Technische Regeln Weitere Einsatzmöglichkeiten Dachdeckung im Steildach

Allgemeines

(1) Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen werden als zusätzliche Maßnahmen unterhalb von Dachdeckungen aus Dachziegeln oder Dachsteinen, Schiefer, Bitumenschindeln, Faserzement und Metallen angeordnet. Diese werden entsprechend ihrer Eigenschaften über den Sparren und/oder Schalung, Wärmedämmschichten aufgebracht.

(2) Nach den baulichen Anforderungen und den Vorgaben der Deckmaterialien können Bitumenbahnen freihängend, aufliegend, lose überlappend, überdeckt und genagelt oder überdeckt genagelt und verklebt werden. Sie werden üblicherweise parallel zur Traufe verlegt, können aber auch rechtwinklig oder schräg zur Traufe z.B. bei Schieferdeckung verlegt werden.

(3) Die Funktion der fertigen regensicheren Deckung ist erst dann gegeben, wenn neben der zusätzlichen Maßnahme – Unterdach, Unterdeckung, Unterspannung – auch die regen-sichere Deckung, z. B. Dachziegel/Dachsteine, aufgebracht wurde. Während der Ausführung können zusätzliche Schutzmaßnahmen wie z. B. Abplanen oder Einhausen erforderlich werden.

(4) Konterlattung
Über Unterdächer, Unterdeckungen und Unterspannungen sind Konterlatten von mind. 30 mm Dicke notwendig. Der hiermit hergestellte Abstand zwischen der Zusatzmaßnahme und der Deckung dient:

  • der sicheren Ableitung von durch die Deckung eingedrungener Feuchtigkeit
  • der Ableitung von abtropfendem Tauwasser der Deckwerkstoffe
  • zur Unterlüftung der Deckung


(5) Vordeckungen bei anderen Deckungen
Direkt auf Schalung/Vordeckung befestigte Deckungen aus Schiefer, Bitumenschindeln, Faserzement oder Metallen sind nach den jeweils gültigen Fachregeln regensichere Deckungen. Als Zusatzmaßnahme unter diesen Deckungen sind mind. überdeckte Unterdeckungen aus Bitumenbahnen einzusetzen.

Planung

(1) Für die Planung und Ausführung sind folgende Gegebenheiten zu berücksichtigen:

  • Nutzung des Dachgeschosses zu Wohnzwecken
  • Dachneigung, Regeldachneigung des Deckwerkstoffs
  • Konstruktive Gegebenheiten, Dachformen
  • Klimatische Verhältnisse am Standort etc.
  • Örtliche Baubestimmungen


(2) Die objektbezogenen Zusatzmaßnahmen sind vom Planer und/oder dem Verarbeiter verantwortlich festzulegen.

(3) Beim Einsatz von Dachziegeln und Dachsteinen sind bei Unterschreitung der Regeldachneigung folgende Zusatzmaßnahmen mit Bitumenbahnen möglich:

Unterdach

  • wasserdicht
  • regensicher

Unterdeckung

  • naht- und perforationsgesichert
  • verschweißt oder verklebt
  • überlappt oder überdeckt

Unterspannung

  • überlappt

Stoffe - Bahnen unter Steildachdeckungen

(1) Bitumen- und Polymerbitumenbahnen werden für den Einsatz im Steildach verwendet.

(2) Die für Bitumenbahnen für Unterdeckungen und Unterspannungen maßgeblichen Eigenschaften sind in DIN EN 13859-1 definiert.

Bitumen- und Polymerbitumenbahnen bieten dem Verarbeiter folgende Vorteile:

  • leichte und rationelle Verlegung
  • Rutschfestigkeit durch spezielle Oberflächengestaltungen
  • Blendfreiheit
  • Nagelausreißfestigkeit
  • Nagelschaftdichtigkeit
  • Durchtrittfestigkeit
  • Schutz des Dachraumes bzw. der Schalung vor Staub, Flugschnee und Flugregen
  • Dauerhaftigkeit – kein Verspröden oder Verrotten
  • hohe Kälteflexibilität und Wärmestandfestigkeit


(3) Für die Planung und Ausführung sind die Angaben im Kapitel „Hinweise zur Bauphysik“ und/oder die Herstellervorschriften zu beachten.

