Nach Abschluss des Online-Votings tagte im Oktober 2025 die Fachjury des Flachdach Contest in Frankfurt. Auf Basis fachlicher Kriterien und Publikumsstimmen wurden aus den Einreichungen die besten Flachdachprojekte ausgewählt und die Gewinner gekürt.
Die Fachjury kürt die Gewinner des FDC 2025
Die Jury des Flachdach Constest sammelte sich um den Gewinner vom FDC 2025 zu küren.
12.12.2025
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Kompakt
Der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit und Lebensqualität in unseren Städten wächst stetig. Ein enormes Potenzial liegt in der vielseitigen Nutzung von Flachdächern – sei es als Aufenthaltsbereich, Grünfläche, Sportzone oder Solardach. Mit dem Flachdach Contest werden diese Möglichkeiten jedes Jahr erneut sichtbar gemacht und innovative Lösungen in den Mittelpunkt gerückt.
Nach Abschluss des öffentlichen Online-Votings im September folgte im Oktober die Sitzung der Fachjury. Dazu kam am 16. Oktober die zehnköpfige Jury in den Räumen des VCI in Frankfurt am Main zusammen, um auf Basis der Ergebnisse des Votings und ihrer fachlichen Bewertung die überzeugendsten Entwürfe zu küren.
Die Sitzung startete mit einer Begrüßung durch Simone Hesse, Referentin für Kommunikation bei Der dichte Bau, die den Flachdach Contest seit 2021 begleitet.
Anschließend stellten sich die Mitglieder der Jury ausführlich vor. Die Runde vereinte geballte Expertise aus Architektur, Bauwirtschaft und Medienlandschaft: Prof. Michaela Hoppe lehrt klimagerechte Architektur an der School of Architecture Bremen, Mathias Kuttt ist Head of Product beim Bauportal heinze.de, Thomas Haimann gewann 2021 mit dem Frankfurter Büro B&V Architekten den FDC 2021, Dipl.-Ing. Maren Dannien und Matthias Roller von Dannien Roller Architekten aus Tübingen wurden 2023 ebenfalls beim FDC ausgezeichnet, Dr.-Ing. Rainer Henseleit ist Geschäftsführer von Der dichte Bau und des vdd, André Brömmel leitet die Kommunikationsagentur Punktmacher mit Schwerpunkt Architektur und Robert Uhde berichtet seit über 25 Jahren als Architekturjournalist über innovative Bauprojekte. Tim Bauder, Vorstandsvorsitzender des vdd und Geschäftsführer der Paul Bauder GmbH & Co. KG, und Stefan Rover, Inhaber des Marburger Architekturbüros integrale planung und Gewinner des FDC 2022, nahmen online an der Jury-Sitzung teil.
Trotz ihrer unterschiedlichen fachlichen Hintergründe verband die Jury ein gemeinsames Anliegen: Flachdächer als wertvolle Ressource für städtische Lebensqualität, Klimaschutz und innovative Architektur zu begreifen und weiterzuentwickeln. Dr.-Ing. Rainer Henseleit brachte es auf den Punkt: „Hunderte Millionen Quadratmeter existierender Flachdachflächen in Deutschland warten förmlich darauf, genutzt zu werden und dem Klimawandel und Wohnraummangel entgegenzutreten. Deswegen haben wir 2021 den Flachdach Contest ins Leben gerufen.“
Mathias Kuttt betonte zusätzlich, dass die Lösung für die drei Zukunftsaufgaben Klimaresilienz, Energiewende und urbaner Raum direkt über unseren Köpfen liege: „Ungenutzte Flachdächer sind verschenktes Potenzial. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind da, Fördermittel verfügbar, Technologien ausgereift. Der perfekte Moment für innovative Dachlandschaften ist also jetzt!“ Und Michaela Hoppe ergänzte: „Klima- und Biodiversitätskrise hängen eng miteinander zusammen. Richtig ausgeführt können Flachdächer einen aktiven Beitrag zur Milderung des Artenschwundes leisten.“
Wie ist die Jury-Sitzung verlaufen?
Nach der Begrüßung und Einführung verschafften sich die Jurorinnen und Juroren zunächst einen Gesamteindruck aller Einreichungen. Bereits im Vorfeld hatten sie Gelegenheit, sich intensiv mit den Projekten zu befassen. In der Sitzung selbst wurden die Entwürfe noch einmal plakativ auf DIN-A3-Blättern an den Wänden präsentiert. Großformatige Fotos, Pläne und Kurzbeschreibungen machten die Vielfalt der Aufgabenstellungen sichtbar – von Wohn- und Bildungsbauten über Sport- und Kulturstätten bis hin zu revitalisierten Industriearealen.
