Zurück zur Übersicht

Frankfurt am Main EZB Im Dienste des Euro – Hauptsitz der EZB in Frankfurt

Objekt: Europäische Zentralbank EZB
Standort: Sonnemannstraße 20, Frankfurt am Main
Bauherr: European Central Bank (ECB), Frankfurt/M
Architekt: Coop Himmelb(l)au, Wien
Dachabdichtung: Pewa GmbH, Magdeburg
Fertigstellung:
Ende 2014



Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten in Alt- und Neubau

Ende 2014 ist der nach Plänen von Coop Himmelb(l)au aus Wien realisierte neue Hauptsitz der EZB in Frankfurt fertiggestellt und bezogen worden. Der Entwurf verbindet einen 185 Meter hohen Büroturm aus Glas mit der direkt angrenzenden ehemaligen Frankfurter Großmarkthalle, die mit ihrer rundum sanierten Backsteinarchitektur einen gelungen Kontrast zum Neubau schafft.

Der Büroturm setzt sich zusammen aus zwei extrem schlanken, dabei eigentümlich verdrehten Hochhausscheiben mit 43 bzw. 45 Geschossen, die durch ein zentrales Atrium zu einem markanten polygonalen Ensemble zusammengefügt werden. Ein zentrales Gestaltungselement ist die Unterteilung des luftigen Atriums durch zwei horizontale Zwischengeschosse, so dass letztlich drei Abschnitte mit unterschiedlichen Höhen von etwa 45 bis 60 Metern entstanden sind. Die eingefügten Ebenen schaffen Raum zur Begegnung für die 2.500 Mitarbeiter und fungieren gleichzeitig als direkte Verbindung zwischen den beiden Bürotürmen.

Den horizontalen Gegenpol zum Büroturm schafft die Verbindung mit der 1928 nach Plänen von Martin Elsässer errichteten ehemaligen Frankfurter Großmarkthalle. Der seit 2004 leer stehende Backsteinbau wurde im Zuge des Umbaus in ein „urbanes Foyer“ mit Konferenz- und Besucherzentrum, Bibliothek und Restaurant umgewandelt. Zusätzliche Räumlichkeiten bietet ein oberhalb des Eingangs schräg in die Struktur eingefügter, an seinem Ende asymmetrisch verformter Querriegel aus Stahl, der als Eingangscenter und Pressezentrum fungiert.

Historische Tonnendach-Konstruktion

Zum Zeitpunkt ihrer Fertigstellung galt die Frankfurter Großmarkthalle als größte stützenfreie Eisenbetonhalle der Welt. Eine wichtige Grundlage dafür bietet die rund 10.000 Quadratmeter große, aus insgesamt 15 Betonschalen bestehende Dachkonstruktion, die seinerzeit in einem innovativen Betonspritzverfahren (Zeiss-Dywidag-System) gefertigt worden war. Der extrem schlanke Aufbau der jeweils 43 mal 15 Meter überspannenden Schalen machte es dabei möglich, die Hallenfläche durch eine leichte und elegant wirkende Eisenbetonkonstruktion stützenlos zu überspannen.

Bei der Sanierung des Hallendaches war aufgrund des vergleichsweise guten Zustandes der Betonschalen auf der Innenseite lediglich eine Oberflächensanierung nötig. Auf der Oberseite musste zunächst der Untergrund restlos entfernt werden, bevor anschließend die vorhandene Dachabdichtung ersetzt werden konnte. Zusätzlich wurde ein System zum Auffangen von Regenwasser installiert, das sowohl als Brauchwasser für die Toilettenspülungen als auch zur Bewässerung der Grünanlagen genutzt wird.

Bitumenabdichtung der Tonnendachkonstruktion

Mit der Umsetzung sämtlicher Abdichtungsarbeiten war auf Basis einer öffentlichen Ausschreibung die Firma Pewa GmbH aus Magdeburg beauftragt worden. Um eine bautechnisch sichere Lösung und einen effektiven Schutz gegen eindringende Feuchtigkeit zu erreichen, wurde ein mehrschichtiger Aufbau mit Polymerbitumen gewählt. Nach der Sanierung des Untergrundes wurde zunächst ein schnell trocknender Bitumenvoranstrich auf der Betonoberfläche aufgetragen. Direkt darüber wurde für einen effektiven Wärmeschutz eine in Heißbitumen verlegte Schaumglas-Wärmedämmung aufgebracht. Eine große Herausforderung bedeuteten dabei die Dachneigungen von bis zu 50 Prozent sowie das Anpassen der Schaumglasplatten an die Rundung der Tonnendächer. Oberhalb der Wärmedämmung kamen eine ebenfalls in Heißbitumen ausgeführte Elastomerbitumen-Unterlagsbahn sowie eine thermisch selbstklebende Polymerbitumenbahn als Oberlagsbahn zum Einsatz. Die dolomitgraue Farbe und die an die Länge der Tonnendächer angepasste Sonderlänge von bis zu 18 Metern machen es dabei möglich, dass die Tonnendächer auch in der Aufsicht ihre Beton-Optik behalten haben.

Die Dachflächen der beiden Kopfbauten der Großmarkthalle wurden in Kompaktbauweise als Schaumglas-Garantiedach verlegt. Für einen sicheren Dachaufbau verwendeten die Dachdecker hier eine 3-lagige Elastomerbitumen-Dachabdichtung. Die 500 Quadratmeter großen Vordächer wurden abweichend als Metalldacheindeckung mit Aluminiumblechen (Stehfalz) ausgeführt.

Flachdachfläche des Neubaus

Parallel zu den Arbeiten am Altbau musste auch die insgesamt rund 13.000 Quadratmeter große Flachdachfläche des Neubaus abgedichtet werden. Hier wurde ein zweilagiger Umkehrdach-Aufbau mit Polymerbitumen gewählt. Das Gefälle der Betonfläche von zwei Prozent stellt dabei den Ablauf von Regenwasser sicher.

Aufgrund der Größe der Dachfläche, der schwierigen Logistik vor Ort und der stetig auftretenden Probleme im Altbestand des Gebäudes erstreckten sich die verschiedenen Arbeiten über einen Zeitraum von gut vier Jahren von Oktober 2010 bis November 2014. Während dieser Zeit war das Team der Pewa GmbH fast durchgehend mit acht bis zehn Mitarbeitern vor Ort. Besondere logistische Herausforderungen stellten dabei insbesondere die geringe Lagerfläche auf den Dächern und die damit erforderliche Koordination mit den anderen Gewerken auf der Baustelle. Trotz dieser erschwerten Rahmenbedingungen konnte das Unternehmen die Arbeiten termingerecht in hoher Qualität abschließen. Der neue Hauptsitz der EZB wurde Ende 2014 fertiggestellt und bezogen. Die harten Verhandlungen über den Euro haben damit endgültig ihren neuen Platz gefunden.