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Nachhaltigkeit in der Abdichtungsbranche

Ein SDG-Mapping auf Verbandsebene zeigt, wo die Abdichtungsbranche wirkt – und warum Qualität in Planung, Material und Ausführung der entscheidende Nachhaltigkeitshebel ist.

11.05.2026

© © Patrick Engert, Chemnitz von oben

Kompakt

Flachdächer haben sich vom reinen Schutzdach zum multifunktionalen Nutzdach entwickelt und bieten großes Potenzial für Klimaresilienz, Energieeffizienz und Lebensqualität im urbanen Raum. Die technische Voraussetzung dafür ist eine dauerhaft funktionssichere Dachabdichtung – sie ermöglicht erst Begrünung, Photovoltaik, Retention und weitere nachhaltige Nutzungen. Entscheidend sind dabei langlebige Materialien, sorgfältige Planung und fachgerechte Ausführung.

Mit einem branchenweiten SDG-Mapping hat der vdd die Auswirkungen der Abdichtungsbranche entlang der gesamten Wertschöpfungskette transparent untersucht – von der Rohstoffgewinnung bis zum End-of-Life. Im Fokus stehen insbesondere die Nachhaltigkeitsziele Gesundheit, nachhaltige Städte, nachhaltiger Konsum und Klimaschutz.

Das Mapping zeigt: Die größten Hebel liegen in der Herstellungs- und vor allem in der Nutzungsphase. Hochwertige Abdichtungssysteme schaffen die Grundlage für klimaresiliente Städte, langlebige Gebäude und multifunktionale Dachflächen. Nachhaltigkeit entsteht dabei immer im Zusammenspiel von Qualität, Wissen und langfristiger Planung.

Flachdächer bedecken einen erheblichen Teil der bebauten Fläche in deutschen Städten – und werden in der Nachhaltigkeitsdebatte noch immer unterschätzt. Dabei ist ihre Rolle längst eine andere als die des reinen Witterungsschutzes. In der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wird explizit gefordert, dass Dächer (und Fassaden) nicht länger ungenutzt bleiben dürfen. Der Grund: Flachdächer haben in den vergangenen Jahrzehnten einen fundamentalen Wandel vollzogen – vom reinen Schutzdach zum multifunktionalen Nutzdach. Kaum ein Bauelement bietet vergleichbares Potenzial, um Klimaresilienz, Energieeffizienz und Lebensqualität im urbanen Raum gleichzeitig zu fördern.

Die technische Voraussetzung für all das ist dieselbe: eine dauerhaft funktionssichere Dachabdichtung. Sie ist der stille Ermöglicher jeder Nutzungsform – ohne sie kein Gründach, keine Photovoltaik, kein Retentionssystem. Dauerhaft funktionssicher bedeutet dabei: Materialien mit langer Nutzungsdauer, eine sorgfältig abgestimmte Planung und eine fachgerechte Ausführung. Diese drei Qualitätsmerkmale bedingen einander – und bilden gemeinsam die Basis, auf der klimaresiliente Stadtentwicklung aufbaut. Die Abdichtungsbranche liefert dafür die Basis und steht damit an einer strategischen Schnittstelle.

Kostenfreies Online-Regelwerk „abc – Technische Regeln Abdichtungen“ – www.derdichtebau.de/abc

Nachhaltigkeit braucht Transparenz – das SDG-Mapping des vdd

Kaum ein Begriff wird im Bauwesen häufiger verwendet und seltener belegt als Nachhaltigkeit. Der vdd Industrieverband Dach- und Dichtungsbahnen e. V. – der rund 95 % des deutschen Abdichtungsmarktes repräsentiert – hat daraus eine Konsequenz gezogen: 2025 ließ der Verband ein branchenweites SDG-Mapping durchführen. Methodische Grundlage ist der SDG Compass, auf Verbandsebene adaptiert.

Betrachtet wurden potenziell positive wie negative Auswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Rohstoffgewinnung über Herstellung und Nutzung bis zum End-of-Life – für Bitumenbahnen ebenso wie für Kunststoff- und Elastomerbahnen. Das Ergebnis ist eine transparente Positionsbestimmung mit identifizierten Beiträgen zur nachhaltigen Entwicklung. Es eröffnet Ansatzpunkte für Unternehmen, entsprechend zu handeln.

