Technische Regeln Zusatzinfos Sonstiges Windlasten, Entwässerung, normative Verweise

Sicherung des Dachaufbaus gegen Abheben durch Windlasten

Windlasten


Dachabdichtungen und die dazugehörigen Schichten sind gegen Abheben durch Windlasten zu sichern. Die Festlegung der Windlasten erfolgt nach DIN EN 1991-1-4 .
Die nachfolgenden Ausführungen beruhen auf DIN EN 1991-1-4:2010-12 .
Die Größe der Windbelastung für Dachabdichtungen ist abhängig von
    •    der Lage des Gebäudes
    •    der Gebäudehöhe
    •    der Gebäudeart
    •    der Dachform
    •    der Dachneigung
    •    den Dachbereichen
    •    der Unterlage.
Die auf die Außenfläche eines Bauwerkes einwirkende Windkraft berechnet sich wie folgt:
we= qp(ze) x cpe
Dabei bedeuten:
qp(ze) der Böengeschwindigkeitsdruck
ze die Bezugshöhe
cpe der aerodynamische Beiwert
Deutschland ist in vier Windzonen eingeteilt (siehe Abbildung 53). Aus den Windzonen ergibt sich der Geschwindigkeitsstaudruck q.
Bei nicht schwingungsanfälligen Gebäuden ohne Innendruck darf der Geschwindigkeitsstaudruck vereinfachend nach Tabelle 24 ermittelt werden.

Tabelle 24: Vereinfachte Geschwindigkeitsstaudrücke für Bauwerke bis 25 m Höhe Auszug aus DIN EN 1991-1-4/NA Tabelle NA.B.3*

© vdd Technische Regeln

Für die Küstenregionen, in küstennahen Gebieten in einem Streifen entlang der Küste mit 5 km Breite landeinwärts sowie die Ost- und Nordseeinseln gelten höhere Geschwindigkeits-
staudrücke.

Abbildung 53: Windzonenkarte für das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland (aus DIN EN 1991-1-4/NA Bild NA.A.1)*

© vdd Technische Regeln

Als nicht schwingungsanfällig gelten in der Regel Wohn-, Büro- und Industriegebäude mit einer Höhe bis zu 25 m und ihnen in Form oder Konstruktion ähnliche Gebäude.

Flachdächer werden in vier Bereiche eingeteilt:
F: Ecke
G: Außenrand
H: Innenrand
I: Innenbereich

Als Flachdächer gelten Dächer mit einer Neigung <= 5° (<= 8,7 %).

Die Aufteilung erfolgt nach folgendem Muster. Dabei wird jede vom Wind angeströmte Seite jeweils separat betrachtet.

Abbildung 54: Einteilung der Dachflächen bei Flachdächern aus DIN EN 1991-1-4 Bild 7.6*

© vdd Technische Regeln

Die Außendruckbeiwerte für Flachdächer können ebenfalls vereinfachend nach Tabelle 25 ermittelt werden.

Tabelle 25: Empfohlene Werte für Außendruckbeiwerte für Flachdächer, Auszug aus DIN EN 1991-1-4 Tabelle 7.2, korrigiert nach DIN EN 1991-1-4/NA NCI zu 7.2.3*

© vdd Technische Regeln

Abgerundete und abgeschrägte Traufbereiche wirken lastmindernd und können nach DIN EN 1991-1-4 abweichend berechnet werden.

Bei Gebäuden über 25 m Höhe, bei Gebäuden in exponierter Lage, bei Gebäuden mit Innendruck sowie bei frei stehenden Dächern gelten abweichende Regelungen.

Innendruck ist bei Gebäuden mit nicht unterteiltem Grundriss, wie z. B. Hallen, mit einem Öffnungsanteil der Außenwände über 1 % nachzuweisen.

Allgemeines

Die Lagesicherung von Flachdächern erfolgt durch

  • Verklebung
  • mechanische Befestigung
  • Auflast.


Die Art der Lagesicherung muss geeignet sein, die auf sie einwirkenden Windlasten aufzunehmen und ihnen entgegenzuwirken. Sie muss in Art und Umfang ausreichend bemessen sein. Die für die Lagesicherung der Dachabdichtung erforderlichen Maßnahmen sind bei der Planung festzulegen.

Während der Bauphase darf der Geschwindigkeitsstaudruck nach Tabelle 26 vorübergehend abgemindert werden.

Tabelle 26: Abgeminderter Geschwindigkeitsdruck zur Untersuchung vorübergehender Zustände, Auszug aus DIN EN 1991-1-4/NA Tabelle NA.B.5*

© vdd Technische Regeln

Erfolgt die Sicherung der Abdichtung gegen Abheben durch Windkräfte allein oder zusätzlich zur Verklebung durch

  •     Nagelung oder Metallbandbefestigung
  •     Befestigung mit Schrauben, Haltetellern und/oder Dübeln


sollen die Dachabdichtungsbahnen, die mechanisch befestigt werden, Trägereinlagen aus Glasgewebe, Polyestervlies oder Kombinationsträger mit gleichwertigen Eigenschaften haben.

Die Tabellen 27 bis 31 gelten für nicht schwingungsanfällige, geschlossene Gebäude im Binnenland und in nicht exponierter Lage bis zu einer Gebäudehöhe von 25 m.

Lagesicherung durch Verklebung

Für verklebte Dachaufbauten muss der Untergrund ausreichend fest und tragfähig sein. Er muss für eine gute Klebehaftung geeignet sein. Gegebenenfalls ist ein Haftgrund aufzutragen.

