Technische Regeln Instandhaltung

Allgemeines

(1) Dächer sind die am stärksten belasteten Bauteile eines Gebäudes. Sie widerstehen den natürlichen Witterungsprozessen, aber auch extremen Belastungen aus Wärme und Kälte, wie:

  • schnellen Temperaturwechseln, z. B. Gewitterregen während eines heißen Sommertages
  • Hagel, Eis und Schnee.

(2) Auch Schmutzablagerungen und Pflanzenwildwuchs stellen eine zusätzliche Belastung des Bauteils Dach dar. Deswegen sind Maßnahmen nach Tabelle 10, Zeile 1 und Zeile 2 zu empfehlen.

(3) Die Funktionsfähigkeit einer Dachabdichtung aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen und ihre erwartete Nutzungsdauer lässt sich durch regelmäßige Inspektion, verbunden mit einer fachgerechten Wartung, langfristig sicherstellen.

(4) Regelmäßige Inspektionen sind notwendig, turnusgemäße Wartungen können erforderlich werden. Eine zeitliche Festlegung der Wartungsarbeiten im Voraus ist nur bedingt möglich, weil die Beanspruchung der Abdichtung weitgehend von Konstruktion, Lage und Neigung des Daches sowie von Umwelteinflüssen abhängt. Deshalb muss der Zeitpunkt für Wartungsarbeiten vom Fachmann bestimmt werden.

(5) Je nach Zustand, Art und Belastung der Dachabdichtung ist zu entscheiden, welche Maßnahme erforderlich wird. Hierbei stehen nach einer Inspektion die Maßnahmen Wartung, Instandhaltung und Erneuerung zur Wahl.

(6) Aufgrund der Materialeigenschaften sind Dachabdichtungen aus Bitumenbahnen regenerierbar und ermöglichen eine einfache regelmäßige Inspektion und Wartung.


Inspektion

Inspektion ist eine Maßnahme zur Feststellung des Istzustandes. Dazu gehört die Überprüfung z. B. folgender Bereiche:

  • Abdichtung
  • Dachdurchdringungen
  • Anschlüsse, Versiegelungen, Dachränder, Schornsteinkopf, etc.
  • Gullys, Rinnen, Laubfänge, Fallrohre
  • Bewegungsfugen
  • Funktionen von Be- und Entlüftungsöffnungen bei zweischaligen Dachkonstruktionen

Die genannten Überprüfungen können durch Abschluss eines Inspektionsvertrages sichergestellt werden.


Wartung

Wartung ist eine Maßnahme zur Bewahrung des Sollzustandes. Die Wartung umfasst mindestens:

  • Beseitigung von Verschmutzungen und unerwünschtem Pflanzenbewuchs. Bei Extensivbegrünungen sind insbesondere die nicht begrünten Randstreifen von unerwünschtem Pflanzenwildwuchs freizuhalten.
  • Reinigung von Entwässerungsanlagen
  • Beseitigung von Kiesverwehungen
  • Reinigung von Be- und Entlüftungsöffnungen soweit dies ohne Einrüstungen möglich ist.

Im Rahmen von Wartungsarbeiten können auch kleinere Instandsetzungsarbeiten durchgeführt werden.

Die genannten Arbeiten können durch Abschluss eines Wartungsvertrages sichergestellt werden.

Instandsetzung und Erneuerung

Allgemeines

Instandsetzungs- und Erneuerungsarbeiten werden erforderlich, wenn Schäden behoben oder zu erwartende Schäden abgewendet werden müssen, die technische Nutzungsdauer der Abdichtung abgelaufen ist, oder das Dach einer geänderten Dachflächennutzung oder geänderten Anforderungen (z. B. Wärmeschutz) angepasst werden soll. Im Zuge dieser Arbeiten können wertverbessernde Maßnahmen durchgeführt werden wie

  • Erhöhung des Qualitätsniveaus
  • Verbesserung des Wärme- und Schallschutzes
  • Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte (z. B. Dachbegrünung).

Diese Maßnahmen sind vor Beginn der Voruntersuchungen festzulegen.

Zielfestlegung

Grundsätzlich ist das Hauptziel von Instandsetzungen die Wiederherstellung eines funktionsfähigen, den anerkannten Regeln der Technik entsprechenden Dachaufbaus. Die dazu erforderlichen Arbeiten müssen auf den vorhandenen Zustand des Daches abgestimmt werden.

