Technische Regeln Planung von Flachdachkonstruktionen


(1) Nicht genutzte Flachdächer
sind nur zum Zwecke der Pflege und Wartung und allgemeinen Instandhaltung begehbare Flächen. Sie sind nicht für den dauernden Aufenthalt von Personen, die Nutzung durch Verkehr oder für intensive Begrünung vorgesehen.
Die Abdichtung wird nach DIN 18531 bemessen.

(2) Genutzte Flachdächer sind Flächen, die für den Aufenthalt von Personen oder für die Intensivbegrünung vorgesehen sind. Die Abdichtung wird nach DIN 18195 bemessen.

Grundsätzliche Anforderungen an die Planung nicht genutzter und genutzter Flachdächer

Grundsätzliche Anforderungen Punkt 1 bis Punkt 16

(1) Bei der Planung des Bauwerks, seiner Dachkonstruktion und der Dachabdichtung sind die Voraussetzungen für eine fachgerechte Anordnung und Ausführung zu schaffen. Die Beanspruchungs- und Einflussgrößen, die für die Funktion und den Bestand des Dachaufbaus von Bedeutung sind, müssen bereits dabei sowie bei der Auswahl der Stoffe berücksichtigt werden. Dabei ist die Wechselwirkung zwischen der Dachabdichtung und den darunter- bzw. darüberliegenden Schichten zu berücksichtigen und gegebenenfalls die Beanspruchung der Abdichtung durch entsprechende konstruktive Maßnahmen in zulässigen Grenzen zu halten.

(2) Die Art der Dachabdichtung und ihre Bemessung ist von dem gewählten Dachaufbau (z. B. nicht belüftet oder belüftet), von der Unterkonstruktion, von der Beanspruchung und Nutzung des Bauwerks abhängig. Einzelangaben siehe DIN 18531-3. Die Auswahl der Stoffe erfolgt nach DIN 18531-2.

(3) Dampfsperre, Luftdichtheitsschicht und Wärmedämmung sind wesentliche Bestandteile des Feuchte- und Wärmeschutzes für das Bauwerk. Die Bemessung und Festlegung der Ausführungsart und Details der bauphysikalischen Funktionsschichten sind durch den Planer vorzunehmen.
Die Dampfsperre vermindert oder verhindert die Diffusion von Wasserdampf. Bei geeigneter Stoffauswahl und sachgerechter Verarbeitung erfüllt sie gleichzeitig die Funktion der Luftdichtheitsschicht. Je nach zu erwartendem Temperaturgefälle zwischen innen und außen und Feuchtigkeitsanfall ist der sd-Wert der Dampfsperre zu wählen.
Durch die Verwendung von Bitumenbahnen mit Metallbandeinlage und Metall-Kunststoff-Verbund-Einlage werden hohe Dampfsperrwirkungen erzielt. Dadurch wird schädlicher Tauwasseranfall im Dämmstoff vermieden.
Die Wärmedämmschicht ist eine Schicht im Dachaufbau, die den Wärmedurchgang zwischen innen und außen vermindert. Sie ist entsprechend den Anforderungen und Belastungen flächenbezogen zu dimensionieren. Die jeweils gültige Energieeinsparverordnung und der Mindestwärmeschutz sind zu beachten.

(4) Dächer mit Abdichtungen müssen den bestehenden Brandschutzvorschriften für Bedachungen der Landesbauordnungen entsprechen. Zusätzlich sind die Anforderungen an das Brandverhalten der verwendeten Stoffe einzuhalten. Bedachungen mit vollständig bedeckender, mindestens 5 cm dicker Schüttung aus Kies 16/32 oder mit Bedeckung aus mindestens 4 cm dicken Betonwerksteinplatten oder anderen mineralischen Platten gelten als Bedachungen, die gegen Flugfeuer und strahlende Wärme widerstandsfähig sind.

(5) Für die bessere Ableitung des Niederschlagswassers sollten Dachabdichtungen mit einem Gefälle von mind. 2 % (1,2°) geplant werden. Das Gefälle kann durch die Tragkonstruktion, durch eine zusätzliche Gefälleschicht (z. B. Estrich) oder eine Gefälledämmschicht erreicht werden.

