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Raum für Zukunft
Flachdach: Eine Herausforderung für Dachprofis stellte die DKV Deutsche Krankenversicherung AG mit ihrem Neubau in Köln. „Raum für Zukunft“ sollte mit dem Neubau entstehen. Das Architekturbüro überzeugte mit guten Ideen und zuverlässigen Partner
Die Lösung spiegelt sich in den verwendeten Materialien wider (siehe auch Titelfoto). Den üblichen grauen Dächern der Kölner Innenstadt setzte man eine ausgedehnte grüne Dachlandschaft gegenüber. Die begrünten Dächer des Neubaus sind als Umkehrdächer ausgebildet. Auf zweilagig verlegten, wurzelfesten Polymerbitumenbahnen folgen die Dämmung sowie eine diffusionsoffene Trennlage. Man entschied sich für ein qualitativ hochwertiges Abdichtungssystem, um den besonderen Ansprüchen an die Materialien gerecht zu werden. Die Abdichtung aus Polymerbitumenbahnen bildet die Grundlage sowohl für bepflanzte als auch für gepflasterte Bereiche.
Hoher Durchwurzelungsschutz
Wurzelfeste Bahnen aus Polymerbitumen, zweilagig verlegt, gewährleisten einen guten Durchwurzelungsschutz und eignen sich daher besonders für die Dachbegrünung. Zudem haben Bitumen- und Polymerbitumenbahnen eine sehr lange Lebensdauer. Sie bestehen aus dem umweltverträglichen Rohstoff Bitumen und halten aufgrund ihrer Materialeigenschaften extremen Temperaturschwankungen stand. Durch entsprechende Träger sind hohe Reißfestigkeiten und Dehnungen möglich. So können zum Beispiel Bahnen mit hochwertigen Polyestervliesen Zugkräfte von 1.200 Newton und mehr bei einer Dehnung von fünfzig Prozent erreichen.
Moderne Kombinationsträger sorgen für eine hohe Perforationsfestigkeit der Abdichtung, die Polymermodifikation des Bitumens bewirkt dagegen eine hohe Wärmestandfestigkeit und Kälteflexibilität der Bahnen. Schon bei genormten Bahnen aus Elastomerbitumen beginnt die Temperaturspanne über plus einhundert Grad und endet unter minus 25 Grad Celsius. Bei Hochwertbahnen sind diese für die Lebensdauer wichtigen Kenndaten durch spezielle Kunststoffzusätze und entsprechende Produktionsverfahren auf über plus 150 Grad und unter minus 35 Grad Celsius steigerungsfähig. Das ermöglicht die Verlegung auch bei niedrigen Außentemperaturen, die Inspektion von Flachdächern im Winter und die Funktionstüchtigkeit von Abdichtungen auch bei extremer Kälte.
Die Qualität polymermodifizierter Bitumenbahnen lässt sich direkt an den technischen Eigenschaften der Bahnen, insbesondere den thermischen und mechanischen Eigenschaften, ablesen. Sie korrelieren mit den thermischen und mechanischen Beanspruchungen, denen die Abdichtung insgesamt unterliegt. Der robuste Abdichtungsstoff ist unempfindlich gegen mechanische Belastungen. Das Begehen der Bitumenbahnen mit schweren Arbeitsschuhen ist problemlos und auch das Beschädigungsrisiko durch das Anlegen der Dachbegrünung ist gering (siehe Kasten: Eigenschaften Bitumenbahnen).
Gründach liegt im Trend
Immer mehr Dachdecker stehen vor der Aufgabe, eine Meinung bezüglich der Dachbegrünung abzugeben. Viele Argumente sprechen für das begrünte Dach: Gründächer regulieren den Feuchtehaushalt der Natur, speichern Regenwasser und entlasten auf diese Weise in Spitzenabflusszeiten, wie nach einem Wolkenbruch, die Kanalisation. Gerade in dicht besiedelten Innenstädten wie Köln werden durch Gründächer verlorene Naturflächen zurück gewonnen und somit ein Beitrag zur Entsiegelung von Flächen geleistet. Viele Städte und Gemeinden haben dies erkannt und bieten Fördermittel.
Grüngestaltung: Ruhepol zwischen Gegensätzen
Der Entwurf der Architekten lässt genug Raum für ein außergewöhnliches landschaftsarchitektonisches Konzept. Zwei in der Höhenentwicklung gegenläufige Gebäuderiegel und deren Verbindungsbauten bilden mehrere Höfe und Plätze aus.
Sechs Stockwerke höher erschließen sich mit den Dachgärten Räume für frische Ideen. Wie terrassenförmig angelegte Reisfelder erstrecken sich intensiv begrünte Felder über drei Etagen. Die Landschaftsarchitekten wählten Cortenstahl (Anmerkung der Redaktion: Stahllegierung, die sich durch eine hohe Witterungsbeständigkeit auszeichnet) als Beeteinfassung.
Der Rhythmus der landschaftsarchitektonischen Elemente erschließt sich am besten aus der Vogelperspektive. Das Spiel von kreativer Idee und scheinbar leichter Ausführung führte zur perfekten Realisation – entstanden durch optimales Zusammenspiel aller beteiligten Gewerke, vom Architekten über den Dachdecker bis zum Dachbegrüner.
Fazit: Nachhaltig gesichert
Die Gründächer der Verwaltungsgebäude einer Versicherung sorgen in Verbindung mit der Polymerbitumen-Abdichtung dafür, dass die Dachflächen auch die in den kommenden Jahrzehnten zu erwartenden extremen Wetterereignisse wie Starkregen und Hagelstürme problemlos verkraften werden. Die bepflanzten Beete auf den Dächern bestehen aus zweilagig verlegten, wurzelfesten Polymerbitumenbahnen, Dämmung sowie einer diffusionsoffenen Trennlage. Darauf folgt eine unterseitig mit Filtervlies kaschierte Drainage, die mit Perlkies verfüllt wurde, ein Filtervlies, eine Krallmatte sowie Intensivsubstrat.
Bautafel und ausführlicher Architekten-Bericht finden Sie hier.
Detail: Dachaufbau
2-lagig verlegte, wurzelfeste Polymerbitumenbahn
Dämmung
Diffusionsoffene Trennlage
Drainage mit Filtervlies kaschiert
Perlkies
Filtervlies
Krallmatte
Intensivsubstrat
Nähere Angaben zu den Eigenschaften von Bitumenbahnen finden Sie online unter Bitumenbahnen-Hersteller.
Bautafel
Objekt: Neubau eines Verwaltungsgebäudes, Köln
Bauherr: DKV - Deutsche Krankenversicherung AG, Köln
Planer: ARGE Jan Störmer Architekten, Hamburg; Harms & Partner GbR Bauingenieure, Hannover
Landschaftsplanung: Smeets + Damascheck Planungsgesellschaft mbH, Erftstadt
Material (Dachabdichtung): Polymerbitumen-Dachabdichtungsbahnen
Landschaftsgärtner: Jakob Leonhards Söhne GmbH & Co KG, Wuppertal

Technische Regeln 


