Glossar Bitumen

Bitumen
Bitumen
© vdd

Bitumen ist bereits seit mehreren tausend Jahren für seine guten Eigenschaften als Abdichtungsmaterial bekannt. Angewendet wurde es in der damaligen Zeit überwiegend wegen seiner Klebekraft zum Mauern und wegen seiner Wasserundurchlässigkeit zum Abdichten. Hauptanwendungsbereiche waren somit das Bauwesen und der Schiffsbau. Außerdem wurden Wasserläufe in Parks und Wasserleitung zur Versorgung von Städten mit Bitumen erst möglich (1. und 2. Jh. n. Chr.).

 

Was ist Bitumen?

Bitumen ist ein dunkelfarbiges, halbfestes bis springhartes, klebriges Erdölderivat, das hauptsächlich aus Kohlenstoff und Wasserstoff, genauer gesagt aus einem Gemisch von Kohlenwasserstoffen wie Paraffinen, Naphthenen und Aromaten besteht. Es reagiert aber nicht mit Wasser oder Luft und ist daher gesundheitlich unbedenklich. Natürlich ist Bitumen nicht zum Verzehr geeignet, die gesundheitliche Unbedenklichkeit zielt auf die Verarbeitung von bitumenhaltigen Baustoffen oder den eingebauten Werkstoff.

 

Wie wird Bitumen hergestellt?

Bitumen wird aus Erdöl gewonnen, und zwar hauptsächlich durch die Destillation von Rohöl. Rohöl ist dabei das stabilisierte, von leichten Gasen befreite Erdöl.

Im ersten Schritt findet die atmosphärische Destillation statt. Dabei wird das Rohöl nach Erwärmung unter atmosphärischem Druck destilliert. Während dieses Prozesses verdampfen die leichten Bestandteile aufgrund ihres niedrigen Siedepunkts und kondensieren. So entsteht die Basis für u. A. Benzine, Diesel oder leichtes Heizöl.

Anschließend folgt die Phase der Vakuum-Destillation. In diesem Schritt werden aus dem Rückstand der ersten Stufe unter vermindertem Druck bei Temperaturen von 350 bis 380 °C weitere Bestandteile abdestilliert. Es verdampfen Öle, die zum Teil als Einsatz für Konversionsanlagen oder zur Herstellung von Schmierölen verwendet werden. Zurück bleibt Bitumen, genauer gesagt Destillationsbitumen. Dieses ist ein Ausgangsstoff für die Weiterverarbeitung zu u. A. Bitumenbahnen.

   

Welche Eigenschaften besitzt Bitumen?

Bitumen besitzt viele Eigenschaften, die es zu einem bewährten Abdichtungsstoff machen. Es ist wasserabweisend und nicht wasserlöslich. Die Löslichkeit von Wasser in Bitumen liegt lediglich bei 0,001 bis 0,1 %. Deshalb ist es auch als nicht wassergefährdend eingestuft (Einstufung Umweltbundesamt: Nicht wassergefährdend). Darüber hinaus verfügt Bitumen über sehr gute Haft- und Klebeeigenschaften, weshalb es nicht nur als Abdichtungs- sondern auch als Klebstoff genutzt werden kann. Bitumen oxidiert außerdem kaum an der Luft, wodurch es über eine gute Witterungsbeständigkeit verfügt.

 

Wo wird Bitumen verwendet?

Grafik: Einsatz von Bitumen 2014
© derdichtebau, Zahlen: ARBIT

Bitumen wird vorwiegend als Bindemittel im Asphalt eingesetzt, der im Straßenbau und für Abdichtungen im Deponie- und Wasserbau eine wesentliche Rolle spielt. Doch auch zur Dach- und Dichtungsbahnenherstellung für die Flachdach- und Bauwerksabdichtung kommt Bitumen zum Einsatz.

Außerhalb der Bauindustrie wird Bitumen in vielen Bereichen eingesetzt, weil es wärmeisolierend und schalldämmendend wirkt. So reduziert es unter Fußbodenbelägen den Trittschall, in Autos und Aufzügen dämmen spezielle Bitumenmatten die Schallübertragung. Durch seine geringe elektrische Leitfähigkeit kommt es auch als Isolationsmaterial für Stromkabel zum Einsatz. Ebenso ist es aus der Papierindustrie und bei der Herstellung von Farben und Lacken nicht wegzudenken.


 

Wodurch unterscheidet sich Bitumen von Teer?

Häufig werden Teer und Bitumen miteinander verwechselt. Dabei unterscheiden sich die Stoffe in wesentlichen Aspekten. Teer wird aus Kohle mittels der Pyrolyse gewonnen, Bitumen mittels Destillation aus Erdöl. Teer verfügt über einen BaP-Gehalt (Benzo[a]pyren) von ca. 5.000 mg/kg, während Bitumen max. 5 mg/kg aufweist. Und im Gegenzug zu Bitumen, löst Teer durch phototoxische Reaktionen Hauterkrankungen und -verfärbungen aus, die auch als Berufskrankheit (darunter teerverursachter Hautkrebs) anerkannt werden.

Aus diesen und weiteren Gründen wird Bitumen seit 1983 begrifflich strikt von Teer getrennt. Die DIN EN 12 597 beschreibt nur noch Bitumen und bitumenhaltige Produkte.