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Jülich Zuckersilo „Zuckerhut“ am Niederrhein

Objekt: Zuckersilo, Jülich
Standort: Dürener Str. 20, 52428 Jülich
Bauherr: Pfeifer & Langen KG (P&L), Köln
Planung: Ipro Industrieprojekt GmbH, Braunschweig
Dachabdichtung: Thale Bedachungen GmbH, Köln
Generalbau: Züblin AG Direktion Duisburg
Fertigstellung: 2011

 

Mächtiger Stahlbetonbau

Mit einer jährlichen Produktion von 280.000 Tonnen gehört die im Jahr 1880 gegründete Zuckerfabrik Jülich zu den größten Zuckerfabriken am Niederrhein. Aufgrund interner Umstrukturierungen und als Antwort auf die weltweit gestiegene Nachfrage nach Zucker hatte die Eigentümerin, die Pfeifer & Langen (P & L) KG aus Köln, 2009 entschieden, ein fünftes Silo am Standort zu errichten. Nach der Fertigstellung des 67 Meter hohen Neubaus im November 2011 steht dem Unternehmen eine zusätzliche Lagerkapazität von 60.000 Tonnen Weißzucker zur Verfügung.

Mit der Planung und Umsetzung des zwölf Millionen Euro teuren Bauwerks war 2010 die IPRO Industrieprojekt GmbH aus Braunschweig beauftragt worden. Das Unternehmen verfügt über eine langjährige Erfahrung bei der Planung von Industrieanlagen und hat bereits zahlreiche Projekte für die Zucker- und Lebensmittelindustrie realisiert.

Um den gewaltigen Stahlbetonbau mit einem Durchmesser von 45 Metern zu errichten, erfolgte im Herbst 2010 zunächst die komplizierte Gründung. Dabei mussten insgesamt rund 300 Pfähle mit einer Länge von 25 Metern und einem Durchmesser von 70 Zentimetern ins Erdreich getrieben werden. Erst danach konnte die 80 Zentimeter mächtige Bodenplatte aus 200 Tonnen Stahl und 2.000 Kubikmeter Beton errichtet werden.

Eine ähnlich große Herausforderung bildete anschließend die Umsetzung des Stahlbetonzylinders mit seiner 40 Zentimeter dicken Stahlbetonwand. Die Innenseite des Silos wurde dabei durchgehend gedämmt und mit Trapezblechen aus Edelstahl verkleidet, um so Temperatur und Feuchte innerhalb des Silos optimal regulieren zu können. Im letzten Schritt erfolgte die Errichtung des zylinderförmigen Daches als Holzkonstruktion aus 32 Fertigteilbindern mit einer Abdichtung aus Bitumenbahnen.

 

Markantes Kegeldach

Die Abdichtung des markanten Kegeldaches erfolgte durch die Thale Bedachungen GmbH aus Köln. „In der Regel haben wir es mit Flachdächern oder mit geneigten Dächern bis 3,0 Grad Dachneigung zu tun“, beschreibt Betriebsleiter Torsten Neuenhöfer den ungewöhnlichen Auftrag. „Ein Steildach mit einer Neigung von 45 Grad in Kombination mit der konischen Form der Dachfläche ist eher ungewöhnlich. Die Abdichtung erforderte nicht nur einen hohen technischen Aufwand, wir mussten auch sicherstellen, dass die Abdichtungen aufgrund der starken Neigung eine höhere Standfestigkeit aufweisen als bei einem flacheren Dach.“

Um die Dachfläche optimal abdichten zu können und einen hochwertigen und langfristigen Schutz auch bei erhöhten Temperaturen zu erreichen, kam eine zweilagige Bitumenabdichtung zum Einsatz. „Normalerweise verwenden wir Bitumenbahnen eher für Flachdächer“, berichtet Torsten Neuenhöfer. „Da die konische Form allerdings ein sehr elastisches Material erforderte, haben wir uns auch in diesem Fall für Bitumenbahnen als Abdichtungsmaterial entschieden. Durch eine zusätzliche mechanische Befestigung der einzelnen Bahnen konnten wir dabei trotz der starken Neigung einen dauerhaft sicheren Aufbau erreichen.“


Um einen zügigen Baufortschritt zu gewährleisten, war die Dachfläche zunächst in verschiedene Abschnitte unterteilt worden, die dann sukzessive abgedichtet wurden. Im ersten Schritt kam dabei zunächst eine Unterlage aus Polymerbitumen zum Einsatz. Anschließend wurde eine spezielle Plastomerbitumenschweißbahn als Oberlage aufgeschweißt. „Plastomerbitumen-Schweißbahnen sind äußerst temperaturbeständig“, begründet Torsten Neuenhöfer die Materialwahl. „Um die Widerstandsfähigkeit gegen starke Sonneneinstrahlung noch zu verstärken, haben wir außerdem eine Sonderbestreuung in Weiß gewählt. Die helle Farbigkeit ermöglicht eine bessere Reflexion als dunkle Bahnen und sorgt so dafür, dass die Bahnen weniger stark erhitzt werden. Darüber hinaus fungiert die Dacheindeckung aber auch als wichtiges Gestaltungselement. Denn die weiße Bestreuung lässt das Zuckersilo CI-gerecht optisch als gigantischen Zuckerhut erscheinen.“

Abdichtung des Aufzugsturms

Neben dem Kegeldach des Zuckersilos mussten auch die Flachdächer des 73 Meter hohen Elevatorturmes und der verbindenden Beschickungsbrücke abgedichtet werden. Abweichend vom Kegeldach wurden beide Flächen als klassisches Kompaktdach ausgeführt. „Beim Aufzugsturm kam oberhalb der Schaumglasdämmung eine zweilagige Bitumenabdichtung zum Einsatz, da bei Schaumglas ein verklebter Aufbau zur Windsogsicherung bis 100 Meter möglich ist“, erklärt Torsten Neuenhöfer die Materialwahl. „Für die Brücke haben wir aus Brandschutzgründen eine Mineralfaserdämmung integriert.“

Nach Fertigstellung sämtlicher Arbeiten konnte das neue Silo inzwischen in Betrieb genommen werden. Die neue Lagerkapazität trägt dazu bei, die 240 Arbeitsplätze am Standort langfristig zu sichern. Aber auch sonst ist der Neubau von großer Bedeutung für die Stadt. Denn immerhin gehört das neue Zuckersilo zu den höchsten Gebäuden vor Ort und fungiert so als prägendes Element der Stadtansicht von Jülich. „Hinzu kommt, dass sich der öffentlich begehbare Turm des Silos inzwischen zur beliebten Aussichtsplattform entwickelt hat. „Denn von dort oben aus hat man einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung“, so Torsten Neuenhöfer.