„Die Vielfalt der Objekt-Einreichungen ist beeindruckend“, sagte André Brömmel. „Man erkennt sofort, welche Chancen ungenutzte Dächer bieten – für Klimaschutz, sozialen Austausch und die Stadtgestaltung.“ Und Robert Uhde ergänzte, dass begehbare Gründächer nicht nur als architektonische Highlights, sondern auch als wichtige Bestandteile urbaner Landschaften gestaltet werden können – „als kleine Oasen, die Erholungsraum für Menschen schaffen, die Biodiversität fördern und wie natürliche Klimaanlagen wirken.“
Nach diesem ersten Überblick hatten die Jurymitglieder zunächst die Aufgabe, ihre Favoriten mit roten Klebepunkten zu markieren. Jede und jeder konnte beliebig viele Projekte markieren, pro Projekt jedoch nur einen Punkt vergeben.
Ergänzend flossen die Ergebnisse des öffentlichen Online-Votings in die Bewertung ein. Die Entwürfe waren im Vorfeld auf den Social-Media-Kanälen des Flachdach Contests präsentiert und deutschlandweit zur öffentlichen Abstimmung gestellt worden. Teilnehmen konnten dabei Architektinnen und Architekten aus ganz Deutschland.
Aus der Kombination der Fachjurywertung und der Publikumsstimmen ergab sich eine gewichtete Gesamteinschätzung. Projekte, die in beiden Runden keine Punkte erhielten, wurden in der weiteren Diskussion nicht berücksichtigt.
Welche Aspekte waren entscheidend für die Bewertung?
Auf Basis der ersten Favoritenauswahl folgte die zweite Bewertungsphase: Alle verbliebenen Projekte wurden in einer anonymen Einzelbewertung anhand einer Punkteskala von 1 bis 10 beurteilt.
Grundlage bildeten die folgenden acht Kriterien: Impact auf das Umfeld, Nutzungsvielfalt und Jahresnutzbarkeit, Gestaltungsqualität und Einbindung in die Umgebung, ökologische und soziale Nachhaltigkeit sowie Aufenthaltsqualität, Wirtschaftlichkeit, Engagement, Zukunftsfähigkeit und Innovationsgrad.
Nach Abschluss der zweiten Bewertungsphase fassten Simone Hesse, Nele Nortmann (Projektmanagerin bei der Punktmacher GmbH) und Adrian Dobrat (Dipl.-Bauingenieur bei Der dichte Bau) die individuellen Bewertungen aller Jurymitglieder in einer gemeinsamen Gesamtmatrix zusammen.
Die Matrix diente als transparente Diskussionsgrundlage und ermöglichte den Abgleich mit den Ergebnissen des Online-Votings, um so die nächsten Schritte ausgewogen und nachvollziehbar gestalten zu können.
Intensive Fachdebatte
Im Anschluss folgte eine intensive Fachdebatte. Die zuvor erstellte Bewertungsmatrix bot dabei eine gute Grundlage für den Austausch – wurde jedoch eher als Orientierung und Anhaltspunkt verstanden, nicht als starres Bewertungsschema. Besonders lebhaft wurde die Diskussion bei Projekten, die neue Wege bei der Flachdachnutzung aufzeigten.
Die Jurorinnen und Juroren analysierten gemeinsam, wie Dachgärten, Sportflächen oder Lernterrassen unterschiedliche Wirkungen entfalten, welche Rolle Zugänglichkeit und Barrierefreiheit spielen und wie ökologische Maßnahmen in den Stadtraum integriert werden. Immer wieder wurde betont, dass es bei der Entscheidung nicht allein um die architektonische Wirkung geht, sondern um die Verbindung von Form, Funktion und gesellschaftlichem Mehrwert: „Der obere dichte Abschluss eines Gebäudes ist immer auch die 5. Fassade“, meinten dazu Maren Dannien und Matthias Roller. „Präzise entworfen ermöglichen die unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten eine hohe Individualisierung der Gebäudegestalt, schaffen Mehrwert für Nutzer und Umwelt – und sind ein wichtiger Baustein der Baukultur.“
Im Verlauf der Diskussion kristallisierte sich schrittweise eine Shortlist heraus. Besonders überzeugen konnten jene Projekte, die multifunktionale Nutzung, architektonische Qualität, ökologische Verantwortung und soziale Wirkung gleichermaßen verbanden. Entscheidend war auch die Frage der Zukunftsfähigkeit: Wie flexibel lassen sich Dächer an veränderte Anforderungen anpassen? Und welchen Beitrag leisten sie langfristig zur Klimaanpassung und Lebensqualität im urbanen Raum? Am Ende dieses Prozesses standen die TOP 12 und schließlich auch die drei Preisträger fest. Die Gewinnerprojekte setzen Maßstäbe für die Nutzung der „fünften Fassade“ und zeigen, wie wertvoll Flachdächer für die Stadt der Zukunft sein können.
