Bitumenbahnen Historie von Bitumenbahnen

Entwicklung von der Dachpappe zur High-Tech Bitumenbahn
Bauhaus, Dessau
© Fotolia

1860 gab es 20 Dachpappenfabriken. 1890 schon deren 159 und im Jahre 1900 bereits 209 – geprägt durch die boomende Entwicklung der Industrie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Diese industrielle Revolution ging Hand in Hand einher mit der Geschichte neuer Baukonstruktionen, der Gusseisenkonstruktion, den verbesserten Stahl- und Stahlbetonkonstruktionen. Diese waren notwendig geworden, weil die aufstrebende Industriegesellschaft Kaufhäuser, Schlachthöfe, Bahnhöfe, Werkshallen, Ausstellungshallen, d. h. Produktionshallen in immer größeren Dimensionen benötigte. Bedingt wurde dies alles durch das sprunghafte Anwachsen der Städte und der Massierung der Einwohnerzahlen und damit deren Versorgung.


Beispiele dieser Art sind die inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Hallen von Borsig oder auch die Spinnerei Barrois in Tourcoing bei Lille. Sie sind heute quasi Museen des Industriezeitalters und weisen große Flachdachflächen auf, die entsprechend abgedichtet werden mussten.

Fakten zur Historie von Bitumenbahnen

15. Jahrhundert – Albrecht Dürer fordert das Flachdach

Wenn heute immer wieder der Beginn der Flachdachabdichtung weitgehend mit der Entwicklung der Bauhausarchitektur in Zusammenhang gebracht wird, so ist dies nicht ganz korrekt. Flache Dächer hat es nicht nur im Mittelmeerraum, sondern auch in Deutschland seit Jahrhunderten gegeben. Ihre Bedeutung war natürlich nicht so überragend wie heute, da große Dachflächen relativ selten waren.


Kein geringerer als Albrecht Dürer hat 1518 in einem Gutachten für die Eindeckung einer Klosterkirche bereits ein flaches Dach gefordert, und zwar mit folgender Begründung:

  • Da man das Dach doch nicht so hoch brauche, denn man schütte doch kein Korn in den Dachboden,
  • Da es leichter sei und kein Winddruck auszuhalten habe,
  • Da es dem Feuer weniger Nahrung gebe,
  • Weil es ungefährlicher zu decken sei,
  • Weil es geringere Unterhaltungskosten bringe als ein hohes steiles Dach.

17. – 18. Jahrhundert – Flachdächer werden publik

Um 1722 schreibt der Pfälzer Paul-Jacob Marperger in seiner Schrift “Altanen” ein Credo für flache Dächer. Auch hier wörtlich zitiert, man könne auf dem Flachdach nicht nur einen kleinen Garten anlegen, sondern ein Observatorium stellen und mancherlei Vergnügungen auf ihm treiben. Bekannter Weise fügte er hinzu: “Man könne dort auch dem Myrren seines zänkisch Weibes entgehen”. Wichtiger scheint in diesem Zusammenhang, dass die Ausführungen Marpergers zum ersten Mal im deutschen Sprachraum von einer Art Dachbegrünung, also einem Dachgarten, schreiben. Weitere bekannte Beispiele früherer deutscher Flachdacharchitektur seien nur erwähnt, z. B. die Werdersche Kirche in Berlin, gebaut von Karl-Friedrich Schinkel 1821 - 1831 oder auch die Villa Hammerschmidt, der frühere Wohnsitz des Bundespräsidenten in Bonn, der ein klares Beispiel klassischer Flachdacharchitektur aufzeigt. Schon diese Beispiele zeigen auf, dass die Bundesrepublik immer ein Land der sogenannten Mischarchitektur war, d. h. ein Land, wo gleichermaßen steile und flache Dächer zu finden waren.

19. – 20. Jahrhundert – Bauhaus: Das Flachdach boomt

Die unverwechselbarste Handschrift der Architektur des flachen Daches ist ohne Zweifel die Architektur des Bauhauses. Nach der unentwirrbaren überladenen Stilepoche des Fin du Siécle und der Architektur des Jugendstils setzte sich in allen Bereichen des menschlichen Denkens der Wunsch nach klaren Linien, nach Einfachheit und Schlichtheit durch. Im Bereich des Bauens gleichermaßen wie in den Bereichen der Grafik und der Typographie ging es mit der Romantik zu Ende und hin zu einer Architektur mit eigenen klaren Konzepten und Ideen. Wie vorher erwähnt, war dies eine Bewegung, die sich in gleichem Maße in der Malerei und in der Plastik wiederspiegeln, der Weg zu klaren Formen, die sich aus Kegel, Kugel, Zylinder ergeben. Zu dieser Zeit entstanden Bauten, wie das Haus Schröder in Utrecht von Gerrit Thomas Rietveld 1924, wie das Wohnhaus in Warren in Kalifornien durch den Architekten Richard Neutra, das Fox-River-House in Plano, Illinois von Mies van der Rohe oder die Villa Savoy von Le Corbusier sind Beispiele dieser Architektur, in der der Baukubus ohne sichtbares Dach und die Dachterrasse entscheidende gestalterische Elemente waren. Die Architektur wurde auf die einfachsten geometrischen Grundformen reduziert. Das flache Dach, bauphysikalisch damals eine noch unbekannte Größe, wurde formal durchgesetzt und die Technik aus den fortgeschrittenen Materialien erlaubte es, derart fast gefällelose Dächer sicher abzudichten. In Deutschland waren auf diesem Gebiet junge Architekten, wie der Frankfurter Max Meid führend. Sie erkannten, das die Auflockerung des Grundrisses die bewegte und ungezwungene Folge der Räume unter Abkehr von den alten Raumfluchten, die unterschiedliche Gestaltung des Baukörpers mit dem Flachdach besser zu machen war. Die Freiheit der Planung gewann mit dem flachen Dach nicht nur im Falle von Hangbebauungen sondern auch durch die optimale Ausnutzung des Grundrisses weiter an Bedeutung. Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart ist ein beredtes Beispiel dieser Epoche.