(6) Dächer mit einem Gefälle unter 2 % (1,2°) und/oder innenliegende Rinnen und Kehlen mit einem Gefälle unter 1 % (0,6°) erfordern auf Grund erhöhter Beanspruchung aus stehendem Wasser besondere Maßnahmen. Diese Flächen sollten z. B. mit schwerem Oberflächenschutz, Plattenbelag oder Hochwertbahnen versehen werden.

(7) Um Arbeitserschwernisse durch stehendes Wasser während des Arbeitsvorgangs auszuschließen, sollte die Unterlage mit einem Gefälle versehen werden.

(8) Anzahl, Größe und Art der Entwässerung und Notentwässerung sind nach DIN EN 12056-3 und DIN 1986-100 planen und zu dimensionieren (siehe Anhang III). Teildachflächen müssen getrennt entwässert werden. Dies gilt z.B. für Flächen, die durch erhöht ausgebildete Bewegungsfugen bzw. durch Gefällegebung entstehen.

(9) Bewegungsfugen sind vom Planer vorzusehen und müssen in der Unterlage erkennbar sein (siehe auch DIN 18530 „Massive Deckenkonstruktionen für Dächer“).

(10) Übergänge zwischen Dachdecke und vorgehängter Fassade aus Fertigteilen können als Bewegungsfuge ausgebildet werden. Hier ist ein Abdichtungsanschluss über Hilfskonstruktion erforderlich.

(11) Die nach der DIN EN 1991-1-4 ermittelten Windsoglasten müssen über geeignete Maßnahmen in die Unterkonstruktion abgeleitet werden. Dies kann über Verklebung, mechanische Befestigung und Auflast erfolgen.

(12) Auf geneigten Dachflächen können zusätzliche Maßnahmen zur Lagesicherung der Funktionsschichten gegen Abgleiten angewendet werden. Dies kann, abhängig von den örtlichen Verhältnissen, bereits bei Dachneigungen ab ca. 3° (5,2 %) notwendig sein.

(13) Der Abdichtung darf keine Übertragung von planmäßigen Kräften parallel zu ihrer Ebene zugewiesen werden. Dies gilt auch für den Nachweis der Standsicherheit, z.B. von aufgeständerten Solaranlagen.

(14) Von gleicher Bedeutung ist, dass bei Planung und Ausführung von Dächern die bauphysikalischen Beanspruchungen konstruktiv und werkstoffgerecht berücksichtigt werden. Dazu zählen insbesondere der Wärmeschutz, der Tauwasserschutz und die lastenunabhängigen Formänderungen der Dachdecke.

(15) Objekt- und standortbezogene Gegebenheiten sind bei der Planung ausreichend zu berücksichtigen, z. B. Beanspruchungen durch wärmereflektierende Bekleidungen von aufgehenden Bauteilen und/oder Emissionen aus Produktionsprozessen.

(16) Grundsätzlich sind die Belange der Arbeitssicherheit für die Ausführung der Dachabdichtung zu berücksichtigen (s. DIN 4426).

Anforderungen an die Unterlage für den Dachaufbau

Die Unterlage muss so beschaffen sein, dass eine fachgerechte Herstellung der Schichten des Dachaufbaues erfolgen kann. Ungünstig sind:

  • größere Unebenheiten des Untergrundes
  • zu raue Flächen
  • zu porige Flächen
  • scharfe Schalungskanten und Grate
  • unrichtige Höhenlage der Oberfläche des Untergrundes zu den Anschlüssen und Abläufen
  • Rundungen oder Anschrägungen von Ecken und Kanten
  • Spannungs- und Setzrisse
  • zu feuchte Flächen
  • ungenügende Festigkeit der Oberfläche
  • verölte Flächen, Farbreste
  • ungeeignete Art oder Lage von durchdringenden Bauteilen (nicht ausreichender Arbeits-raum)
  • falsche Lage der Bewegungsfuge
  • fehlende oder ungeeignete Anschluss- oder Abdichtungsmöglichkeiten der Dachabdichtung bei Rohr- oder sonstigen Durchführungen, Befestigungen, Verankerungen, u. ä.
  • fehlende oder ungeeignete Möglichkeiten zur Sicherung von senkrechten oder geneigten Anschlüssen der Dachabdichtung gegen Abgleiten
  • fehlende oder ungeeignete Entwässerungseinrichtungen
  • falsche Höhen anderer Bauteile, an die die Dachabdichtung angeschlossen werden soll (Wasserrückstau, Gefahr der Wasserhinterläufigkeit)
  • Fehlen von Widerlagen für die Dämmschicht bei geneigten Flächen
  • Fehlen von Dübelleisten oder ähnlichem bei geneigten Dachflächen zur Sicherung der Dachabdichtung gegen Abgleiten.

