Technische Regeln Bitumenbahn Ökologie

Hauptrohstoff für die Herstellung von Bitumenbahnen ist das Bitumen. In der Natur findet man Bitumen in Form von sog. Naturasphalten, z. B. in Trinidad. Großtechnisch wird Bitumen heute aus Erdöl gewonnen, das meist in großer Tiefe unter der Erdoberfläche lagert und durch Bohrungen zutage gefördert wird.

Herkunft

Bitumen enthält keine wasserlöslichen oder wasserbelastenden Stoffe und darf daher auch zur Auskleidung von Trinkwasserbehältern eingesetzt werden.

Keine Wassergefährdung
Aufgrund dieser Eigenschaften ist Bitumen, ebenso wie die in den Polymerbitumenbahnen verwendeten Polymere, von der Kommission zur Bewertung wassergefährdender Stoffe als nicht wassergefährdend eingestuft (Umweltbundesamt, Bitumen Kenn-Nr. 326). Eine ausführliche Liste zum Thema Wassergefährdung und Wassergefährdungsklassen ist auf der Internetseite des Umweltbundesamtes unter http://www.umweltbundesamt.de/ hinterlegt.

Unbedenklichkeit bei der Verarbeitung
(1) Bei der Verarbeitung von Bitumen- und Polymerbitumenbahnen nach dem Schweiß- bzw. Gieß verfahren unterschreiten die gemessenen Luftkonzentrationen von Benzo(a)pyren, der Leit substanz Polyzyklischer Aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK), die Nachweisgrenze der verwendeten Analyseverfahren[1].

(2) Die vorliegenden Ergebnisse zeigen, dass die PAK-Exposition für die Arbeitnehmer bei der Verarbeitung von Bitumenbahnen den normalen Umweltbedingungen entspricht.

(3) Ergänzend zu diesen Untersuchungen wurden von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft Messungen der Konzentrationen von Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen auf Baustellen unter üblichen Arbeitsbedingungen vorgenommen. Die Ergebnisse sind in zwei Expositionsbeschreibungen zur Überwachung von Arbeitsbereichen "Schweißen von Bitumenbahnen" sowie "Heißverarbeiten von Bitumen im Gießverfahren zum Verkleben von Dämmstoffen und Bitumenbahnen" veröffentlicht [2]. Dabei zeigt sich, dass die ermittelten Konzentrationen von Aerosolen aus Bitumen unterhalb von 10 mg/m3 liegen, wenn die dort beschriebenen Maßnahmen eingehalten werden. Damit ist eine Gefährdung für die Verarbeiter ausgeschlossen.

Literatur:
[1] Untersuchungen des Instituts für Arbeits- und Sozialmedizin der Justus-Liebig-Universität, Gießen, veröffentlicht: Schmidt, H.: Emissionen polycyclischer, aromatischer Kohlenwasserstoffe beim Verarbeiten von Bitumen und Polymerbitumen-Bahnen, Bitumen 2/1992 u. 2/1993.
[2] Expositionsbeschreibungen zur Überwachung von Arbeitsbereichen "Schweißen von Bitumenbahnen", Handbuch Bauchemikalien, Ecomed Verlag, Landsberg und http://www.gisbau.de/bitumen.html.

Unbedenklichkeit von verlegten Bitumenbahnen
Neben arbeitsplatzbezogenen Analysen wurden auch Laboruntersuchungen hinsichtlich PAK-Emissionen von Bitumen bei Temperaturen von 80 °C bzw. 190 °C durchgeführt. Die Versuchsbedingungen wurden dabei so gewählt, wie sie in der Praxis kaum erreicht werden dürften. Die Auswertung des AMES-Tests zeigte für alle gewonnenen und überprüften Substanzen keinerlei Anhaltspunkte für eine mutagene Wirkung (80 °C). Selbst bei sehr hohen Temperaturen (190 °C) konnte Benzo(a)pyren nicht nachgewiesen werden[1][2].
Untersuchungen der Universität in Gießen [3] zeigen, dass Dämpfe und Aerosole aus Bitumen erst bei einer Mindesttemperatur von 80 °C nachweisbar sind. Unterhalb dieser Temperatur sind diese auch mit den neuesten Untersuchungsmethoden nicht nachweisbar. Die bei 80 °C gemessenen Werte von Dämpfen und Aerosolen aus Bitumen sind so gering, dass sie mit den empfindlichsten Nachweismethoden gerade so eben bestimmbar sind, aber mit Sicherheit keinen Einfluss auf die Umwelt haben.

