitumenfreie Klebesysteme. Sie dienen ausschließlich der Lagesicherung und sind für die Nahtfügung nicht geeignet. Diese erfolgt nach den jeweiligen werkstoffspezifischen Nahtfügeverfahren (siehe Kap. 3.4.6.2.2).
Vorteile: schnelle Windsogsicherung ohne mechanische Fixierung, saubere Verlegung, ggf. Dampfdruckausgleich.
Polymerbitumenschichten (PBS) sind unterseitige Polymerbitumenmassen zur Verklebung der Bahnen. Je nach Typ können sie kalt verklebt oder thermisch aktiviert werden. Damit erfolgt die Lagesicherung. Ggf. können sie auch für die Nahtfügung eingesetzt werden. Diese erfolgt nach den jeweiligen werkstoffspezifischen Nahtfügeverfahren (siehe Kap. 3.4.6.2.2).
Vorteile: schnelle Windsogsicherung ohne mechanische Fixierung, durchgehende unterseitige Klebeschicht, ggf. Dampfdruckausgleich
2.3.4 Kurzzeichen (#ddbau10379)
Für die Kennzeichnung der verwendeten Kunststoff- und Elastomerbahnen gibt es Kurzzeichen, die in den deutschen Anwendungsnormen (z. B. DIN/TS 20000-201) festgelegt sind.
Zur Beschreibung der Werkstoffe, aus denen Kunststoff- und Elastomerbahnen hergestellt sein können, werden folgende Kurzzeichen verwendet:
| ECB | Ethylencopolymerisat-Bitumen |
| EVA | Ethylen-Vinylacetat-Terpolymer/-Copolymer |
| FPO | Flexibles Polyolefin (auf Basis PE oder PP) |
| PIB | Polyisobutylen |
| PVC-P | Polyvinylchlorid (-Plasticised) |
| TPE | Thermoplastische Elastomere, nicht vernetzt oder teilvernetzt |
| EPDM | Ethylen-Propylen-Dien-Terpolymer (Mixture), vernetzt |
Zur weiteren Stoffbeschreibung werden neben der Werkstoffbezeichnung folgende Kurzzeichen verwendet:
| K | kaschiert |
| V | verstärkt |
| E | Einlage |
| BV | bitumenverträglich |
| NB | nicht bitumenverträglich |
| SK | Selbstklebeschicht |
| PBS | Polymerbitumenschicht |
| Zahl | Nenndicke in mm |
| GV | Glasvlies |
| PV | Polyestervlies |
| PPV | Polypropylenvlies |
| GG | Glasgittergelege/-gewebe |
| PG | Polyestergewebe/-gelege |
2.3.5 Hochwertbahnen (#ddbau10380)
(1) Die Mindestanforderungen an Kunststoff- und Elastomerbahnen werden in den Anwendungsnormen DIN/TS 20000-201 und DIN/TS 20000-202 definiert.
(2) Besondere Praxisanforderungen wie längere Nutzungsdauer und größere Widerstandsfähigkeit können Eigenschaften erfordern, die über den definierten Mindestanforderungen liegen.
(3) Für Kunststoff- und Elastomerbahnen können die Eigenschaften verbessert werden z. B. durch:
- die Dicke der Abdichtungsbahn
- die Dicke der oberen Schicht im Verhältnis zur Gesamtdicke
- die Art und Konstruktion der Verstärkungslage/Kaschierung
- die Auswahl der Werkstoffe
(4) Die Auswahl höherwertiger Kunststoff- und Elastomerbahnen ermöglicht ein höheres Sicherheitsniveau für Bauherren, Planer und Verarbeiter.