Platz 1: Kultur- und Sporthalle Alfter, Königs Architekten, Köln
Die Kultur- und Sporthalle Alfter wurde in Hybridbauweise realisiert und als dreigeschossiger Sport- und Begegnungsort konzipiert. Entstanden ist ein ganzheitlich gedachtes Gebäude mit Vorbildcharakter, inklusive einer öffentlich zugänglichen Multifunktionsfläche auf dem Dach.
Die Jury würdigte insbesondere die außergewöhnliche Vielseitigkeit der Dachnutzung: Das Flachdach ist bundesweit das erste seiner Art, das vollständig öffentlich zugänglich ist und in einer Konstruktion aus Buchenholz ausgeführt wurde. Die Fläche wird über Treppen und einen Aufzug barrierefrei erschlossen und dient als multifunktionale Freizeitanlage für Ballsport, Fitness, Klettern und Aufenthalt. Begrünte und retentive Randzonen stärken die ökologischen Funktionen des Gebäudes und schaffen positive Mikroklimaeffekte. Nach Einschätzung der Jury ist die Flachdachfläche eindeutig nicht als reiner Gebäudeabschluss, sondern als integraler Bestandteil des architektonischen Gesamtkonzepts und als Erweiterung des öffentlichen Raums geplant worden.
Auf begrenztem innerstädtischem Raum entstand eine gestufte Dachlandschaft mit Terrassen, Dachgärten und intensiven und extensiven Begrünungen, die vielseitig für Pausen, Spiel, Entspannung und Urban Gardening genutzt wird.
Zusätzlich wurden Photovoltaikanlagen integriert, sodass ökologische und energetische Funktionen direkt mit der Nutzung der Dachflächen verbunden sind.
Besonders hervorgehoben wurde der zentrale Innenhof, der soziale Interaktion und Aktivitäten fördert. Alle Außenbereiche sind barrierefrei zugänglich und bieten hohe Aufenthaltsqualität für Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen. Die Jury würdigte die Flachdächer als integralen Bestandteil des pädagogischen Gesamtkonzepts, die sowohl Lern- als auch Spielräume erweitern und einen Beitrag zur Diskussion um Stadtverdichtung leisten. Der Entwurf zeigt, wie Flachdächer im urbanen Kontext funktional, sozial und ökologisch verbunden werden können.
Platz 3: „Grüner Teppich“ – „Grüner Teppich“ – Dachbegrünung für KiTa und OGS-Neubau, Unna, Lindner Lohse Architekten
Die Erweiterung der Schillerschule umfasst eine zweigeschossige Kindertagesstätte sowie eine Sporthalle. Beide Neubauten greifen die historische Backsteinarchitektur auf und sind über einen gemeinsamen Tiefhof mit Freitreppe verbunden. Prägend für die Architektur ist das Motiv des Satteldaches mit abgeschlepptem Flachdachbereich.
Intensive und extensive Dachbegrünungen unterstützen Biodiversität, Mikroklima und Regenwasserrückhalt. Oberlichter sorgen für optimale Tageslichtnutzung im Inneren.
Die Jury würdigt insbesondere das harmonische Zusammenspiel von Sattel- und Flachdach, das sowohl visuell als auch funktional einen hohen architektonischen Anspruch erkennen lässt. Das Zusammenspiel des „grünen Teppichs“ mit den Ziegelfassaden zeigt beispielhaft, wie gestalterische Haltung, ökologische Verantwortung und pädagogischer Mehrwert miteinander verknüpft werden können. Entstanden ist ein stimmiges Gesamtbild, das den Standort nachhaltig aufwertet.
Wichtige Vorbildfunktion
Die drei Gewinnerprojekte des Flachdach Contest 2025 zeigen beispielhaft, wie vielfältig, mutig und wirksam Flachdächer heute genutzt werden können und welche Rolle sie für die nachhaltige Stadtentwicklung spielen. Alle prämierten Projekte verbinden architektonische Qualität mit einer klaren gesellschaftlichen und ökologischen Haltung. Sie schaffen neue Räume für Begegnung, Bildung, Bewegung und Natur und beweisen, dass die „fünfte Fassade“ längst ein aktiver Bestandteil urbaner Lebensräume geworden ist. Damit unterstreicht der Flachdach Contest einmal mehr, dass ungenutzte Dächer nicht nur technische Abschlüsse von Gebäuden, sondern wertvolle Bausteine für eine nachhaltige, lebenswerte Stadt sind.
Wann startet der Flachdach Contest 2026?
Der dichte Bau gratuliert allen Preisträgerinnen und Preisträgern und richtet den Blick nun auf den bereits gestarteten Flachdach Contest 2026. Auch in diesem Jahr sind Architektinnen und Architekten eingeladen, ihre Projekte einzureichen und zu zeigen, welches Potenzial in den ungenutzten Dachflächen unserer Städte steckt.















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