Bitumenbahnen Produktkennzeichnung

Die Vielzahl der heute am Markt erhältlichen Bitumenbahnen erfordert eine genaue Kennzeichnung. Nur so ist auf einen Blick erkennbar, um was für eine Bahn es sich handelt und für welchen Zweck sie einsetzbar ist. Grundlage der Kennzeichnung bilden die europäische Produktnorm DIN EN 13707 und die in Deutschland gültigen Anwendungsnormen DIN SPEC 20000-201 und DIN SPEC 20000-202 sowie die Konstruktionsnormen DIN 18531 und DIN 18195.

Die Systematik einer Kennzeichnung am Beispiel der bewährten und bekannten PYE-PV 200 S5:

Bei Verwendung in Dachabdichtungen: DO/E1  PYE-PV 200 S5


Kennzeichnung    
Erklärung Norm
DO Bahnen für die Oberlage einer
mehrlagigen Dachabdichtung

DIN SPEC 20000-201,
Kapitel 4.1

E1 Eigenschaftsklasse E1, höchste
mechanische und thermische Beanspruchung   
DIN SPEC 20000-201,
Kapitel 4.2
PYE Elastomerbitumen (Bitumen modifiziert
mit thermoplastischen Elastomeren)
DIN SPEC 20000-201,
Kapitel 4.3
PV 200 Polyestervlies
(Flächengewicht in g/qm)
DIN SPEC 20000-201,
Kapitel 4.3
S5 Schweißbahn
(Dicke der unbestreuten Bahn in mm)
DIN SPEC 20000-201,
Kapitel 4.3

Bei Verwendung in Bauwerksabdichtungen: BA  PYE-PV 200 S5


Kennzeichnung   
Erklärung Norm
BA

Bahn für die Bauwerksabdichtung gegen
Bodenfeuchte, nicht drückendes und drückendes Wasser

DIN SPEC 20000-202,
Kapitel 4.2

PYE Elastomerbitumen (Bitumen modifiziert
mit thermoplastischen Elastomeren)
DIN SPEC 20000-202,
Kapitel 4.3
PV 200 Polyestervlies
(Flächengewicht in g/qm)
DIN SPEC 20000-202,
Kapitel 4.3
S5 Schweißbahn
(Dicke der unbestreuten Bahn in mm)
DIN SPEC 20000-202,
Kapitel 4.3

Fakten zu den Produktkennzeichnungen

Warum ist die Verwendung der genauen Kennzeichnung so wichtig?

Nur durch die genaue Produktkennzeichnung ist sicher gestellt, dass aufeinander abgestimmte Produkte im Dachaufbau verwendet werden und dadurch ein über Jahrzehnte dichtes Dach entsteht. Die neuen Kennzeichnungen von Polymerbitumen- und Bitumenbahnen unterscheiden sich dabei nicht so sehr von den alten. Die Kurzzeichen der Produktmerkmale sind bis auf wenige Ausnahmen gleich geblieben. KTG und KTP sind Bezeichnungen, die neu hinzu gekommen sind, da es die Trägereinlagen früher nicht gab. Vcu bildet die dritte Ausnahme, da Verbundträger aus Glasvlies mit Polyester-Kupferfolienverbund früher nicht gekennzeichnet wurden.
Was unterscheidet die neuen Kennzeichnungen grundlegend von den alten? Sie sind heute genauer beschreibend. Neben der Stoffbezeichnung kamen Kurzzeichen für die Anwendungstypen und Eigenschaftsklassen hinzu. Eine 5 mm dicke Elastomerbitumenschweißbahn mit Polyestervlies als Trägereinlage, dessen Flächengewicht 200 g/m² beträgt, trägt heute die Bezeichnung DO/E1  PYE-PV 200 S5. Die alte Stoffbezeichnung lautete PYE-PV 200 S5. Damit ist die Bezeichnung des Anwendungstyps DO, für Dachbahn-Oberlage einer mehrlagigen Dachabdichtung, und die Bezeichnung der Eigenschaftsklasse E1 hinzu gekommen. Die Eigenschaftsklasse E1 bedeutet, dass die Schweißbahn hohen Widerstand sowohl gegen thermische als auch mechanische Beanspruchung bietet.

