Stresstest für das Flachdach Starke Abdichtung gegen Starkregen

Regen tropft auf den Boden.
Starkregen mit mehr als einem Liter pro Quadratmeter und Minute.
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Niederschläge mit großen Regenmengen werden künftig wahrscheinlicher. Flachdach- und Bauwerksabdichtungen stellt das vor große Herausforderungen, wie die Starkregenereignisse Mitte des Jahres gezeigt haben. Mit der richtigen Abdichtung und einer klugen Entwässerungsstrategie ersparen Architekten und Dacharbeiter ihren Kunden Ärger und Schäden.

Das Zerstörungspotenzial von Starkregen ist enorm. Binnen weniger Minuten können verheerende Sturzfluten entstehen, die Gebäude und Straßen unterspülen, Keller volllaufen lassen und Schlamm- und Geröllwüsten hinterlassen. 50 Prozent aller Überschwemmungsschäden seien mittlerweile auf Starkregen zurückzuführen, meldet das Bundesamt für Katastrophenschutz und Katastrophenhilfe. Starkregen definiert es als „plötzlichen, lokal begrenzten, sintflutartigen Niederschlag mit zerstörerischer Wirkung, der im schlimmsten Fall zu unkontrollierbaren Sturzfluten führt“.

In Deutschland gab es in den letzten Jahren überdurchschnittlich viele extreme Niederschlagsereignisse. Verlässliche Prognosen sind wegen der komplexen klimatischen Prozesse, die den Berechnungen der Meteorologen zugrunde liegen, schwer zu treffen. Dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge muss hierzulande aber in Zukunft mit einer Zunahme von Wetterlagen gerechnet werden, die Starkregen begünstigen. Als Grund gelten die Folgen des Klimawandels.

 

Vorsorgemaßnahmen zum Gebäudeschutz erforderlich

Große Niederschlagsmengen stellen nicht nur für das kommunale Abwassersystem, sondern auch für die Abdichtung eines Gebäudes eine enorme Belastungsprobe dar. Je mehr Wasser sich im Erdreich anstaut, desto stärker drückt es gegen die erdberührten Bauteile eines Bauwerks. Das Problem: Bei fehlerhafter oder unzureichender Abdichtung dringt schnell Feuchtigkeit in das Gebäude ein. Im Extremfall kann Starkregen sogar zu einer Erhöhung des Grundwasserspiegels führen. Ist die Abdichtung des betroffenen Gebäudes dann auf einen zu niedrigen Bemessungswasserstand ausgelegt, läuft es wie eine Badewanne voll.

Wie groß die Herausforderung ist, verdeutlicht der Schwellenwert, den der DWD für Wetterwarnungen anlegt. Er ist erreicht, wenn in einer Stunde zwischen 15 und 25 Liter oder in sechs Stunden 10 bis 35 Liter pro Quadratmeter fallen. Zur Beschreibung der Anforderungen an erdberührte Bauwerksabdichtungen führte die 2017 neu gefasste DIN 18533 neue Lastfälle für die Beanspruchung von Gebäudeabdichtungen durch Wasser ein. Die Norm unterscheidet zwischen den folgenden Einwirkungsklassen:

  • W1-E für Bodenfeuchte und nicht drückendes Wasser
  • W2-E für drückendes Wasser
  • W3-E für nicht drückendes Wasser auf erdüberschütteten Decken
  • W4-E für Spritzwasser und Bodenfeuchte am Wandsockel sowie Kapillarwasser in und unter Wänden

Um eine Abdichtungsschicht nach W2-E auszuführen, ist ein höherer Aufwand erforderlich. Dann ist das Bauwerk aber auch sicher, erläutert Michael Schäfer, Dachdeckermeister und Vorsitzender beim Ausschuss Technik des vdd Industrieverbands Bitumen-Dach- und Dichtungsbahnen e. V.: „Wer nach W2-E abdichtet, ist für alle Eventualitäten gerüstet, muss natürlich aber auch nicht wenig dafür investieren.“ Bei Gebäuden im Grenzbereich lohnt es sich, hier auf Nummer sicher zu gehen. Doch nicht nur im Keller werden Starkregenereignisse zu einem Bestandstest für die Abdichtung. Auch die Flachdachabdichtung muss mit der erhöhten Wassermenge fertig werden.

 

Wichtigste Faktoren der Flachdachabdichtung und -entwässerung

Industriedach mit Gefälle, Buhlmann, Duisburg
Keine Chance für stehendes Wasser: Das Gefälle dieses Dachs verhindert Pfützenbildung zuverlässig
© Buhlmann, Duisburg

Mit einer guten Entwässerungsplanung stellen Architekten und Verarbeiter die langfristige Funktionstüchtigkeit einer Flachdachabdichtung sicher. Dabei gilt: Die Abdichtungsschicht muss so geplant sein, dass sie mindestens einem Jahrhundertregen standhält. So bezeichnet man Niederschlagsereignisse, die so viel Regen bringen, dass sie statistisch nur alle 100 Jahre vorkommen.

Zum Schutz des Flachdaches vor stehendem Wasser bei Starkregen helfen verschiedene Maßnahmen, die schon während der Planung des Dachaufbaus miteinbezogen werden sollten. DIN 18531 liefert die normative Grundlage für die Abdichtung genutzter und ungenutzter Dächer, Balkonen, Loggien und Laubengängen.