Stahlbetondecken

Stahlbetondecken einschließlich vorhandener Gefälleschichten müssen ausreichend erhärtet und oberflächentrocken sein und eine abgeriebene, stetig verlaufende Oberfläche haben. Kanten und Ecken müssen durch geeignete Maßnahmen gebrochen werden. Statisch erforderliche Bewegungsfugen müssen mind. 500 mm seitlich von Ecken und Aufkantungen entfernt liegen. Etwa erforderlicher Gefällebeton sollte aus Stoffen mit geringem Wärmedämmwert bestehen (z. B. Estrich). Aussparungen für Dachdurchdringungen, z. B. Abläufe, Dunstrohre usw. sind bauseits herzustellen.

Betonfertigteile

Bims-, Poren-, Spann- und Schwerbetonplatten

(1) Die Platten müssen fest aufliegen und eine stetig verlaufende Oberfläche bilden. Eventuell vorhandene Höhenunterschiede zwischen einzelnen Platten sind auszugleichen. Außerdem müssen alle Fugen in der Oberfläche planeben geschlossen oder z. B. mit Blechstreifen abgedeckt sein.

(2) Um Bewegungen an den Plattenstößen, die aus Formänderungen resultieren, abzumindern, müssen die Querstöße (Kopfenden) mit 200 mm breiten Trennstreifen abgedeckt werden. Diese Streifen sind gegen Verschieben durch einseitiges Heften zu sichern. Bei großformatigen (> 1 m Breite) Platten, z. B. TT-Platten oder Kassetten-Platten, sind zusätzlich auch die Längsstöße mit Trennstreifen abzudecken.

(3) Mechanische Befestigungen auf Spannbetonplatten sind vom Statiker festzulegen.

Stahltrapezprofile

(1) Stahltrapezprofile müssen DIN 18807 „Stahltrapezprofile“ entsprechen. Sie sind nach den „Richtlinien für die Montage von Stahlprofilblechen für Dach- und Deckenkonstruktionen“ des Industrieverband für Bausysteme im Metallleichtbau e.V. (IFBS) zu verlegen.

(2) Die Durchbiegung der Stahltrapezprofile darf in Feldmitte zwischen den Bindern oder Pfetten l/300 bei der Anwendungskategorie K1 und l/500 bei der Anwendungskategorie K2 nicht überschreiten. Bei Dachneigungen unter 2 % (1,2°) muss mit Wassersackbildung gerechnet werden. Die Eigendurchbiegung der Obergurte quer zur Spannrichtung darf bei verklebten Dachaufbauten max. 3 mm betragen.

(3) Die Stahltrapezprofile müssen so verlegt sein, dass ihre Obergurte eine ebene Fläche bilden, damit der Untergrund der Dachabdichtung ebenflächig aufgeklebt oder mechanisch befestigt werden kann (siehe DIN 18807-3).

(4) Dämmschichten müssen in ihrer Art und ihrer Dicke auf den Abstand der Obergurte der Stahltrapezprofile abgestimmt sein.

(5) Die Blechdicke von Stahltrapezprofilen sollte im Hinblick auf die mechanische Beanspruchung bei der Herstellung der Dachabdichtung mind. 0,88 mm betragen. Bei dünneren Blechen besteht die Gefahr der Deformierung oder Verbeulung.

(6) Einzellasten über 100 kg (z. B. palettierte Baustoffe, Maschinen und Geräte) dürfen nur im Auflagerbereich der Stahltrapezprofile auf Bohlen oder ähnlichen lastverteilten Unterlagen abgestellt und vorübergehend gelagert werden.

