Flachdach-Spezial 100 Jahre Bauhaus

Aufbruch in die Moderne

Wer an das Bauhaus denkt, der hat sofort seine geometrisch-klare und offen-moderne Architektursprache mit ihren typischen Flachdachkonstruktionen, ihren puristischen Materialkontrasten und ihren schlanken horizontalen Fensterbändern vor Augen. In diesem Jahr feiert die Bewegung, die auf das 1919 durch den Architekten Walter Gropius in Weimar gegründete „Staatliche Bauhaus“ zurückgeht, ihr 100-jähriges Bestehen. Und dabei zeigt sich: In den knapp 14 Jahren ihres Bestehens hat die später in Dessau und Berlin ansässige und 1933 durch die Nazis geschlossene Kunstschule unsere Vorstellung von Architektur und Design so nachhaltig geprägt, dass ihre Ideen bis in die Gegenwart hinein weltweit fortwirken.

 
Bauhaus, Dessau
© fotolia

Ausgangspunkt für die Gründung des Bauhauses war seinerzeit die bereits durch den Deutschen Werkbund vertretene Idee einer interdisziplinären und bewusst international ausgerichteten Zusammenführung von Kunst, Industrie und Handwerk in einer funktional-minimalistischen und universal gültigen Formensprache. Im strengen Gegensatz zum vorherrschenden Historismus und den „Neo-Stilen“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit ihren zahlreichen Ornamenten und Verzierungen entwickelten und propagierten Architekten und Designer wie Walter Gropius, Mies van der Rohe oder Hannes Meyer eine grundlegend neue Ästhetik, die nicht nur unser Alltagsdesign, sondern auch Architektur und Städtebau revolutionieren sollte. Die Grenzen zu zeitgleich verlaufenden Strömungen der modernen Architektur wie dem Neuen Bauen, dem Expressionismus, dem Funktionalismus oder dem International Style sind dabei fließend.

 

Über gestalterische Fragestellungen hinaus stand für die Architekten des Bauhauses und des Neuen Bauens vor allem die Schaffung von dringend benötigtem kostengünstigen Wohnraum für die wachsende Stadtbevölkerung im Zentrum ihrer Überlegungen. Gute Beispiele für diesen sozialen Anspruch waren unter anderem die von Gropius geplante Wohnsiedlung Dessau-Törten (1926-1928), die von Bruno Taut entwickelte Hufeisensiedlung Britz in Berlin-Neukölln (1925-1933) oder das Siedlungsprogramm „Neues Frankfurt“ (1925-1930). Parallel dazu prägten Prestigeprojekte wie das Bauhausgebäude mit den angrenzenden Meisterhäusern in Dessau (Walter Gropius, 1925-1926) oder die 1927 vom Deutschen Werkbund als Modellprojekt vorgestellte Weißenhofsiedlung in Stuttgart das Bild des Neuen Bauens.

 
Das Bauhaus-Logo, 1922 entworfen von Oskar Schlemmer
Das Bauhaus-Logo, 1922 entworfen von Oskar Schlemmer

Sämtlichen Projekten gemein ist, dass sie im Kontrast zu den engen und dunklen Mietskasernen der Großstadt die Vision von „Licht, Luft und Raum“ verfolgten und sich dazu einer radikal-neuen Ästhetik bedienten, die sich ohne schmückendes Beiwerk in erster Linie aus der Funktion ergab. Die offen zur Schau gestellte Reduktion folgte dabei nicht nur ästhetischen Zielen, sondern sollte vor allem auch den Einsatz von industriell vorgefertigten und auf der Baustelle zusammengesetzten Bauteilen ermöglichen, um so einen schnellen und rationellen Baufortschritt sicherzustellen.

 

Eine einheitliche architektonische Stilistik war dabei zunächst gar nicht beabsichtigt, vorherrschend war dennoch die heute so bekannte Gestaltung mit ihren scharfen Geometrien, ihren strahlend weiß verputzten Fassaden sowie den klaren Materialkontrasten von Stahl, Glas und Beton. Ein charakteristisches Element moderner Architektur war außerdem das seinerzeit als gestalterische Revolution erlebte und oftmals als Dachgarten genutzte Flachdach, das nach den architektonischen Grundthesen von Le Corbusier zu einem bevorzugten Aufenthaltsort des Hauses werden und einen Wiedergewinn der bebauten Fläche ermöglichen sollte.