Auf vier prioritäre Nachhaltigkeitsziele hat die Branche die größten Auswirkungen und Einflussmöglichkeiten:

  • SDG 3 (Gesundheit und Wohlergehen),
  • SDG 11 (Nachhaltige Städte und Gemeinden),
  • SDG 12 (Nachhaltiger Konsum und Produktion) sowie
  • SDG 13 (Maßnahmen zum Klimaschutz)

„Wir sorgen für Transparenz und konkrete Informationen. Würde ein ungenutztes Dach bewertet, fiele die SDG-Bilanz nüchterner aus als für dasselbe genutzte Flachdach – wohlwissend, dass dessen Realisierung erst durch hochwertige Abdichtungsstoffe möglich wird.“

Dr. Rainer Henseleit, Geschäftsführer Der dichte Bau GmbH

Das Drei-Säulen-Modell: Was Nachhaltigkeit wirklich bedeutet

Seit dem Brundtland-Bericht von 1987 versteht man unter Nachhaltigkeit das angestrebte gleichwertige Zusammenspiel von Ökologie, Ökonomie und sozialem Handeln. Dieses Drei-Säulen-Modell bildet einen verbindlichen Maßstab: Ökologische Verbesserungen dürfen nicht auf Kosten wirtschaftlicher Tragfähigkeit gehen und soziale Verantwortung gilt entlang des gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung bis zum End-of-life. Nach diesem Maßstab hat der vdd sein SDG-Mapping zugeordnet und bewertet. Die folgenden Abschnitte zeigen, was dabei sichtbar wurde.

Wo die Branche den größten Einfluss hat

Das SDG-Mapping betrachtet vier Phasen: Rohstoffgewinnung – Herstellung – Nutzung – End-of-Life. Nicht in allen hat die Branche denselben Gestaltungsspielraum. Den größten direkten Einfluss besitzt sie in den Phasen Herstellung und Nutzung.

In der Herstellungsphase lassen sich Energieeffizienz, Ressourceneinsatz und Emissionen gezielt steuern – durch Prozessoptimierung, Umwelt- und Energiemanagementsysteme und die Wahl der Produktionsstandorte.

Der ökologische Fußabdruck ihrer Produkte wird transparent dokumentiert. So steht für Bitumenbahnen eine Gruppen-EPD zur Verfügung, die allen Marktteilnehmern zugänglich ist. Darüber hinaus bieten insbesondere viele Hersteller von Kunststoff- und Elastomerbahnen produktspezifische EPDs nach EN 15804 an – ein Engagement, das branchenweit weiter vorangetrieben wird.

Die Nutzungsphase ist der entscheidende Hebel. Hier zahlt sich aus, was in der Planung entschieden wurde: Ob Gründach, Photovoltaik, Retention oder Aufstockung – jede dieser Nutzungsformen steht und fällt mit der Qualität der Abdichtung, die sie trägt. Damit ist die Nutzungsphase entscheidend für die ökologische, ökonomische und soziale Gesamtbilanz eines Flachdachs. Die Branche gestaltet diese Phase aktiv mit: durch Hochwertbahnen mit langer Nutzungsdauer, durch umfassende Planungs- und Ausführungsberatung (hier u. a. zu nennen das Branchenregelwerk „abc der Abdichtungsbahnen“) sowie durch gezielte Kommunikation der Vorteile der Flachdachnutzung – etwa durch den Flachdach-Contest, das Zertifikat „Flachdach der Zukunft" oder den jährlich am 20. Mai stattfindenden Tag des Flachdaches.

Die ökologische Säule: Klimaschutz und urbane Resilienz

Klimaschutz ist das Handlungsfeld mit der höchsten Priorität – und zugleich das mit der größten Spannung. Auf der einen Seite stehen CO₂-Emissionen aus der Rohstoffgewinnung und Herstellung. Auf der anderen leisten Abdichtungssysteme in der Nutzungsphase messbare ökologische Beiträge: Gründächer kühlen das Stadtklima durch Verdunstung und nehmen CO₂ auf, helle Oberflächen mit hohem Albedo-Wert verringern die Wärmeabsorption des Gebäudes. Das Flachdach ist zudem die ideale Stellfläche für Photovoltaikanlagen. Neuartige stickoxidabbauende Bahnen tragen aktiv zur Luftreinhaltung bei.

Genutzte Flachdächer sind darüber hinaus ein zentrales Instrument urbaner Resilienz. Retentionsdächer speichern Niederschlagswasser bei Extremwetterereignissen, geben es verzögert ab und entlasten damit Kanalisationen und Gewässer – ein Kernbaustein des Schwammstadt-Konzepts. Gründächer schaffen als Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleintiere ökologische Ausgleichsflächen inmitten versiegelter Stadtgebiete, binden Feinstaub und verbessern das Mikroklima im Quartier. Und durch Aufstockung entstehen Dachterrassen, Gemeinschaftsflächen und neuer Wohnraum – ohne einen weiteren Quadratmeter Boden zu versiegeln.

Die ökonomische Säule: Wertschöpfung durch Langlebigkeit

Die ökonomische Dimension von Nachhaltigkeit wird in der Abdichtungsbranche oft unterschätzt – dabei ist sie einer ihrer stärksten Hebel. Eine Dachabdichtung mit einer langen Nutzungsdauer von mehreren Jahrzehnten ist sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich nachhaltiger als ein Produkt, das häufig erneuert werden muss. Im Rahmen einer lebenszyklusorientierten Bewertung – wie sie DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen) und BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) als Rahmen für nachhaltige Gebäudezertifizierung vorschreiben – werden Dachsysteme, die zuverlässig und langlebig sind und seltener instandgesetzt werden müssen, systematisch besser bewertet, da sie dauerhaft Energie und Ressourcen sparen.