(7) Auf dem Untergrund soll kein Wasser stehen bleiben. Deshalb sollte in Tiefpunkten durch Anbohrung der Ablauf von während der Ausführung eingedrungenem Wasser ermöglicht werden.

(8) Dachabläufe sind durch den Planer an Tiefpunkten anzuordnen. Sie sind auf der Unterkonstruktion mechanisch zu befestigen.

(9) An Ausschnitten für Abläufe und Rohrdurchführungen sind Verstärkungsbleche notwendig. Größere Aussparungen müssen nach statischen Erfordernissen ausgebildet werden.

(10) Treten im Bereich von An- und Abschlüssen zwischen der Unterkonstruktion und den aufgehenden Bauteilen bzw. Dachrandkonstruktionen unterschiedliche Bewegungen auf, so ist der An- und Abschluss beweglich auszubilden (siehe Detailskizzen 15 und 22).

(11) Es dürfen nur verzinkte Stahltrapezprofile mit zusätzlich werksseitig aufgebrachtem Korrosionsschutz gem. DIN 18807 verwendet werden.

(12) Ein Voranstrich, der als Haftvermittler auf der Oberfläche der Obergurte aufgebracht wird, ist kein zusätzlicher Korrosionsschutz im Sinne der Zulassungsbestimmungen.

(13) Der Einbau einer Dampfsperre wird generell empfohlen, insbesondere ist sie erforderlich bei klimatisierten Räumen, Feuchträumen und bei Räumen mit Temperaturen >= 20 °C und relativer Luftfeuchtigkeit >= 60 %. Übernimmt die Dampfsperre die Funktion der Luftdichtheitsschicht nach DIN 4108-7, ist sie an allen Detailpunkten luftdicht anzuschließen. Zur Herstellung der Luftdichtheit und Erhöhung der Regensicherheit können im Bereich von Quernähten zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein, z. B. flächige Unterlage, Blechstreifen oder Erhöhung der Überdeckung. Längsnähte sind auf den Obergurten anzuordnen.

Schalung aus Vollholz und Holzwerkstoffen

Allgemeines
Parallel zu den Auflagern verlaufende Stöße dürfen nur auf den unterstützenden Bauteilen (z. B. Pfetten oder Sparren) angeordnet werden. Die Auflagertiefe muss mind. 20 mm betragen.

Schalung aus Vollholz
(1) Holzschalung aus Brettern als Untergrund für den Dachaufbau muss mindestens Sortierklasse S 10 nach DIN 4074-1 entsprechen. Schalung aus Vollholz unter Abdichtungen ist aus gespundeten Brettern (Nut und Feder) nach DIN 4072 herzustellen.

(2) Die Nenndicke darf 24 mm nicht unterschreiten. Die Bretter sollten höchstens 160 mm breit sein und müssen auf jedem Sparren mit mindestens zwei Drahtstiften befestigt sein. Bei einem Verhältnis der lichten Weite zwischen den Sparren zur Nenndicke über 30 soll die Dicke der Schalung entsprechend erhöht werden. Die erforderliche Schalungsdicke kann auch durch einen Einzelnachweis nach DIN 1052 ermittelt werden. Die Schalung sollte imprägniert sein. Sie darf nicht mit Schutzmitteln behandelt sein, die den Dachaufbau schädlich beeinflussen, andernfalls sind Trennlagen anzuordnen.

Schalung aus Holzwerkstoffen

Spanplatten, Flachpress- und Baufurnierplatten

(1) Kunstharzgebundene Holzspanplatten nach DIN EN 13986 sind begrenzt wetterbeständig und unterliegen einer Dickenquellung. Sie sind deshalb als Unterlage für Dachabdichtungen nur bedingt geeignet.

(2) Holzwerkstoffplatten sind unmittelbar nach dem Verlegen gegen Witterungseinflüsse zu schützen.

(3) Die Platten müssen unabhängig von der Plattenlänge mit offener Fuge verlegt werden. Über den Fugen sind Trennstreifen zu verlegen und gegen Verschieben zu sichern.

(4) Die rechtwinklig zu den Auflagern verlaufenden freien Ränder der Platten müssen stets miteinander durch Nut und Feder oder gleichwertige Maßnahmen verbunden sein.