 
Hans G. Conrad (Foto): Walter Gropius auf der Terrasse der Hochschule für Gestaltung (HfG) Ulm am 1. Oktober 1955 während der Feier zur Einweihung der Gebäude.
© Foto: Hans G. Conrad (CC BY-SA 3.0 de: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en )

Ähnlich funktional wie die äußere Hülle präsentieren sich auch die Innenräume der Bauhaus-Bauten, die zumeist durch eine ökonomische Raumaufteilung und -erschließung sowie durch einen hohen Tageslichteinfall geprägt sind. Eine Besonderheit zeigen dabei die für die Bauhauslehrer Kandinsky, Klee, Muche, Schlemmer, Feininger und Gropius errichteten Meisterhäuser in Dessau. Denn statt der „bauhaustypischen“ Farbe Weiß konnten hier bei Sanierungsarbeiten rund 170 Farbtöne (!) in verschiedenen Schichten gefunden werden – von Rot, Gelb und Blau über Hellrosa, Hellgelb und Mandelgrün bis hin zu Gold.

 

Nach der erzwungenen Schließung des Bauhauses durch die Nazis und der anschließenden Emigration ihrer führenden Vertreter verbreitete sich die Ästhetik der Bewegung schnell auch in den USA und setzte sich von dort aus in weiten Teilen der Welt durch. Seit den 1960er-Jahren wurden die ursprünglichen Ziele dabei immer häufiger als Legitimation zur Schaffung von billigem Wohnraum in menschenfeindlichen Trabantenstädten missbraucht. Auf der anderen Seite diente und dient die Ästhetik des Bauhauses häufig als elitäres Mittel, um sich bewusst von der breiten Masse abzusetzen. Jenseits dieser Extreme hat sich die charakteristische Ästhetik des Bauhauses aber in weiten Teilen der Bevölkerung durchgesetzt, wie der Blick auf neu errichtete Wohnsiedlungen zeigt. Ebenso ist auch der Anspruch des Bauhauses zur Schaffung von kostengünstigem städtischem Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten heute wieder so aktuell wie vor 100 Jahren. Die Utopien der einstigen Avantgarde-Schule sind also nach wie vor nicht überholt.

 

Bauhaus – Objekte

Fagus-Werk in Alfeld – Pionier der modernen Industriearchitektur

© Fotoquelle: GreCon

Zu den ersten Beispielen der architektonischen Moderne und zu den Vorläufern der Bauhausarchitektur zählt das Fagus-Werk im niedersächsischen Alfeld. Die in drei Bauabschnitten seit 1911 errichtete und seit Juni 2011 in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbestätten aufgenommene Schuhleistenfabrik war das erste größere Projekt des damals noch weitgehend unbekannten Walter Gropius, dem später erfolgreichen Architekten und Leiter des Bauhauses bis 1927. Trotz mangelnder Referenzen war es dem damals erst 28 Jahre alten Architekten seinerzeit gelungen, den Fabrikanten Carl Benscheidt von seinen radikal neuen Ideen zu überzeugen.

 

Im Zentrum des funktionalistischen Industriekomplexes steht das dreigeschossige Werkstattgebäude mit seiner klaren kubischen Form und seiner minimalistischen Materialsprache mit Stahl, Glas und dunkelgelben Klinkern. Der Einsatz der seinerzeit noch radikal modernen Skelettbauweise bot Gropius und seinem Mitarbeiter Adolf Meyer dabei die Möglichkeit, die Außenhülle des schmalen Baukörpers mit geschossübergreifend durchgehenden, auf Deckenhöhe lediglich durch Stahlverkleidungen unterbrochenen Glasflächen mit einer Größe von jeweils 10 x 4,3 Metern auszubilden. Mit diesen frei ohne tragende Funktion vor die Stahlkonstruktion gesetzten Vorhangfassaden war es den Planern möglich, in sämtlichen Bereichen eine helle und luftige Arbeitsatmosphäre für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Fabrik zu schaffen und damit eine der Hauptforderungen der modernen Architektur umzusetzen.

Zusätzlich betont wird der leichte, für damalige Verhältnisse fast schon schwerelose Charakter der Architektur durch die stützenfreien, ebenfalls mit Glas ausgebildeten Ecken des Gebäudes. Für den Sockel- und Firstbereich sowie für die schmalen Stützen zwischen den Glasflächen des Werkstattgebäudes wurden ergänzend dunkelgelbe Klinker eingesetzt.

 

Bis heute wird im Fagus-Werk seit über einhundert Jahren ununterbrochen produziert, zum Teil immer noch die traditionellen Fagus-Schuhleisten. Schon 1920 entstand ergänzend ein weiterer Unternehmensbereich, der heute unter dem Namen Fagus Grecon anspruchsvolle Messtechnik und maßgeschneiderte Systeme für den technischen Brandschutz entwickelt und fertigt. Aufgrund der Erweiterung der Produktionspalette ist der Maschinenpark des Unternehmens im Laufe der Zeit mehrfach nachgerüstet und ausgetauscht worden. Trotz Umnutzung und Funktionswandel hat der Komplex jedoch in sämtlichen Teilen sein ursprüngliches Aussehen bewahrt.