Literatur:
[1] Prof. Dr. med. H. Sonntag, Gutachterliche Stellungnahme zur Frage der gesundheitlichen Relevanz von Emissionen aus Bitumen-Dachbahnen bei Temperaturen von bis zu 80 °C, Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, November 1989.
[2] Prof. Dr. med. H. Sonntag, Dr. rer. nat. L. Erdinger, Gutachterliche Stellungnahme zur Frage der gesundheitlichen Bedeutung von Emissionen mutagener Verbindungen aus Heißbitumen bei 190 °C. Hygiene-Institut der Universität Heidelberg, September 1992.
[3] Knecht, U.; Stahl, S.; Woitowitz, H.-J.: "Handelsübliche Bitumensorten: PAH-Messgehalte und temperaturabhängiges Emissionsverhalten unter standardisierten Bedingungen", Gefahrstoffe - Reinhaltung der Luft, S. 429 - 434

Verhalten von Bitumenbahnen im Brandfall
Im Brandfall entstehen neben den bei Verbrennungen üblichen Abgasen wie z. B. Kohlendioxid keine weiteren z. B. halogenierten, aggressiven umwelt- oder gesundheitsgefährdenden Stoffe.

Physiologische Eigenschaften

(1) Die großtechnische Herstellung des Bitumens aus Erdöl beruht auf dem Prinzip der Destillation, also der Trennung flüssiger Stoffe durch Verdampfung und ihre anschließende Wiederverflüssigung.

(2) Die ersten "Dachpappen" wurden Mitte des 19. Jahrhunderts auf Teerbasis hergestellt. Bitumen steht seit 1906 für Abdichtungsstoffe zur Verfügung.

(3) Bitumen wird fälschlicherweise mit Teer gleichgesetzt. Bitumen und Teer sind beide zwar dunkelfarbig und wasserunlöslich, chemisch jedoch völlig unterschiedliche Stoffe. Bitumen ist ein Erdölprodukt, Teer wird bei der zerstörenden Destillation von Steinkohle gewonnen.

(4) Seit den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts war der Anteil an Teer- bzw. Teersonderbahnen am gesamten Dachbahnenmarkt verschwindend gering. Seit 1979 ist das für die Herstellung von Bitumen- und Polymerbitumenbahnen verwendete Bitumen völlig frei von Teer und Teerprodukten. Ebenso werden keine Teerdachbahnen mehr hergestellt.

Entsorgung von Polymerbitumen- und Bitumenbahnen

Abfälle aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen (Europäischer Abfallkatalog – EWC-Nummer 17 03 02 „Bitumengemische“) werden nach der gültigen Fassung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetztes einer Entsorgung zugeführt.

Eine Variante der Entsorgung ist das Recycling von Polymerbitumen- und Bitumenbahnen. Hierfür gibt es praxiserprobte Verfahren.

Beseitigung teerhaltiger Produkte

Beim Abriss von Altdächern, bei denen der Verdacht besteht, dass teerhaltige Produkte verarbeitet wurden, ist eine entsprechende Prüfung erforderlich. Werden teerhaltige Produkte rückgebaut, sind diese gem. Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz unter der EWC-Nummer 17 03 03 Teer und teerhaltige Produkte zu beseitigen. Regionale Abfallsatzungen sind zu beachten.