Vorteile Bitumenbahnen sind hoch belastbar und haben sich über Jahrzehnte als Abdichtungsmaterial bewährt.

Nahaufnahme einer Bitumenbahn-Rolle. © derdichtebau


Die heute verwendeten Bitumenmassen sind das Ergebnis einer fortlaufenden Produktentwicklung. Gleiches gilt für die Trägereinlagen: sie bestehen aus verstärkten Glasvliesen, gewebten Glasfäden, Kunststoffspinnvliesen sowie aus der Kombination dieser Werkstoffe. Träger und Bitumendeckschichten sind aufeinander abgestimmt, damit die Abdichtungsbahnen dauerhaft allen Beanspruchungen standhalten, denen Flachdachkonstruktionen ausgesetzt sind.

Außerdem geht es bei der Produktentwicklung immer auch darum, die handwerksgerechte Verarbeitung der Bahnen für den Einsatz unter den rauen Baustellenbedingungen weiter zu optimieren. Die Qualität polymermodifizierter Bitumenbahnen lässt sich direkt an den technischen Eigenschaften der Bahnen, insbesondere den thermischen und mechanischen Eigenschaften, ablesen. Eine hohe Materialqualität in Verbindung mit fachgerechter Verarbeitung bilden die Basis einer dauerhaft funktionsfähigen Abdichtung.

Langlebigkeit
Bitumenbahnen haben eine hohe Alterungsbeständigkeit, die durch die Modifizierung der Bitumenmasse optimiert wird. Verglichen mit anderen organischen Stoffen altert die Bitumenoberfläche unter Einfluss von Licht und Sauerstoff kaum und nur sehr langsam. Trotzdem kann bewittertes Bitumen Alterungserscheinungen. Durch die Beimischung von Polymeren wird die Nutzungsdauer der Abdichtungsbahn wesentlich erhöht. Hochwertige Materialien und eine fachgerechte Ausführung sind neben der fachkundigen Planung die wichtigsten Faktoren für eine jahrzehntelang funktionierende Abdichtung.

Geht man von einer Lebensdauer von 30 Jahren für eine zweilagige Abdichtung aus, so lässt sich die Funktionsfähigkeit durch Überschweißen mit einer zusätzlichen Lage um 20 weitere Jahre auf 50 Jahre verlängern. Als Beispiel dienen hier die Kolonnaden in Heiligendamm. Das Bauwerk
stammt aus dem Jahr 1860 und wurde im Jahr 2001 aufwändig saniert. Zu diesem Zeitpunkt war die Flachdachabdichtung fast 90 Jahre alt und vollständig intakt.

Wartung von Bitumenbahnen. © derdichtebau

Wartungs- und Sanierungsfreundlichkeit
Die Funktionsfähigkeit einer Dachabdichtung aus Bitumenbahnen und ihre erwartete Nutzungsdauer lässt sich durch regelmäßige Inspektion, verbunden mit einer fachgerechten Wartung, langfristig sicherstellen. Bei der Flachdachinspektion wird der Zustand der Dachabdichtung, der An- und Abschlüsse sowie der Durchdringungen untersucht. Ein Fachmann kann dabei erkennen, ob Maßnahmen zur Instandsetzung erforderlich sind, um die Dichtigkeit des Daches auch langfristig zu erhalten.

Je nach Zustand, Art und Belastung der Dachabdichtung ist zu entscheiden, welche Maßnahme erforderlich wird. Nach dem Ergebnis der Inspektion werden die entsprechenden Maßnahmen ausgewählt: Wartung, Instandsetzung oder komplette Erneuerung. Der Vorteil von Bitumenbahnen liegt darin, dass schadhafte Stellen einfach durch eine weitere Lage Bitumenbahnen ausgebessert werden können. Dazu stehen spezielle Sanierungsbahnen zur Verfügung. Aufgrund der guten Materialverträglichkeit von Bitumenbahnen kann bei der Erneuerung der Dachabdichtung die vorhandene Abdichtung in vielen Fällen auf dem Dach belassen werden. Vor der Entscheidung für eine Sanierungsmaßnahme sollte immer ein Fachmann hinzugezogen werden.

Herstellung einer Bitumenbahn. © derdichtebau

Mechanische Belastbarkeit
Die mechanische Belastbarkeit wird durch die Eigenschaft der Bitumenmasse und durch die Wahl der Trägereinlage bestimmt. Die DIN 18531-1 – Dachabdichtungen – unterscheidet zwei Stufen mechanischer Einwirkung.