Von der Dachpappe zur Bitumenbahn – das Flachdach wird erneuert

Nach rund 70-jähriger Nutzung war 1984 eine umfangreiche Sanierung des seit 1946 als Baudenkmal eingestuften Gebäudes durchgeführt worden. Neben einer denkmalgerechten Sanierung des Glasvorhangs entsprechend der strengen Gestaltungs- und Materialvorgaben von Walter Gropius erfolgte dabei auch eine komplette Erneuerung der 3.000 Quadratmeter großen Dachfläche des Werkstattgebäudes. Zum Zeitpunkt der Errichtung war die gesamte Fläche wie seinerzeit üblich mit Teerpappe abgedichtet worden. Das leichte Gefälle ermöglicht dabei einen zuverlässigen und von außen unsichtbaren Ablauf des Regenwassers in die Stützenkonstruktion des Gebäudes. Bis in die 1960er-Jahre hinein wurde im Rahmen der regelmäßig anfallenden Dachreparaturen ebenfalls Teer verwendet. Erst danach kamen sukzessive Bitumenbahnen zum Einsatz, um so eine zuverlässige Abdichtung der Gebäude zu erreichen.

Eine grundlegende Renovierung des Daches erfolgte erst 1984 im Rahmen der Gesamtsanierung des Gebäudes. In Erwartung weiterer konstruktiver Besonderheiten hatte das ausführende Architekturbüro Köhnemann aus Hamburg seinerzeit in enger Absprache mit der Werksleitung und dem Denkmalschutz beschlossen, das Dach komplett zu öffnen: „Nachdem die Beteiligten dabei aber lediglich auf eine einfache Dachbalkenkonstruktion gestoßen waren, wurde das Dach anschließend komplett mit EPS-Hartschaum gedämmt und mit Bitumenbahnen abgedichtet“, berichtet Dachdeckermeister Roland Busch, der mit seinem vor Ort ansässigen Betrieb seit rund 25 Jahren mit den Inspektionen und Dacharbeiten an den verschiedenen Gebäuden des Komplexes betraut ist.

Nach der umfangreichen Erneuerung des Dachaufbaus von 1984 erfolgten bis heute ausschließlich kleinere Maßnahmen im Dachbereich. Abweichend vom Bestand kommen dabei durchgehend moderne Polymerbitumen-Schweißbahnen zum Einsatz, die in der Regel auf die vorhandenen Bahnen aufgeschweißt werden: „Eine zentrale Auflage des Denkmalschutzes ist dabei die Verwendung von dunklen, anthrazitfarbenen Dachbahnen“, berichtet Roland Busch. „Darüber hinaus müssen sämtlichen An- und Abschlüsse entsprechend der historischen Vorgaben umgesetzt werden. Das betrifft neben den schmalen, mit Zink verblendeten Ansichtskanten der Fenster und der Mauerwerksabdeckungen insbesondere auch die kastenförmigen Fallrohre, die so gar nicht mehr hergestellt werden und die wir daher komplett von Hand fertigen müssen.“ Um die denkmalgerechte Optik des Gebäudes zu erhalten, erfolgen viele der Eingriffe ganz bewusst gegen geltende Richtlinien – „da müssen wir häufig ziemlich improvisieren. Aber schließlich handelt es sich bei dem Fagus-Werk ja inzwischen auch um ein Weltkulturerbe“, erklärt Roland Busch respektvoll.

 

Objekt: Fagus-Werk

Standort: Alfeld


Architekt 1911: Walter Gropius

Sanierungsplanung: Architekturbüro Köhnemann, Hamburg

Dachabdichtung: Dachdeckermeister Roland Busch GmbH, Alfeld

© Fotoquelle: Carsten Janssen

Die Hufeisensiedlung in Berlin – Farbenfrohe Siedlung der Berliner Moderne

Tautes Heim, Hufeisensiedlung Berlin, Bauhaus
© www.tautes-heim.de, Foto: Ben Buschfeld

