Technische Regeln Verarbeitung der Stoffe

Allgemeines
(1) Bitumen- und Polymerbitumenbahnen bieten bewährte und in der Praxis erprobte Anwendungs- und Verarbeitungsmöglichkeiten, die funktionssichere technische Lösungen im Bereich der Abdichtung bieten.
(2) Für die Ausführung von Abdichtungsarbeiten bei Witterungsverhältnissen, die sich nachteilig auf die Leistungen auswirken können, sind besondere Maßnahmen zu treffen, die diese nachteiligen Auswirkungen verhindern. Die besonderen Maßnahmen sind entsprechend der Gegebenheiten zum Ausführungszeitpunkt mit dem Auftraggeber zu vereinbaren.
Eine Möglichkeit dieser „besonderen Maßnahmen“ liegt in der Materialauswahl. Sind z. B. Arbeiten bei Temperaturen unter + 5 °C erforderlich, ist der Einsatz von Bahnen mit besserem Verarbeitungsverhalten in der Kälte, wie z. B. Polymerbitumen-Dampfsperrbahnen bzw. -Abdichtungslagen vorzusehen.
(3) Bei Arbeitsunterbrechung sind besondere Maßnahmen erforderlich, um die Wasserunterläufigkeit der bereits hergestellten Teile der Abdichtung zu verhindern.

Lagerung und Transport
Eine der Voraussetzungen für die handwerklich sichere Verarbeitung ist der einwandfreie Zustand der Materialien an der Einbaustelle, und damit der sachgerechte Transport und die sachgerechte Lagerung der Baustoffe. Insbesondere ist Folgendes zu beachten:

  • trockener und ebener Untergrund für die Lagerung
  • Schrumpfhauben erst unmittelbar vor der Verarbeitung abnehmen
  • Baustoffe nicht längere Zeit direkter Sonneneinstrahlung aussetzen

Darüber hinaus sind die Baustoffe nach Herstelleranweisung zu transportieren und zu lagern.

Verarbeitung von Bitumenvoranstrich und Bitumenklebemasse
Bitumenvoranstrich wird durch Streichen, Rollen oder Spritzen auf den besenreinen Untergrund vollflächig aufgetragen. Er muss vor der Verarbeitung weiterer Dachaufbauschichten ausreichend durchgetrocknet sein.

Lösemittelhaltige Bitumenprodukte dürfen in Innenräumen und ähnlichen baulichen Anlagen nicht eingesetzt werden.

Heiß zu verarbeitende Bitumenklebemassen sind auf ca. 200 °C zu erhitzen (siehe Bitumenklebemassen und Deckaufstrichmittel). Bei der Aufbereitung der Klebemasse darf eine Temperatur von 230 °C nicht überschritten werden.

Verarbeitung von Dampfsperre und Ausgleichsschicht
(1) Bitumendachbahnen mit Metallbandeinlage und Metall-Kunststoff-Verbund-Einlage werden im Gießverfahren mit Heißbitumen vollflächig auf einer Ausgleichsschicht, z. B. Lochglasvlies-Bitumenbahn aufgebracht.
(2) Dampfsperrbahnen, z. B. Schweißbahnen, können die Funktion der Ausgleichsschicht unmittelbar übernehmen, indem sie teilflächig verklebt aufgebracht, lose verlegt oder mechanisch befestigt werden.
(3) Schweißbare Dampfsperrbahnen mit Deckschichten aus Polymerbitumen können aufgrund ihrer rissüberbrückenden Eigenschaften auch vollflächig aufgeschweißt werden.
(4) Kaltselbstklebende Dampfsperrbahnen mit Deckschichten aus Polymerbitumen können vollflächig kaltselbstklebend aufgebracht werden.
(5) Dampfsperren sind an An- und Abschlüssen und Durchdringungen über die Dämmschicht hoch zu führen und dicht anzuschließen.
(6) Sollen Dampfsperren vorübergehend als behelfsmäßige Abdichtung während der Bauzeit dienen, sind sie vor Weiterführung der Dachabdichtungsarbeiten bzw. während der Bauphase zu überprüfen und ggf. zu überarbeiten.