Voruntersuchungen

Vor Instandsetzungen und Dacherneuerungen sind Bestandsaufnahmen, Zustandsfeststellungen und – beim Vorliegen von Schäden – Ursachenermittlungen durchzuführen. Art und Umfang der Voruntersuchungen sind abzustimmen auf z. B.:

  • die Art und den Aussagewert vorliegender Dokumente
  • das Schadensbild des Altdaches
  • die Ziele und Art der geplanten Maßnahmen

Dazu können folgende Untersuchungen notwendig sein:

(1) Die Weiterverwendbarkeit vorhandener Dachschichten ist zu prüfen.

(2) Verbleibende Dachschichten müssen mit den neu aufzubringenden Schichten verträglich sein.

(3) Der Zustand und die Tragfähigkeit der Dachunterkonstruktion ist zu prüfen, insbesondere wenn durch geplante Instandsetzungsmaßnahmen die Dachlast erhöht wird.

(4) Der vorhandene Dachaufbau ist in Bezug auf die gültige EnEV zu prüfen (siehe Kapitel Hinweise zur Bauphysik).

(5) Die bauphysikalische Situation eines Daches bei Einbau von neuen Schichten ist zu prüfen.

(6) Im Falle einer Nutzungsänderung des Gebäudes muss das Dach den neuen bauphysikalischen Anforderungen angepasst werden.

(7) Die Gefälle- und Entwässerungssituation ist zu prüfen.

(8) An- und Abschlüsse sind auf Zustand, Funktion und weitere Eignung zu prüfen.

(9) Neue und vorhandene Dachschichten müssen untereinander und mit der Tragkonstruktion positionsstabil und lagesicher verbunden werden.

Sollte das Ziel der Instandsetzungen lediglich eine auf eine kurzfristige Reststandzeit des Gebäudes oder Daches abgestimmte Reparatur sein, so können ggf. die vorgenannten Untersuchungen eingeschränkt werden oder ganz entfallen.

Maßnahmen – Vorbereitende Maßnahmen:

  • Schmutzablagerungen sind zu entfernen, die Dachfläche ist zu reinigen
  • vorhandene Wellen, Blasen und Falten sind aufzuschneiden und abzustoßen
  • Fehlstellen können ausgeglichen werden
  • größere Risse sind mit Schleppstreifen abzudecken
  • der Zustand des Untergrundes oder die anzuwendende Klebetechnik können einen Voranstrich oder eine Grundierung erforderlich machen

Maßnahmen – Überarbeitung

Überarbeitung von Einzelfehlstellen

Einzelne Fehlstellen können durch Aufschweißen oder Aufkleben von Polymerbitumenbahnen, einlagig oder mehrlagig verlegt, beseitigt werden.

Einlagiges Überarbeiten der Dachabdichtung

Eine noch funktionsfähige Dachabdichtung kann zur Verlängerung ihrer Funktionsdauer durch z. B. Aufbringen einer weiteren Lage, einer beschieferten Polymerbitumenbahn, überarbeitet werden. Das vollflächige Aufkleben einer Polymerbitumenbahn ist möglich, wenn nicht mit Feuchtigkeit in der vorhandenen Dachabdichtung gerechnet werden muss.

Maßnahmen - Erneuerung der Dachabdichtung

(1) Ist die Dachabdichtung im Gegensatz zu den darunter liegenden Schichten nicht mehr funktionsfähig und ist ein ausreichendes Gefälle zur Ableitung des Niederschlagswassers vorhanden, kann sie nach entsprechender Vorbereitung, wie unter Kapitel Vorbereitende Maßnahmen beschrieben, erneuert werden.

(2) Die vorhandene alte Dachabdichtung kann dabei auf dem Dach verbleiben, wenn sie sich im Schichtenaufbau nicht schädigend auswirken kann. Abhängig vom Ergebnis der Bestandsaufnahme sind ggf. Trenn- und/oder Ausgleichsschichten erforderlich. Die Funktion der Ausgleichsschicht kann auch von einer zusätzlichen Wärmedämmung übernommen werden.

Maßnahmen - Erneuerung der Dachabdichtung mit zusätzlicher Wärmedämmung

(1) Wird außer der Erneuerung der Dachabdichtung eine zusätzliche Wärmedämmung erforderlich, so ist diese auf den vorbereiteten Untergrund, entsprechend Kapitel Verarbeitung von Dämmstoffen, aufzubringen. Hierauf ist eine neue Dachabdichtung, wie unter Kapitel Verarbeitung von Bitumenbahnen auf Dämmstoffen beschrieben, aufzubringen.

(2) Die vorhandene alte Dachabdichtung kann dabei auf dem Dach verbleiben, wenn sie sich im Schichtenaufbau nicht schädigend auswirken kann.