Objekt: Hufeisensiedlung Berlin

Standort: Berlin-Britz

Architekt 1925 - 1930: Bruno Taut und Martin Wagner

Sanierung Tautes Heim: Ben Buschfeld und Katrin Lesser

Dachsanierung Tautes Heim: Dachdecker- und Bauklempnerei Bretsch, Berlin

Zu den drängendsten Problemen des frühen 20. Jahrhunderts zählte die Schaffung von kostengünstigem Wohnraum für die wachsende Stadtbevölkerung. Das galt vor allem für die Hauptstadt Berlin, deren Einwohnerzahl in den Jahrzehnten vor 1920 rasant angestiegen war und wo mittlerweile mehr als 100.000 Wohnungen fehlten. Um diesen riesigen Bedarf zu decken, entstanden innerhalb weniger Jahre zahlreiche Großsiedlungen, die überwiegend mit industriellen Arbeitsmethoden und mit typisierten Grundrissen ausgeführt wurden. Darunter ist auch die zwischen 1925 und 1930 in mehreren Bauabschnitten nach Plänen von Bruno Taut, Martin Wagner und dem Landschaftsarchitekten Leberecht Migge errichtete Hufeisensiedlung im Ortsteil Britz, die viele der am Bauhaus vertretenen Gestaltungsprinzipien aufweist.

 

Die 2008 gemeinsam mit fünf anderen Berliner Großsiedlungen zum UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ ernannte Anlage erstreckt sich über eine Fläche von rund 30 Hektar und stellt insgesamt 1285 Wohnungen in straßenbegleitend gesetzten dreigeschossigen Bauten sowie 679 Reihenhäuser mit Gärten zur Verfügung. Namensgebendes Kennzeichen der Anlage ist das 350 Meter lange, dabei hufeisenförmig geschwungene Hauptgebäude im Zentrum der Bebauung. Um diesen zentralen Bau herum finden sich mehrere Straßenzüge in Zeilenbauweise, die bei den Reihenhäusern anfangs mit ziegelgedeckten Giebeldächern, später aber auch mit flachen Pultdächern ausgeführt wurden. Je nach Entstehungsjahr lassen sich dabei unterschiedliche architektonische Leitbilder wie Gartenstadtbewegung, Reformwohnungsbau oder Neues Bauen ablesen.

 

Neben der ungewöhnlichen Anordnung stechen insbesondere die variantenreiche Detaillierung sowie die auffällige Farbgebung der Häuser hervor. Je nach Standort wird das Bild durch dezent vor- oder zurückspringende Häusergruppen, durch kontrastreich abgesetzte Fenster und Eingänge, durch dunkelrote, ockergelbe oder leuchtend blaue Kratzputzfassaden sowie durch gelbe und rote Klinkerverblendungen an den Gebäudeecken bestimmt. Und auch im Innenbereich herrschten zur Bauzeit kräftige Farben vor. Gut erleben lässt sich dieses Ambiente in dem seit 2012 mietbaren Ferienhaus „Tautes Heim“, das von den beiden Eigentümern Ben Buschfeld und Katrin Lesser in weitgehender Eigenleistung originalgerecht wiederhergestellt und im Stil der 1920er-Jahre und mit Bauhaus-Design möbliert wurde.

 

Denkmalgerechte Sanierung des Dachaufbaus

 

Seit 1986 steht die Hufeisensiedlung unter Denkmalschutz. Auf Basis eines denkmalpflegerischen Gutachtens der Architekturwerkstatt Pitz-Brenne (heute Brenne Architekten) hatten die Häuser seinerzeit ihre Originalfarbtöne zurückerhalten. Das gleiche Gutachten wurde zwei Jahrzehnte später erweitert und bildete dann auch die Grundlage für eine weitere, seit 2009 durchgeführte Sanierung, die unter anderem auch eine umfangreiche energetische Sanierung und Dachsanierung der Wohngeschossbauten umfasste.

 

Eine Besonderheit zeigen dabei die mit einem flach geneigten Pultdach ausgeführten Reihenhauszeilen des letzten, zwischen 1929 und 1930 realisierten Bauabschnitts des Denkmalensembles: „Bei den meisten dieser Bauten waren die Dächer über einer Holz-Sparren-Konstruktion mit einer innen liegenden Dämmung realisiert worden“, erklärt Ben Buschfeld. „Daneben gibt es aber auch etwa 60 Pultdach-Häuser mit Betondecke. Um hier eine optimierte Dämmung und einen langfristig sicheren Schutz gegen Feuchtigkeit zu erhalten, wurden die Dachflächen abweichend als Warmdach ausgeführt. In Kooperation mit der TU Dresden wurde dabei eine spezielle, auch von den Fachleuten der Denkmalschutzbehörden mit Interesse verfolgte Lösung entwickelt, bei der die aufliegende Dämmung straßenseitig nicht sichtbar ist, sondern komplett hinter den Regenrinnen verschwindet.“

 

Erstmalig umgesetzt wurde das gemeinsam erarbeitete Konzept bei dem Ferienhaus „Tautes Heim“. Entsprechend der Vorgaben brachten die Mitarbeiter der beauftragten Dachdecker- und Bauklempnerei Bretsch aus Berlin zunächst einen Bitumenvoranstrich und eine Bitumen-Dampfsperre auf der um drei Grad geneigten Betondecke auf. Die darüber verlegte Dämmschicht besteht aus einem Stoß-auf-Stoß-Verbund von lediglich 80 Millimeter dicken, sich zur Kante hin zusätzlich keilförmig verjüngenden WDVS-Platten (Puren-Platten). Von der Straße aus ist die Dämmung damit nicht zu sehen.

