Technische Regeln Auswahl der Abdichtung

Anforderungen
(1) Abdichtungen müssen das Eindringen von Niederschlagswasser in das zu schützende Bauwerk verhindern.


(2) Die Art der Stoffe, die Anzahl der Lagen und deren Anordnung sowie das Verfahren zur Herstellung der Abdichtung müssen in ihrem Zusammenwirken und unter Berücksichtigung der Bewegungen der Unterlage die Funktion der Abdichtung sicherstellen. Ihre Eigenschaften dürfen sich unter den üblichen Bedingungen, denen Abdichtungen nach Lage, Ort und Aufbau zur Zeit der Planung unterliegen, nicht so verändern, dass die Funktion und der Bestand der Abdichtung wesentlich beeinträchtigt werden.


(3) Abdichtungen müssen wasserdicht mit Durchdringungen wie Dachabläufen, Lichtkuppeln etc. verbunden und an aufgehende Bauteile angeschlossen werden.


(4) Abdichtungen müssen die auf sie einwirkenden planmäßig zu erwartenden Lasten auf tragfähige Bauteile weiterleiten. Kräfte parallel zur Abdichtungsebene dürfen nicht in die Abdichtung eingeleitet werden.


(5) Abdichtungen müssen so geplant und ausgeführt werden, dass sie bei den zu erwartenden Temperaturen von -20 °C bis +80 °C funktionsfähig bleiben.


(6) Die dauerhafte Funktionsfähigkeit der Abdichtung wird beeinflusst durch:

  • die Dachneigung
  • die Art der Einwirkung
  • die Auswahl der Stoffe
  • die Art des Dachaufbaus
  • die gewählten Zusatzmaßnahmen
  • die Wartung

Ausführung

Abdichtung eines Industriedaches mit Polymerbitumenbahnen
Bild 4: Abdichtung eines Industriedaches mit Polymerbitumenbahnen

(1) Abdichtungen dürfen bei Witterungsverhältnissen, die sich nachteilig auswirken können, nur ausgeführt werden, wenn zusätzliche Maßnahmen getroffen werden. Diese sind entsprechend den Gegebenheiten zum Ausführungszeitpunkt mit dem Auftraggeber zu vereinbaren. Solche Witterungsverhältnisse sind z. B. Temperaturen unter +5 °C, Feuchtigkeit, Nässe, Schnee und Eis oder scharfer Wind (s. auch VOB/C DIN 18338 „Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten“).

(2) Abdichtungen aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen dürfen sowohl einlagig als auch mehrlagig hergestellt werden. Detailausbildungen und gefällelose Bereiche sind mindestens zweilagig herzustellen. Werden Abdichtungen mehrlagig ausgeführt, so sind die Lagen untereinander vollflächig zu verkleben und im Versatz anzuordnen.

(3) Die Auswahl der Bahnen richtet sich nach den zu erwartenden Einwirkungen auf die Abdichtung, die sich ergeben aus z. B.:

  • Witterung
  • Gefälle
  • Nutzung
  • Art und Dicke der Dämmschicht
  • Unterkonstruktion (Stahltrapezprofile, Fertigteile, großformatige Fertigteile etc.)

(4) Die Kaschierlage von Dämmbahnen gilt als Lage mehrlagiger Abdichtungen, wenn die Lieferlänge mind. 2,50 m beträgt und die Anforderungen nach Auswahl der Stoffe werden.

(5) Bitumenbahnen mit Metallband- bzw. Metall-Kunststoff-Verbundeinlage sind geeignet unter Dachbegrünungen und schwerer Auflast. Sie sollten nicht für längere Zeit ungeschützt der freien Bewitterung ausgesetzt werden.

(6) Bei Verwendung von Plastomerbitumenbahnen im Schichtenverbund sind die Verarbeitungshinweise der Hersteller zu beachten. Abdichtungen mit diesen Bahnen sind systemgerecht herzustellen. Plastomerbitumenbahnen werden im Schweißverfahren verarbeitet.

Auswahl der Stoffe

Auswahl einer Abdichtung aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen  (Tabelle 1 aus DIN 18531-3)
Tabelle 6: Auswahl einer Abdichtung aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen (Tabelle 1 aus DIN 18531-3)

(1) Abdichtungen von nicht genutzten und genutzten Dächern werden nach
 Tabelle 6 ausgewählt.


