Technische Regeln Zusätzliche Anforderungen an Industriedächer

(1) Allgemeines

Die Richtlinie über den baulichen Brandschutz im Industriebau – Industriebaurichtlinie (IndBauR) – regelt die Mindestanforderung an den baulichen Brandschutz von Industriebauten. Da die Industriebaurichtlinie für ein breites Spektrum unterschiedlicher Gebäudearten und -nutzungen vorgesehen ist, kann von einzelnen Regelungen dieser Richtlinie nach § 3 Abs. 1 Satz 3 Musterbauordnung (MBO) abgewichen werden, wenn im Rahmen des Brandschutzkonzepts nachgewiesen wird, dass durch eine andere Lösung in gleicher Weise das Schutzniveau erreicht wird. Sofern in der Richtlinie nicht höhere Anforderungen gestellt oder geringere Anforderungen gestattet werden, gelten die Anforderungen der einzelnen Landesbauordnungen.

Nutzungsänderungen, z. B. infolge von Änderungen des Betriebsablaufs oder des Lagergutes, bedürfen der Überprüfung des Brandschutzkonzeptes sowie der Genehmigung durch die Bauaufsichtsbehörde.

Bedachungen (z. B. bestehend aus Dachhaut, Wärmedämmung, Dampfsperre, Träger der Dachhaut u.ä.) von Brandabschnitten oder Brandbekämpfungsabschnitten mit einer Dachfläche von mehr als 2.500 m² (die Einführungsverordnungen der Bundesländer sind zu beachten) sind so auszubilden, dass eine Brandausbreitung innerhalb eines Brandbekämpfungsabschnittes über das Dach behindert wird.

Dies gilt z. B. erfüllt bei Dächern

  • nach DIN 18234-2
  • mit tragenden Dachschalen aus mineralischen Baustoffen (wie Beton und Porenbeton)
  • mit Bedachungen aus nichtbrennbaren Baustoffen.


Die Anforderungen gelten nicht für erdgeschossige Lagerhallen mit einer Dachfläche bis 3.000 m², wenn im Lager ausschließlich nichtbrennbare Stoffe oder Waren (z. B. Sand, Salz, Klinker, Stahl) unverpackt sind bzw. wenn die Verpackung und/oder die Lager- /Transporthilfen (z. B. Paletten) nicht zur Brandausbreitung beitragen.

Im Bereich von Dachdurchdringungen ist durch konstruktive Maßnahmen eine Brandweiterleitung zu behindern.

Die Anforderung nach § 30 Dächer (MBO): Bedachungen müssen gegen Flugfeuer und strahlende Wärme (harte Bedachung) widerstandsfähig sein.

Diese Anforderung gilt nicht für erforderliche Rauch- und Wärmeabzugsflächen.

Die DIN 18234 legt brandschutztechnische Anforderungen von Dachabdichtungen, sowie Prüfungen für großflächige Dächer bis 20° Dachneigung fest. Diese Norm ist im Wesentlichen bei flachen Dächern, z. B. Hallenbauten großer Abmessungen (Industriebauten), anwendbar.

Dächer, die nach der DIN 18234 hergestellt werden, erfüllen das Schutzziel einer Begrenzung der Brandweiterleitung. Zur Erfüllung des Schutzziels bedarf es ebenfalls eines ausreichend standsicheren Dachtragwerks und Gesamtwerks.

Die DIN 18234 besteht zur Zeit aus vier Teilen:

  • DIN 18234-1:2003-09 Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer Brandbeanspruchung von unten – Teil 1: Begriffe, Anforderungen und Prüfungen; geschlossene Dachflächen
  • DIN 18234-2:2003-09 Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer Brandbeanspruchung von unten – Teil 2: Verzeichnis von Dächern, welche die Anforderungen nach DIN 18234-1 erfüllen; geschlossene Dachflächen
  • DIN 18234-3:2003-09 Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer Brandbeanspruchung von unten – Teil 3: Begriffe, Anforderungen und Prüfungen Durchdringungen, Anschlüsse und Abschlüsse von Dachflächen
  • DIN 18234-4:2003-09 Baulicher Brandschutz großflächiger Dächer Brandbeanspruchung von unten – Teil 4: Verzeichnis von Durchdringungen, Anschlüssen und Abschlüssen von Dachflächen, welche die Anforderungen nach DIN 18234-3 erfüllen