 

Im nächsten Schritt erfolgte eine zweilagige Abdichtung mit Bitumenbahnen. Als untere Schicht kam eine Elastomerbitumen-Kaltselbstklebebahn zum Einsatz, direkt darüber wurde eine

 

Mehr Infos zu der Ferienwohnung „Tautes Heim“ finden Sie unter www.tautes-heim.de.

Tautes heim Dachabdichtung
© www.tautes-heim.de, Foto: Ben Buschfeld

Großsiedlung Schillerpromenade in Berlin – „Die Weiße Stadt“

Weisse Stadt Berlin, Bauhaus
© Foto: icopal GmbH

Objekt: Weiße Stadt Berlin

Standort: Berlin Reinickendorf, Schillerpromenade

Architekten: Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg

Fertigstellung: 1929 - 1930

Eigentümer: Deutsche Wohnen

Dachabdichtung: Georg Ebell GmbH & Co. Dachdeckerei KG, Berlin

In den 1920er-Jahren galt Berlin neben Wien als international beachtetes Vorbild für den Sozialen Wohnungsbau. Um die Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg zu lindern, entstanden innerhalb weniger Jahre zahlreiche Großsiedlungen in unterschiedlichen Stadtteilen, die zusammen mehr als 100.000 kostengünstige Wohnungen bereitstellten. 2008 wurden sechs dieser Siedlungen aus der Zeit der klassischen Moderne gemeinsam als UNESCO-Welterbe „Siedlungen der Berliner Moderne“ eingestuft. Dazu zählt auch die zwischen 1929 bis 1931 auf einer Fläche von 14 Hektar erbaute Großsiedlung Schillerpromenade, die aufgrund ihrer strahlend-weiß verputzten Häuser bis heute „Die Weiße Stadt“ genannt wird.

 

Ähnlich wie die fast zeitgleich entstandene Siemensstadt wurde auch die seinerzeit durch die Gemeinnützige Heimstättengesellschaft Primus mbH in Auftrag gegebene und seit 2006 zum Bestand der Deutsche Wohnen gehörende „Weiße Stadt“ im Stil der Neuen Sachlichkeit errichtet. In enger Zusammenarbeit der drei Architekten Bruno Ahrends, Wilhelm Büning und Otto Rudolf Salvisberg und unter Zuhilfenahme rationaler Fertigungsmethoden entstand eine großflächige Siedlung mit offen gruppierten, jeweils drei- bis fünfgeschossigen Rand- und Zeilenbauten, die gemeinsam 1.286 moderne und bezahlbare 1- bis 3,5-Zimmer-Wohnungen bereitstellen.

 

Sämtliche Einheiten sind mit Küche, Bad, Loggia und mit Heizung ausgestattet. Einen großen Luxus bedeuteten außerdem die zwischen den einzelnen Bauten angelegten, dabei fließend ineinander übergehenden Grünräume, die im Gegensatz zu den seinerzeit üblichen und hoffnungslos überbelegten Mietskasernen mit ihren dunklen Hinterhöfen viel Licht, Luft und Sonne ermöglichen sollten.

 

Die markantesten Gebäude der Siedlung sind das fünfgeschossige Brückenhaus über der Aroser Allee und die aus der Straßenflucht hervortretenden Torhäuser an der Emmentaler Straße. Einen zusätzlichen Blickfang bieten die lebhaften Farbakzente an Dachüberständen, Fensterrahmen, Regenfallrohren oder Eingangstüren, die als Kontrast das Weiß der Fassaden unterstreichen. Komplettiert wird die Anlage durch eine hochwertige und bis heute vorbildhafte Infrastruktur, die unter anderem ein mittlerweile abgebrochenes Heizkraftwerk mit angegliederter Zentralwäscherei sowie Kindergarten, Volksschule, Ärztehaus, Apotheke und 24 dezentral verteilte Ladengeschäfte umfasste.