Stufe I: hohe mechanische Einwirkung und Stufe II: mäßige mechanische Einwirkung. Polymermodifiziertes Bitumen, wie z. B. Elastomerbitumen, weist ein elastisches (gummiartiges) Verhalten auf und zeigt dadurch eine geringe Temperaturempfindlichkeit. Kombiniert mit entsprechenden Trägereinlagen, die eine hohe Reißfestigkeit und Dehnungsfähigkeit aufweisen, entsteht eine mechanisch belastbare Abdichtungsbahn. So können z. B. Bahnen mit hochwertigen Polyestervliesen Zugkräfte von 1200 N und mehr bei einer Dehnung von 50 % erreichen. Bahnen, die in der Lage sind, derartige Kräfte aufzunehmen und gleichzeitig ein entsprechend hohes Dehnungsvermögen besitzen, können die wechselnden mechanischen Beanspruchungen schadlos überstehen. Verstärkte Träger ermöglichen – ohne die erforderliche Dehnung der Bahn einzuschränken – eine hervorragende Dimensionsstabilität (< 0,1 %), was insbesondere bei mechanisch befestigten Dachsystemen von Bedeutung ist.

Hagelschläge sind für Bitumenbahnen kein Problem. © derdichtebau

Hohe Perforationsfestigkeit

Eine hohe Perforationsfestigkeit der Bitumenbahnen wird durch moderne Kombinationsträger erreicht. Sicher gegen Hagelschlag Durch die hohe thermische und mechanische Belastbarkeit halten Bitumenabdichtungen auch starken Hagelschlägen stand. Als Hagel bezeichnet man gefrorenen Niederschlag ab einer Korn Größe von 0,5 cm, der auch Größen von über 10 cm erreichen kann.

Je schwerer das Hagelkorn, desto größer ist die Fallgeschwindigkeit – bis zu 70 km/h. Die Häufigkeit von Hagelschlag hat in den letzten Jahren zugenommen, dies wird als Folge des Klimawandels angesehen. Eine mehrlagige Dachabdichtung mit Bitumenbahnen hält durch die hohe Perforationssicherheit auch starkem Hagelschlag stand. Aber auch die thermische Belastbarkeit von Bitumenbahnen kommt bei Hagelschlägen zum Tragen. So kann das Dach innerhalb weniger Minuten stark heruntergekühlt werden, wenn die Hagelkörner auf dem Dach liegen. Die Elastizität und mechanische Belastbarkeit der Bitumen bahnen bleiben trotz dieser starken Temperaturschwankungen erhalten.

Hohe Temperaturbeständigkeit – kein Shattering
Das Phänomen „Shattering“ – benannt nach dem englischen Verb „to shatter“ für zerspringen, zersplittern, zerschmettern – hat nach dem frostreichen Winter 2012 auch in Deutschland für Diskussionen gesorgt. Nach einer Periode mit heftigem Frost ohne vorausgegangene Schneefälle zeigten sich bei zahlreichen Abdichtungen mit Kunststoffdachbahnen plötzlich großflächige Risse mit astähnlichen Verzweigungen, die sich teilweise über die gesamte Dachfläche erstreckten. Experten gehen davon aus, dass bundesweit rund zwei Millionen Quadratmeter Dachfläche beschädigt wurden. Die eigentliche Ursache für das Shattering ist noch nicht endgültig geklärt. Als gesichert gilt immerhin, dass die Viskosität eine entscheidende Rolle spielt, eventuell auch die Ursprungs-Härte des Werkstoffes.

Verstärkt wird das Problem durch lange Liegezeiten und den damit einhergehenden Weichmacherverlust, der das Material zunehmend spröde werden lässt. Betroffen waren insbesondere homogene PVC-Bahnen ohne Verstärkung oder Einlage. Keine Shattering-Gefahr für Bitumendächer Abdichtungen mit Bitumenbahnen sind von Shattering nicht betroffen. Das Material ist „von Natur aus“ viskoelastisch und bleibt damit auch im gealterten Zustand kälteflexibel. Darüber hinaus sind Bitumenbahnen bereits ab Werk mit dehnbaren und/oder hochreißfesten Trägereinlagen armiert, die ebenfalls Rissbildungen entgegenwirken. Außerdem enthalten Bitumenbahnen keine Weichmacher. Eine zusätzliche Sicherheit entsteht durch die übliche mehrlagige Verlegung der Abdichtungsbahnen.

Beständigkeit gegen Flugfeuer und strahlende Wärme
Nach §32 der Musterbauordnung müssen Bedachungen „gegen eine Brandbeanspruchung von außen durch Flugfeuer und strahlende Wärme ausreichend lang widerstandsfähig sein“, dies gilt auch für Abdichtungen mit Bitumenbahnen. In diesem Zusammenhang spricht man von „harter Bedachung“. Dieser Begriff des Bauordnungsrechts beschreibt eine Klassifizierung von Dachaufbauten nach DIN 4102-7 (Brandverhalten von Baustoffen und Bauteilen), die ausreichend widerstandsfähig gegen Flug feuer und strahlende Wärme sind. Als gleichwertig wird eine Prüfung nach DIN CEN/TS 1187, Prüfverfahren 1, anerkannt.

