Technische Regeln Instandhaltung und Erneuerung

Allgemeines

(1) Dächer sind die am stärksten belasteten Bauteile eines Gebäudes. Sie widerstehen den natürlichen Witterungsprozessen, aber auch extremen Belastungen aus Wärme und Kälte, wie:

  • schnellen Temperaturwechseln, z. B. Gewitterregen während eines heißen Sommertages
  • Hagel, Eis und Schnee.

(2) Auch Schmutzablagerungen und Pflanzenwildwuchs stellen eine zusätzliche Belastung des Bauteils Dach dar. Deshalb sollten Abdichtungen inspiziert und gewartet werden (siehe Tabelle 11 Zeilen 1 und 2).

(3) Die Funktionsfähigkeit einer Abdichtung aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen und ihre erwartete Nutzungsdauer lässt sich langfristig nur sicherstellen,wenn sie neben einer fachgerechten Planung und Ausführung auch ordnungsgemäß instand gehalten wird. Dazu gehört die regelmäßige Inspektion, verbunden mit fachgerechter Wartung und Instandsetzung.

(4) Regelmäßige Inspektionen sind notwendig, turnusgemäße Wartungen und Instandsetzungen können erforderlich werden. Eine Festlegung der zeitlichen Intervalle für Inspektions- und Wartungsarbeiten im Voraus ist nur bedingt möglich, weil die Beanspruchung der Abdichtungsschicht weitgehend von Konstruktion, Lage und Neigung des Daches sowie von Umwelteinflüssen abhängt. Deshalb muss der Zeitpunkt für Inspektions- und Wartungsarbeiten vom Fachmann bestimmt werden; sie sollten aber mind. einmal jährlich erfolgen. Entwässerungseinrichtungen sind nach DIN 1986-3 mind. zweimal jährlich zu überprüfen.

(5) Je nach Zustand, Art und Belastung der Abdichtungsschicht ist zu entscheiden, welche Maßnahme erforderlich wird. Es können Wartung, Instandsetzung oder, nach Ablauf der Nutzungsdauer, auch eine Erneuerung der Abdichtungsschicht oder des Abdichtungsaufbaus erforderlich sein.

(6) Aufgrund ihrer Stoffeigenschaften sind Abdichtungsschichten aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen regenerierbar und ermöglichen einfache regelmäßige Inspektion, Wartung und Instandsetzung.


Inspektion

Inspektion ist eine Sichtkontrolle zur Feststellung des Zustandes der Abdichtungsschicht. Dazu gehört die Überprüfung z. B. folgender Bereiche:

  • Abdichtungsschicht in der Fläche
  • An- und Abschlüsse der Abdichtungsschicht, Versiegelungen, Dachrandprofile und/oder -abdeckungen, Durchdringungen wie z. B. Schornsteinköpfe, Dunstrohre etc.
  • Entwässerungseinrichtungen wie z. B. Dachabläufe, Rinnen, Laubfangkörbe, Fallrohre
  • Bewegungsfugen
  • Be- und Entlüftungsöffnungen bei zweischaligen Dachkonstruktionen

Die Ergebnisse der Inspektion sind schriftlich zu dokumentieren. Dieser Bericht sollte Angaben zu den Feststellungen und zu ggf. erforderlichen weiteren Voruntersuchungen enthalten. Sie sind Grundlage für die Festlegung evtl. erforderlicher Instandsetzungsmaßnahmen.

Die genannten Überprüfungen können durch Abschluss eines Inspektionsvertrages sichergestellt werden.


Wartung

Wartung ist eine Maßnahme zur Pflege und Reinigung der Abdichtungsschicht sowie der Entwässerungseinrichtungen. Sie umfasst mindestens:

  • Beseitigung von Verschmutzungen und unerwünschtem Pflanzenbewuchs. Bei Extensivbegrünungen sind insbesondere die nicht begrünten Randstreifen von unerwünschtem Pflanzenwildwuchs freizuhalten.
  • Reinigung von Entwässerungsanlagen, z. B. Dachabläufen und/oder Dachrinnen
  • Beseitigung von Kiesverwehungen
  • Reinigung von Be- und Entlüftungsöffnungen soweit dies ohne Einrüstungen möglich ist.

Die genannten Arbeiten können durch Abschluss eines Wartungsvertrages sichergestellt werden.

Instandsetzung

Allgemeines

Instandsetzungsarbeiten werden erforderlich, wenn Schäden an der Abdichtungsschicht behoben werden müssen.

Zielfestsetzung

Ziel der Instandsetzung ist die Wiederherstellung eines funktionsfähigen, den anerkannten Regeln der Technik entsprechenden Dachaufbaus. Die dazu erforderlichen Arbeiten müssen auf den vorhandenen Zustand des Daches abgestimmt werden.