Unterdach

(1) Bei Unterdächern mit Bitumenbahnen sollen die Überdeckungen mind. 80 mm betragen. Um ungewollte Verklebungen zur Schalung auszuschließen, sind geeignete Trennschichten der Bitumenbahnen vorzusehen. Diese können z. B. aus einer Beschieferung, einer groben Besandung oder aus einer PE-Folienkaschierung bestehen.

(2) Beim Einsatz der offenen Flamme sind Trennlagen aus sich überlappenden Bitumenbahnen einzubauen, deren Nähte durch Nagelung fest geschlossen sind, um ein Durchschlagen der Flamme zu vermeiden.

Wasserdichtes Unterdach

(1) Bitumenbahnen für das wasserdichte Unterdach sind in der Fläche und an den gefügten Nähten wasserdicht. Sie liegen auf der jeweiligen Unterlage auf.

(2) Durchdringungen, Einbauteile, Einfassungen etc. sind wasserdicht anzuschließen.

(3) Die Befestigungen erfolgen im oberen Drittel der Höhenüberdeckungen verdeckt im Abstand von ca. 100 mm.

(4) Die Abdichtung muss entweder über die Konterlatten geführt oder es müssen Abdeck-streifen über die Konterlatten separat verlegt werden. Die Bemessung und Höhe der Konterlatte ist auf die zu erwartende Beanspruchung des Unterdaches auszulegen.

(5) Es sollten nur seitlich abgeschrägte Konterlatten oder beidseitig mit Dreikantleisten versehene Konterlatten eingebaut werden.

(6) Konterlatten aus Holz oder Holzwerkstoffen dürfen nicht mit diffusionsdichten Bahnen umhüllt werden.

(7) Wasserdichte Unterdächer sind nicht belüftete Konstruktionen.

Regensicheres Unterdach

(1) Bitumenbahnen für regensichere Unterdächer sind in der Fläche und an den gefügten Nähten wasserdicht. Sie liegen auf der jeweiligen Unterlage auf.

(2) Durchdringungen, Einbauteile, Einfassungen etc. sind regensicher anzuschließen. Die Befestigungen erfolgen im oberen Drittel der Höhenüberdeckungen verdeckt im Abstand von ca. 100 mm.

(3) Die Konterlatten werden auf der Abdichtung aufgebracht. Die Befestigungen erfolgen durch die Abdichtung hindurch in den Sparren.

(4) Die Konterlatten sollten mit Dichtbändern o. ä. unterlegt werden. Regensichere Unterdächer können hinterlüftete Konstruktionen sein.

Unterdeckungen

(1) Bitumenbahnen für Unterdeckungen sind in der Fläche und an den gefügten Nähten regensicher. Sie liegen auf der jeweiligen Unterlage auf.

(2) Die Konterlatten werden auf der Unterdeckung aufgebracht. Die Befestigungen erfolgen durch die Unterdeckung in den Sparren.

(3) Die Konterlatten können mit Dichtbändern o. ä. unterlegt werden. Unterdeckungen können hinterlüftete Konstruktionen sein.

Unterspannungen

(1) Bitumenbahnen für Unterspannungen werden frei hängend über den Sparren verlegt. Die Überdeckungen sollen mind. 100 mm betragen.

(2) Die Konterlatten werden auf der Unterspannung aufgebracht. Die Befestigungen erfolgen durch die Unterspannung in den Sparren.

(3) Die Konterlatten können mit Dichtbändern o. ä. unterlegt werden. Unterspannungen sind hinterlüftete Konstruktionen.