Bei der Kaltverklebung sind die Herstellerangaben zu beachten.

Die Abreißfestigkeit jeder einzelnen Lage oder Schicht und die Eigenfestigkeit der Klebstoffverbindung muss so groß sein, dass die angesetzten Windlasten lagesicher abgeleitet werden können.

Wenn eine der zu klebenden Lagen oder Schichten keine ausreichende Abreißfestigkeit aufweist, sind andere geeignete Maßnahmen, z. B. mechanische Befestigung, anzuwenden.

Tabelle 27: Lagesicherung durch Verklebung

© vdd Technische Regeln

Die Verklebung erfolgt nach handwerklichen Regeln. Eine Verklebung nach Tabelle 27 gilt erfahrungsgemäß als ausreichend sicher gegen Abheben durch Windkräfte.

Bei Unterkonstruktionen aus Stahltrapezblech und auf nagelbaren Untergründen müssen Dachabdichtungen am Dachrand zur Sicherung gegen Windkräfte und zur Aufnahme horizontaler Kräfte zusätzlich mechanisch befestigt werden.
Auf massiven oder nicht nagelbaren Untergründen ist diese zusätzliche Befestigung zu empfehlen. Es sind die jeweiligen Herstellerempfehlungen zu beachten.

Die Befestigung der Abdichtung mit dem Untergrund erfolgt durch Linienbefestigung oder durch lineare Befestigung. Linienbefestigungen können mit Metallbändern ausgeführt werden, die mit mindestens drei Befestigern pro Meter mit dem Untergrund verbunden sein sollten. Lineare Befestigungen sind in Reihe angeordnete punktweise Einzelbefestigungen. Diese sollten mit mindestens drei Befestigern pro Meter ausgeführt werden.

Die Befestigung nach Abbildung 55 hat sich in der Praxis bewährt und gilt als ausreichend sicher.

Diese Befestigungen sind nur dann voll wirksam, wenn sie in oder unmittelbar über der Dachabdichtungsebene vor dem Übergang zu senkrechten oder geneigten Flächen angeordnet und ausgeführt werden. Einbinden oder Einklemmen der Abdichtung in höherliegende Randprofile oder unter Dachrandabdeckungen sind nicht ausreichend.

Bei Anschlüssen an aufgehenden Bauteilen, Bewegungsfugen, Lichtbändern, Lichtkuppeln u.ä. sind die Befestigungen in der Dachabdichtungsebene wie am Dachrand vorzunehmen.

Lagesicherung durch mechanische Befestigung

Die mechanische Befestigung von Dachabdichtungen findet vorzugsweise bei Stahltrapezblechen oder bei nagelbaren Unterkonstruktionen Anwendung. Die Befestigung kann als lineare Befestigung (punktweise mit Einzelbefestigungen) oder als Linienbefestigung (mit durchlaufenden Metallbändern) erfolgen.
Mechanische Befestiger müssen im jeweiligen Bereich gleichmäßig verteilt und angeordnet werden.
Die Anzahl der zu verwendenden Befestiger ergibt sich aus den anzusetzenden Windlasten, der Ausführungsart und der Bemessungslast des Befestigers. Es sollen mindestens zwei Befestiger pro m2 verwendet werden.

Erfolgt die mechanische Befestigung von Bitumenbahnen durch Nagelung, haben sich folgende Nagelreihenabstände bewährt:

Tabelle 28: Lagesicherung durch mechanische Befestigung

© vdd Technische Regeln

Mechanische Befestigung – Windzone 2 ( Binnenland)*
Für die Befestigung von Hölzern, Bohlen u.ä. am Dachrand und im Bereich von Deckenöffnungen haben sich die in der Tabelle 29 genannten Befestigerabstände bewährt.

Lagesicherung durch Auflast

Auf Unterkonstruktionen, auf denen eine Verklebung oder eine zusätzliche Befestigung der Dachabdichtung nicht möglich ist, sind Auflasten erforderlich. Sie müssen den Windsoglasten nach DIN EN 1991-1-4 entsprechen und lagesicher sein.

Tabelle 30: Lagesicherung durch Auflasten

© vdd Technische Regeln

Auflasten können wie folgt hergestellt werden:

  • Gesteinsschüttung aus Kies der Körnung 16/32 mm, Mindestdicke im Einbauzustand 50 mm
  • Dachbegrünungen mit ausreichendem Flächengewicht im trockenen Zustand
  • Plattenbeläge aus Betongehwegplatten oder gleichwertige Platten, mind. 400 mm x 400 mm x 40 mm, zur Abdeckung von Kies oder direkt auf einer Schutz- oder Trennlage verlegt
  • Rasengittersteine auf Schutzlage verlegt und mit Kies verfüllt
  • Betonplatten aus Ortbeton oder vorgefertigt, Ausführung nach statischen Erfordernissen bis max. 2,5 m x 2,5 m, ca. 100 mm dick, auf Schutz- oder auf zweilagiger Trennschicht (Gleitschicht) verlegt.


In Rand- und Eckbereichen können bei Schüttgütern Verwehungen auftreten. Dort empfiehlt sich die Verlegung von Platten, Pflastersteinen oder eine Kombination aus Kiesschüttung und Platten bzw. Rasengittersteinen.

Entwässerung und Notentwässerung

Siehe Technischen Regeln Print zum Bestellen oder Download.

Normative Verweise

Siehe Technischen Regeln Print zum Bestellen oder Download.