Voruntersuchungen

Vor der Instandsetzung ist eine Voruntersuchung durchzuführen. Sie beinhaltet Bestandsaufnahme, Zustandsfeststellung und – beim Vorliegen von Schäden –
Ursachenermittlung.

Art und Umfang der Voruntersuchungen sind abzustimmen auf z. B.:

  • die Art und den Aussagewert vorliegender Planungs- und Ausführungsunterlagen
  • das Schadensbild des vorhandenen Dachaufbaus
  • die Ziele und Art der geplanten Maßnahmen

Dazu können folgende Untersuchungen notwendig sein:

  • Überprüfung des vorhandenen Dachaufbaus hinsichtlich seiner Funktionsfähigkeit
  • Prüfung der Weiterverwendbarkeit vorhandener Dachschichten, wenn die vorhandenen Schichten im Dachaufbau verbleiben sollen
  • Prüfung der verbleibenden Dachschichten auf Verträglichkeit mit den neu aufzubringenden Schichten
  • Prüfung von Zustand und Tragfähigkeit der Dachunterkonstruktion, insbesondere wenn durch geplante Instandsetzungsmaßnahmen die Dachlast erhöht wird
  • Prüfung des vorhandenen Dachaufbaus in Bezug auf die Anforderungen der EnEV (siehe Anhang I).
  • Prüfung der bauphysikalischen Situation des Daches bei Einbau von neuen Schichten
  • Im Falle einer Nutzungsänderung des Gebäudes Anpassung des Dachaufbaus an die neuen bauphysikalischen Anforderungen
  • Prüfung der Gefälle- und Entwässerungssituation
  • Prüfung der An- und Abschlüsse auf Zustand, Funktion und weitere Eignung
  • Prüfung des positionsstabilen und lagesicheren Verbundes der neuen und vorhandenen Dachschichten untereinander und mit der Tragkonstruktion

Sollte das Ziel der Instandsetzungsarbeiten lediglich eine auf eine kurzfristige Reststandzeit des Gebäudes oder Daches abgestimmte Reparatur sein, so können ggf. die vorgenannten Untersuchungen eingeschränkt werden.

Maßnahmen – Vorbereitende Maßnahmen

Art und Umfang der Instandsetzungsarbeiten sind zu planen und festzulegen.

Vorbereitende Maßnahmen können sein:

  • Entfernung von Schmutzablagerungen, Reinigung der Dachfläche
  • Aufschneiden und Abstoßen vorhandener Wellen, Blasen und Falten
  • Ausgleich von Fehlstellen
  • Abdeckung größerer Risse mit Schleppstreifen
  • Voranstrich oder Grundierung, sofern der Zustand des Untergrundes oder die anzuwendende Klebetechnik dies erfordert

Überarbeitung von Einzelfehlstellen

Überarbeitung von Einzelfehlstellen

Einzelne Fehlstellen können durch Aufschweißen oder Aufkleben von Polymerbitumenbahnen, einlagig oder mehrlagig verlegt, beseitigt werden.

Einlagiges Überarbeiten der Dachabdichtung

Eine noch funktionsfähige Abdichtungsschicht kann zur Verlängerung ihrer Nutzungsdauer durch Aufbringen einer weiteren Polymerbitumenbahn überarbeitet werden. Diese darf vollflächig aufgeklebt werden, wenn nicht mit Feuchtigkeit in der vorhandenen Abdichtung gerechnet werden muss. Andernfalls ist sie teilflächig zu verkleben, um einen Dampfdruckausgleich zu ermöglichen.

Erneuerung

Erneuerung der Abdichtungsschicht


Ist die Abdichtungsschicht nicht mehr funktionsfähig und durch Instandhaltungsmaßnahmen auch nicht mehr in einen den Regeln der Technik entsprechenden Zustand zu versetzen, ist sie zu erneuern. Dazu sind Voruntersuchungen und vorbereitende Maßnahmen (s. Abschnitt 1) durchzuführen.

Erneuerung der Abdichtungsschicht ohne zusätzliche Wärmedämmung

(1) Sind die Schichten unter der vorhandenen Abdichtungsschicht funktionsfähig und ist ein ausreichendes Gefälle zur Ableitung des Niederschlagswassers vorhanden, kann die Abdichtungsschicht unter Beibehaltung dieser Schichten erneuert werden.

(2) Die vorhandene alte Abdichtungsschicht kann dabei auf dem Dach verbleiben, wenn sie sich im Schichtenaufbau nicht schädigend auswirken kann. Abhängig vom Ergebnis der Voruntersuchungen sind ggf. Trenn- und/oder Ausgleichsschichten erforderlich.

Erneuerung der Abdichtungsschicht mit zusätzlicher Wärmedämmung

(1) Wird außer der Erneuerung der Abdichtungsschicht eine zusätzliche Wärmedämmung erforderlich, so ist diese auf den vorbereiteten Untergrund nach Verarbeitung von Dämmstoffen aufzubringen. Hierauf ist eine neue Abdichtungsschicht (siehe Verarbeitung der Polymerbitumen) aufzubringen.