(3) Abhängig vom Ergebnis der Bestandsaufnahme ist zu empfehlen, die zusätzliche Wärmedämmung als Gefälledämmschicht zur Herstellung eines geregelten Wasserablaufs auszubilden.

(4) Zusatzdämmungen vergrößern die Dicke des Dachaufbaus. Dies ist bei Dachanschlüssen und -abschlüssen zu berücksichtigen.

Maßnahmen – Erneuerung des gesamten Dachaufbaus

Ergibt sich aus der Voruntersuchung, dass die vorhandenen Dachschichten und/oder die Unterkonstruktionen Instandsetzungsarbeiten nicht mehr zulassen, ist der gesamte Dachaufbau zu erneuern.

Maßnahmen - Erneuerung von Dächern mit Kunststoffbahnen

Je nach den Ergebnissen der Voruntersuchungen nach Abschnitt (Voruntersuchungen) kann entweder lediglich die Abdichtung erneuert (Beispiel 1) oder zusätzlich die Wärmedämmung (Beispiel 2) bzw. auch die Gefällegebung (Beispiel 3) verbessert werden.

(1) Bei der Sanierung von Dachabdichtungen aus Kunststoffbahnen sollte die Lagesicherung des neuen Dachpaketes durch mechanische Befestigung einer

  • geeigneten, neu aufgebrachten Zwischenlage oder
  • der Abdichtungslage

erfolgen. Dies gilt vorzugsweise bei besonders schwingungsanfälligen Unterkonstruktionen wie Stahltrapezbleche.

(2) Sollen Schichten aufgeklebt werden, ist die Lagesicherung des vorhandenen Schichtenaufbaus und die Eignung der vorhandenen Kunststoffbahnen für eine Verklebung zu prüfen.
Hier sollten die jeweiligen Kleberhersteller bzw. Hersteller von Kaltselbstklebebahnen zu Rate gezogen werden. Auf jeden Fall empfiehlt sich, vor Ort eine Probeklebung vorzunehmen.

(3) Alternativ ist auch das nachträgliche Aufbringen einer ausreichend dimensionierten Auflast möglich, hier muss dann die Tragfähigkeit der Konstruktion überprüft werden.

Abbildung 18: Erneuerung einer Dachabdichtung aus Kunststoffbahnen (Beispiel 1)


Bei ausreichend vorhandenem Gefälle (mind. 2 %) kann die Sanierung sowohl einlagig als auch zweilagig erfolgen.
Voraussetzung ist eine ausreichend vorhandene Wärmedämmung (EnEV). Die Verlegung erfolgt rechtwinklig zum Sickenverlauf der Trapezbleche, die Befestigung wird in der Längsnahtüberdeckung der ersten Abdichtungslage vorgenommen. Sollte die Anzahl der Befestigungselemente hier allein nicht ausreichen (Windsogsicherung), können zusätzlich im Bahnen-
mittenbereich Elemente gesetzt werden. Die Halteteller sind dann mit einem ausreichend dimensionierten Bahnenzuschnitt zu überkleben.

Abbildung 19: Erneuerung einer Dachabdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher Wärmedämmung (Beispiel 2)

Bei ausreichend vorhandenem Gefälle, aber unzureichender Wärmedämmung bietet sich das Aufbringen einer zusätzlichen Wärmedämmung an. Die Verlegung der ersten Abdichtungslage (DU) erfolgt rechtwinklig zum Sickenverlauf der Trapezbleche, die Befestigung wird in der Längsnahtüberdeckung vorgenommen. Sollte die Anzahl der Befestigungselemente hier allein nicht ausreichen (Windsogsicherung), können zusätzlich im Bahnenmittenbereich Elemente gesetzt werden. Die Halteteller sind dann mit einem ausreichend dimensionierten Bahnenzuschnitt der Kaschierlage zu überkleben.

Abbildung 20: Erneuerung einer Dachabdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher gefällegebender Wärmedämmung (Beispiel 3)

Bei nicht ausreichend vorhandenem Gefälle und unzureichender Wärmedämmung sollte eine Gefälledämmung aufgebracht werden. Um unterschiedlich lange Befestigungselemente zu vermeiden, bietet sich eine zweilagige Verlegung an. Hierbei wird zunächst die gefällelose Grunddämmung mechanisch befestigt. Anschließend kann dann die Gefälledämmung mit einem Kaltkleber aufgeklebt werden.

Tabelle 10: Instandhaltung von Dachabdichtungen und Dacherneuerung