Technische Regeln Zusatzinfos Bauphysik

Allgemeines

Bei der Planung und Ausführung von Dächern sind die bauphysikalischen Beanspruchungen konstruktiv und materialtechnisch zu berücksichtigen.

Dazu zählen insbesondere der Wärmeschutz, Tauwasserschutz und Luftdichtheit.

Für den Wärmeschutz bei Dächern sind folgende Gesichtspunkte zu berücksichtigen:

  • Sicherung eines behaglichen Raum- und Arbeitsklimas
  • Schutz der Baukonstruktion vor Schäden durch Temperaturspannungen und Tauwasserbildung
  • Schutz vor vermeidbaren Energieverlusten bei der Beheizung bzw. Kühlung der Gebäude
  • Luftdichtheit von Bauteilen und Anschlüssen (DIN 4108-7 und EnEV 2009)


Planungs- und Bemessungsgrundlage für den Mindestwärmeschutz von Gebäuden, die zum dauerhaften Aufenthalt von Menschen dienen, ist die DIN 4108 und die Verordnung über Energie sparenden Wärmeschutz und Energie sparende Anlagentechnik bei Gebäuden (Energieeinsparverordnung – EnEV vom 1.10.2009).

Die Energieeinsparverordnung 2009 ist in 7 Abschnitte unterteilt und enthält 11 Anlagen. Es wurden eine Reihe von Änderungen gegenüber der EnEV 2007 aufgenommen, die zum Großteil auch die Arbeiten im Dachdeckerhandwerk betreffen. Die wesentlichen Punkte werden nachfolgend behandelt.

Neubau und Bauen im Bestand - wichtige Auszüge

Anwendungsbereich nach § 1 der EnEV 2009

(1) Diese Verordnung gilt
1. für Gebäude, soweit sie unter Einsatz von Energie beheizt oder gekühlt werden, und
2. für Anlagen und Einrichtungen der Heizungs-, Kühl-, Raumluft- und Beleuchtungstechnik sowie der Warmwasserversorgung von Gebäuden nach Nummer 1.
Der Energieeinsatz für Produktionsprozesse in Gebäuden ist nicht Gegenstand dieser Verordnung.

(2) Mit Ausnahme der §§ 12 und 13 gilt diese Verordnung nicht für
1. Betriebsgebäude, die überwiegend zur Aufzucht oder zur Haltung von Tieren genutzt werden,
2. Betriebsgebäude, soweit sie nach ihrem Verwendungszweck großflächig und lang anhaltend offen gehalten werden müssen,
3. unterirdische Bauten,
4. Unterglasanlagen und Kulturräume für Aufzucht, Vermehrung und Verkauf von
Pflanzen,
5. Traglufthallen und Zelte,
6. Gebäude, die dazu bestimmt sind, wiederholt aufgestellt und zerlegt zu werden, und provisorische Gebäude mit einer geplanten Nutzungsdauer von bis zu zwei Jahren,
7. Gebäude, die dem Gottesdienst oder anderen religiösen Zwecken gewidmet sind,
8. Wohngebäude, die für eine Nutzungsdauer von weniger als vier Monaten jährlich bestimmt sind, und
9. sonstige handwerkliche, landwirtschaftliche, gewerbliche und industrielle Betriebsgebäude, die nach ihrer Zweckbestimmung auf eine Innentemperatur von weniger als 12° C oder jährlich weniger als vier Monate beheizt sowie jährlich weniger als zwei Monate gekühlt werden.

Wohngebäude

Mit der Einführung der EnEV 2009 wird ein neues Bilanzierungsverfahren auf Grundlage der DIN V 18599 eingeführt. Das bisherige Monatsbilanzverfahren nach DIN EN 832 in Verbindung mit DIN V 4108 Teil 6 und DIN 4701 Teil 10 darf alternativ weiter angewendet werden.

Bei dem neu eingeführten Referenzgebäudeverfahren wird der Jahresprimärenergiebedarf zunächst anhand der in EnEV Anlage 1, Tabelle 1 vorgegebenen Randbedingungen berechnet. Dabei werden die Gebäudeabmessungen, Bauteilschichten, Heizungsanlage und sonstige Bauteile des neu zu errichtenden Gebäudes bei den Berechnungen berücksichtigt und verwendet.
Als Ergebnis der Berechnungen erhält man den maximalen Jahresprimärenergiebedarf und den Transmissionswärmebedarf des Gebäudes und der Bauteile bzw. der Komponenten.
Diese Werte dürfen für das neu zu errichtende Gebäude nicht überschritten werden.
Einzelkomponenten und einzelne Bauteile können nun variiert werden. Am Ende dürfen die Energie- und Wärmebedarfe des Referenzgebäudes nicht überschritten werden.

