Glossar Kaltselbstkleben; Kaltsebstklebeverfahren

Verarbeitung von kaltselbstklebenden Polymerbitumenbahnen
Verarbeitung von kaltselbstklebenden Polymerbitumenbahnen

Das Kaltselbstklebeverfahren ist die Methode zur Verklebung einer Abdichtungsbahn mit einer Selbstklebeschicht. Es wird unter anderem häufig bei der Flachdachabdichtung angewandt.

 

Wie funktioniert das Kaltselbstklebeverfahren?

Beim Kaltselbstklebeverfahren werden spezielle Polymerbitumenbahnen verwendet, die mit selbstklebenden unteren Bitumendeckschichten ausgerüstet sind, die bis zur Verklebung durch abziehbare unterseitige Trennfolien geschützt werden. Nach dem Abziehen der unterseitigen Trennschicht wird die Bahn unter Druck verklebt. Kaltselbstklebebahnen benötigen zur Verklebung lediglich ein Minimum an Wärme. Im Allgemeinen genügt die Sonneneinstrahlung. Da die Sonne aber nicht immer wärmt, empfehlen viele Hersteller, ihre kaltselbstklebenden Unterlagsbahnen „Zug um Zug“ mit schweißbaren Oberlagsbahnen zu verlegen. Denn das Aufschweißen der Oberlage bringt auch bei niedrigen Außentemperaturen die zur lagesicheren Verklebung erforderliche Wärme.
Ist das nicht möglich, beispielsweise bei Anschlüssen oder bei einlagiger Abdichtung von Wänden erdberührter Bauteile, kann durch Erwärmen der unteren selbstklebenden Bitumendeckschicht die Selbstklebeschicht aktiviert werden. Das Selbstklebebitumen wird dabei nicht verflüssigt. Das Verfahren heißt „thermische Aktivierung“. Zur optimalen Verklebung benötigt Selbstklebebitumen zusätzlich Druck. Nähte werden deshalb mit der Nahtrolle angedrückt. Das ist besser als den Fuß zu verwenden, weil mit der Rolle der Druck gleichmäßig und an jeder Stelle ausgeübt werden kann. In der Fläche können die Bahnen auch mit einem Staubbesen angedrückt werden. Dadurch werden die Bahnen „gestreckt“ und Knickfalten vermieden. Außerdem braucht die Verklebung mit Selbstklebebitumen Zeit: Mag sich eine gerade verlegte Selbstklebebahn noch lösen lassen – je länger sie liegt, desto inniger wird der Klebeverbund. Der Grund: Selbstklebebitumen hat einen Nachklebeeffekt, die Verklebung wird immer besser.

   

Worauf muss man beim Kaltselbstkleben von Bitumenbahnen achten?

Beim Kaltkleben bzw. Kaltselbstklebeverfahren werden kaltselbstklebende Polymerbitumenbahnen verwendet. Bei der Verarbeitung dieser Bahnen müssen die folgenden Faktoren berücksichtigt bzw. sichergestellt sein:

  • Der Untergrund muss für eine Kaltverklebung geeignet oder dafür vorbereitet sein.
  • Die Untergrund- und Umgebungstemperatur muss für die Verklebung ausreichend sein.
  • Durch Abziehen der unterseitigen Trennschicht wird die Bahn unter Druck teil- oder vollflächig aufgeklebt, dabei muss darauf geachtet werden, dass Kapillaren vermieden werden. Um dies sicherzustellen sind am T-Stoß gesonderte Maßnahmen zu ergreifen (z. B. Schrägschnitt der unterdeckenden Bahn).
  • In jedem Fall sollten die Herstellervorschriften beachtet werden.
 

Was sind die Vorteile und Nachteile des Kaltselbstklebens?

Der Vorteil des Kaltselbstklebeverfahren liegt auf der Hand: Die Verarbeitung kann ohne offene Flamme erfolgen und ist deshalb schnell und unkompliziert umzusetzen. Besonders bei brandsensiblen Untergründen (auch Wärmedämmungen) ist das Kaltkleben eine bewährte Verlegemethode.

Der Nachteil der Bahnen ist jedoch, dass eine zusätzliche Wärmezufuhr in einigen Fällen (zum Beispiel bei kühlen Temperaturen) unumgänglich ist.
 

Wie lange gibt es das Kaltselbstklebeverfahren?

Das Kaltselbstkleben ist ein vergleichsweise recht junges Verfahren, das entwickelt worden ist, um auch in brandsensiblen Bereichen Bitumenbahnen ohne Flamme zu verlegen. Erste Versuche hat es bei vdd-Mitgliedsfirmen bereits 1975 gegeben. Das neue System bestand aus einer Rolldämmbahn aus EPS mit einer aufkaschierten ersten Abdichtungslage und einer kaltselbstklebenden Oberlagsbahn. Das System gab es für Dächer bis und über fünf Grad Neigung.
Kaltselbstklebende Polymerbitumenbahnen haben seither den Markt erobert. Ihre Anwendung wurde 1991 erstmals geregelt. Die Produkte wurden zunächst in den Stoffteilen der Konstruktionsnormen geregelt, 2005 für Dachabdichtungen und 2006 für die Bauwerksabdichtung, dann 2006 und 2007 in den Anwendungsnormen, in denen auch die Mindestanforderungen an die Produkteigenschaften festgelegt wurden.
Kaltselbstklebende Polymerbitumenbahnen gibt es als Unterlags- und Oberlagsbahnen. Als Unterlagsbahnen kommen sie vermehrt zum Einsatz.