 

Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen

 

Die erste Grundsanierung der Siedlung erfolgte zwischen 1949 und 1954 entsprechend dem bauzeitlichen Vorbild. Seit 1982 sorgt außerdem ein denkmalpflegerisches Erneuerungsprogramm 
für regelmäßige Instandsetzungen. Darauf aufbauend wurde 2008 ein umfangreiches Energie- und Holzschutzgutachten für die Siedlung in Auftrag gegeben, in dem unter anderem festgestellt wurde, dass die Dachstühle der Häuser weitgehend ungedämmt und in einigen Bereichen stark beschädigt waren. Schon kurz darauf wurde deshalb mit der nachhaltigen Sanierung und Instandsetzung der Fassaden, Treppenhäuser, Laubengänge und Balkone begonnen. Parallel dazu wurde auch die insgesamt rund 25.000 Quadratmeter große Dachfläche umfangreich saniert.

 

Im Rahmen der Maßnahme wurden ausgehend vom bestehenden Kaltdachaufbau zunächst der aufgeständerte Dachstuhl saniert und eine neue Holzschalung sowie eine 200 Millimeter starke Mineralwolldämmung eingebracht. Im nächsten Schritt konnten die Dachdecker der beauftragten Ebell GmbH aus Berlin dann mit der Abdichtung beginnen: „Um Qualität, Nachhaltigkeit und kostensparender Wartungsaufwand zu verbinden, kam ein zweilagiger Systemdachaufbau zum Einsatz“, berichtet der zuständige Projektleiter der Georg Ebell GmbH & Co. Dachdeckerei KG. Oberhalb der 24 Millimeter dicken Rauhspundschalung wurde dabei zunächst eine kaltselbstklebende Elastomerbitumenbahn aufgebracht, als Oberlagsbahn wurde eine Elastomerbitumen-Schweißbahn mit  einer hochwertigen Kombinationsträgereinlage verlegt.

 

Parallel zu diesen Arbeiten wurde die ursprüngliche Farbgebung der Dachkästen wiederhergestellt und außerdem eine Farb- und Treppenhaussanierung durchgeführt. „Die damals schon durch lebhafte Farbakzente in Szene gesetzten Dachüberstände, Fensterrahmen, Regenfallrohre und Eingangstüren sind dabei komplett erhalten geblieben und bilden einen starken Kontrast zu den in Weiß gehaltenen Fassaden“, fasst der Projektleiter den optischen Eindruck zusammen.

weisse Stadt Berlin, Dachabdichtung, Bauhaus
© Foto: icopal GmbH

Verseidag-Fabrik in Krefeld - Von der Krawattenfabrik zum „Mies van der Rohe Business Park“

Verseidag-Fabrik Krefeld
© Foto: Der Unfassbare“ https://commons.wikimedia.org

Objekt: Verseidag-Fabrik Krefeld

Standort: Industriestraße 56, Krefeld

Architekt 1931-1935: Ludwig Mies van der Rohe

Architekt Sanierung 2000-2002: Architekturbüro Karl-H. Eick, Krefeld

Dachsanierung 2000-2001: Georg Krella GmbH, Viersen

 

Der nach Plänen von Ludwig Mies van der Rohe seit 1931 errichtete Firmensitz der Verseidag AG (Vereinigte Seidenwebereien) in Krefeld zählt neben dem Fagus-Werk in Alfeld von Walter Gropius und Schacht 12 der Essener Zeche Zollverein von Fritz Schupp zu den bedeutendsten Industriedenkmälern aus der Zeit des Neuen Bauens. Überdies integriert das Projekt das einzige Produktionsgebäude, das Mies van der Rohe in seiner langen Laufbahn realisiert hat. Auftraggeber des Standortes waren die beiden Seidenfabrikanten Hermann Lange und Josef Esters, für die der damalige Bauhaus-Direktor kurz zuvor bereits ihre avantgardistischen Wohnhäuser realisiert hatte.

 

Ausgehend von den vielfältigen Erfordernissen des Unternehmens entstand ein vielschichtiges Produktions- und Verwaltungsgelände, dessen zentraler Baustein das zweigeschossige Färberei- und HE-Gebäude mit seinen vier angrenzenden Sheddachhallen ist. Der Bau war 1931 mit einer Höhe von lediglich zwei Geschossen errichtet worden, wurde aber bereits vier Jahre später um zwei Stockwerke erweitert. Er beherbergte neben der firmeneigenen Färberei auch Lager- und Kontorräume für Herren-Futterstoffe (HE). Kennzeichnend für seine Architektur sind die schlichte kubische Grundform im Zusammenspiel mit den großflächigen Fensterbändern und den weiß verputzten Fassaden. Der schmale Sockel und das Innere des Haupttreppenhauses wurden im Kontrast mit rot-braunen Klinkern umgesetzt.