Der Nachweis ist dadurch erbracht, dass
– der Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung und Kühlung den Wert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung mit der in Anlage 1, Tabelle 1 EnEV angegebenen technischen Referenzausführung nicht überschreitet und
– die Höchstwerte des spezifischen, auf die wärmeübertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts nach EnEV Anlage 1, Tabelle 2 nicht überschritten werden.

Aufgrund der Komplexität der Berechnungen und der Notwendigkeit, dass neben den technischen Werten der Gebäudehülle auch die technischen Werte der Heizungsanlage und der Versorgungsleitungen Berücksichtigung finden müssen, ist die Erstellung der Nachweise nach EnEV zukünftig Fachleuten wie Ingenieuren und Architekten sowie Gebäudeenergieberatern weitgehend vorbehalten. Für die entsprechenden Regelungen sei auf die Abschnitte 5 und 6 der EnEV verwiesen.

Nichtwohngebäude nach § 4 der EnEV 2009

Bei der Neuerstellung von Nichtwohngebäuden wird ebenfalls wie bei Wohngebäuden das Referenzgebäudeverfahren angewandt. Die Bedingungen für Nichtwohngebäude sind in der EnEV Anlage 2, Tabelle 1 festgelegt.
Zusätzlich zur Begrenzung des Jahresprimärenergiebedarfs, der sich aus den Berechnungen des Referenzgebäudeverfahrens ergibt, dürfen die Wärmedurchgangskoeffizienten bestimmte Höchstwerte, die in Tabelle 2, Anlage 2 EnEV festgelegt sind, nicht überschritten werden.
Nichtwohngebäuden werden in Zonen, in denen die Raum-Soll-Temperatur entweder zwischen 12 °C und 19 °C oder über 19 °C liegen, unterschieden.

Der Nachweis auf Einhaltung der EnEV ist dadurch erbracht, dass

    der Jahres-Primärenergiebedarf für Heizung, Warmwasserbereitung, Anlagentechnik, Lüftung und Kühlung den Wert des Jahres-Primärenergiebedarfs eines Referenzgebäudes gleicher Geometrie, Gebäudenutzfläche und Ausrichtung mit der in Anlage 2, Tabelle 1 EnEV angegebenen technischen Referenzausführung nicht überschreitet und
    die Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten bezogen auf den Mittelwert der jeweiligen Bauteile die Werte nach Anlage 2, Tabelle 2 EnEV nicht überschritten werden.

Bestehende Gebäude und Anlagen nach § 9 der EnEV 2009

Änderungen, Erweiterung und Ausbau von Gebäuden im Sinne der EnEV sind so auszuführen, dass die in Anlage 3 festgelegten Wärmedurchgangskoeffizienten der betroffenen Außenbauteile nicht überschritten werden.

Die Anforderungen des Satzes 1 gelten als erfüllt, wenn
1. geänderte Wohngebäude insgesamt den Jahres-Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes nach EnEV § 3 Absatz 1 und den Höchstwert des spezifischen, auf die Wärme übertragende Umfassungsfläche bezogenen Transmissionswärmeverlusts nach Anlage 1, Tabelle 2 der EnEV,
2. geänderte Nichtwohngebäude insgesamt den Jahres-Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes nach EnEV § 4 Absatz 1 und die Höchstwerte der mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten der Wärme übertragenden Umfassungsfläche nach Anlage 2, Tabelle 2 der EnEV um nicht mehr als 40 von Hundert überschreiten.

Kleine Anbauten an bestehende Gebäude, Tabelle 21 Teil1:

© vdd Technische Regeln

Tabelle 21:
Höchstwerte der Wärmedurchgangskoeffizienten bei erstmaligem Einbau, Ersatz und Erneuerung von Bauteilen

Bei der Erweiterung und dem Ausbau eines Gebäudes um beheizte oder gekühlte Räume mit zusammenhängend mindestens 15 m² und höchstens 50 m² Nutzfläche sind die betroffenen Außenbauteile so auszuführen, dass die in EnEV Anlage 3, Tabelle 1 (siehe Tabelle 21) festgelegten Wärmedurchgangskoeffizienten nicht überschritten werden.