Stoffbezeichnung

Die Stoffbezeichnungen haben sich bis auf die beschriebenen Ausnahmen nicht geändert. Sie unterscheiden sich nach der Verarbeitungsmethode Schweißbahn (S), Dachabdichtungsbahn (DD) und Kaltselbstklebebahn KSP (Polymerbitumenbahn mit Trägereinlage) oder KSP (Bitumen-Dichtungsbahn mit HDPE-Trägerfolie).
Eine weitere Rolle bei der Stoffkennzeichnung spielt die Art der Trägereinlage. Die anschließende Zahl gibt in der Regel Auskunft über das Flächengewicht der Trägereinlage in g/m². Ausnahme bildet Cu 01. „01“ steht für die Dicke der Kupferbandträgereinlage von 0,1 mm. Ist kein Flächengewicht angegeben, beträgt das Mindestgewicht der Trägereinlage 120 g/m². Die Angabe „KT“ bei den Trägereinlagen deutet auf eine Kombinationsträgereinlage hin. So bezeichnet das Kürzel „KTP“ eine Kombinationsträgereinlage mit überwiegendem Polyesteranteil, „KTG“ eine mit überwiegendem Glasanteil. Eine Übersicht der verschiedenen Kürzel für die Stoffbezeichnungen bzw. Produktmerkmale ist in der DIN SPEC 20000-201 (2015/08) und der DIN SPEC 20000-202 (2015/12) jeweils unter Punkt 4.3 zu finden.

Trägereinlagen

Zu den am häufigsten verwendeten Trägereinlagen gehören Glasvlies (V), Polyestervlies (PV) und Kombinationsträgereinlagen (KTP und KTG).


Glasvlies wird eingesetzt, wenn besonders gute Maßhaltigkeit und Dimensionsstabilität erforderlich sind. Von Vorteil ist zudem das Brandverhalten. Die Trägereinlage besteht aus einzelnen, monofilen Glasfasern, die regellos orientiert, gleichmäßig verteilt und mit einem Binder verklebt sind. Glasvlies kann Verstärkungen aufweisen. Das Flächengewicht pro Quadratmeter beträgt mindestens 60 g. Glasfasern machen mindestens 70 % des Gewichts der Trägereinlage aus.
Bitumenbahnen mit einer Trägereinlage aus Glasvlies müssen bei der Prüfung auf Zugverhalten in Längsrichtung ≥ 400 Newton pro 50 mm Zugkraft aushalten, in Querrichtung ≥ 300 N/50 mm. Die Dehnung beträgt dabei min. 2%, die Anforderung an die Gradheit ist ≤ 20 mm pro 10 m.

Polyestervlies ist sehr fest, dehnfähig, fest gegen Einreißen und Nagelausreißen und perforationsbeständig. Es besteht aus Spinnfasern oder Filamenten aus Polyester (PES). Die Vorverfestigung erfolgt mit Hilfe von Wärme oder durch Vernadelung, die Endfestigkeit wird thermisch (T) erreicht oder durch Binder (B). Bei thermischer Endfestigung (T) ist die Trägereinlage mindestens 200 g/m² schwer, bei Endfestigung durch Binder (B) mindestens 250 g/m². Der Anteil an Polyester beträgt mehr als 75 % des Gewichts. Die maximale Zugkraft einer Bitumenbahn mit Polyestereinlage liegt über 800 N/50 mm, die Dehnung über 35%. Die Abweichung von der Gradheit ist mit ≤ 20 mm auf 10 Metern festgelegt.


