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Die Meisterhäuser in Dessau

Neues Wohnen unter Kiefern

08.11.2022

Baujahr: 1926

Dessau

© Meisterhaus Dessau, Foto: Robert Uhde

Kompakt

Objekt: Meisterhaus Muche/Schlemmer in Dessau
Standort: Dessau, Ebertallee
Architekt 1926: Walter Gropius
Bauherr der Sanierung: Wüstenrot Stiftung
Architekt Dachsanierung 1998 bis 2001: Brenne Architekten, Berlin
Ausführung der Dacharbeiten: 02/2001 bis 09/2001

Die Meisterhäuser in Dessau

„Es hat sich ausgeweimart, wir gehen jetzt dessauern!“ Mit diesen Worten beschrieb der deutsch-amerikanische Maler und Bauhausmeister Lyonel Feininger im Februar 1925 seiner Frau Julia den bevorstehenden Umzug des Staatlichen Bauhauses von Weimar nach Dessau. In der zunehmend deutschnationalen Goethestadt war die Avantgarde-Schule in den Jahren zuvor immer wieder angefeindet worden, in der seinerzeit aufstrebenden Industriestadt in Sachsen-Anhalt erwartete sie im Vergleich dazu ein deutlich aufgeschlosseneres und liberaleres Klima.

Um den Neustart möglich zu machen, hatte die Stadt Dessau den Bauhaus-Direktor Walter Gropius mit der Planung und Umsetzung eines neuen Hauptgebäudes sowie dreier Doppelwohnhäuser und eines Einzelwohnhauses für die verschiedenen Bauhauslehrer beauftragt. Innerhalb weniger Monate entstand daraufhin ein beeindruckendes Ensemble von unterschiedlich gestalteten, inmitten eines Kiefernhaines errichteten Bauten, das bis heute zu den wichtigsten Zeugnissen der Bauhaus-Architektur zählt und seit 1996 in der UNESCO-Weltkulturerbeliste verzeichnet ist.

Charakteristisch für die Architektur der Meisterhäuser sind die schlichten geometrischen Formen, die strahlend-weiß verputzten Fassaden sowie die großen, klar geschnittenen Fensteröffnungen. Im luftig-hellen Innenraum verfolgte Gropius außerdem die Idee von standardisierten Grundrissen entsprechend seinem „Baukasten-Prinzip“, um so mit vorgefertigten und flexibel kombinierbaren Raumelementen Kosten und Zeit zu sparen.

Bewegte Geschichte

Nach der Schließung des Bauhauses durch die Nazis 1933 wurden die Meisterhäuser zunächst durch die vor Ort ansässigen Junkers-Werke aufgekauft und als Wohnraum für Werksangehörige genutzt. Während des Krieges folgten die Zerstörung der Villa Gropius sowie einer Hälfte des Hauses von Feininger und Moholy-Nagy, nach 1945 wurden die verbliebenen Bauten nur wenig beachtet und als Mehrfamilienhaus oder als Poliklinik genutzt. Dabei verwahrlosten die Bauten immer mehr, zudem wurden wichtige Funktionszusammenhänge durch bauliche Eingriffe verändert.

Erst Anfang der 1990er-Jahre konnte damit begonnen werden, die Meisterhäuser sukzessive in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Zwischen 1998 und 2001 erfolgte dabei die Sanierung des Meisterhauses von Georg Muche und Oskar Schlemmer. In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und dem Berliner Büro Brenne Architekten wurde eine nicht-rekonstruierende Sanierung erarbeitet, die es erlaubte, die unterschiedlichen Zeitschichten des Hauses freizulegen: „So sind noch etwa 75 Prozent des ursprünglichen Außenputzes, andererseits aber auch die Heizkörper aus DDR-Zeiten vorhanden“, erklärt Architekt Winfried Brenne. „Die Verglasungen der 1939 entfernten großflächigen Treppenhaus- und Atelierfenster wurden dagegen in Größe, Teilung und Ausprägung gemäß den historischen Vorbildern wiederhergestellt.“ Seit der Fertigstellung der Sanierung im Winter 2001/2002 wird das Gebäude vom Design-Zentrum Sachsen-Anhalt für Ausstellungen und Präsentationen sowie von der Stiftung Bauhaus Dessau für Studienzwecke und als Gästehaus genutzt.

Sanierung der Dachfläche

Ein wichtiger Baustein der Maßnahme war die Sanierung der 255 Quadratmeter großen Flachdachfläche. In einem ersten Schritt und in permanenter Abstimmung mit dem Denkmalschutz musste dabei zunächst der vorhandene Aufbau komplett abgetragen werden. Oberhalb der bauzeitlichen Ziegel-Füllkörperdecke wurde anschließend eine neue Dampfsperre aus Bitumen aufgebracht. Direkt darüber wurden zunächst eine Gefälledämmung aus Polystyrolhartschaumplatten und anschließend eine zweilagige Abdichtung mit Bitumenbahnen verlegt. Als untere Schicht kam eine kaltselbstklebende Elastomerbitumenbahn zum Einsatz, direkt darüber wurde eine Elastomerbitumenschweißbahn als Oberlagsbahn verwendet.

Besondere Anforderungen im Rahmen der Dachsanierung stellten die Umsetzung des mit einer Abdeckung aus Titanzink gestalteten Dachrandes sowie der mit einem Zinkblech und einer durchgehenden Fuge ausgebildete Anschluss vom Terrassendach an die Putzfassade. Nach Abschluss dieser Maßnahmen wurde in sämtlichen Bereichen eine Kiesschicht zum Schutz gegen Windsog aufgebracht. Im Zusammenspiel ist so dafür gesorgt, dass das Meisterhaus Muche/Schlemmer langfristig gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt ist.

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