(2) Sickenfüller

An alle Dachrandanschlüsse und -abschlüsse sowie an allen Durchdringungen sind in die Stahltrapezprofile im Bereich der Tiefsicken Sickenfüller aus nicht brennbarem Material (A1) einzulegen. Die Sickenfüller sind in einer Länge von > 0,12 m in die Tiefsicken vor dem Aufbringen der Dampfsperre zu verlegen.

(3) Dampfsperrbahnen

Dampfsperrbahnen aus Bitumen müssen mindestens normal entflammbar, Baustoffklasse B2 (DIN EN 13501-1 Klassifizierung zum Brandverhalten, Klasse E) sein. Der Heizwert der Bitumen-Dampfsperrbahnen darf 10.500 kJ/m² nicht überschreiten. Kaltselbstklebende Dampfsperrbahnen mit Aluminium-Träger, Heizwert < 10.500 kJ/m² sind hervorragend geeignet, auf Stahltrapezprofil-Unterkonstruktionen eine hohe Durchtrittsicherheit und nach EnEV eine sichere luft- und dampfdichte Schicht herzustellen.
An allen An- und Abschlüssen sowie Dachdurchdringungen sind die Bahnen luftdicht aufzukleben.

(4) Wärmedämmung

Wärmedämmung auf Stahltrapezprofilen sollten aus nachfolgend aufgeführten Materialien bestehen:

  • Mineralwolle (MW)
  • Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)
  • Schaumglas (CG)
  • Verbunddämmplatten
  • Polystyrol (EPS)

Die Dämmplatten sind versetzt im Verband zu verlegen.

Es wird unterschieden zwischen:

  • einschaligen Dächern mit mechanischer Befestigung bis 20° Dachneigung
  • Mineralwolle (MW)
  • Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)
  • Verbunddämmplatten
  • einschaligen Dächern mit verklebtem Dachaufbau bei Dachneigung bis 5°
  • Mineralwolle (MW)
  • Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)
  • Verbunddämmplatten

Die Verbindung der Dämmstoffe mit der kaltselbstklebenden Dampfsperrbahn erfolgt mit einer Bitumen-Kaltklebemasse oder einem Polyurethan-Kleber. Die maximale Auftragsmenge der Verklebung beträgt 300 g/m².

  • einschaligen Dächern mit verklebtem Dachaufbau mit Oberflächenschutz/Auflast bei einer Dachneigung bis 3°
  • Mineralwolle (MW)
  • Polyurethan-Hartschaum (PUR/PIR)
  • Verbunddämmplatten
  • Polystyrol (EPS)
  • einschaligen Dächern mit Wärmedämmung aus Schaumglas bei Dachneigung bis 5°
  • Schaumglas

(5) Dachabdichtung bei nicht genutzten Dachflächen

Anforderungen an die Dachabdichtung müssen durch entsprechende Eigenschaften der zu verwendenden Stoffe sichergestellt werden. Sie müssen unter Berücksichtigung der Einbauart sowie der jeweiligen Beanspruchungen im Zusammenwirken mit anderen Teilen der Flachdachabdichtung und des Dachaufbaus besonders folgenden Anforderungen genügen:

  • Wasserdichtheit bei den zu erwartenden Beanspruchungen
  • Standfestigkeit, Dehnfähigkeit und Reißfestigkeit unter Verformungen, Temperaturen und Windbelastungen
  • ausreichende Perforationsfestigkeit
  • ausreichende Dimensionsstabilität
  • ausreichende Widerstandsfähigkeit gegen UV-Strahlen
  • genügend widerstandsfähig gegen Angriffe von Mikroorganismen
  • Brandverhalten nach DIN 4102-7 oder DIN V ENV 1187 (BRoof (t1) oder BRoof (t3))


Die Nutzungsdauer der Dachabdichtung darf sich im eingebauten Zustand unter den vorgenannten Eigenschaften nicht nachteilig verändern.

