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Stuttgart-Vaihingen Fraunhofer-Institut Futuristische Forschungs-Plattform

Objekt: Zentrum für virtuelles Engineering (ZVE)
Standort: Fraunhofer Campus, Nobelstraße 12, 70569 Stuttgart
Bauherr: Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V.
Planung: UNStudio, Amsterdam
Dachabdichtung: S.C.H.I.N.D.LE.R Haus- und Dachpflege GmbH & Co. KG, Sondershausen
Fertigstellung: 2012

Nach dem 2006 eröffneten Mercedes-Benz-Museum hat das Amsterdamer UNStudio um Ben van Berkel im Frühjahr 2012 ein weiteres architektonisches Highlight in Stuttgart realisiert. Das gemeinsam mit dem Büro Asplan aus Kaiserslautern entwickelte Zentrum für virtuelles Engineering (ZVE) des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO in Vaihingen überzeugt nicht nur durch seine organisch abgerundete Außenhülle aus weiß glänzendem Metall, sondern auch durch seine offene und fließen-de Grundrissgestaltung. Auf vier Ebenen mit 3.200 Quadratmetern Büro- und Laborflächen forschen Wissenschaftler hier interdisziplinär rund um das Thema innovative Arbeitsgestaltung der Zukunft.

Architektonischer Kontrast zum Bestand

Der bestehende Fraunhofer-Campus in Stuttgart-Vaihingen wird architektonisch durch eine konventionelle Büroarchitektur der 1970er- und 1980er-Jahre mit wechselweise orthogonalen oder wabenartigen Formen und Grundrissen geprägt. Um sich gegen dieses eher monotone Umfeld zu behaupten, haben die Planer vom UNStudio eine betont eigenwillige, dabei organisch fließende Architektur mit strahlend weißer, beinahe schwereloser Ausstrahlung entwickelt. Ein markantes Detail ist der zeichenhaft aufsteigende Kopfbau in Richtung Südwesten mit seinen umlaufenden Fensterbändern und seinen asymmetrischen Kurven und Falten. Die elegant geschwungene Gebäudeform schafft einen hohen Wiedererkennungswert und ermöglicht im Zusammenspiel mit den großflächigen Glasfassaden einen fließenden Übergang von Innen und Außen.

Ebenso futuristisch wie die dynamisch geschnittene Außenhülle präsentiert sich auch der Innenraum des Neubaus mit dem gebäudehohen Atrium als zentrales Erschließungselement. In Analogie zum Forschungsgegenstand des IAO haben die Planer die traditionellen Einzelbüros weitgehend durch ineinander fließende Arbeitszonen mit flexibler Nutzung und vielfältigen Sichtbezügen ersetzt: „Wir haben das ZVE als einen neuartigen Prototypen konzipiert, der zeigen soll, wie man ein zeitgenössisches Konzept des Arbeitsplatzes architektonisch umsetzen und neue Arbeitsmethoden für die Zukunft anregen kann“, erklärt Ben van Berkel das grundlegende Konzept. Und auch in puncto Nachhaltigkeit setzt der Neubau Maßstäbe. Neben einer Geothermieanlage mit mehreren 170 Meter langen Erdsonden sorgt insbesondere die intelligente Gebäudeautomatisierung dafür, dass das ZVE inzwischen mit dem DGNB Zertifikat in Gold ausgezeichnet wurde.

Dachaufbau als Umkehrdach

Die Ausschreibung für die Abdichtung der rund 1.500 Quadratmeter großen Flachdachflächen des Gebäudes hatte die S.C.H.I.N.D.LE.R Haus- und Dachpflege GmbH & Co. KG aus dem thüringischen Sondershausen für sich entscheiden können. Um das Risiko von Bauschäden zu minimieren und eine einfache Wartung zu ermöglichen, führte das Dachdeckerunternehmen sämtliche Flächen als Umkehrdach mit einer zweilagigen Bitumenabdichtung aus: „Anders als bei einem konventionellen Warmdach haben wir die Abdichtung direkt auf die tragende Stahlbetondecke aufgebracht und erst danach die Dämmung verlegt“, fasst Geschäftsführer Max Schindler den abweichenden Schichtenaufbau zusammen.

In einem ersten Schritt wurde zunächst ein Gefälleestrich auf der Dachoberfläche aus Stahlbeton aufgetragen, um so das erforderliche Mindestgefälle von zwei Prozent zum Abfluss von Regenwasser sicherzustellen. „Nach dem Auftragen und Ablüften des Haftgrundes wurde die erste Abdichtungslage, eine Elastomerbitumenbahn vollflächig aufgeschweißt“, beschreibt Max Schindler den Ablauf der Arbeiten. „Anschließend wurden die Wand- und Attikaanschlüsse zu den aufgehenden Bauteilen ausgeführt, bevor abschließend die Oberlage, eine wurzelfeste Elastomerbitumenbahn aufgeschweißt wurde.“ Im letzten Schritt erfolgte die Wärmedämmung mit XPS-Dämmplatten. Die abschließende Dachbegrünung wurde extern durch die ProNatur Garten- und Landschaftsbau GmbH aus Metzingen realisiert.

Mit der Umsetzung der verschiedenen Maßnahmen hatte die S.C.H.I.N.D.L.E.R GmbH & Co. KG direkt nach Fertigstellung der Rohbauarbeiten im Herbst 2010 begonnen. „Im Durchschnitt waren wir mit fünf bis sechs Mitarbeitern vor Ort“, berichtet Max Schindler, der mit seinem Unternehmen fast ausschließlich öffentliche Aufträge im gesamten Bundesgebiet realisiert. „Eine besondere Herausforderung war dabei neben dem unregelmäßigen Grundriss der Flachdachflächen vor allem die Abdichtung der deutlich um 20° abstürzenden Dachfläche im Bereich des Haupteinganges. Um hier eine bautechnisch fachgerechte Lösung zu erzielen, haben wir die Bitumenabdichtung in diesem Bereich nicht nur aufgeschweißt sondern zusätzlich auch mechanisch gegen Abrutschen befestigt.“