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Münster Studentenwohnheim Boeselburg Bunt verspielt

Objekt: Studentenwohnheim Boeselburg, 4 Gebäude mit insgesamt 535 Wohnplätzen
Standort: Münster, Boeselager Straße 75
Bauherr: Studentenwerk Münster
Planung: kresings, Münster; Rainer Maria Kresing, Kilian Kresing, Stefan Fuchs, Guido Becker, André Pannenbäcker, Jan Tölle
Dachabdichtung: Burgemeister & Barisic, Senden
Fertigstellung: 2014
Objekt Tag der Architektur 2015

18.000 Quadratmeter attratkive Wohnfläche

Bis vor kurzem genoss die „Boeselburg“ unter Münsteraner Studenten einen eher schlechten Ruf. Das hat sich mittlerweile geändert. Denn inzwischen ist das noch aus den 1970er-Jahren stammende und längst in die Jahre gekommene Studentenwohnheim abgebrochen und durch ein gleichnamiges Ensemble aus vier markant gestalteten Einzelbauten ersetzt worden. Die vom Münsteraner Architekturbüro kresings geplante Anlage bietet auf einer Gesamtwohnfläche von 18.000 Quadratmetern attraktive Wohnflächen für 535 Bewohner und stellt dabei die größte Studentenwohnanlage in Passivhausbauweise in Europa dar. Optisch sticht vor allem die knallbunte Farbgebung der vier Baukörper hervor, die von Knallrot und Sonnengelb über Grasgrün bis hin zu Tiefblau reicht, und die im Zusammenspiel mit den breiten weißen Rahmen um den Fenstern eine betont freundliche, fast mediterrane Atmosphäre hervorruft.

Kern des Entwurfes sind vier Baublöcke mit gleicher Grundform, die jeweils einen kleinen Innenhof umschließen. Die unregelmäßige Volumengliederung der einzelnen Bauten und ihre asymmetrische Anordnung zueinander haben dabei eine abwechslungsreiche Folge von Plätzen und Durchgängen mit überraschenden Perspektiven und stets wechselnden Farbkontrasten entstehen lassen. In der Summe ist eine kreative und bewusst kleinteilig angeordnete „Stadt in der Stadt“ entstanden, die ein fast schon ein dörfliches Gefühl von Geborgenheit vermittelt und in der die vier Innenhöfe einen gemeinschaftlich nutzbaren Rückzugsort und einen fließenden Übergang zwischen privatem und öffentlichem Raum schaffen. Komplettiert wird das ungewöhnliche Projekt durch ein ambitioniertes Energiekonzept. Neben einer hocheffektiven Dämmung mit einem 25 Zentimeter dicken WDVS-System sorgt dabei auch eine hochmoderne Gebäudetechnik dafür, dass das Projekt mühelos den Passivhaus-Standard erreicht.


Warmdach mit zweilagiger Bitumenabdichtung

Aufgrund der ungewöhnlichen Grundrissstruktur, bestehend aus vier identischen Baukörpern mit jeweils einem Innenhof, weist die „Boeselburg“ eine entsprechend vielschichtige Dachlandschaft auf. Bei jedem der vier Volumen mussten jeweils 975 Quadratmeter Betondachfläche in den flacheren Gebäudeabschnitten und 840 Quadratmeter Trapezblechdächer in den viergeschossigen Bereichen abgedichtet werden. Sämtliche Maßnahmen wurden durch das Dachdeckerunternehmen Burgemeister & Barisic aus Senden durchgeführt, das zuvor erfolgreich aus dem öffentlichen Ausschreibungsverfahren hervorgegangen war. Ausgehend von den Vorgaben der Architekten für einen langfristig Schutz gegen Feuchtigkeit und damit einher gehende Bauschäden wählten die Dachdecker für sämtliche Flächen einen Aufbau als Warmdach mit einer zweilagigen Bitumenabdichtung.

Für die unterschiedlichen Arbeiten waren die Dachdecker von April 2013 bis Juli 2014 insgesamt 16 Monate mit durchschnittlich sechs Mitarbeitern vor Ort. Eine besondere Herausforderung bildeten dabei neben den großen Materialmengen vor allem die zahlreichen versetzt angeordneten Dachflächen: „Alles in allem mussten wir dabei 64 verschiedene Dächer abdichten“, blickt Dachdecker Olaf Burgemeister zurück. „Das haben wir so zuvor noch nicht erlebt!“

Für die unterschiedlichen Arbeiten waren die Dachdecker von April 2013 bis Juli 2014 insgesamt 16 Monate mit durchschnittlich sechs Mitarbeitern vor Ort. Eine besondere Herausforderung bildeten dabei neben den großen Materialmengen vor allem die zahlreichen versetzt angeordneten Dachflächen: „Alles in allem mussten wir dabei 64 verschiedene Dächer abdichten“, blickt Dachdecker Olaf Burgemeister zurück. „Das haben wir so zuvor noch nicht erlebt!“

Im Bereich der Betondächer wurde für eine optimierte Haftung zunächst ein Bitumen-Voranstrich vollflächig auf die Stahlbetonfläche aufgetragen. Direkt darüber verlegten die Dachdecker eine Bitumen-Dampfsperrbahn als Notabdichtung, über der dann eine EPS-Dämmung mit einem Gefälle von zwei Prozent zum Einsatz kam. Oberhalb der Dämmplatten wurden zunächst eine kaltselbstklebende erste Abdichtungslage aus Spezial-Elastomerbitumen und anschließend eine Oberlage aus Elastomerbitumen aufgebracht. „Eine Ausnahme waren hier die sechs Dachflächen mit einer Größe von rund 400 Quadratmetern, die abschließend noch mit einer extensiven Dachbegrünung gestaltet werden sollen“, erklärt Olaf Burgemeister. „Hier haben wir abweichend eine durchwurzelungssichere Elastomerbitumen-Schweißbahn verwendet, über der ein Aufbau mit Speicherschutzmatte, Systemfilter und Systemerde die Basis für einen großflächigen Sedumteppich bieten soll.“

Einen leicht veränderten Dachaufbau realisierten die Dachdecker im Bereich der Trapezblechdächer. Hier wurden zunächst eine Bitumen-Dampfsperrbahn und oberhalb der EPS-Gefälledämmung zwei Abdichtungslagen verlegt, bevor abschließend eine Kiesauflast als Windsogsicherung aufgebracht wurde. Eine weitere Herausforderung bot der Anschluss der Abdichtung an die verschiedenen Lichtkuppeln. Darüber hinaus musste bei den vier Gebäuden über eine Länge von insgesamt etwa 2.400 Metern eine Attika-Abdeckung aus Aluminium montiert werden.