Technische Regeln Oberflächenschutz, Schutzschichten, Schutzmaßnahmen, Nutzschichten

Allgemeines
Oberflächenschutz, Schutzschichten, Schutzmaßnahmen und Nutzschichten sollen die Abdichtung vor Witterungseinflüssen und mechanischen Beanspruchungen schützen. Die Art des Oberflächenschutzes ist abhängig von der Dachneigung, den statischen Erfordernissen und der Nutzung. Man unterscheidet zwischen leichtem und schwerem Oberflächenschutz, Schutzschichten, Schutzmaßnahmen und Nutzschichten. Wegen der Lagesicherheit der Abdichtung und der Schutz- und Nutzschicht ist die DIN EN 1991-1-4 und DIN EN 1991-1-4/NA zu beachten (siehe Zusatzinfos Windlasten).

Oberflächenschutz

Leichter Oberflächenschutz
Leichter Oberflächenschutz besteht aus einer werkseitig aufgebrachten Bestreuung (z. B. Schiefer oder Granulat) auf der Oberlagsbahn. Er kann für alle Dachneigungen verwendet werden.

Schwerer Oberflächenschutz
Schwerer Oberflächenschutz besteht aus einer Gesteinsschüttung (vornehmlich aus natürlichen ungebrochenen Gesteinskörnungen) der Korngruppe 16/32 mit einer Einbaudicke von mind. 50 mm oder Plattenbelägen z. B. aus Betongehwegplatten. Bei Dachneigungen ≥ 3° (≥ 5,2 %) können Zusatzmaßnahmen gegen Abrutschen der Gesteinsschüttung erforderlich werden. Werden einlagige Abdichtungen ausgeführt, muss bei pneumatischer Förderung der Gesteinsschüttung eine Schutzlage auf die Abdichtungsschicht aufgebracht werden.

Schutzschichten und Schutzmaßnahmen

Allgemeines

(1) Schutzschichten müssen Abdichtungen dauerhaft vor schädigenden Einflüssen statischer, dynamischer und thermischer Art schützen. Sie können auch Nutzschichten des Bauwerks bilden, z. B. bei Nutzbelägen von Dachterrassen. Zu Schutzschichten siehe auch Schutzschichten.

(2) Bewegungen und Verformungen der Schutzschichten dürfen die Abdichtung nicht beschädigen. Schutzschichten sind von der Abdichtung zu trennen und ggfs. durch Fugen aufzuteilen. Zwischen der Abdichtungsschicht und einer Schutzschicht aus Beton ist eine Trennschicht, z. B. zwei Lagen PE-Folie, anzuordnen. Darüber hinaus müssen an Aufkantungen und Durchdringungen der Abdichtung in der Schutzschicht ausreichend breite Fugen vorhanden sein.

(3) In festen Schutzschichten sind ferner Fugen im Bereich von Neigungswechseln, z. B. beim Übergang von schwach zu stark geneigten Flächen, anzuordnen, sofern die Gefällestrecken der einzelnen Flächen mehr als 2 m lang sind.

(4) Die Art der Schutzschicht ist in Abhängigkeit von den zu erwartenden Einwirkungen und den örtlichen Gegebenheiten auszuwählen. Schutzschichten, die auf die fertige Abdichtung aufgebracht werden, sind möglichst unverzüglich nach Fertigstellung der Abdichtung herzustellen.

(5) Senkrechte Schutzschichten müssen in jedem Bauzustand standsicher sein.

(6) Auf waagerechte oder schwach geneigte Schutzschichten dürfen Lasten oder lose Massen nur dann aufgebracht werden, wenn die Schutzschichten belastbar und ggfs. gesichert sind.

(7) Schutzmaßnahmen dienen im Gegensatz zu Schutzschichten dem vorübergehenden Schutz der Abdichtung während der Bauarbeiten. Sie müssen auf die Dauer des maßgebenden Bauzustandes, z. B. einer Arbeitsunterbrechung, abgestimmt sein.

Schutzschichten aus Beton

Schutzschichten aus Beton müssen mindestens in der Betongüte C 8/10 nach DIN EN 206 hergestellt werden, Dicke ≥ 50 mm.

Schutzschichten aus Platten

Für Schutzschichten aus Platten sind Betonplatten der Abmessungen mind. 0,40 m x 0,40 m x 0,04 m oder Platten aus Hartschaum, z. B. Polystyrol-Extruderschaum (XPS) geeignet.

Schutzlagen aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen

Für Schutzlagen aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen eignen sich besondere Bahnen, die nach Herstellervorschrift zu verwenden sind.

Nutzschichten

(1) Als Nutzschichten eignen sich z. B. Plattenbeläge, Betonbeläge oder Nutzbeläge aus Gussasphalt.

(2) Als Plattenbeläge eignen sich z. B. 40 mm dicke Gehwegplatten der Abmessung 0,40 m x 0,40 m. Sie können in mind. 30 mm Kies- oder Splittbett, auf Stelzlager oder im Mörtelbett verlegt werden. Plattenbeläge, die auf Stelzlagern verlegt werden, sind nur auf stabilem und ebenem Untergrund aufzubringen. Die direkte Verlegung der Stelzlager auf der Abdichtung ist zu vermeiden. Werden Plattenbeläge im Mörtelbett oder Betonbeläge auf die Abdichtung aufgebracht, ist zwischen Abdichtung und Mörtelbett bzw. Betonbelag mindestens eine Trennschicht aus z. B. zwei Lagen PE-Folie oder eine Schutz- und eine Trennschicht anzuordnen. Zur Vermeidung von Schäden am Nutzbelag können zusätzliche Maßnahmen, z. B. Dränschichten, erforderlich sein. Der Nutzbelag ist von Aufkantungen und Durchdringungen durch Fugen ≥ 20 mm Breite zu trennen.

(3) Werden Nutzbeläge aus Gussasphalt hergestellt, sind folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Bei Aufbringung des Gussasphalts direkt auf die Abdichtungsschicht ist der Gussasphalt Teil der Abdichtung. Die Bitumenschweißbahnen müssen gussasphaltverträglich sein. Ein Nutzbelag aus Gussasphalt kann ohne weitere Maßnahmen auf der unteren Gussasphaltschicht eingebaut werden.
  • Bei Verlegen einer Nutzschicht aus Gussasphalt auf einer Druckverteilungsplatte aus Beton ist zwischen dieser und dem Gussasphalt eine Trennschicht aus z. B. einer Lage Rohglasvlies anzuordnen. Werden Abdichtung und Gussasphalt über einer Wärmedämmschicht angeordnet, sind die Belastungsgrenzen (auch Temperaturbeständigkeit) der Dämmplatten zu beachten.

Für den Gussasphalt gilt:

  • Gussasphalt als Schutzschicht und Wurzelschutzschicht auf einer Abdichtung, z. B. unter Erdüberschüttung/Begrünung, muss mind. 25 mm dick sein (Nenndicke).
  • Gussasphalt als Schutz- und Nutzschicht auf einer Abdichtung ist in der Regel zweilagig mit einer Gesamtnenndicke von mind. 50 mm herzustellen.
  • Gussasphalt auf druckverteilter Betonplatte über der Abdichtung kann sowohl einlagig (d ≥ 30 mm) oder zweilagig (d > 50 mm) hergestellt werden.

(4) Bei Dachbegrünungen sind die Ausführungen in "Dachbegrünung" zu beachten.