Hitzewelle Gründächer machen Städte fit für die Zukunft

Hitze und Dürre gaben in den letzten Monaten einen Vorgeschmack auf die Folgen des Klimawandels. Besonders in den Städten ächzten die Menschen wegen des Wärmeinsel-Effekts unter den extremen Temperaturen. Als Grünoasen in der Betonwüste schwächen Dachbegrünungen den Effekt wirkungsvoll ab.

Erholsamer Schlaf? Fehlanzeige! In der Nacht bekommt man den Wärmeinsel-Effekt voll zu spüren. Wenn die Gebäude die tagsüber gespeicherte Wärme abgeben, liegt die Lufttemperatur um bis zu zehn Grad über der im Umland. Das sehr heiße und trockene Wetter der letzten Monate trieb selbst hart gesottene Städter an ihre Belastungsgrenze. Als Mittel gegen die Hitze sind Parks, Grün- und Wasserflächen unverzichtbar – und zum Seele-baumeln-lassen sowieso. 

Grüne Infrastruktur weiterentwickeln

Unser Leben wird immer urbaner - und unsere Städte immer grauer: Laut des Statistischen Jahrbuchs 2017 leben aktuell rund 77 % aller Bundesbürger in Stadtgebieten, Tendenz steigend. Den stetig wachsenden Bedarf an Wohnraum versuchen die Stadtplaner mit Stadterweiterungen und Nachverdichtungen zu decken. Das hat jedoch die fortschreitende Versiegelung von Grünflächen zur Folge.

Zu den großen Herausforderungen der Städte gehört, die grüne Infrastruktur zu bewahren und so weiterzuentwickeln, dass sie auch in Zukunft ihre positiven Auswirkungen auf das Stadtklima voll entfalten kann.

Ausgleich für versiegelte Flächen

Während es auf dem Boden eng wird, eröffnet sich den Stadtplanern einige Meter höher noch viel Handlungsspielraum. Dachbegrünungen bieten einen ökologisch und finanziell nachhaltigen Weg, die versiegelten Flächen zumindest teilweise auszugleichen und den Wärmeinsel-Effekt abzumildern.

Durch Verdunstung kühlen Gründächer an heißen Tagen und dienen bei Starkregenereignissen als Wasserspeicher, die zur Entlastung der Kanalisation beitragen. Tieren und Pflanzen bieten sie willkommene Ersatzhabitate. Durch die Filterung von Luftschadstoffen und Feinstaub tragen sie zur Verbesserung der Luftqualität bei.

Es gilt: Wer nach einer einfachen und günstigen Möglichkeit zur Verbesserung des Stadtklimas sucht, kommt am Gründach nicht vorbei.

Natürliche Klimaanlage

Für eine Dachbegrünung sprechen auch ganz pragmatische Gründe. So wertet sie ein Gebäude optisch erheblich auf, erhöht die Lebensqualität und im Fall von Bürogebäuden die Motivation der Mitarbeiter. Extreme Temperaturschwankungen gleicht ein bepflanztes Dach wie eine natürliche Klimaanlage aus und hilft auf diese Weise, die Energiekosten zu senken. Im Sommer sorgt es für Abkühlung, im Winter mindert es Wärmeverluste.

Indem das Gründach die Dachabdichtung wirksam vor UV-Strahlen, Witterungseinflüssen und thermischen Belastungen schützt, beugt es der Materialermüdung vor. Im Vergleich zu Flachdächern ohne Begrünung halten Gründächer signifikant länger. Trotz laufender Kosten für Wartung und Pflege warten sie deshalb langfristig mit nicht unerheblichen Kostenvorteilen auf.

Ungeachtet ihrer vielen ökologischen und ökonomischen Vorteile und zahlreichen Förderprogrammen auf kommunaler Ebene begegnet man Gründächern im Stadtbild überraschend wenig. Zwar wächst die begrünte Dachfläche um 8 Millionen Quadratmeter im Jahr. Umgerechnet sind das jedoch nur 5-10 % der neu entstandenen Flächen. Hier liegt viel Potenzial brach.

Die richtige Planung des Gründachs

Intensiv oder extensiv?

Von Anfang an sollte die Art der gewünschten Vegetation in die Planung miteinbezogen werden: Welche Pflanzen eignen sich für die Bedingungen (Himmelsrichtung, Verschattung) am Standort des Gebäudes? Ist eine Intensiv- oder eine Extensivbegrünung geplant?

Anspruchslose und flach wachsende Pflanzenarten wie Moose, Sedum oder Kräuter kennzeichnen Extensivbegrünungen. Eine vielfältige, gartenähnliche Vegetation bezeichnet man als Intensivbegrünung. Sie kann Sträucher und Rasenflächen, aber auch Zierpflanzen und Bäume umfassen.

