Glossar Gefälle

Industriedach mit Gefälle, Buhlmann, Duisburg
Mit einem ausreichenden Gefälle wird stehendes Wasser auf einem Falchdach vermieden.
© Buhlmann, Duisburg

Unter einem Gefälle versteht man die Neigung einer Fläche gegen die Waagerechte. Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Dachneigung und im speziellen mit dem Gefälle eines Flachdaches.

 

Wie viel Gefälle braucht ein Flachdach?

Nach DIN 18531-1:2017-07 Abschnitt 6.3.1 gilt der Grundsatz: „Die Abdichtung sollte, außer bei intensiv begrünten Dächern mit Anstaubewässerung, so geplant und ausgeführt werden, dass Niederschlagswasser nicht lang anhaltend auf der Abdichtungsschicht stehen kann. Dazu sollte ein Mindestgefälle von 2 % geplant werden.“

Die Empfehlung, Dächer so zu planen, dass Niederschlagswasser nicht lang anhaltend auf der Abdichtung steht, gilt für Planung und Ausführung. So ist zum Beispiel die Ebenheit des Abdichtungsuntergrundes oder der Gefälleverlauf Aufgabe der Planung, der vertiefte Einbau des Dachablaufs durch Ausklinken der Wärmedämmung oder durch den Einbau einer „Gullyplatte“ mit geringerer Dicke aber Aufgabe des Dachdeckers.

Niederschlagswasser verbleibt dann nicht lang anhaltend auf der Abdichtung, wenn das Dach ein ausreichendes Gefälle hat. Der nicht lang anhaltende Verbleib von Niederschlagswasser auf der Abdichtung ist der Grund für die Empfehlung, ein Mindestgefälle von zwei Prozent zu planen.

Das bedeutet, dass nicht an jeder einzelnen Stelle des Dachs das geplante Gefälle auch tatsächlich vorhanden sein muss oder kann. Das tatsächlich ausgeführte  Gefälle kann und darf vom geplanten Gefälle abweichen. Wie weit? So, dass Niederschlagswasser nicht lang anhaltend auf der Abdichtung verbleibt. Damit wird der Grund, ein Mindestgefälle von zwei Prozent zu planen, zugleich Kriterium für die Ausführung. Wenn beispielsweise auf einer erkennbar nicht gegenläufigen Unterkonstruktion ein Gefälledach mit zwei Prozent geplant und ausgeführt wird, auf der fertigen Abdichtung aber ein geringeres Gefälle gemessen wird, ist die Anforderung dann erfüllt, wenn Niederschlagswasser nicht lang anhaltend auf der Abdichtung verbleibt.
   

Worauf muss man bei einem gefällelosem Dach achten?

Mies van Rohe Haus Dachabdichtung, Foto: Tobias Kindtner, Architekturbüro Vix
Ein gefälleloses Flachdach ist anfälliger für stehendes Wasser
© Foto: Tobias Kindtner, Architekturbüro Vix
Natürlich können – außer der Anordnung von Gefälle – auch andere präventive bautechnische Maßnahmen getroffen werden, um das Risiko zu verringern:
  • Durchdringungen können aus der wasserführenden Ebene herausgeführt werden (so wird eine Hinterläufigkeit im Anschlussbereich verhindert).
  • Polymerbitumendampfsperren können zur Begrenzung der Wasserunterläufigkeit auf massivem Untergrund vollflächig verklebt werden.
  • Abschottungen können zur Begrenzung der Wasserunterläufigkeit innerhalb des Dämmstoffquerschnitts angeordnet werden.
  • Die Qualität der Abdichtungswerkstoffe kann erhöht werden, zum Beispiel durch Verwendung von Polymerbitumenbahnen mit sehr hoher Wärmestandfestigkeit und sehr guter Kälteflexibilität oder durch Kunststoffbahnen mit besonders hohem Anforderungsprofil.
  • Bei mehrlagigen Abdichtungen kann eine zusätzliche Lage – als „Verschleißlage“ oder „Sicherheitslage“ – angeordnet werden.
  • Die UV-Belastung und thermische Spannungen können durch einen erhöhten Oberflächenschutz aus Kies, einen Plattenbelag oder eine Dachbegrünung reduziert werden.