(5) Bei der Herstellung von Schalungen aus Holzwerkstoffen sind die folgenden Punkte zu beachten:

  • Für die Bemessung der Schalung aus Holzwerkstoffen gilt DIN 1052.
  • Kunstharzgebundene Holzspanplatten müssen DIN EN 13986 Plattentyp P5 oder P7, Spanplatten DIN EN 312, Bau-Furniersperrholz Typ BFU 100 G DIN 68705-3 (DIN 68705), OSB-Platten DIN EN 300 Typ OSB/3 oder OSB/4 entsprechen. Die Platten müssen trocken, gleichmäßig dick sein und dürfen keine Binde- und Schutzmittel enthalten, die den Dachaufbau schädlich beeinflussen. Falls chemischer Holzschutz nach DIN 68800-3 vorgesehen ist, darf das verwendete Holzschutzmittel die Dachabdichtung nicht schädlich beeinflussen, andernfalls sind Trennlagen anzuordnen.
  • Die Kantenlänge der Platten sollte 2,05 m nicht überschreiten.
  • Bei mechanischer Befestigung der Dachabdichtung darf die Nenndicke des Holzwerkstoffes 22 mm nicht unterschreiten.
  • Fugen sind unter Berücksichtigung der zu erwartenden Längen- und Breitenänderungen infolge Quellens auszubilden. Diese Dimensionsänderungen sind in der Regel bei Flachpressplatten mit 2 mm/m und bei Bau-Furniersperrholz/OSB-Platten mit 1 mm/m zu berücksichtigen.
  • Die Mindestneigung soll 2 % (1,2°) betragen. Eine Unterschreitung der Mindestdachneigung ist möglich, wenn eine evtl. Wassersackbildung statisch berücksichtigt wird und die Abdichtung aus hochwertigen Polymerbitumenbahnen ausgeführt wird.

Vorhandene Dachabdichtungen

Bestehende Dachabdichtungen müssen für die Verlegung einer neuen Dachabdichtung mit oder ohne Zusatzdämmung geeignet sein.

Vor Instandsetzungen und Dacherneuerungen sind Bestandsaufnahmen, Zustandsfeststellungen und – beim Vorliegen von Schäden – Ursachenermittlungen durchzuführen. Art und Umfang der Voruntersuchungen sind abzustimmen auf z. B.:

  • die Art und den Aussagewert vorliegender Dokumente
  • das Schadensbild des Altdaches
  • die Ziele und Art der geplanten Maßnahmen

Dazu können folgende Untersuchungen notwendig sein:

(1) Die Weiterverwendbarkeit vorhandener Dachschichten ist zu prüfen.

(2) Verbleibende Dachschichten müssen mit den neu aufzubringenden Schichten verträglich sein.

(3) Der Zustand und die Tragfähigkeit der Dachunterkonstruktion ist zu prüfen, insbesondere wenn durch geplante Instandsetzungsmaßnahmen die Dachlast erhöht wird.

(4) Der vorhandene Dachaufbau ist in Bezug auf die gültige EnEV zu prüfen.

(5) Die bauphysikalische Situation eines Daches bei Einbau von neuen Schichten ist zu prüfen.

(6) Im Falle einer Nutzungsänderung des Gebäudes muss das Dach den neuen bauphysikalischen Anforderungen angepasst werden.

(7) Die Gefälle- und Entwässerungssituation ist zu prüfen.

(8) An- und Abschlüsse sind auf Zustand, Funktion und weitere Eignung zu prüfen.

(9) Neue und vorhandene Dachschichten müssen untereinander und mit der Tragkonstruktion positionsstabil und lagesicher verbunden werden.

Sollte das Ziel der Instandsetzungen lediglich eine auf eine kurzfristige Reststandzeit des Gebäudes oder Daches abgestimmte Reparatur sein, so können ggf. die vorgenannten Untersuchungen eingeschränkt werden oder ganz entfallen.