Kombinationsträgereinlagen kombinieren die Vorteile der klassischen Trägereinlagen aus Glasvlies, Glasgewebe und Polyestervlies. Die Fülle an möglichen Rohstoffkombinationen ermöglicht eine nahezu perfekte Anpassung an die Anforderungen und Verarbeitungstechnik der Bahn im System. Eine Kombinationsträgereinlage ist sehr fest, reißfest, nagelausreißfest, dimensionsstabil, perforationsbeständig (oder -fest), weiterreißfest und beeinflusst das Brandverhalten positiv. Sie besteht bei überwiegendem Polyesteranteil aus Vliesen (Glasvlies und/oder Polyestervlies) und Gelegen und Geweben aus Kunststoff und/oder Glasfäden. Das Flächengewicht beträgt mindestens 120 g/m². Kunststoffvlies und -fäden machen mehr als 50% des Gewichts der Einlage aus. Die maximale Zugkraft beträgt über 800 N/50 mm, die Dehnung liegt über 15 %, die Abweichung von der Gradheit ist wie beim Glas- und Polyestervlies mit ≤ 20 mm/ 10 m festgelegt.

Anwendungskategorien und Eigenschaftsklassen

Neben der Stoffbezeichnung geben die Kürzel der Anwendungstypen und der Eigenschaftsklassen Aufschluss über die Verwendung der Bitumenbahn. Die DIN V 20000-201 (2006/11) und die DIN V 20000-202 (2007/12) unterscheiden zwischen den Anwendungstypen:
DE    Bahnen für einlagige Dachabdichtungen
DO    Bahnen für die Oberlage einer mehrlagigen Dachabdichtung
DU    Bahnen für die untere Lage einer mehrlagigen Dachabdichtung
DZ    Bahnen für die Zwischenlage bzw. zusätzliche Lage einer mehrlagigen Dachabdichtung
MSB    Bahnen für Abdichtungen in und unter Wänden (Mauersperrbahnen)
BA    Bahnen für die Bauwerksabdichtung gegen Bodenfeuchte, nicht drückendes und drückendes Wasser
E1 bis E4 lauten die möglichen Eigenschaftsklassen von Bahnen für die Dachabdichtung. E1 ist die Bitumenbahn, die thermisch und mechanisch den höchsten Widerstand bietet, E4 die mit dem geringsten Widerstand. E2 bietet hohen mechanischen aber nur mäßigen thermischen Widerstand, E3 dagegen hohen thermischen jedoch nur mäßigen mechanischen Widerstand.


Mauersperrbahnen und Bahnen für die Bauwerksabdichtung sind keine Eigenschaftsklassen zugeordnet.

Hochwertbahnen

Die  beschriebenen Bahnen sind Standardbahnen, die die in den Normen festgelegten Mindestanforderungen erfüllen. Im Handel erhältlich sind darüber hinaus Hochwertbahnen, die höheren Ansprüchen an die Dachabdichtung über Jahrzehnte gerecht werden. Ihre Kennzeichnung ist je nach Hersteller unterschiedlich.

Abstimmung von Architekten, Planer und Verarbeiter

Sind die Anforderungen an die Dachabdichtung bekannt, kann die Art der Bitumenbahn gewählt werden. Hier ist der Verarbeiter gefragt: Zum einen muss er sicherstellen, dass für die geplante Ausführung das entsprechende Material bestellt wird, zum anderen liegt es in seinem Verantwortungsbereich zu prüfen, dass das gelieferte Material der Bestellung entspricht und anschließend fachgerecht verarbeitet wird. Auch wenn die neuen Bezeichnungen den alten sehr ähnlich sich, sollte sich jeder Verarbeiter mit dem Thema Kennzeichnung befassen. Nicht zuletzt ist der Verarbeiter mit seinen Fachkenntnissen über die konkreten Produkte und deren Kennzeichnung ein wichtiger Partner für den Architekten und Planer. Zu jeglichen speziellen Produktfragen stehen die Hersteller als Berater für Architekten, Planer und Verarbeiter gleichermaßen zur Verfügung. Die erfahrenen Anwendungstechniker der Bitumenhersteller finden auch für knifflige Situationen die passende Lösung.