Die Dachabdichtung muss nach DIN 4102-4 gegen Flugfeuer und strahlende Wärme widerstandsfähig sein oder ein Prüfzeugnis nach DIN DIN 4102-7 oder DIN V ENV 1187, Prüfverfahren 1 zur Beanspruchung von Bedachungen durch Feuer von außen aufweisen.

Die Dachabdichtung ist auf dem Dachaufbau mechanisch zu befestigen. Die Befestigungselemente für die mechanische Befestigung der Wärmedämmung und der Dachabdichtung sind als Punktbefestigungen oder Linienbefestigungen herzustellen.

Bei verklebten Dachaufbauten kann die erste Abdichtungslage bei einer zweilagigen Dachabdichtung aus einer Polymerbitumen-Kaltselbstklebebahn auf geeigneter Wärmedämmung hergestellt werden.

(6) An- und Abschlüsse

An allen An- und Abschlüssen sind gesonderte Maßnahmen gegen die Brandweiterleitung zu ergreifen. Es gilt, den Eintritt von Flammen und Gasen in den Profilhohlraum zu vermeiden. Folgende Abschottungen (Sickenfüller) in den Tiefsicken sind zu verwenden:

  • Mineralfaserfüller
  • Schaumglas
  • zementgebundene expandierte Füllstoffe

Der Anschluss an den aufgehenden Bauteilen ist zweilagig auszuführen.

Die Mindestlänge der einzelnen Sickenfüller beträgt in Profilrichtung 120 mm. In den Längsrichtungen der Profile ist mindestens die erste Tiefsicke mit einem Profilfüller zu versehen.

Senkrechte Bewegungsfugen zum aufgehenden Bauteil sind herzustellen mit einem Streifen
aus:

  • Mineralfaserdämmung
  • expandiertem mineralischem Baustoff mit allgemeinem bauaufsichtlichen Prüfzeugnis.

(7) Durchdringungen

Bei Durchdringungen wird unterschieden zwischen kleinen, mittleren und großen Durchdringungen.
An Durchdringungen sind gesonderte Maßnahmen gegen die Brandweiterleitung zu ergreifen. Als geeignet gelten Konstruktionen, die in DIN 18234-4 aufgeführt sind, oder deren Eignung durch Brandprüfung oder eine gutachterliche Stellungnahme einer anerkannten Prüfstelle nachgewiesen ist. Die Profilhohlräume sind mit Profilfüllern (Sickenfüllern) abzuschotten. Die weiter unten aufgeführten Ausführungen gelten ohne weiteren Nachweis als geeignet.

Mittlere oder große Durchdringungen werden in der Regel mit Aufsetzkränzen hergestellt. Aufsetzkränze können aus verschiedenen Materialien bestehen, in verschiedenen Arten auf der Dachunterkonstruktion aufgesetzt und unterschiedlich eingedichtet werden.

Bei Holzbohlenrahmen ist an der Innenseite eine Stahlzarge anzuordnen und um den Bohlenkranz eine Wärmedämmung, A1, in einer Breite von mind. 0,50 m zu verlegen. Die Profilhohlräume sind mit Profilfüller abzuschotten. An der Innenseite ist die Holzbohle mit einem gekanteten Stahlblech, mind. 2 mm dick, zu bekleiden. Der Anschluss der Dachabdichtung, zweilagig, ist mit einer Polymerbitumen-Schweißbahn als Oberlage fachgerecht herzustellen. Die Bahn muss die Brandprüfung BRoof (t3) nach DIN V ENV 1187, Prüfverfahren 3, bestanden haben. Sie ist in einer Breite von mind. 0,50 m herzustellen.

Alternativ ist um die Durchdringung ein mind. 0,50 m breiter Kiesstreifen aus einer Gesteinsschüttung aus Kies 16/32, in einer Höhe von 0,05 m, aufzubringen.