Nur ein Abdichtungs system kann als „harte Bedachung“ klassifiziert werden, niemals ein einzelnes Produkt. Die führenden deutschen Bitumenbahnen-Hersteller bieten verschiedene Abdichtungssysteme an, die als Systemaufbauten die Prüfung der „harten Bedachung“ bestanden haben. Diese Systemlösungen beinhalten unterschiedliche Kombinationen von Bitumenabdichtungen, Dämmstoffen und Dampfsperren für die verschiedenen Anwendungsbereiche. Im Brandfall entstehen neben den für Verbrennungen üblichen Gasen wie z. B. Kohlendioxid keine weiteren halogenierten, aggressiven umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Stoffe.

Zusätzliche Sicherheit durch Abschottung
Ein mit Bitumenbahnen ausgeführtes Flachdach schützt das Gebäude sicher gegen ein dringendes Niederschlagswasser. Z-förmig an die Dampfsperre angeschlossene Abschottungen bieten eine zusätzliche Sicher heit. Die Abschottung verhindert im Schadensfall die Ausbreitung von Wasser oder Feuchtigkeit und ermöglicht gleichzeitig eine einfache Fehlerlokalisierung.

In der Regel kann dabei wie beim Abschluss eines Tagesabschnitts verfahren werden: Die erste Abdichtungslage aus Bitumenbahnen wird z-förmig an der Wärmedämmschicht herabgeführt und an die Dampfsperre angeschlossen. Die genaue Position der Abschottung wird durch den Planer vorgegeben und entsprechend dokumentiert. Denn nur so ist im Schadensfall sofort ersichtlich, welche Bereiche an welcher Stelle voneinander abgeschottet sind.

Schweißen von Bitumenbahnen. © derdichtebau

Sicherheit bei der Verarbeitung
Moderne Verarbeitungsverfahren gewährleisten eine sichere und handwerksgerechte Verarbeitung ohne gesundheitliche Gefahren für den Verarbeiter. Mehrere Arbeitsplatzuntersuchungen des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin der Universität Gießen bestätigten die Unbedenklichkeit von Bitumenbahnen bei der Verarbeitung. Bei der Heißverarbeitung von Polymerbitumen- und Bitumenbahnen, im Gießwie auch im Schweißverfahren, liegen die gemessenen Konzentrationen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) deutlich unter den zulässigen Grenz werten.

Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die PAK-Exposition für die Arbeitnehmer bei der Verarbeitung von Bitumenbahnen den normalen Umweltbedingungen entspricht. Ergänzend zu diesen Untersuchungen wurden von der Bau-Berufs Genossenschaft Messungen über Dämpfe und Aerosole aus Bitumen auf Baustellen unter üblichen Arbeitsbedingungen vorgenommen. Die Ergebnisse sind in einer BG/BIA-Empfehlung zur Überwachung von Arbeitsbereichen „Schweißen von Bitumenbahnen“ veröffentlicht. Dabei zeigt sich, dass eine Gefährdung für die Verarbeiter ausgeschlossen ist.

Physiologische und ökologische Wirkung von Bitumenbahnen. © derdichtebau

Umweltverträglichkeit
Viele Baustoffe werden heute unter ökologischen und baubiologischen Gesichtspunkten kritisch unter die Lupe genommen. Mit den modernen Analyseverfahren lassen sich selbst bei solchen Stoffen, die noch vor Jahren als unbedenklich galten, Gefährdungspotentiale nachweisen. Aus diesem Grund wurden Polymerbitumen- und Bitumenbahnen in den letzten Jahren immer wieder sorgfältig untersucht. Die physiologische und ökologische Wirkung von Bitumenbahnen war Thema umfangreicher Forschungsreihen.

Die erste von insgesamt drei Studien wurde vom Hygiene-Institut Heidelberg durchgeführt. Untersucht wurde, ob bei den üblichen Oberflächen Temperaturen eines Flachdaches (im Sommer bis zu 80° C) von der Dachabdichtung gesundheitsgefährdende Stoffe an die Umgebung abgegeben werden. Das aus den Emissionen gewonnene Kondensat wurde auf kanzerogenes Potenzial überprüft. Es wurden keine Anhaltspunkte für eine mutagene Wirkung festgestellt. Das Ergebnis des biologischen Tests beweist, dass von den Emissionen aus Bitumenbahnen keine Krebsgefahr ausgeht.