Verarbeitung von Dämmstoffen (Dämmplatten und - bahnen)

Allgemeine Hinweise
(1) Dämmplatten und -bahnen sollen im Verband verlegt werden. Zur Vermeidung von Wärmebrücken und zum Ausgleich von geringfügigen Unebenheiten wird eine zweilagige Verlegung bzw. Stufenfalz empfohlen.
(2) Platten oder bahnenförmige Dämmstoffe sind eng aneinander zu verlegen. Fugen aus zulässigen Maßabweichungen oder temperaturbedingten Längenänderungen lassen sich nicht vermeiden.
(3) Größere Fugen an Schnittstellen oder Anschlüssen sind mit geeignetem Dämmstoffmaterial zu schließen.
(4) Bei Dämmbahnen, deren Kaschierlage als erste Lage der Abdichtung gilt, sind die Längs-und Quernähte systemgerecht zu schließen.

Verarbeitung der Dämmstoffe

Expandierter Polystyrol-Hartschaum (EPS) nach DIN EN 13163 kann mit Kaltklebemassen und Kaltklebstoffen oder durch Anflämmen entsprechender Dampfsperrbahnen auf dem Untergrund verklebt werden. Eine mechanische Befestigung kann alleine oder auch in Verbindung mit der ersten Abdichtungslage erfolgen.

Polyurethan-Hartschaumplatten (PUR/PIR) nach DIN EN 13165 können mit Kaltklebstoffen oder mit Heißbitumen auf dem Untergrund verklebt werden. Die Verklebung mit Heißbitumen kann voll- oder teilflächig, zumindest aber 50 % flächig verteilt erfolgen. Bei anderen Verlegeverfahren, z. B. bei loser Verlegung oder mechanischer Befestigung, sind die Herstellervorschriften zu beachten.

Phenolharz-Hartschaumplatten (PF) nach DIN EN 13166 sind unter Beachtung der Herstellervorschriften zu verlegen.

Extrudierte Polystyrol-Hartschaumplatten (XPS) nach DIN EN 13164 sind unter Beachtung der Herstellervorschriften zu verlegen.

Schaumglas nach DIN EN 13167 wird auf geschlossener Unterlage vollflächig mit Heißbitumen aufgeklebt. Bei vollflächig mit Bitumen gefüllten Fugen kann auf eine separate Dampfsperre verzichtet werden. Wird Schaumglas, z. B. auf Stahltrapezprofilen, mit Kaltklebemasse aufgeklebt, sind die Herstellervorschriften zu beachten.

Mineralwoll-Dämmplatten nach DIN EN 13162 können vollflächig mit Heißbitumen oder teilflächig mit Kaltklebstoffen aufgeklebt werden. Die Herstellervorschriften sind zu beachten. Eine mechanische Befestigung kann alleine oder auch in Verbindung mit der ersten Abdichtungslage erfolgen.

Sonstige Dämmstoffe (z. B. Platten aus expandierten Mineralien, Kork, Schüttungen)
Plattenmaterial wird vollflächig mit Heißbitumen aufgeklebt. Wird, z. B. auf Stahltrapezprofilen, mit Kaltklebemasse oder Kaltklebstoff aufgeklebt, sind die Herstellervorschriften zu beachten. Eine mechanische Befestigung kann alleine oder auch in Verbindung mit der ersten Abdichtungslage erfolgen.
Schüttungen werden in entsprechender Dicke ggf. mit Gefälle aufgetragen und verdichtet. Die Herstellervorschriften sind zu beachten.

Verarbeitung von Bitumenbahnen auf Dämmstoffen

(1) Die erste Lage der Abdichtung wird teil- oder vollflächig aufgeklebt, mechanisch befestigt oder lose verlegt, z. B. auf Dämmstoffen aus EPS- oder PUR/PIR-Hartschaum.

(2) Wenn zwischen Wärmedämmung und Abdichtung eine zusammenhängende Luftschicht zum Dampfdruckausgleich erforderlich ist, darf die erste Lage der Abdichtung nicht vollflächig aufgeklebt werden. Auf geeigneten Dämmplatten können kaltselbstklebende Unterlagsbahnen vollflächig aufgeklebt werden. Die Herstellerangaben sind zu beachten.