(2) Die vorhandene alte Abdichtungsschicht kann auf dem Dach verbleiben, wenn sie sich im Schichtenaufbau nicht schädigend auswirken kann.

(3) Abhängig vom Ergebnis der Voruntersuchung ist zu empfehlen, die zusätzliche Wärmedämmung als Gefälledämmschicht zur Herstellung eines geregelten Wasserablaufs auszubilden.

(4) Zusatzdämmungen vergrößern die Dicke des Dachaufbaus. Dies ist bei Dachan- und Dachrandabschlüssen zu berücksichtigen.

Erneuerung des gesamten Dachaufbaus

Ergibt sich aus den Voruntersuchungen, dass die vorhandenen Dachschichten und/oder die Unterkonstruktionen den Verbleib vorhandener Schichten des Dachaufbaus nicht mehr zulassen, ist der gesamte Dachaufbau zu erneuern.

Erneuerung einer Abdichtungsschicht aus Kunststoffbahnen

Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen (Beispiel 1)
Abbildung 22: Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen (Beispiel 1)

Je nach den Ergebnissen der Voruntersuchungen kann entweder lediglich die Abdichtungsschicht erneuert werden (Beispiel 1) oder zusätzlich die Wärmedämmung (Beispiel 2) bzw. auch das Gefälle (Beispiel 3) verbessert werden.

(1) Bei der Erneuerung einer Abdichtungsschicht aus Kunststoffbahnen mit einer zusätzlichen Abdichtungsschicht aus Polymerbitumen- und Bitumenbahnen sollte die Lagesicherung des neuen Dachaufbaus durch mechanische Befestigung einer

  • geeigneten, neu aufgebrachten Zwischenlage oder
  • der neuen Abdichtungsschicht

erfolgen. Dies gilt vorzugsweise bei besonders schwingungsanfälligen Unterkonstruktionen wie Stahltrapezprofile.

(2) Sollen Schichten aufgeklebt werden, ist die Lagesicherung des vorhandenen Schichtenaufbaus und die Eignung der vorhandenen Kunststoffbahnen für eine Verklebung zu prüfen. Hierbei sind die Herstellerangaben der Klebstoffhersteller bzw. der Hersteller der Kaltselbstklebebahnen zu beachten. Es sollte eine Probeklebung vorgenommen werden.

(3) Alternativ kann die Lagesicherung auch durch das nachträgliche Aufbringen einer ausreichend dimensionierten Auflast hergestellt werden. Dazu ist die Tragfähigkeit der Konstruktion zu prüfen.


Bei ausreichend vorhandenem Gefälle (mind. 2 % (1,2°)) kann die Erneuerung sowohl einlagig als auch zweilagig erfolgen.
Voraussetzung ist eine ausreichend vorhandene Wärmedämmung (EnEV). Bei ausreichend vorhandenem Gefälle, aber unzureichender Wärmedämmung ist das Aufbringen einer zusätzlichen Wärmedämmung erforderlich.

Abbildung 24: Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher gefällegebender Wärmedämmung (Beispiel 3)

Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher gefällegebender Wärmedämmung (Beispiel 3)
Abbildung 24: Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher gefällegebender Wärmedämmung (Beispiel 3)

Bei nicht ausreichend vorhandenem Gefälle und unzureichender Wärmedämmung sollte eine Gefälledämmung aufgebracht werden. Um unterschiedlich lange Befestigungselemente zu vermeiden, kann die Wärmedämmung zweilagig verlegt werden, z. B. durch eine mechanische Befestigung der gefällelosen Grunddämmung und einer darauf verklebten Gefälledämmung.

Tabelle 11: Instandhaltung von Dachabdichtungen und Dacherneuerung

Instandhaltung von Dachabdichtungen und Dacherneuerung
Tabelle 11: Instandhaltung von Dachabdichtungen und Dacherneuerung (1 von 2)

Abbildung 23: Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher Wärmedämmung (Beispiel 2)

Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher Wärmedämmung (Beispiel 2)
Abbildung 23: Erneuerung einer Abdichtung aus Kunststoffbahnen mit zusätzlicher Wärmedämmung (Beispiel 2)
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Die Verlegung der ersten Lage der Abdichtung (DU) erfolgt rechtwinklig zu den Rippen der Trapezprofile, die Befestigung wird in der Längsnahtüberdeckung vorgenommen. Sollte die Anzahl der Befestigungselemente für die Windsogsicherung nicht ausreichen, können zusätzlich im Bahnenmittenbereich Befestigungselemente gesetzt werden. Die Halteteller sind dann mit einem ausreichend dimensionierten Bahnenzuschnitt zu überkleben.