 

Bis 1937 entstanden auf dem Gelände mehrere weitere Gebäude, die sämtlich die Formensprache des HE-Gebäudes aufgreifen – darunter ein Kesselhaus, ein Gebäude für die Warendurchsicht mit dem prägnanten Uhrenturm, ein Pförtnerhaus sowie ein Bürotrakt mit weiteren Sheddachhallen.

 

Denkmalgerechte Sanierung

 

Schon wenige Jahre nach seiner Fertigstellung wurde das Verseidag-Areal während des Krieges stark beschädigt und anschließend nur in Teilen notdürftig wieder aufgebaut. Das ursprüngliche Raumkonzept war dabei durch zahlreiche Einbauten kaum noch erkennbar. Die Chance für eine originalgetreue Sanierung einzelner Bauten ergab sich erst Jahrzehnte später, als das HE-Gebäude 1999 unter Denkmalschutz gestellt und anschließend durch den Krefelder Architekten Karl-Heinrich Eick gemeinsam mit den Düsseldorfer Innenarchitekten raumkontor sukzessive in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wurde. Neben umfangreichen Maßnahmen zur Fassadensanierung stand dabei vor allem die Wiederherstellung der freien Raumfolgen im Blickpunkt.

 

Trotz der umfangreichen Sanierung folgte 2009 das Ende der Produktion auf dem Verseidag-Gelände. Nach einigen Jahren des Leerstandes wird das 80.000 Quadratmeter große Areal aber aktuell zum „Mies van der Rohe Business Park“ umgewandelt. Das Projekt bietet lichtdurchflutete Büros und Gewerberäume sowie weitläufige Hallen mit industriellem Flair für unterschiedlichste Unternehmen. Ein Teil der Räumlichkeiten ist bereits vermietet, weitere Flächen sollen noch saniert werden.

 

Umfangreiche Dachsanierung

 

Ein wichtiger Bestandteil der 2001 durchgeführten Sanierung des HE-Gebäudes betraf die Neuabdichtung der 1.050 Quadratmeter großen Flachdachfläche durch die Georg Krella GmbH aus dem nahe gelegenen Viersen: „Nach einer eingehenden Begehung des Daches und in enger Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz hatten wir damals entschieden, die im Zuge vorheriger Dachsanierungen aufgetragenen Bitumenbahnen komplett beizubehalten und durch einen neuen Warmdachaufbau mit einlagiger Bitumenabdichtungsbahn zu ergänzen“, beschreibt Architekt Karl-Heinrich Eick den Umfang der Maßnahme.

 

In einem ersten Schritt musste die vorhandene Fläche dazu zunächst gut deckend mit einem Bitumenvoranstrich gestrichen werden. Direkt darüber kam eine 120 Millimeter starke Dämmung aus Polystyrol zum Einsatz. Die Neigung von zwei Prozent ermöglicht dabei einen sicheren Abfluss von Regenwasser. Als Oberlagsbahn wurde abschließend eine beschieferte und für eine einlagige Sanierung geeignete Plastomerbitumenbahn APP 200 S5 vollflächig aufgeschweißt. Im Zusammenspiel mit der vorhandenen Abdichtung ist damit sichergestellt, dass das HE-Gebäude auch bei verändertem Nutzungskonzept langfristig gegen Feuchtigkeit geschützt ist.

 

Verseidag-Fabrik Krefeld
© Foto: Karl-Heinrich Eick

Die Meisterhäuser in Dessau - Neues Wohnen unter Kiefern

Meisterhaus Dessau
© Foto: Robert Uhde

Objekt: Meisterhaus Muche/Schlemmer in Dessau

Standort: Dessau, Ebertallee

Architekt 1926: Walter Gropius

Bauherr der Sanierung: Wüstenrot Stiftung

Architekt Dachsanierung 1998 bis 2001: Brenne Architekten, Berlin

Ausführung der Dacharbeiten: 02/2001 bis 09/2001

„Es hat sich ausgeweimart, wir gehen jetzt dessauern!“ Mit diesen Worten beschrieb der deutsch-amerikanische Maler und Bauhausmeister Lyonel Feininger im Februar 1925 seiner Frau Julia den bevorstehenden Umzug des Staatlichen Bauhauses von Weimar nach Dessau. In der zunehmend deutschnationalen Goethestadt war die Avantgarde-Schule in den Jahren zuvor immer wieder angefeindet worden, in der seinerzeit aufstrebenden Industriestadt in Sachsen-Anhalt erwartete sie im Vergleich dazu ein deutlich aufgeschlosseneres und liberaleres Klima.