Bauliche Voraussetzungen

Bei der Planung eines Gründachs im Rahmen eines Neubaus oder eines Sanierungsvorhabens im Bestand müssen verschiedene bauliche Voraussetzungen erfüllt werden. Denn nicht jede Flachdachkonstruktion eignet sich für jede Art der Begrünung. Es gilt sicherzustellen, dass ein Dach das zusätzliche Gewicht überhaupt tragen kann. Schon bei einer verhältnismäßig kleinen Dachfläche von 200 Quadratmetern ergibt sich eine zusätzliche Last von bis zu 80 Tonnen.

Ein wichtiger Faktor ist auch das Dachgefälle: Um stehendes Wasser zu vermeiden und Regenwasser sicher abzuführen, gilt eine Dachneigung zwischen 2 und 5 Grad auch bei Gründächern als Standard. Eine Ausnahme stellen Intensivbegrünungen mit Anstaubewässerung dar, für die sich Dachflächen ohne Gefälle besser eignen. Ebenfalls bereits in der Planungsphase sollten die Windsogsicherung und Verwehsicherheit berücksichtigt werden.

Richtig abdichten

Hohe Anforderungen stellen Gründächer an ihre Abdichtung.  Das gilt mit Blick auf den Klimawandel und seine Folgen umso mehr, die steigende Anforderungen an die verbauten Materialien durch Extremwetterereignisse mit sich bringen.

Seit ihrer Neuregelung im Jahr 2017 dient die DIN 18531:2017-07 „Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen“ sowohl für extensiv als auch für intensiv begrünte Dachflächen als normative Grundlage.

Zentral ist die Wahl eines hochwertigen Dichtungsmaterials und seine fachgerechte Aufbringung. Zweilagige Dachabdichtungen aus Bitumen- und Polymerbitumenbahnen haben sich bei Gründächern bewährt. Sie sind nicht nur langlebig, sondern zeichnen sich außerdem durch eine außerordentliche thermische und mechanische Belastbarkeit aus. Einen weiteren Vorteil stellt ihre einfache Verarbeitbarkeit dar.

Das zweilagige Verlegen der Bahnen vermindert das Risiko einer Undichtigkeit und bietet so ein sicheres und vor allem dichtes Fundament für das Gründach.

Empfohlener Aufbau des Gründachs

Der Aufbau eines Gründachs setzt sich aus mehreren Schichten mit jeweils spezifischer Funktion zusammen. Kommen Polymerbitumen- oder Bitumenbahnen zum Einsatz, wird zum Schutz des Dachaufbaus aus Tragkonstruktion, Dampfsperre und Dämmmaterial eine zweilagige Abdichtungsschicht empfohlen, die z. B. eine kaltselbstklebende Polymerbitumenbahn mit einer wurzelfesten Polymerbitumenschweißbahn kombiniert. Sie bietet einen belastbaren Untergrund für intensive oder extensive Dachbegrünungen.

Schäden durch Wurzeln vorbeugen

Zur fachgerechten Umsetzung eines Gründachs gehört ein zuverlässiger Durchwurzelungsschutz. Die gesamte Dachfläche ist dazu mit durchwurzelungsfest ausgerüsteten Polymerbitumenbahnen auszuführen. Es drohen sonst Schäden an Dachaufbau, Anschlüssen, Fugen und Durchdringungen, u.a. durch sich spontan auf unbegrünten Teilen des Daches ansiedelnde Pflanzen.

Bei Abdichtungsbahnen ist auf das Prüfzeugnis „Wurzelfest nach FLL“ zu achten. Es wird Produkten ausgestellt, die das zweijährige Prüfverfahren der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) erfolgreich durchlaufen haben. Gleichwertig zum nationalen FLL-Verfahren ist der Nachweis des Widerstandes der Abdichtung gegen Durchwurzelung nach DIN EN 13948, ein europäisches Prüfverfahren. Der Nachweis der Durchwurzelungsfestigkeit ist nach beiden Verfahren zulässig und Bitumenbahnen bieten damit einen sicheren Wurzelschutz.

Optimale Hilfestellung

Planer, Architekten und Handwerker können in Form der „Technischen Regeln - abc der Bitumenbahnen“ auf ein umfassendes Regelwerk zurückgreifen, das alle notwendigen Informationen zur Planung und Ausführung von Gründachabdichtungen mit Polymerbitumen- und Bitumenbahnen übersichtlich aufbereitet.

Unter Berücksichtigung der neu gefassten Normenreihe DIN 18531 bis DIN 18535 erschien das Fachbuch im Herbst 2017 in der sechsten, vollständig überarbeiteten Auflage.