Die Widerstandskraft eines Flachdaches gegen extreme Niederschläge bestimmen besonders das Gefälle, ein möglichst robustes Abdichtungsmaterial, Abflüsse in ausreichender Anzahl und fachgerecht ausgeführte Anschlüsse. Einen wichtigen Faktor stellen auch Dachbegrünungen dar: Begrünte Flachdächer können das Wasser aufnehmen und nach und nach abgeben – wodurch auch die Kanalisation entlastet wird. Unabdingbar sind außerdem regelmäßige Wartungen der Abdichtungsschicht.

 

a) Gefälle
Dachdecker und Verarbeiter wissen: Am effektivsten sorgt ein Gefälle dafür, dass Wasser vom Dach abfließt. Für flache Dächer werden 2 % Mindestgefälle in der Fläche und 1 % in der Kehle empfohlen. Wenn überhaupt kein Wasser mehr auf dem Dach stehen bleiben soll, sind mindestens 5 % Gefälle notwendig. Gerade bei Sanierungsvorhaben im Bestand lässt sich ein Gefälle jedoch oft nur unter erheblichem baulichen und finanziellen Aufwand herstellen. Eine Gefälledämmung kann eine gute Alternative sein.

b) Abdichtungsmaterial
Gerade aufgrund erhöhter Anforderungen durch extreme Wetterereignisse empfiehlt es sich doppelt, mit einem robusten Abdichtungsmaterial zu arbeiten. Bitumenbahnen haben sich als AbAbdichtungsmaterial für Flachdächer aufgrund ihrer Langlebigkeit bewährt. Im Gegensatz zu Dachbahnen auf Kunststoffbasis ist Bitumen Kleb- und Abdichtungsstoff in einem. Es ist komplett wasserunlösslich und hält auch Druckwasser problemlos stand.
Darüber hinaus sind Abdichtungen aus Bitumenbahnen äußerst temperatur- und UV-Strahlen-beständig und mechanisch sehr belastbar. Aus diesem Grund eignen sie sich unter anderem auch optimal als haltbare Grundlage für Dachbegrünungen.

c) Abflüsse
Eine besondere Rolle spielen bei Starkregen die Abflüsse. Sind diese verstopft oder in der Anzahl unzureichend, besteht die Gefahr, dass sich drückendes Wasser auf dem Dach bildet. In so einem Fall ist besonders auch die Dichtheit der Anschlüsse gefragt, damit keine Feuchtigkeit ins Gebäude eindringt.

d) Anschlüsse
Anschlüsse sind die sensibelsten Bestandteile der Abdichtungsschicht, erläutert Schäfer: „In der Regel sind es in 95% der Fälle die Anschlüsse, wenn Undichtigkeiten auftreten. Die Anschlüsse sind das „Ende der Abdichtung“, weshalb sie besonders beachtet werden müssen.“

Vor allem bei zu niedrigen Anschlusshöhen kann es passieren, dass Wasser hinter die Abdichtung gelangt und sie hinterläufig wird. Hier setzt DIN 18531- 1 Ziffer 5.2 an, wonach Flachdachabdichtungen bei Intensivbegrünungen mit Anstaubewässerungen Stauhöhen von bis zu 10 cm standhalten können müssen. Bei Starkregenereignissen kann diese Höhe auch kurzfristig überschritten werden. Einen Unterschied macht zudem die gewählte Anwendungsklasse: Nach K2 ausgeführte Anschlüsse mit Überhangstreifen sind sicherer als die nach K1 erforderlichen Wandanschlussprofile mit Dichtstofffase.


e) Dachbegrünungen

Dachbegrünungen haben - je nach Aufbau - ein hohes Wasserrückhaltevermögen. Kleinere Regenereignisse können komplett gespeichert und anschließend durch Verdunstung der Luft wieder zugeführt werden. Starkregenereignisse, die nicht vollständig gespeichert werden können, fließen zeitverzögert in die Entwässerungsanlage ab.

f) Regelmäßige Wartungen
Um die Funktionalität einer Abdichtung über eine längere Zeitperiode sicherzustellen, sind regelmäßige Inspektionen und Wartungen des Daches notwendig. Im Rahmen der Wartung müssen Dachabläufe gesäubert und die Anschlüsse überprüft und gegebenenfalls von Verunreinigungen befreit werden. Auf diese Weise können auch kleinere Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden, bevor ein großer Schaden entstehen kann.

 

Bester Schutz für Gebäude

Bitumenbahn auf einem Flachdach
Bitumenbahnen sind hoch belastbar und haben sich über Jahrzehnte als Abdichtungsmaterial bewährt.
© vdd

Angesichts der höheren Wahrscheinlichkeiten für Starkregenereignisse sollten Planer und Verarbeiter den Eintritt solcher Ereignisse bei der Bemessung, Planung und Verarbeitung stets im Hinterkopf haben. Das gilt vor allem für Flachdachabdichtungen: Faktoren wie Abdichtungsmaterial, Gefälle, Anschlüsse oder Dachbegrünungen sollten sorgfältig in die Planung miteinbezogen werden. Weil Bitumenbahnen besonders haltbar und robust sind und der Umgang mit ihnen erfahrenen Dachdeckern bekannt ist, stellen sie als Abdichtungsmaterial eine optimale Wahl dar. Eine umfassende Dokumentation ihrer Anwendung liefern die „Technischen Regeln - abc der Bitumenbahnen“. 2017 erschien die aktuelle, mittlerweile sechste Auflage des Regelwerks.

 

Bitumenbahnen im Härtetest

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