(3) Auf Dämmbahnen, deren Kaschierlage als erste Lage der Abdichtung gilt, ist die folgende Abdichtungslage vollflächig aufzukleben.

(4) Auf extrudierten Polystyrol-Hartschaumplatten muss eine wirksame Trennschicht zwischen Wärmedämmung und Abdichtung angeordnet werden, z. B. Rohglasvlies. Die erste Lage der Abdichtung darf nur mechanisch befestigt oder lose verlegt werden.

(5) Auf Mineralwoll-Dämmplatten erfolgt die Verklebung der ersten Abdichtungslage nach Herstellervorschrift (z.B. vollflächig mit Heißbitumen).

(6) Auf Schaumglasplatten ist die erste Lage der Abdichtung vollflächig mit Heißbitumen aufzukleben. Die Dämmstoff-Fugen sind mit Heißbitumen oder Bitumen-Kaltklebemasse zu schließen. Soll die erste Lage der Abdichtung im Schweißverfahren aufgebracht werden, sind Schaumglasplatten mit werksseitiger Bitumenbeschichtung einzusetzen oder die Schaumglasplatten bauseits mit einem Heißbitumendeckanstrich zu versehen.

(7) Auf sonstigen Dämmstoffen (z. B. Platten aus expandierten Mineralien, Kork) oder Schüttungen erfolgt die Verklebung der ersten Abdichtungslage im Allgemeinen vollflächig mit Heißbitumen.

Für einlagige Abdichtungssysteme gelten diese Ausführungen sinngemäß.

Die entsprechenden Herstellervorschriften sind zu beachten.

Verarbeitung der Bitumenbahnen

Abbildung 8, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Anordnung der Lagen

(1) Die Dachabdichtung kann auf dem Untergrund vollflächig verklebt, teilflächig verklebt, mechanisch befestigt oder lose verlegt werden. Die Forderungen der Sicherung gegen Abheben durch Windsog müssen erfüllt werden (siehe DIN EN 1991-1-4).

(2) Jede einzelne Lage in einem mehrlagigen Dachaufbau sollte mit Quernahtversatz verlegt werden. Die Überdeckung an Längs- und Quernähten beträgt mind. 80 mm und ist zu verkleben.

(3) Bei einlagigen Abdichtungssystemen beträgt die Überdeckung an Längs- und Quernähten bei mechanisch befestigten Systemen mind. 100 mm/100 mm und bei verklebten Systemen mind. 80 mm/100 mm. Die Mindestfügebreite im Längsnahtbereich beträgt beim Schweißverfahren mit Flamme 80 mm, beim Warmgasschweißen 60 mm, im Quernahtbereich und bei allen Nahtverbindungen auf beschieferten Bahnen stets 100 mm.

(4) Bei mehrlagigen Abdichtungen sind die Bahnen von Lage zu Lage versetzt anzuordnen. Alle Lagen sollten in gleicher Richtung verlegt werden, Kreuzversatz ist, soweit möglich, zu vermeiden. Die Lagen sind untereinander vollflächig zu verkleben.

(5) Es empfiehlt sich, die Bahnen in Gefällerichtung zu verlegen. Bei Dachneigungen > 3° (> 5,2 %) können, abhängig von den örtlichen Verhältnissen, zusätzliche Maßnahmen erforderlich werden.

(6) Um in der letzten Lage eine arbeitsbedingte Verdickung im Stoßbereich der Überdeckungen zu vermeiden, empfiehlt es sich, die zu überdeckende Ecke schräg abzuschneiden.

(7) Die Überdeckung der Bahn kann z. B. bei An- und Abschlüssen sowie Einbauteilen auch gegen den Wasserlauf geführt werden.

Klebeverfahren

Abbildung 9, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Allgemeines

(1) Voraussetzung für die Herstellung einer mehrlagigen Dachabdichtung ist die vollflächige Verklebung der Lagen untereinander. Dafür sind entweder das Schweißverfahren, das Gießverfahren oder das Kaltselbstklebeverfahren anzuwenden.

(2) Sind Ausgleichs- oder Dampfdruckausgleichsschichten erforderlich, werden sie durch teilflächige Verklebung oder lose Verlegung (bei Dächern mit Auflast oder mit mechanischer Befestigung) von dafür geeigneten Bahnen hergestellt.

