Glossar Gießverfahren

Gießverfahren Bitumenbahn
Verarbeitung einer Bitumenbahn mit dem Gießverfahren.
© derdichtebau

Das Gießverfahren ist eine Methode, um Dachdichtungsbahnen aus Bitumen zu verarbeiten. Dabei wird Heißbitumen aus einer Kanne so vor die aufzuklebende Bahn gegossen, dass beim Einrollen ein Bitumenwulst auf vollständiger Bahnbreite vor der Rolle herläuft und eine vollflächige Verklebung erfolgt.

 

Was ist das Gießverfahren?

Die älteste Methode, um eine hohlraumfreie, vollflächige Verklebung zu gewährleisten, ist das Gieß- und Einrollverfahren. Bitumenbahnen und heißflüssiges Bitumen, welches in einem geeigneten Bitumenkocher auf ca. 200 Grad erhitzt wurde, werden dabei auf waagerechten oder nur gering geneigten Flächen miteinander und mit dem Untergrund verklebt. Die Bitumenbahn wird in die aus einer Metall-Gießkanne ausgegossene heiße Klebemasse eingerollt, wobei diese Masse an den Rändern der Bahn austreten und beim Einbringen eine Wulst in der Bitumenbahnbreite bilden muss. Es darf keine Luft unter der ersten Lage eingeschlossen werden. Da bei dem Verfahren auf dem Dach keine Flamme genutzt wird, muss der Untergrund komplett trocken sein.

   

Wann wird das Gießverfahren angewendet?

Das Gießverfahren bewährt sich vor allem bei Flachdächern mit nur sehr geringem Gefälle.

Wegen des flüssigen Heißbitumens sollte die Neigung des Untergrundes 3 Grad (ca. 5 %) nicht überschreiten. Dann können die Schichten des Abdichtungssystems vollflächig mit der Unterlage und miteinander verklebt werden.

Die Gießtechnik ist die am längsten angewandte Verarbeitungsweise und wird unter anderem angewendet, um Unebenheiten (bis zu 5 mm) auszugleichen. Um eine gute Verklebung sicher zu stellen ist die Unterseite der Bahn bestenfalls besandet.

Erfahrene Verarbeiter müssen beim festen und geraden Aufwickeln drei wesentliche Faktoren aufeinander abstimmen: Die Temperatur und Menge der aufzugießenden Bitumenmasse, die Geschwindigkeit des Einrollens der Bahn und den Druck auf selbige mit dem Wickelkern. Das Ziel ist stets eine optimale vollflächige Verklebung.

Die auch heute noch vielfach durchgeführte Verlegetechnik punktet durch ihre hohe Sicherheit und Robustheit. Bei beschieferten Oberlagen sorgt das Abstreuen mit gleichfarbigem Schiefersplit in die noch heißflüssige Bitumenmasse zudem auch optisch für ein einheitliches Gesamtbild.

Dennoch sind Aufbereitung und Transport entsprechender Mengen von Heißbitumenklebemasse relativ schwierig. Ein Bitumenkocher und ggf. ein Pumpkocher sind erforderlich.

Alternativen bieten das Schweißverfahren sowie das Kaltselbstklebeverfahren. Ersteres erfordert nur wenig Arbeitsgerät, allerdings auch ein längeres Aufschmelzen der Deckschichten. Die offene Flamme bedingt zudem große Sorgfalt. Das Kaltselbstklebeverfahren geht zwar sehr einfach vonstatten, jedoch erfordert dieses zusätzliche Wärmezufuhr.

   

Welche Vorteile hat das Gießverfahren?

Das Gießverfahren ist das traditionellste Verfahren zur Verarbeitung von Bitumenbahnen. Beschrieben wurde es schon 1965 im „abc der Dachpappe“. Derzeit erlebt es eine gewisse Renaissance, nicht zuletzt durch das seit einigen Jahren auch für die Aufbereitung in Bitumenkochern verfügbare Elastomerbitumen. Vorteilhaft ist unter anderem, dass die frei wählbare Menge an Heißbitumen insbesondere kleinere Unebenheiten, z. B. bei Betondecken, besser ausgleichen kann als die untere Deckschicht von Schweißbahnen und so eine planebene Fläche erzielt werden kann. Wenn die Abdichtung in Verbindung mit der Betondecke hergestellt werden soll um im möglichen Schadensfall Wasserunterläufigkeit zu limitieren, hat das Gießverfahren sich ebenfalls als vorteilhaft erwiesen. Außerdem punktet es durch Effizienz, da es eine sehr schnelle Methode darstellt. Und: Zum Untergrund kann auch nur teilflächig verklebt werden. Dann reicht ein punkt- oder streifenweiser Auftrag der Heißbitumenklebemasse.