Beispiele für die Anwendung des Anhang 3 der ENEV 2009

Steildächer

Soweit bei Steildächern Decken unter nicht ausgebauten Dachräumen sowie Decken und Wände (einschließlich Dachschrägen), die beheizte oder gekühlte Räume nach oben gegen die Außenluft abgrenzen,
a) ersetzt, erstmalig eingebaut
oder in der Weise erneuert werden, dass
b) die Dachhaut bzw. außenseitige Bekleidungen oder Verschalungen ersetzt oder neu aufgebaut werden,
c) innenseitige Bekleidungen oder Verschalungen aufgebracht oder erneuert werden,
d) Dämmschichten eingebaut werden,
e) zusätzliche Bekleidungen oder Dämmschichten an Wänden zum unbeheizten Dachraum eingebaut werden,
sind für die betroffenen Bauteile die Anforderungen nach Tabelle 21, Zeile 4a einzuhalten.

Wird bei Maßnahmen nach Buchstabe b oder d der Wärmeschutz als Zwischensparrendämmung ausgeführt und ist die Dämmschichtdicke wegen einer innenseitigen Bekleidung oder der Sparrenhöhe begrenzt, so gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke eingebaut wird.
Die Sätze 1 und 2 gelten nur für opake (nicht transparente) Bauteile.

Fallbeispiel Steildach

Bei dem mit Schindeln gedeckten Steildach eines bestehenden Gebäudes mit beheiztem Dachraum sollen die Dachschindeln erneuert werden; die darunter befindliche Schalung bleibt unverändert.
Die vorhandene Zwischensparrendämmung genügt nicht den Anforderungen der EnEV 2009.

Fragen:
Muss mit dem Austausch der Dachschindeln das Dach den Anforderungen nach Anlage 3, Tabelle 1, Zeile 4a EnEV (siehe Tabelle 21) durch erhöhte Dämmung (U-Wert < 0,24 W/m² · K) angepasst werden? Welche maximale Wärmeleitfähigkeit gibt die EnEV für die Dämmung vor, wenn die Dämmschichtdicke durch die Sparrenhöhe begrenzt ist?

Antworten:
Für den Fall, dass bei einem Steildach lediglich die Dachschindeln ersetzt werden sollen, ist die generelle wirtschaftliche Vertretbarkeit einer Verpflichtung zur Wärmedämmung der betroffenen Flächen derzeit nicht nachgewiesen.
Werden Schalung, und ggf. vorhandene Dachabdichtung nicht ersetzt, so greift die Verpflichtung des § 9 Abs. 1 in Verbindung mit Anlage 3 Nr. 4.1 Buchst. b EnEV folglich nicht und es muss nicht nachgedämmt werden.

Werden dagegen alle Schichten (z.B. Schalung und/oder Lattung) der Dachhaut erneuert, so muss das Dach die Anforderungen nach Anlage 3, Tabelle 1, Zeile 4a EnEV (siehe Tabelle 21) (U-Wert < 0,24 W/m² · K) einhalten.

Ist die Dämmschichtdicke bei Zwischensparrendämmung wegen der Sparrenhöhe oder wegen der innenseitigen Bekleidung begrenzt, gilt die Anforderung als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke eingebaut wird oder bereits eingebaut ist. Die EnEV begrenzt die Wärmeleitfähigkeit des dafür verwendeten Dämmmaterials nicht, d.h. es darf jeder zur Verfügung stehende und geeignete Dämmstoff zum Einsatz kommen.

Flachdächer

Soweit bei beheizten oder gekühlten Räumen Flachdächer
a) ersetzt, erstmalig eingebaut
oder in der Weise erneuert werden, dass
b) die Dachhaut bzw. außenseitige Bekleidungen oder Verschalungen ersetzt oder neu aufgebaut werden,
c) innenseitige Bekleidungen oder Verschalungen aufgebracht oder erneuert werden,
d) Dämmschichten eingebaut werden,
sind die Anforderungen nach Tabelle 21 Zeile 4b einzuhalten.