(3) Bitumenbahnen, die als Dampfsperre die Funktion der Ausgleichsschicht oder als erste Lage die Funktion der Dampfdruckausgleichsschicht erfüllen sollen, werden teilflächig auf dem Untergrund aufgeklebt. Diese Verklebung erfolgt entweder punktweise oder unterbrochen streifenweise (siehe Tabelle 16). Die Längs- und Quernähte sind 80 mm breit vollflächig zu verkleben oder zu verschweißen.

(4) Die angegebenen Klebeverfahren eignen sich auch zur Verarbeitung von Polymerbitumen- und Bitumenbahnen für die Bauwerksabdichtung. Aufgrund möglicher beengter Arbeitsplatzverhältnisse sind nicht immer alle genannten Verfahren anwendbar.

Klebeverfahren

Schweißverfahren (Schmelzverfahren)

(1) Bei diesem Verfahren werden Schweißbahnen verwendet.

(2) Bei vollflächiger Verklebung werden die zu verklebenden Bitumendeckschichten aufgeschmolzen und die Bahn unter leichtem Druck so eingerollt, dass sie sich vollflächig mit dem Untergrund verbindet. Um dies zu erreichen, muss die aufzuklebende Bahn fest aufgerollt sein. Der Einsatz eines Wickelkerns ist zu empfehlen.

(3) Bei teilflächiger Verklebung wird die untere Deckschicht der aufzuschweißenden Bahn punkt- oder streifenweise aufgeschmolzen und die Bahn unter leichtem Druck eingerollt.

(4) In Anschlussbereichen kann die Verklebung auch im Umklappverfahren durchgeführt werden. Dazu werden die Bahnen in z. B. meterbreiten Abschnitten vor Ort ausgelegt, die Rückseite ganzflächig angeschmolzen, der Abschnitt umgeklappt und angedrückt.

(5) Bei Arbeiten mit offener Flamme sind Vorsichtsmaßnahmen erforderlich. Feuerlöscher sind vor Ort bereitzuhalten. Bei Holzschalung, offenen Fugen und ähnlichem sind Schutzmaßnahmen erforderlich, z. B. Schutzlagen.

Kaltselbstklebeverfahren

(1) Bei diesem Verfahren werden kaltselbstklebende Polymerbitumenbahnen verwendet. Der Untergrund muss für eine Kaltverklebung geeignet oder dafür vorbereitet sein. Die Herstellervorschriften sind zu beachten. Durch Abziehen der unterseitigen Trennschicht wird die Bahn unter Druck teil- oder vollflächig aufgeklebt. Zur Vermeidung von Kapillaren sind am T-Stoß gesonderte Maßnahmen zu ergreifen (z. B. Schrägschnitt der unterdeckenden Bahn).

(2) KSK-Bahnen:
An den Überlappungen muss der Andruck mit einem Hartgummiroller erfolgen. Die Breite der kaltselbstklebenden Bitumen-Dichtungsbahnen sollte bei senkrechten oder stark geneigten Flächen 1,10 m nicht überschreiten.

(3) KSP-Bahnen:
An An- und Abschlüssen, allen Überlappungen sowie senkrechten Flächen ist die Dichtungsbahn anzudrücken, um so eine optimale Verklebung zu erreichen. Bei senkrechten oder stark geneigten Flächen sind Zusatzmaßnahmen, z. B. Zuhilfenahme thermischer Aktivierung beim Aufbringen der Dichtungsbahn, vorzusehen. Die Breite der kaltselbst-klebenden Polymerbitumenbahnen sollte bei senkrechten oder stark geneigten Flächen 1,10 m nicht überschreiten

Nahtverschweißen

(1) Dieses Verfahren wird angewendet z. B.

  • bei lose verlegten Bahnen
  • bei mechanisch befestigten Bahnen
  • bei teilflächig verklebten Bahnen
  • beim Nahtverschluss von Kaschierlagen von Dämmbahnen.

(2) Dabei werden die Deckschichten innerhalb der Überdeckung in der erforderlichen Mindestfügebreite mit einem Brenner oder mit einem Warmgasgerät aufgeschmolzen und anschließend unter Druck z. B. mit einer Andruckrolle dicht geschlossen.

