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Weil am Rhein VitraHaus VitraHaus in Weil am Rhein

Objekt: VitraHaus
Standort: Charles-Eames-Str. 2, Weil am Rhein
Bauherr: Vitra Verwaltungs Gesellschaft
Planung: Herzog & de Meuron, Basel 
(Jacques Herzog und Pierre de Meuron)
Dachabdichtung:
Fertigstellung: 2010

Architekturführungen 
täglich 11, 13 und 15 Uhr auf Deutsch.
12 und 14 Uhr auf Englisch.

Im März 2010 öffnete das VitraHaus seine Pforten für Besucher. Das Bauwerk ist eigens zur Möbel-Präsentation entworfen und dient als Flagshipstore für die Vitra Home Collection. Die Architekten Herzog & de Meuron setzten damit einen weiteren Höhepunkt auf den Vitra Campus - als dritten Baukörper zu den schon bestehenden Gebäuden, dem Vitra Design Museum von Frank Gehry (1989) und dem Konferenzpavillon von Tadao Ando (1993).
Das VitraHaus ist ein scheinbar chaotisch gestapelter Häuserhaufen bestehend aus insgesamt zwölf einzelnen Steildachhäusern, die auf fünf Ebenen angeordnet sind. Die Bodenplatten der oberen Häuser tauchen dabei in die Giebelbereiche der darunter gelegenen Häuser ein. Bis zu 15 Meter kragen einzelne Häuser über die anderen hinaus. Mit maximalen 57 Metern Länge, 54 Metern Breite und 21 Metern Höhe überragt das VitraHaus die übrigen Gebäude des Vitra Campus.
Die untere Ebene besteht aus fünf Häusern, die in der Mitte einen holzbeplankten Platz umschließen – das offene Zentrum. Die Gebäude bieten Raum für Konferenzbereich, Ausstellungsfläche, Shop, Foyer und Café. Start des Rundgangs für Besucher beginnt ganz oben, im vierten Obergeschoss. Schon beim Verlassen des Lifts bietet die verglaste Nordseite einen beeindruckenden Ausblick. Beim Weg durch die Ausstellungsfläche wird deutlich, wie bewusst die Ausrichtung der einzelnen Häuser auf den jeweiligen Ausblick ausgerichtet ist. Denn nur die Stirnseiten sind verglast, während der Häuserkomplex durch die durchgehend dunkelgrauen Flächen eine monumentale Wirkung entfaltet. Dabei fügen sich die Steildachflächen optisch nahtlos in die Seitenflächen.

Bitumenbahnen auf dem Steildach

Auf einem Steildach mit 30 bis 40 % Neigung sind Bitumenbahnen eher selten anzutreffen, während Bitumenbahnen auf flachen und flachgeneigten Dächern die häufigste Dachabdichtung darstellt - rund zwei Drittel aller Flachdächer sind mit Bitumenbahnen abgedichtet.
Doch die architektonische Komposition der einheitlichen Fläche gelingt gerade durch die dunkelgrau beschieferten Oberlagsbahnen. Der Farbton der Beschieferung ist eine Sonderanfertigung, die direkt mit den Architekten abgestimmt wurde. Um nicht vom Baustellenbetrieb verschmutzt zu werden, wurde die Bitumen-Oberlagsbahn ganz am Schluss mit besonderer Vorsicht aufgebracht. Die darunter liegende Unterlagsbahn wurde als erste Abdichtungslage schon wesentlich früher angebracht und nach Vorgabe der DIN 1055 Teil 4 aufgenagelt.
Die harmonische Abstimmung von Architekt, Bitumenbahnenhersteller und Dachdecker hat letztendlich zu dem optimalen Ergebnis geführt.


Die Architekten Herzog & de Meuron hatten das VitraHaus bei der ursprünglichen Planung in weiß angedacht. So sind sämtliche Modelle schneeweiße Steildachhäuser.

Bitumenbahnen erhalten ihren optischen Eindruck durch die verschiedenen Farbtöne der Beschieferung. So wurden die Farben Diamantweiß, Dolomitgrau, Blaugrün und Schiefergrau den Architekten präsentiert und auch die Möglichkeit gezeigt, unterschiedliche Farben zur Bemusterung zu verwenden. Letztendlich fiel die Wahl nicht auf eine Standardbestreuung sondern auf ein dunkles Schiefergrau, das als Sonderbestreuung des Bitumenbahn-Herstellers realisiert werden konnte.

Eine weitere Besonderheit stellte sich in den unterschiedlich langen Dachflächen. So wurden die Bahnen in der jeweiligen Länge passgenau als Sonderbahnen angefertigt um Stöße zu vermeiden und ein homogenes Gesamtbild zu erreichen.
Als erstes wurden die Bitumen-Unterlagsbahnen mit Trennschicht zur Holzschalung angebracht und nach Vorgabe der DIN 1055-4 aufgenagelt.
Die beschieferte Bitumen-Oberlagsbahn wurde erst zum Schluss mit ganz besonderer Vorsicht verlegt - nach Abschluss der Bauarbeiten um eine Beschmutzung zu vermeiden.

Optimales Zusammenspiel

Während der Dacharbeiten war von Seiten des Bitumenbahn-Herstellers ein Lehrverleger mehrfach auf der Baustelle um mit kompetentem Rat dem Dachdeckerbetrieb zur Seite zu stehen. Die enge Zusammenarbeit zwischen Architekturbüro, Industrie und ausführenden Betrieb sollte eigentlich bei allen Bauprojekten angestrebt werden, doch bei diesem architektonischen Kunstwerk war es unabdingbar um ein solch harmonisches Gelingen zu ermöglichen.