Werden bei der Flachdacherneuerung Gefälledächer durch die keilförmige Anordnung einer Dämmschicht aufgebaut, so ist der Wärmedurchgangskoeffizient nach DIN EN ISO 6946:1996-11 Anhang C zu ermitteln.

Der Bemessungswert des Wärmedurchlasswiderstandes am tiefsten Punkt der neuen Dämmschicht muss den Mindestwärmeschutz nach § 7 Absatz 1 gewährleisten.

Werden Maßnahmen nach Satz 1 ausgeführt und ist die Dämmschichtdicke im Rahmen dieser Maßnahmen aus technischen Gründen begrenzt, so gelten die Anforderungen als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke (bei einem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit = 0,040 W/(m·K)) eingebaut wird.
Die Sätze 1 bis 4 gelten nur für opake (nicht transparente) Bauteile.

Fallbeispiel zum Thema Regeneration einer Flachdachabdichtun

Frage:
Gilt die Überarbeitung einer Dachabdichtung beim Flachdach als Erneuerung der Dachhaut nach Anlage 3 Nr. 4.2 Buchstabe b) EnEV? Wann muss der U-Wert < 0,20 W/m² · K eingehalten werden?

Antwort:
Bei einem Flachdach ist der Tatbestand nach Anlage 3 Nr. 4.2 Buchstabe b) EnEV erfüllt, wenn die bestehende Dachhaut (wasserdichte Abdichtung) durch eine voll funktionsfähige neue Dachhaut (wasserdichte Abdichtung) ersetzt wird. In diesem Fall ist es unerheblich, ob und inwieweit die bestehende Dachhaut unterhalb der neuen Dachhaut erhalten bleibt. Werden z. B. mehrlagig untereinander verklebte Bitumenbahnen oder eine neue Abdichtung aus Kunststoffbahnen aufgebracht, so ist dies als neue Dachabdichtung bzw. Dachhaut zu werten.
In diesem Fall sind die Anforderungen nach EnEV einzuhalten.

Für Fälle, in denen aus Gründen technischer Unmöglichkeit, wie z. B. bei Dämmmaßnahmen mit Anschluss an bestehende Dächer, die Dämmschichtdicke begrenzt ist, gelten nach Anlage 3 Nr. 4.2 Satz 5 EnEV die Anforderungen als erfüllt, wenn die nach anerkannten Regeln der Technik höchstmögliche Dämmschichtdicke bei einem Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit = 0,040 W/(m·K) eingebaut wird.
Diese Ausnahmeregelung bedarf keines Antrags auf Befreiung nach § 25 Absatz 1 EnEV durch die nach Landesrecht zuständige Behörde.

Wird eine Dachabdichtung (z. B. mehrlagig untereinander verklebte Bitumenbahnen) im Rahmen der Instandhaltung lediglich regeneriert (z. B. durch das vollflächige Aufkleben einer neuen Abdichtungslage), ohne dass die neue Schicht für sich allein eine funktionsfähige Dachhaut darstellt, ist der Tatbestand der Erneuerung der Dachhaut nicht gegeben. In diesem Falle besteht keine Anforderung nach § 9 Absatz 1 Satz 1 in Verbindung mit Anlage 3 Nr. 4.2 Buchstabe b) EnEV.


Luftdichtheit, Mindestwärmeschutz, Wärmebrücken, Gefälledämmstoff

Luftdichtheit der Gebäudehülle

Zu errichtende Gebäude sind bezüglich der Dichtheit so auszuführen, dass die wärmeübertragende Umfassungsfläche einschließlich der Fugen entsprechend dem Stand der Technik dauerhaft luftundurchlässig abgedichtet ist. Die Mindestbelüftung eines Gebäudes muss nach DIN EN 832:1998 aus Gründen des Komforts und der Hygiene in Abhängigkeit vom Gebäudetyp, der Abschirmung und der Nutzung des Gebäudes, gewährleistet sein. Empfohlen wird ein Mindestluftwechsel von 0,5 pro Stunde bei Wohnungen mit natürlicher Lüftung.