Gießverfahren

(1) Bei diesem Verfahren werden in der Regel Dachdichtungs- und Dachbahnen verwendet. Folienkaschierte Bahnen sind nicht dafür geeignet.

(2) Bei vollflächiger Verklebung wird die Heißbitumen-Klebemasse vor die Bahn so reichlich aufgegossen, dass beim Einrollen der Bahn vor der Rolle in ganzer Bahnenbreite ein Klebemassenwulst entsteht. Um dies zu erreichen, muss die aufzuklebende Bahn fest aufgerollt sein. Der Einsatz eines Wickelkerns ist zu empfehlen.

(3) Bei teilflächiger Verklebung wird die Heißbitumen-Klebemasse punkt- oder streifenweise aufgetragen und die Bahn unter leichtem Druck eingerollt.

(4) An den Bahnenrändern soll bei Unter- und Zwischenlagen das austretende Klebebitumen glattgestrichen werden. Bei fabrikmäßig bestreuten Bitumenbahnen ist das an der sichtbaren Kante herausgequollene Bitumen durch geeignete Maßnahmen zu entfernen oder es ist in die noch heiße Klebemasse gleiches Bestreuungsmaterial einzustreuen.

(5) Für das Gießverfahren werden ungefüllte Klebemassen verwendet.

Kaltverklebung

© vdd Technische Regeln

(1) Dampfsperrbahnen, Ausgleichsbahnen und Wärmedämmstoffe können mit Bitumen-Kaltklebemassen gemäß Kapitel Kaltklebemassen aus Bitumen oder Polyurethan-Klebstoffen gemäß Kapitel Klebstoff aus Polyurethan streifenweise aufgeklebt werden (siehe Tabelle 31). Bei der Verklebung von Ausgleichsbahnen auf lösemittelempfindlichen Dämmstoffen, wie z. B. Polystyrol mit lösemittelhaltigen Kaltklebemassen oder Klebstoffen, sind die Herstellervorschriften zu beachten.

(2) Die Längs- und Quernähte der Dampfsperr- oder Ausgleichsbahnen sind 80 mm breit zu verkleben oder zu verschweißen.

(3) Die Herstellervorschriften sind zu beachten.

Mechanische Befestigung

Allgemeines

(1) Die erste Lage einer Dachabdichtung wird mechanisch befestigt, die weiteren Lagen werden vollflächig aufgeklebt. Bei einlagigen Dachabdichtungen mit Polymerbitumenbahnen wird die Abdichtungslage selbst mechanisch befestigt. Die Befestigung erfolgt je nach Untergrund mit entsprechenden Befestigungsmitteln, z. B. Breitkopfstiften, Tellerdübeln, Schrauben, Laschen, Metallbändern. Kapitel Sicherung des Dachaufbaus gegen Abheben durch Windlasten ist zu beachten.

(2) Voraussetzung ist, dass die zu befestigenden Bahnen hohe Ausreißfestigkeit und darüberliegende Bahnen hohe Durchtrittfestigkeit aufweisen. Dies können Bahnen mit Trägereinlagen aus Glasgewebe oder Polyestervlies sowie Kombinationsträgereinlagen sein.

Abbildung 10, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Nagelung

(1) Auf Holzschalung oder Holzwerkstoffen wird die Dampfsperre oder die erste Lage der Abdichtung im Bereich der Überdeckung verdeckt mit korrosionsgeschützten Breitkopfstiften befestigt. Der Nagelabstand soll 50 mm - 100 mm entspr. Tabelle 31 betragen, die Überdeckungen sind zu verkleben (siehe nachfolgende Abbildung). Die Bahnen für Dampfsperre oder erste Abdichtungslage sind so auszuwählen, dass eine Verklebung mit dem Untergrund verhindert wird. Wird die Überdeckung der Bahnen verschweißt, sollte eine Flammschutzlage zwischen Holzschalung oder -werkstoff und Bahn oder eine andere geeignete Maßnahme vorgesehen werden.

(2) Auf anderen nagelbaren Unterkonstruktionen sind entsprechende Spezialnägel zu verwenden.