 

Um den Neustart möglich zu machen, hatte die Stadt Dessau den Bauhaus-Direktor Walter Gropius mit der Planung und Umsetzung eines neuen Hauptgebäudes sowie dreier Doppelwohnhäuser und eines Einzelwohnhauses für die verschiedenen Bauhauslehrer beauftragt. Innerhalb weniger Monate entstand daraufhin ein beeindruckendes Ensemble von unterschiedlich gestalteten, inmitten eines Kiefernhaines errichteten Bauten, das bis heute zu den wichtigsten Zeugnissen der Bauhaus-Architektur zählt und seit 1996 in der UNESCO-Weltkulturerbeliste verzeichnet ist.

 

Charakteristisch für die Architektur der Meisterhäuser sind die schlichten geometrischen Formen, die strahlend-weiß verputzten Fassaden sowie die großen, klar geschnittenen Fensteröffnungen. Im luftig-hellen Innenraum verfolgte Gropius außerdem die Idee von standardisierten Grundrissen entsprechend seinem „Baukasten-Prinzip“, um so mit vorgefertigten und flexibel kombinierbaren Raumelementen Kosten und Zeit zu sparen.

Bewegte Geschichte

Nach der Schließung des Bauhauses durch die Nazis 1933 wurden die Meisterhäuser zunächst durch die vor Ort ansässigen Junkers-Werke aufgekauft und als Wohnraum für Werksangehörige genutzt. Während des Krieges folgten die Zerstörung der Villa Gropius sowie einer Hälfte des Hauses von Feininger und Moholy-Nagy, nach 1945 wurden die verbliebenen Bauten nur wenig beachtet und als Mehrfamilienhaus oder als Poliklinik genutzt. Dabei verwahrlosten die Bauten immer mehr, zudem wurden wichtige Funktionszusammenhänge durch bauliche Eingriffe verändert.

 

Erst Anfang der 1990er-Jahre konnte damit begonnen werden, die Meisterhäuser sukzessive in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Zwischen 1998 und 2001 erfolgte dabei die Sanierung des Meisterhauses von Georg Muche und Oskar Schlemmer. In enger Zusammenarbeit mit der Denkmalpflege und dem Berliner Büro Brenne Architekten wurde eine nicht-rekonstruierende Sanierung erarbeitet, die es erlaubte, die unterschiedlichen Zeitschichten des Hauses freizulegen: „So sind noch etwa 75 Prozent des ursprünglichen Außenputzes, andererseits aber auch die Heizkörper aus DDR-Zeiten vorhanden“, erklärt Architekt Winfried Brenne. „Die Verglasungen der 1939 entfernten großflächigen Treppenhaus- und Atelierfenster wurden dagegen in Größe, Teilung und Ausprägung gemäß den historischen Vorbildern wiederhergestellt.“ Seit der Fertigstellung der Sanierung im Winter 2001/2002 wird das Gebäude vom Design-Zentrum Sachsen-Anhalt für Ausstellungen und Präsentationen sowie von der Stiftung Bauhaus Dessau für Studienzwecke und als Gästehaus genutzt.

Sanierung der Dachfläche 

Ein wichtiger Baustein der Maßnahme war die Sanierung der 255 Quadratmeter großen Flachdachfläche. In einem ersten Schritt und in permanenter Abstimmung mit dem Denkmalschutz musste dabei zunächst der vorhandene Aufbau komplett abgetragen werden. Oberhalb der bauzeitlichen Ziegel-Füllkörperdecke wurde anschließend eine neue Dampfsperre aus Bitumen aufgebracht. Direkt darüber wurden zunächst eine Gefälledämmung aus Polystyrolhartschaumplatten und anschließend eine zweilagige Abdichtung mit Bitumenbahnen verlegt. Als untere Schicht kam eine kaltselbstklebende Elastomerbitumenbahn zum Einsatz, direkt darüber wurde eine Elastomerbitumenschweißbahn als Oberlagsbahn verwendet.

 

Besondere Anforderungen im Rahmen der Dachsanierung stellten die Umsetzung des mit einer Abdeckung aus Titanzink gestalteten Dachrandes sowie der mit einem Zinkblech und einer durchgehenden Fuge ausgebildete Anschluss vom Terrassendach an die Putzfassade. Nach Abschluss dieser Maßnahmen wurde in sämtlichen Bereichen eine Kiesschicht zum Schutz gegen Windsog aufgebracht. Im Zusammenspiel ist so dafür gesorgt, dass das Meisterhaus Muche/Schlemmer langfristig gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt ist.

Meisterhaus Dessau
© Foto: Robert Uhde