Ein Bemessungsverfahren oder Berechnungsmöglichkeiten für die Luftdichtheit von Gebäuden existieren nicht. Das Niveau der Luftdichtheit kann mit dem Verfahren nach DIN EN 13829:2001-02 (Blower-Door-Verfahren) abgeschätzt werden. So darf bei einer Druckdifferenz von 50 Pascal zwischen innen und außen die stündliche Luftwechselrate bei Gebäuden ohne Klimaanlagen, Wärmerückgewinnungsanlagen und Gebäuden mit geregelter Lüftung 3,0 pro Stunde nicht überschreiten.

Der Planer soll einzelfallbezogen entscheiden, inwieweit es sinnvoll und wirtschaftlich ist, eine Prüfung durchführen zu lassen. Die handwerkliche Ausführung, gerade in Bezug auf die Luftdichtheit, ist von besonderer Bedeutung und unterliegt gerade auch deswegen einer erhöhten Überwachungspflicht durch den Planer.

Luftdichtheit von Bauteilen und Anschlüssen

Die Forderung nach Luftdichtheit von Bauteilen und Anschlüssen gilt für unbelüftete und belüftete Dächer.

Die raumseitig von der Wärmedämmung liegende Luftdichtheitsschicht muss Luftströmungen (Konvektion) durch Bauteile und an Anschlüssen von Durchdringungen verhindern.

Bei der Herstellung der Luftdichtheitsschicht muss auf eine sorgfältige Verarbeitung geachtet werden. Schon bei der Planung sind gewerkeübergreifende Abstimmungen aller am Bau beteiligten Handwerker zur Erreichung einer funktionierenden Luftdichtheitsschicht notwendig.
Mauerwerk und Betonbauteile

  • Bauteile aus Beton und Mauerwerk mit Putz gelten als luftdicht.


Plattenmaterial

  • Holzwerkstoffe, Gipsfaser- oder Gipskarton, Bauplatten und Faserzementplatten sind luftdicht. Fugen und Anschlüsse an Durchdringungen sind so zu planen, dass sie dauerhaft luftdicht angeschlossen werden können (Elektro-Rohrinstallation, Lüfterrohre).

Stahltrapezprofile

  • Stahltrapezprofile sind aufgrund der Stöße und Überlappungen nicht ausreichend luftdicht.


Durch die Luftdichtheitsschicht wird der Abfluss von Heizenergie vermindert. Ebenso kommt es in der kalten Jahreszeit bei Luftströmungen (Konzentration im Bereich der Außenbauteile) zu erheblichem Tauwasserausfall. Hierdurch werden sowohl die tragende Konstruktion als auch Wärmedämmstoff und andere Baustoffe stark geschädigt. Es kann zu abtropfendem Wasser kommen.

Luftdichtheitsschichten bei Flachdächern mit luftdurchlässiger Unterkonstruktion, besonders bei Stahltrapezprofilen, lassen sich aufgrund ihrer bekannten und bewährten handwerksgerechten Fügetechnik am leichtesten mit Polymerbitumenschweiß- bzw. Kaltselbstklebebahnen herstellen.

Diese Werkstoffe lassen sich an Anschlüssen und Durchdringungen leicht verarbeiten. Die Verfahrens- und Verlegetechniken haben sich seit Jahrzehnten bewährt. Zusätzliche Dichtbänder, Anpressplatten und Schienen sind nicht erforderlich.

Mindestwärmeschutz/Wärmebrücken

In § 7 der EnEV sind Maßnahmen bezüglich des Mindestwärmeschutzes und der Berücksichtigung von Wärmebrücken geregelt. Demnach sind bei zu errichtenden Gebäuden Bauteile, die gegen die Außenluft, das Erdreich oder Gebäudeteile mit wesentlich niedrigeren Innentemperaturen abgrenzen, so auszuführen, dass die Anforderungen des Mindestwärmeschutzes nach den anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden.

Bemessung des U-Werts an der dünnsten Stelle des Bauteils

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Der Bemessungswert des Wärmedurchlasswiderstandes am tiefsten Punkt der neuen Dämmschicht muss den Mindestwärmeschutz von Rmin von 1,20 m²·K/W entsprechend DIN 4108-2:2003-07 haben. Dies entspricht bei Verwendung eines Dämmstoffes der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 040 einer Dämmstoffdicke von ca. 50 mm. Bei Verwendung anderer Dämmstoffe mit anderen Wärmeleitfähigkeitsgruppen (WLG) sind die Dicken entsprechend anzupassen.

