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Krefeld Haus Esters und Haus Lange in Krefeld Offenes Wohnen im Stil der Neuen Zeit

Objekt: Haus Lange, Haus Esters, Krefeld

Standort: Krefeld, Wilhelmshofallee 91-97

Architekt 1927 bis 1930: Mies van der Rohe

Sanierung 2016: Reymann Architekten, Krefeld

Dachabdichtung: WK Bedachungen Krawinkel GmbH & Co. KG

 

Das Villen-Ensemble Haus Lange und Haus Esters in Krefeld zählt zu den letzten Projekten, die Ludwig Mies van der Rohe vor seiner Ernennung zum Bauhausdirektor realisiert hat. Die beiden rotbraun verklinkerten Wohnhäuser wurden zwischen 1927 und 1930 im Auftrag der beiden Krefelder Seidenfabrikanten Dr. Josef Esters und Hermann Lange umgesetzt. Mit ihrer geometrisch ineinander geschobenen Kubatur, der offenen Architektur und den charakteristischen Flachdächern belegen sie bis heute auf beeindruckende Weise die Auffassungen der architektonischen Moderne.

 

Als Ludwig Mies van der Rohe mit der Planung der beiden doppelgeschossigen Villen beauftragt wurde, hatte er soeben seine Arbeit an der Bauausstellung des Deutschen Werkbundes in der Stuttgarter Weißenhofsiedlung abgeschlossen. Kurze Zeit später stellte er dann seinen legendären Barcelona-Pavillon als deutschen Beitrag für die Weltausstellung in Barcelona (1929) vor. Die beiden Häuser in Krefeld liegen aber nicht nur zeitlich zwischen diesen beiden Projekten, sie vermitteln auch gestalterisch zwischen der rationalen, geometrischen Raumauffassung des Wohnblockes in Stuttgart und dem offenen Raumkonzept des Barcelona-Pavillons.

 

Um möglichst unabhängig bei der Ausbildung der abwechslungsreich verschachtelten Kubatur zu sein und außerdem große Fensterflächen integrieren zu können, wird die Konstruktion der beiden Bauten durch zahlreiche Stahlträger unterstützt. Zur Straße hin wirken die beiden Häuser jedoch zunächst vergleichsweise geschlossen. Ihre eigentliche Qualität zeigt sich erst auf ihrer Rückseite, wo die verschiedenen Backsteinvolumen treppenstufenartig absteigen und sich dabei fließend zu den parkartig angelegten Gärten öffnen. Ähnlich vielschichtig präsentiert sich auch die von Mies van der Rohe gemeinsam mit seiner damaligen Partnerin, der Innenarchitektin und Designerin Lilly Reich, umgesetzte Innenraumgestaltung der Häuser. Eine Besonderheit ist dabei die verschiebbare Holzwand, die eine flexible Trennung zwischen Halle und Essbereich in Haus Lange ermöglicht.

 

Seit 1955 wird Haus Lange und seit 1981 auch Haus Esters als Museum für zeitgenössische Kunst durch die Kunstmuseen Krefeld genutzt. Zur Erhaltung der Bausubstanz und des Museumsbetriebes war dabei zwischen 1998 und 2000 eine erste umfassende Sanierung der beiden Häuser erforderlich geworden. Weitere grundlegende Instandhaltungsmaßnahmen wurden seit 2016 durch das Krefelder Büro Reymann Architekten durchgeführt. Neben der Erneuerung des Heizkessels und der Sanierung des Mauerwerks von Haus Esters erfolgte dabei auch eine umfassende Dachsanierung, die durch das vor Ort ansässige Dachunternehmen WK Bedachungen Krawinkel ausgeführt wurde.

 

 

Bestandsabdichtung aus Palundritplatten

Die Abdichtung der beiden Häuser besteht bauzeitlich aus 15 Millimeter starken, mit einer Jutegewebeeinlage versehenen Teerdachplatten (Palundritplatten), die über einer Dämmung aus Torfoleum (Leichtbauplatten aus gepresstem und imprägniertem Torf) und einem Schutzestrich aus Bimsbeton verlegt sind: „Über diesem Bestand waren in den vergangenen Jahrzehnten bis zu sechs Lagen weiterer Schweißbahnen aufgebracht worden“, beschreibt Architekt Klaus Reymann den Zustand vor der Sanierung von 2016: „In der Summe ergaben sich so teilweise Schichten von über fünf Zentimeter über der bauzeitlichen Abdichtung.“

 

Im Rahmen der Sanierung mussten zunächst die teilweise schadhaften oberen Abdichtungslagen abgetragen werden. „Die darunter liegende bauzeitliche Abdichtung haben wir aber komplett erhalten“, so Klaus Reymann. „Und das nicht nur aus Gründen des Denkmalschutzes und weil es schon sehr ungewöhnlich ist, dass eine solch alte Abdichtung überhaupt noch vorhanden ist, sondern auch, weil die alte Abdichtung einige Unebenheiten ausfüttert und eine Abdichtung auf dem bauzeitlichen Estrich mit erheblichem Aufwand verbunden gewesen wäre.“

 

Um die bauzeitliche Abdichtung nicht zu zerstören, wurde entschieden, mindestens eine Lage der darüber liegenden Schweißbahnen zu erhalten. In einigen Bereichen zeigten sich dabei Blasen im Dachaufbau, die vor dem Aufbringen neuer Bahnen ausgeschnitten und mit eingelegten Dachbahnstücken aufgefüttert werden mussten.

 

Im nächsten Schritt konnten die Dachdecker dann mit dem Aufbringen der neuen Abdichtung beginnen. Als erste Lage der Abdichtung wurde eine Elastomerbitumenbahn, direkt darüber wurde eine weitere Elastomerbitumenschweißbahn als Oberlagsbahn vollflächig aufgeschweißt. In einigen Bereichen mussten außerdem auch die bauzeitliche Abdichtung sowie die darunter liegende Dämmung ausgebessert werden. Parallel dazu erfolgte die Neuabdichtung sämtlicher Dachterrassen, Balkone und Vordächer. „So ist sichergestellt, dass auch hier kein Regenwasser eindringen kann“, wie Klaus Reymann erklärt.