(2) Die Auswahl der Stoffe zur Festlegung des Aufbaus der Abdichtung ist unter Berücksichtigung der Anwendungsklassen K1 und K2 und der Einwirkungsklassen IA, IB, IIA und IIB vorzunehmen. Die Zuordnung der Abdichtung zu den Anwendungs- und Einwirkungsklassen hat unter Berücksichtigung der für den Einzelfall maßgebenden Anwendungsbedingungen zu erfolgen. Hierbei sind Stoffe nach Tabelle 5 zu verwenden. Etwaige weitere Einwirkungen (z. B. chemische Belastungen) sind zu berücksichtigen.

(3) In der Anwendungsklasse K1 erfolgt die Auswahl der Abdichtung in Abhängigkeit von dem geplanten Gefälle und den Einwirkungen auf die Abdichtung.   

  • Bei einem geplanten Gefälle ≥ 2 % (≥ 1,2°) muss die untere Lage einer zweilagigen Abdichtung der Eigenschaftsklasse E1 oder E2 entsprechen, die obere der Eigenschaftsklasse E1. Für nicht genutzte Dachflächen mit mäßiger mechanischer Einwirkung (Einwirkungsklassen IIA, IIB) darf die untere Lage auch der Eigenschaftsklasse E4 entsprechen. Für nicht genutzte Dachflächen darf auch eine einlagige Abdichtung mit Polymerbitumenbahnen für die einlagige Verlegung (Eigenschaftsklasse E1, Anwendungstyp DE) ausgeführt werden.
  • Bei einem geplanten Gefälle < 2 % (< 1,2°) sind mindestens zwei Abdichtungslagen der Eigenschaftsklasse E1 zu verwenden.

(4) In der Anwendungsklasse K2 ist in der Fläche ein geplantes Gefälle von ≥ 2 % (≥ 1,2°) erforderlich; Kehlen sollten mit ≥ 1 % (≥ 0,6°) geplant werden. Es sind mindestens zwei Abdichtungslagen der Eigenschaftsklasse E1 zu verwenden. Im Bereich der Detailausbildungen sind besondere Anforderungen zu berücksichtigen (siehe Detailausbildungen und Abbildung 2). Bei Abdichtungen auf wasserdurchlässigen Dämmschichten mit Dampfsperren können die möglichen negativen Auswirkungen von Unterläufigkeit durch regelmäßige Abschottungen des Dämmstoffquerschnitts minimiert werden. Bei intensiver Begrünung mit Anstaubewässerung bis 100 mm kann ein Gefälle < 2 % (< 1,2°) geplant werden, wenn der Dachaufbau mit Maßnahmen zur Begrenzung der Wasserunterläufigkeit ausgeführt wurde. Der Einsatz von Hochwertbahnen wird empfohlen.

(5) Zur Zuordnung der Eigenschaftsklassen E1 bis E4 zu den jeweiligen Polymerbitumen- und Bitumenbahnen siehe Tabelle 5.

(6) Begrünte Abdichtungen sind mehrlagig auszuführen. Es sind durchwurzelungsfest ausgerüstete Oberlagen einzusetzen. Mit Ausnahme der An- und Abschlussbereiche darf als obere Lage auch eine Polymerbitumenbahn PYE-Vcu S5 oder PYE-Cu01 S5 verwendet werden.

(7) Bei Abdichtungen von genutzten Dächern sind Schutzlagen oder Schutzschichten gegen mechanische Beschädigung anzuordnen. Dies gilt auch für Dächer mit haustechnischen Anlagen im Bereich der Auflagerflächen.

(8) Für Abdichtungen unter schwerem Oberflächenschutz oder unter Nutzbelägen dürfen als obere Lage sowohl bestreute als auch unbestreute Bahnen verwendet werden.

Abschottung
Abbildung 9: Abschottung

Balkone, Loggien und Laubengänge

(1) Balkone, Loggien und Laubengänge sind definitionsgemäß genutzte Bauteile, die nicht über einem genutzten Raum liegen (siehe Begriffe). Daher darf das Schutzniveau der Abdichtung geringer als bei Bauteilen über genutzten Räumen sein. Die Festlegung des Schutzniveaus ist planerisch vorzugeben.

(2) Balkone, Loggien und Laubengänge sind als genutzte Dachflächen der Anwendungsklassen K1 oder K2 zu planen und auszuführen.

(3) Auf massiven Unterkonstruktionen ohne Wärmedämmung darf die Abdichtung auch einlagig hergestellt werden. Dazu eignen sich alle Stoffe nach Tabelle 5., z. B. eine kaltselbstklebende Bitumendichtungsbahn mit HDPE-Trägerfolie. Hierbei sollte ein Mindestgefälle von 1,5 % geplant werden. Die Qualität ist unterhalb der Anwendungsklasse K1 zuzuordnen.