Für Bauteile mit einer geringeren flächenbezogenen Gesamtmasse als 100 kg/m² gelten höhere Anforderungen an den Mindestwärmeschutz. Der Wärmedurchlasswiderstand der Konstruktion muss dann mind. Rmin > 1,75 m² · K/W betragen.

Tabelle 22: Mindestwerte für Wärmedurchlasswiderstände von Bauteilen (aus DIN 4108-2:2003-07)*

Der Einfluss konstruktiver Wärmebrücken auf den Jahres-Heizwärmebedarf ist nach den anerkannten Regeln der Technik und den im jeweiligen Einzelfall wirtschaftlich vertretbaren Maßnahmen so gering wie möglich zu halten. In der DIN 4108 Beiblatt 2:2006-03 sind Musterlösungen für die Ausführung verschiedener Details aufgezeigt. Sie sollten auch bei Sanierungsobjekten beachtet werden, um mögliche Förderungen und Zuschüsse nicht unmöglich werden zu lassen.
Für den ausführenden Handwerker besteht vom Grundsatz her eine Mitwirkungs- und Hinweispflicht, um Bauteile und Bauteilschichten in Dachaufbauten energetisch richtig zu planen und auszuführen.

Die 10 %-Regel als Ausnahme

Bei Änderung von Außenbauteilen brauchen die Anforderungen der EnEV Anlage 3 nicht eingehalten zu werden, wenn bei

  • Außenwänden
  • außen liegenden Fenstern
  • Fenstertüren
  • Dachflächenfenstern
  • Steildächern
  • Flachdächern
  • Bodenflächen


weniger als 10 % der gesamten jeweiligen Bauteilfläche des Gebäudes bearbeitet werden.

Zur Ermittlung der jeweiligen gesamten Bauteilfläche des Gebäudes sind die Bauteile in der Weise zusammenzufassen, wie es die Gliederung der Anlage 3 EnEV in den Nummern 1 bis 6 vorgibt.

Zur Auslegung der EnEV 2009 hat Herr Dr. Justus Achelis (DIBt) von der Fachkommission Bautechnik der Bauministerkonferenz Fragen beantwortet. Die Fragen und Antworten können unter dem nachfolgenden Link nachgeschlagen werden:

http://www.dibt.de/de/aktuelles_energieeinsparverordnung.html

Berechnung der Wärmedurchgangskoeffizienten von Bauteilen mit keilförmigen Schichten

Abbildung 50: Prinzipieller Aufbau des Bauteils
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Werden bei der Flachdacherneuerung Gefälledächer durch die keilförmige Anordnung einer Dämmschicht aufgebaut, so ist der Wärmedurchgangskoeffizient nach DIN EN ISO 6946 :1996-11 Anhang C zu ermitteln.



Belüftetes Dach (Kaltdach)

Für den Fall, dass bei einem belüfteten Dach lediglich die Dachhaut regeneriert wird, ist die generelle wirtschaftliche Vertretbarkeit einer Verpflichtung zur Wärmedämmung der betroffenen Flächen derzeit nicht nachgewiesen.

Werden Schalung und ggf. vorhandene Dachabdichtung nicht ersetzt, so greift die Verpflichtung des § 9 in Verbindung mit Anlage 3 Nr. 4 b EnEV 2009 (U-Wert < 0,20 W/m² · K) folglich nicht und es muss nicht nachgedämmt werden.

Werden dagegen alle Schichten der Dachhaut erneuert oder es wird eine neue für sich vollständige Abdichtung erstellt, so muss das Dach die Anforderungen nach Anlage 3, Tabelle 1, Zeile 4 b EnEV 2009 (siehe Tabelle 21) einhalten.

Nicht belüftetes Flachdach (Warmdach)

Die Anforderung der EnEV ist einzuhalten, wenn die bestehende Dachhaut (Abdichtung) durch eine voll funktionsfähige neue Dachhaut (Abdichtung) ersetzt oder neu aufgebaut wird. Dies gilt auch, wenn die bestehende Dachhaut unterhalb der neuen Dachhaut erhalten bleibt.