Eine Abdichtungsbahn macht mengenmäßig nur einen kleinen Teil der verbauten Baustoffe eines Gebäudes aus – gemessen an ihrer Funktion ist der Materialeinsatz außerordentlich effizient: Als langlebige, dauerhaft dichte Hülle schützt sie die gesamte Bausubstanz über Jahrzehnte. Verlässliche Abdichtungssysteme schaffen dabei Investitions- und Planungssicherheit, erhalten den Wert des Gebäudes und reduzieren Folgekosten erheblich.

Hinzu kommt der wirtschaftliche Mehrwert multifunktionaler Nutzung: Dachterrassen, begrünte Flächen und PV-Anlagen steigern die Flächeneffizienz und damit die wirtschaftliche Bilanz eines Gebäudes erheblich. Der Übergang vom Schutzdach zum Nutzdach ist deshalb auch eine ökonomische Entscheidung – und eine, die sich langfristig rechnet.

Die soziale Säule: Gesundheit, Bildung und faire Standards

Im Mittelpunkt der sozialen Säule stehen Gesundheit, Qualifizierung und verlässliche Arbeitsbedingungen. Das SDG-Mapping identifiziert Gesundheit als prioritäres Handlungsfeld. Zum Beispiel werden während der Verarbeitung Gase, Dämpfe und Aerosole freigesetzt. Diese Emissionen und ihre Auswirkungen auf die verarbeitenden Fachkräfte wurden in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich untersucht. Bei fachgerechter Verarbeitung sind moderne Bitumen- und Kunststoffbahnen gesundheitlich unbedenklich. Darüber hinaus werden Inhaltsstoffe und Rezepturen fortlaufend überprüft und bei neuen Erkenntnissen angepasst oder ersetzt.

Soziale Verantwortung zeigt die Branche auch jenseits der Produktebene durch die Qualifizierung von Mitarbeitern, Handwerkern sowie Architekten und Planern über Akademien und herstellerunabhängige Informationsangebote – denn Qualität beginnt mit dem Wissen derjenigen, die planen und ausführen. Hinzu kommt das Bekenntnis zu fairen Arbeitsbedingungen und europäischen Tarifstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Kreislaufwirtschaft und Partnerschaft als gemeinsame Branchenaufgabe

Ein flächendeckendes Recycling ist zur Zeit noch nicht etabliert. Grundsätzlich werden alte Abdichtungsbahnen vorwiegend zur Energienutzung der thermischen Verwertung zugeführt.

Besonders lose verlegte oder mechanisch befestigte Dachaufbauten eignen sich für einen sortenreinen Rückbau. Einzelne Hersteller von Kunststoffbahnen nehmen ihr Bahnenmaterial bereits auf Projektbasis zurück und setzen Rezyklat aus Altbahnen in der Produktion neuer Bahnen ein.  Polymerbitumen- und Bitumenbahnen werden nach der Aufbereitung vorrangig im Straßen- und Asphaltbau wiedereingesetzt.

Fortschritte erfordern Kooperation – zwischen Herstellern, Planern, Ausführenden, Entsorgern und Forschung. Der vdd leistet diese Vernetzungsarbeit und verdeutlicht zugleich, dass noch Entwicklungspotenzial besteht.

Fazit: Nachhaltigkeit gelingt nur durch fachgerechte Qualität

Die Nachhaltigkeit eines Gebäudes bemisst sich an ökologischen, ökonomischen und sozialen Kriterien – und das Dach spielt dabei eine unterschätzte Rolle. Das SDG-Mapping des vdd macht deutlich: unterschiedlichste Nachhaltigkeitsziele zahlen auf die verschiedenen Säulen der Nachhaltigkeit ein. Zu Beginn des Planungsprozesses sollte mit allen Beteiligten die Relevanz der jeweiligen Aspekte für das Bauprojekt gemeinsam definiert und verbindlich festgehalten werden. Was dort nicht vereinbart wird, lässt sich später kaum noch nachholen.

Eine fachgerecht ausgeführte Abdichtung ist die Voraussetzung für ein nachhaltiges Gebäude. Qualität ist immer ein Zusammenspiel von Material, Planung und Ausführung. Nur wenn alle drei Dimensionen stimmen, kann ein Flachdach seine Nachhaltigkeitspotenziale langfristig einlösen.

Als herstellerunabhängige Informationsplattform unterstützt Der dichte Bau Planer, Verarbeiter und alle am Bau Beteiligten – unter anderem mit dem werkstoffübergreifenden Online-Volltext-Regelwerk „abc – Technische Regeln Abdichtungen", das kostenlos und werbefrei verfügbar ist unter www.derdichtebau.de/abc.

Machen Sie sich selbst ein Bild: Die vollständige SDG-Betrachtung des vdd mit allen Handlungsfeldern und Maßnahmen steht bereit unter www.derdichtebau.de/nachhaltigkeit

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