Beanspruchungen der Dachabdichtung

Mechanische Beanspruchung

Dachabdichtungen müssen die auf sie einwirkenden, planmäßig zu erwartenden Lasten auf tragfähige Bauteile weiterleiten und dürfen dadurch nicht geschädigt werden. Ferner müssen sie den planmäßigen Formänderungen der Tragkonstruktion und von Werkstoffen des Dachschichtenaufbaus, z. B. Längenänderungen und Bewegungen im Bereich der Fugen von Dämmplatten, standhalten.
DIN 18531-1 unterscheidet zwischen folgenden mechanischen Beanspruchungsstufen:

Stufe I: Hohe mechanische Beanspruchung
Stufe II: Mäßige mechanische Beanspruchung

(1) Hohe mechanische Beanspruchung (Stufe I) liegt z. B. vor:

  • bei Tragkonstruktionen aus Stahltrapezprofilen
  • bei Betonfertigteilen, Betondielen
  • bei allen An- und Abschlüssen
  • bei Verlegung der Dachabdichtung direkt auf:
    • Schalungen aus Holz oder Holzwerkstoffe
    • Ortbetonuntergründen mit Rauigkeiten und Höhenversprüngen
    • harten Dämmstoffen (XPS)
    • Mineralfaserdämmstoffen
  • bei Dächern, die häufig zur Inspektion oder Wartung begangen werden
  • bei Extensivbegrünung
  • bei Dachabdichtungen in besonders Hagelschlag gefährdeten Gebieten


(2) Mäßige mechanische Beanspruchung (Stufe II) liegt z. B. vor:

  • bei Tragkonstruktionen aus Ortbeton
  • bei Verlegung der Dachabdichtung direkt auf:
    • expandiertem Polystyrol (EPS)
    • Schaumglas
    • PUR/PIR

Thermische Beanspruchung

Dachabdichtungen müssen so geplant und ausgeführt sein, dass sie bei den Oberflächentemperaturen, die üblicherweise zu erwarten sind (-20 °C bis +80 °C), funktionsfähig bleiben.
DIN 18531-1 unterscheidet zwischen folgenden thermischen Beanspruchungsstufen:

Stufe A: Hohe thermische Beanspruchung
Stufe B: Mäßige thermische Beanspruchung

Hohe thermische Beanspruchung (Stufe A) liegt z. B. vor bei Abdichtungen, die der Witterung direkt ausgesetzt sind, wie Abdichtungen ohne Oberflächenschutz oder mit nur leichtem Oberflächenschutz.

Dachabdichtungen unter einer Gesteinsschüttung aus Kies, Umkehrdächer und begrünte Dächer gelten als mäßig thermisch beansprucht.

Beanspruchungsklassen für Dachabdichtungen

Tabelle 1: Beanspruchungsklassen für Dachabdichtungen (aus DIN 18531-1)*
© DIN Deutsches Institut für Normung e.V., Ausgabe Beuth Verlag GmbH

Durch die Kombination der mechanischen und thermischen Beanspruchungsstufen werden gemäß DIN 18531-1 vier Beanspruchungsklassen gebildet. Sie sind als grundsätzliche Unterscheidungen anzusehen, denen im Einzelfall die jeweiligen Konstruktionsarten von Dachabdichtungen zuzuordnen sind.

* Tabelle 1 Wiedergegeben mit Erlaubnis des DIN Deutsches Institut für Normung e.V. Maßgebend für das Anwenden der DIN-Norm ist deren Fassung mit dem neuesten Ausgabedatum, die bei der Beuth Verlag GmbH, Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin, erhältlich ist.

Anwendungskategorien für Dachabdichtungen nicht genutzter Dächer

(1) Je nach geplantem Anwendungszweck werden zwei Qualitätsstufen für Dachabdichtungen unterschieden:

  • als Standard die Anwendungskategorie K1
  • als höherwertige Ausführung die Anwendungskategorie K2. Bei ihr ist eine erhöhte Zuverlässigkeit, eine längere Nutzungsdauer und/oder ein geringerer Instandhaltungsaufwand zu erwarten. Abdichtungen für die Anwendungskategorie K2 erfordern nicht nur höhere Anforderungen an die zu verwendenden Stoffe und den Systemaufbau, sondern auch erhöhte Anforderungen an die Planung des Gefälles, die Anordnung der Entwässerungselemente und die Detailgestaltung.