Wenn auf eine vorhandene funktionstüchtige Abdichtung eine zusätzliche Lage aufgebracht wird, gilt dies nur als Regenerationsmaßnahme der vorhandenen Abdichtung, und die Anforderungen nach Anlage 3, Tabelle 1, Zeile 4 b EnEV 2009 (siehe Tabelle 21) brauchen nicht berücksichtigt zu werden.

Nachrüstung von Gebäuden und Nachweise

Nachrüstung bei Anlagen und Gebäuden nach § 10 EnEV

Wohngebäude sowie Nichtwohngebäude, die nach ihrer Zweckbestimmung jährlich mindestens vier Monate und auf Innentemperaturen von mindestens 19 °C beheizt werden, müssen gedämmt werden.
Diese Forderung gilt für bisher ungedämmte, nicht begehbare, aber zugängliche oberste Geschossdecken beheizter Räume. Alternativ darf anstelle der Geschossdecke das darüber liegende, bisher ungedämmte Dach entsprechend gedämmt werden.
Der Wärmedurchgangskoeffizient der Geschossdecke darf dabei 0,24 Watt/(m² · K) nicht überschreiten. Die Dämmmaßnahmen sind bis zum 31.12.2011 durchzuführen.

Es muss nicht nachgedämmt werden, soweit die für die Nachrüstung erforderlichen Aufwendungen durch die eintretenden Einsparungen nicht innerhalb angemessener Frist erwirtschaftet werden können.

Private Nachweise nach § 26a EnEV

(1) Wer geschäftsmäßig an oder in bestehenden Gebäuden Arbeiten
1. zur Änderung von Außenbauteilen im Sinne des § 9 Absatz 1 Satz 1,
2. zur Dämmung oberster Geschossdecken im Sinne von § 10 Absatz 3 und 4, auch in Verbindung mit Absatz 5, oder
3. zum erstmaligen Einbau oder zur Ersetzung von Heizkesseln und sonstigen Wärmeerzeugersystemen nach § 13, Verteilungseinrichtungen oder Warmwasseranlagen nach
§ 14 oder Klimaanlagen oder sonstigen Anlagen der Raumlufttechnik nach § 15
durchführt, hat dem Eigentümer unverzüglich nach Abschluss der Arbeiten schriftlich zu bestätigen, dass die von ihm geänderten oder eingebauten Bau- oder Anlagenteile den Anforderungen dieser Verordnung entsprechen (Unternehmererklärung).

(2) Mit der Unternehmererklärung wird die Erfüllung der Pflichten aus den in Absatz 1 genannten Vorschriften nachgewiesen. Die Unternehmererklärung ist von dem Eigentümer mindestens fünf Jahre aufzubewahren. Der Eigentümer hat die Unternehmererklärungen der nach Landesrecht zuständigen Behörde auf Verlangen vorzulegen.

Tauwasserschutz bei Dächern

Nicht belüftete Dächer

Bei Anordnung einer diffusionshemmenden Schicht mit einer diffusionsäquivalenten Luftschichtdicke sd = (µ·s) >= 100 m unter der Wärmedämmung und einer Wärmedämmschichtdicke entsprechend der EnEV hat sich als praktische Erfahrung ergeben, dass bei Innentemperaturen
ti <= +20 °C und einer relativen Luftfeuchtigkeit <= 60 % kein schädliches Tauwasser in der Dachkonstruktion anfällt.

Bei abweichenden Klimabedingungen ist eine Überprüfung der gesamten Dachkonstruktion durch eine diffusionstechnische Berechnung vorzunehmen. Der Nachweis ist nach DIN 4108 zu führen.

Als Dampfsperre eignen sich besonders Bitumenbahnen mit Metallband-Einlage. Sie gelten als praktisch dampfdicht.

Belüftete Dächer

Die für den Tauwasserschutz erforderlichen Maßnahmen sind der nachstehenden Tabelle in Anlehnung an Ziffer 4.3.3.3 der DIN 4108-3 zu entnehmen:

Tabelle 23: Bemessung belüfteter Dächer nach DIN 4108 1)

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Wenn diese Bedingungen erfüllt werden, ist kein rechnerischer Nachweis des Tauwasserausfalls infolge Dampfdiffusion bei normalem Wohnraumklima in den unterhalb der Wärmedämmung liegenden Räumen (20 °C und 50 % relative Luftfeuchtigkeit) erforderlich. Andernfalls soll der rechnerische Nachweis nach DIN 4108 geführt werden.