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Berlin Berolinahaus in Berlin Im Zentrum der Hauptstadt

Objekt: Berolinahaus

Standort: Berlin, Alexanderplatz 1

Architekt 1929-1931: Peter Behrens

Architekt Umbau 2005-2006: Sergei Tchoban, TCHOBAN VOSS Architekten, Berlin

Bauherr Umbau: Pegasus Grundstücksentwicklung und Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG

Projektsteuerung: Obermeyer Planen und Beraten, Berlin

Generalunternehmung, Ausführung der Dacharbeiten: Hochtief Construction AG, Berlin

 

Mit täglich mehr als 360.000 Passanten zählt der Berliner Alexanderplatz zu den am stärksten frequentierten Plätzen in Europa. Ähnlich belebt ging es hier auch schon gegen Ende der 1920er-Jahre zu, als direkt angrenzend an den dortigen Bahnhof das Berolinahaus und das Alexanderhaus fertiggestellt wurden, um damit eine neue Torsituation zum historischen Stadtzentrum zu schaffen. Mit der Planung der beiden jeweils achtgeschossigen und weitgehend identisch ausgebildeten Geschäftshäuser war seinerzeit der renommierte Architekt Peter Behrens beauftragt worden, der als einer der wichtigster Vorläufer der Bauhaus-Idee gilt und in dessen Berliner Büro um 1910 die späteren Bauhaus-Direktoren Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe ebenso wie Le Corbusier angestellt waren.

 

Kennzeichnend für die beiden Bauten ist ihre streng geometrische Architektur im Stil der Neuen Sachlichkeit. Ein charakteristisches Element sind dabei die symmetrisch gerasterten Lochfassaden aus hellem Kalkstein mit ihren quadratischen Fensteröffnungen. Die Erdgeschosse der beiden Gebäude hatte Behrens für Ladenflächen vorgesehen, im ersten Obergeschoss mit seinen umlaufenden Glasgalerien wurden jeweils Restaurants angesiedelt. Die sechs weiteren Etagen wurden mit Büros belegt. Komplettiert wurde das Angebot durch eine attraktive Dachterrasse mit weiter Aussicht über die Stadt, die als Tanzfläche und Liegewiese genutzt wurde.

 

Denkmalgerechte Sanierung

Während des Zweiten Weltkrieges waren die beiden Bauten zwar beschädigt worden, sie konnten aber relativ schnell wieder restauriert werden. Anfang der 1950er-Jahren zogen daraufhin der Berliner Magistrat und später andere Verwaltungsbehörden ein.

 

Nach der Wende wurde zwischen 1993 und 1995 zunächst das Alexanderhaus nach Plänen des Architekturbüros Pysall, Stahrenberg & Partner restauriert. Das Berolinahaus stand demgegenüber seit 1998 für mehrere Jahre leer, bis es 2004 an die Pegasus Grundstücksentwicklung und Beteiligungsgesellschaft mbH & Co. KG verkauft und anschließend nach Plänen von Tchoban Voss Architekten denkmalgerecht saniert werden konnte. Im Rahmen der Sanierung wurde die charakteristische Außenhülle sorgfältig restauriert und der 1950 auf die kriegsversehrte Natursteinfassade aufgebrachte Spritzbeton wieder durch eine vorgehängte Fassade aus Kalkstein ersetzt. Ebenso erhielt die bauzeitlich als Brandwand gestaltete Giebelwand nach Nordwesten ein eigenständiges neues Gesicht. Um die beiden unteren Geschosse als Fläche für ein großes Textilkaufhaus nutzen zu können, musste außerdem das vorhandene Stützenraster angepasst werden. Die Verdoppelung der alten Pfeilerabstände auf 10,60 Meter erforderte dabei eine völlige statische Neuausrichtung des Gebäudes.

 

Attraktiver Dachgarten

Komplettiert wird der Sanierungsumbau durch die Wiederherstellung des bauzeitlich vorhandenen Dachgartens. In einem ersten Schritt musste dazu zunächst der vorhandene Dachaufbau komplett saniert werden: „Gemeinsam mit dem Bauherrn und den Planern der ausführenden Hochtief Construction AG haben wir dazu vorab entschieden, den aus mehreren Sanierungsphasen stammenden Warmdachaufbau und die darauf aufliegende Abdichtung komplett abzutragen und durch ein neues Umkehrdach zu ersetzen“, erklärt Projektleiter Philipp Bauer. Oberhalb der 20 Zentimeter starken, teilweise neu errichteten Betondecke und auf einem Bitumenvoranstrich wurde dabei zunächst eine Elastomerbitumenbahn im Gießverfahren aufgebracht. Direkt darüber konnte dann eine weitere Elastomerbitumenbahn als Oberlagsbahn aufgeschweißt werden. „Im Verbund ist das Gebäude so dauerhaft gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt“, so Philipp Bauer.

 

Oberhalb der Abdichtung sorgt eine 16 Zentimeter dicke Dämmung aus Polystyrol-Extruderschaum für einen optimierten Wärmeschutz. Abschließend konnte dann mit dem Begrünen und Bekiesen der insgesamt 1247 Quadratmeter großen Dachfläche begonnen werden. Analog zur Gestaltung des benachbarten Alexanderhauses wurde eine dynamisch gestaltete Dachbegrünung geschaffen, die nicht nur eine willkommene biologische Ausgleichsfläche am Standort schafft und einen verbesserten Rückhalt von Niederschlagswasser ermöglicht, sondern gleichzeitig auch eine attraktive Aufsicht aus den angrenzenden Hochhäusern bietet.

 

In den zu Inspektionszwecken begehbaren Bereichen des Daches schafft eine fünf Zentimeter dicke Splittschicht einen soliden Untergrund für fünf Zentimeter dicke Betonplatten. In den nach außen hin wellenförmig angrenzenden Grünbereichen dienen demgegenüber ein Filtervlies und eine Wurzelschutzbahn als Untergrund für extensive Begrünung mit Sedum. Komplettiert wird das Konzept durch die insgesamt 292 Quadratmeter großen Dächer der verschiedenen Dachaufbauten, die ebenso wie das Hauptdach als Umkehrdach hergestellt wurden. Im Zusammenspiel ist eine vielschichtige Freiraumplanung entstanden, die die bauzeitliche Dachbegrünung in zeitgemäßer Form neu umsetzt.