(2) Aus wirtschaftlichen und nachhaltigen Gründen ist zu empfehlen, Dachabdichtungen nach Anwendungskategorie K2 zu planen und auszuführen.

(3) Die Bemessung der Dachabdichtung für die Anwendungskategorien erfolgt nach DIN 18531-3 (siehe Kapitel Bemessung von Dachabdichtungen mit Bitumenbahnen).
http://www.derdichtebau.de/bemessung-von-dachabdichtungen-mit-bitumenbahnen.28062.htm

Anwendungskategorie K1

(1) Dachabdichtungen, an die übliche Anforderungen gestellt werden, sind der Anwendungskategorie K1 zuzuordnen. Voraussetzung ist, dass eine Mindestneigung der Abdichtungsebene von 2 % (1,2°) eingehalten wird.

(2) Für Dächer und/oder Dachbereiche mit einem Gefälle < 2 % (< 1,2°) gelten für die Dachabdichtung hinsichtlich der Stoffauswahl die Bemessungsregeln für die Anwendungskategorie K2 (siehe DIN 18531-3, Abschnitt 4).


Anwendungskategorie K2

(1) Dachabdichtungen, an die durch Planer/Bauherren (z. B. aufgrund höherwertiger Gebäudenutzung, Hochhäuser) erhöhte Anforderungen gestellt werden, sind der Kategorie K2 zuzuordnen. Hierbei ist mindestens ein Gefälle von 2 % (1,2°) in der Abdichtungsebene und mind. 1 % im Bereich von Kehlen einzuhalten.

(2) Dachabdichtungen für Dächer mit einem Gefälle < 2 % (< 1,2°) sind in Anwendungskategorie K2 nicht möglich.

Dachkonstruktionen nicht genutzter und genutzter Dächer

Für genutzte Dachflächen ist die statische Tragfähigkeit der in den nachfolgenden Abbildungen aufgeführten Unterkonstruktionen entsprechend nachzuweisen. Der Folgeaufbau oberhalb der Abdichtung ist auf die Nutzung abzustimmen.


Das nicht belüftete (einschalige) Dach

ist eine Dachkonstruktion, bei der der Dachaufbau unmittelbar auf der Unterkonstruktion aufliegt.

Abbildung 2: Das nicht belüftete (einschalige) Dach, Variante 1

Abbildung 2, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Abbildung 3: Das nicht belüftete (einschalige) Dach, Variante 2

Abbildung 3, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln


Das Umkehrdach

ist eine nicht belüftete einschalige Dachkonstruktion, bei der der Dachaufbau unmittelbar auf der Unterkonstruktion aufliegt. Dabei wird die Wärmedämmschicht über der Abdichtung verlegt und mit Auflast/Oberflächenschutz versehen.

Abbildung 4: Das Umkehrdach

Abbildung 4, vdd Technische Regeln
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Das Plusdach
ist eine nicht belüftete einschalige Dachkonstruktion, bei der der Dachaufbau unmittelbar auf der Unterkonstruktion aufliegt. Dabei wird ein Teil der Dämmschicht unter und ein Teil über der Abdichtung angeordnet. Die letzte Lage der Dämmschicht wird mit einer Auflast/Oberflächenschutz versehen.

Abbildung 5: Das Plusdach

Abbildung 5, vdd Technische Regeln
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Das Kompaktdach
ist eine nicht belüftete einschalige Dachkonstruktion, bei der der Dachaufbau unmittelbar auf der Unterkonstruktion aufliegt. Bei diesem Dachaufbau werden alle Schichten kompakt miteinander und mit dem Untergrund verklebt. Hierzu können geeignete Dämmstoffe systembedingt mit oder ohne Dampfsperre eingesetzt werden. Die Herstellervorschriften sind zu beachten.

Abbildung 6: Das Kompaktdach

Abbildung 6, vdd Technische Regeln
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Das belüftete (zweischalige) Dach
ist eine Dachkonstruktion mit einer oberen und einer unteren Schale mit einem dazwischenliegenden von außen belüfteten Dachraum.

Abbildung 7: Das belüftete (zweischalige) Dach

Abbildung 7, vdd Technische Regeln
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