Abbildung 11, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Befestigung mit Elementen

(1) Elemente bestehen aus Lastverteiltellern und Dachbauschrauben. Bei bauphysikalisch hoher Beanspruchung und bei Sanierungen bestehender Dachabdichtungen sind korrosionsbeständige Dachbauschrauben zu empfehlen.

(2) Die Wärmedämmschicht und/oder die erste Lage der Abdichtung können mit auf die Unterkonstruktion abgestimmten Befestigungselementen befestigt werden.

(3) Die Befestigung der ersten Lage einer mehrlagigen Dachabdichtung sollte in der Überdeckung erfolgen. Die Überdeckung beträgt mind. 80 mm und ist zu verkleben.


Abbildung 12, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

(4) Die Befestigung einer einlagigen Dachabdichtung soll in der Überdeckung erfolgen. Je nach Befestigungsart und Fügetechnik beträgt die Überdeckung 100 mm bis 130 mm. Die Mindestfügebreite im Längsnahtbereich beträgt beim Schweißverfahren mit Flamme
80 mm, beim Warmgasschweißen 60 mm, im Quernahtbereich und bei allen Nahtverbindungen auf beschieferten Bahnen stets 100 mm.

Maßnahmen auf geneigten Flächen

Allgemeines

(1) Auf geneigten Dachflächen können zusätzliche Maßnahmen zur Lagesicherung der Funktionsschichten gegen Abgleiten erforderlich werden. Dies kann, abhängig von den örtlichen Verhältnissen, bereits bei Dachneigungen ab ca. 3° (5,2 %) notwendig sein.

(2) Folgende konstruktive Maßnahmen können einzeln oder kombiniert angewendet werden:

  • Sicherung der Dachbahnen am oberen Rand durch versetzte Nagelung mit 50 mm bis max. 100 mm Nagelabstand
  • Befestigung unter Verwendung von Metallbändern
  • Durchziehen der Bahnen über den First und kopfseitige Befestigung
  • Einbauen von Stützkonstruktionen zur Fixierung von Dämmschichten und Abdichtungslagen
  • Einbauen von zusätzlichen Nagelleisten bei nicht nagelbarem Untergrund
  • Mechanische Befestigung in der Fläche, z. B. mit Befestigungselementen


(3) In Bezug auf die Abdichtung können zusätzlich folgende Maßnahmen erforderlich werden:

  • Verwendung von Polymerbitumenbahnen
  • Verwendung von standfester Klebemasse oder anderer geeigneter Kleber
  • Verwendung von Bahnen mit hoher Zugfestigkeit (z. B. mit Glasgewebe- oder Polyestervlies-Einlage)
  • Verlegung der Bahnen in Gefällerichtung
  • Unterteilen der Bahnenlängen
  • Bahnenteilung im Übergangsbereich wegen unterschiedlicher Verhältnisse durch starke Erwärmung infolge Sonneneinstrahlung und Schattenwirkung, z. B. bei Shedflächen
Abbildung 13, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Zusätzliche mechanische Befestigung auf geneigten Dächern

(1) An Traufe, First, ggf. Schattengrenze und jeder Bahnenunterteilung können auf nicht nagelbaren Konstruktionen Nagelbohlen angeordnet werden. In Wärmedämmschichten sind sie gleichzeitig Widerlager. Die Nagelbohlen sollen inkl. ihrer Unterfütterung ca. 5 mm dünner als die Dämmstoffdicke und 120 mm breit sein. Bei Dämmstoffdicken über 60 mm empfiehlt es sich, die Nagelbohlen in 30 mm Dicke im oberen Bereich der Dämmschicht einzuarbeiten.

(2) Die Bahnen der einzelnen Abdichtungslagen, die in Trauf-First-Richtung verlegt werden, sind an der Oberkante auf den Nagelbohlen verdeckt im Abstand von 50 mm bis 100 mm zu nageln.

(3) Die Abdichtung wird grundsätzlich von unten beginnend hergestellt. Die Bahnen werden an jeder Nagelbohle abgelängt und mechanisch befestigt. Die überdeckende Bahn wird auf die zuvor verlegte Bahn geführt und mit mind. 80 mm Nahtüberdeckung verklebt.