Einsatz von Bitumenbahnen bei der Bauwerksabdichtung Erdberührte Bauteile

Bitumenbahnen können für Bauwerksabdichtungen je nach Wasserbeanspruchung einlagig oder mehrlagig verlegt werden.
Bauwerksabdichtung mit Bitumenbahnen
© Icopal GmbH

Gegenüber anderen Abdichtungsformen bieten bahnenförmige Abdichtungsmaterialien grundsätzlich den Vorteil der gleichmäßigen Dicke. Der Verarbeiter muss dadurch nicht nach dem Auftragen einzelner Schichten überprüfen, ob die Abdichtung der vorgeschriebenen Dicke entspricht, so ist z.B. der Prüfaufwand bei Kellerabdichtungen nach DIN 18195 gering. Durch vollflächiges Aufschweißen oder Verkleben sind die Bahnen problemlos miteinander zu verbinden. Dadurch, dass keine Ablüftzeiten zu beachten sind und die Abdichtung sofort nach dem Anbringen der Bahnen regenfest ist, bieten sich dem Verarbeiter weitere positive Effekte. Dazu gehört auch, dass Bitumenbahnen durch ihre Dicke und Materialbeschaffenheit im rauen Baustellenbetrieb nicht gefährdet sind. Leider gehört die Bauwerksabdichtung und damit auch die Abdichtung von Kellerwänden immer noch zu den Bauteilen, die oft von Anfang an, sowohl bei der Planung als auch später bei der Ausführung, vernachlässigt werden. Und das, obwohl Fehler bei der Bauwerksabdichtung später kaum wieder behoben werden können. Mit der fachgerechten Abdichtung von Kellerwänden, -sohlen und Terrassen können Dachdecker einen Beitrag dazu leisten, dass der Abdichtung erdberührter Bauteile während der Fertigstellung große Aufmerksamkeit geschenkt wird und nicht erst hinterher, wenn die ersten Schäden auftreten.

Keller

Bauwerksabdichtung: Kellerabdichtung mit Bitumenbahnen
© W. Quandt GmbH & Co. KG

Planung der Bauwerksabdichtung

Das Kellermauerwerk ist vor Nässe und Feuchtigkeit zu schützen. Da die Kellerwand nach Verfüllen der Baugrube von außen nicht mehr zugänglich ist, sind spätere Sanierungen aufwändig und teuer. Eine hochwertige Abdichtung ist daher sinnvoll investiertes Geld. Vor Auswahl des geeigneten Materials für die jeweilige Baustelle ist in der Regel die Erstellung eines Baugrundgutachtens wichtig wie auch dessen fachgerechte Interpretation und die Berücksichtigung der Art der Kellernutzung. Gegen Bodenfeuchte muss anders abgedichtet werden als gegen zeitweise aufstauendes Sickerwasser. Kelleraußenwände in stark durchlässigem Boden oder mit Dränung werden gemäß DIN 18195-4 mit einem Voranstrich versehen und dann mit einer kaltselbstklebenden Bitumen-Dichtungsbahn (KSK) oder kaltselbstklebenden Bitumen-Dichtungsbahn mit Träger vollflächig verklebt oder mit einer Elastomerbitumen-Schweißbahn vollflächig verschweißt. Kellerwände in wenig durchlässigem Boden und ohne Dränung sind gemäß DIN 18195-6 mit einem Voranstrich zu versehen und mit einer vollflächig verschweißten Elastomerbitumen-Schweißbahn abzudichten. Die Wandabdichtung wird dabei so an die Abdichtung der Sohle angeschlossen, dass eine Wanne entsteht.

Vorbereitung des Untergrunds

Für eine durchgehend dichte Schicht ist die Bauwerksfläche entsprechend vorzubereiten. Sie muss frostfrei, fest, eben, frei von Nestern und klaffenden Rissen, Graten und frei von schädlichen Verunreinigungen sein. Setzt man vollflächig verklebte Abdichtungen ein, muss die Oberfläche trocken sein. Vertiefungen, die größer als 5 mm sind werden vorab mit Mörtel geschlossen. Kanten werden gefasst, Kehlen gerundet. Der Bitumenvoranstrich hält nur dann gut, wenn die Bauteil- und Umgebungstemperatur mindestens + 5° C beträgt. Er wird so aufgetragen, dass eine Menge von 200 g/m² bis 300 g/m² gleichmäßig verteilt wird. Lösemittelhaltige Bitumenprodukte dürfen in Innenräumen und ähnlichen baulichen Anlagen nicht eingesetzt werden. Lösemittelfreie Bitumenvoranstriche sind empfehlenswert.

Detailausbildung

Besonders sorgfältig sind Durchdringungen, Anschlüsse und Übergänge zu planen und auszuführen. Sie bilden im Abdichtungssystem die größte Herausforderung. Durchdringungen werden bei nicht drückendem Wasser mit Klebe- oder Anschweißflansch, Manschetten, Manschetten mit Schellen oder durch Los- und Festflanschkonstruktionen abgedichtet. Bei drückendem Wasser ist ausschließlich die Los- und Festflanschkonstruktionen zu wählen. Bei Anschlüssen an aufgehende Bauteile gibt es keine Unterscheidung bezüglich der Beanspruchung. Der Abdichtungsrand wird in Nuten eingezogen oder mit Klemmschienen versehen und konstruktiv abgedeckt. Übergänge sind bei Abdichtungen gegen Bodenfeuchte und nicht drückendem Wasser durch Klebeflansche, Anschweißflansche, Klemmschienen oder Los- und Festflanschkonstruktionen herzustellen. Bei Abdichtungen gegen drückendes Wasser und zeitweise aufstauendes Sickerwasser sind ausschließlich Los- und Festflanschkonstruktionen vorzusehen.

Bauwerksabdichtung bei Tunneln

Lügde, die Umgehungsstraße führt durch einen ca. 850 Meter langen Tunnel, abgedichtet mit Bitumenbahnen (2010).
© Lüdge

Der Entwurf und die Ausführung von Tunneln erfordert besondere Kenntnisse und Erfahrungen. Mit der Planung und Herstellung dürfen nur Fachkräfte und Fachunternehmen beauftragt werden.

Bei der Abdichtung von Tunneln haben sich Bitumenbahnen bewährt.

Deiche

Abdichtung von Deichen mit Bitumenbahnen
© VEDAG GmbH

Potentielle Einsatzbereiche für Polymerbitumenbahnen sind Deiche mit steilen Geometrien, die instand gesetzt werden müssen, sowie Deiche in engen Flusstälern. Gerade Flussbiegungen mit erhöhtem Aufkommen an Prallwasser sind hier als ein wesentliches Einsatzgebiet zu nennen. Weder für den Transport der Bahnen zum Einsatzort noch für die Verlegung ist schweres Gerät erforderlich. Die Verarbeitung kann manuell durch ortsansässige Dachdecker oder Klebeabdichter erfolgen. Für die Deichpolymerbitumenbahnen gilt: Die Abdichtung kann mit den Materilien sofort hergestellt werden. Eine Begrünung der Bahnen kann aufgrund der Beschieferung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

BUGA 2005

Die Bitumenbahn auf der BUGA 2005.
© derdichtebau


Unter dem Motto „Perspektivenwechsel“ zeigt die Bundesgartenschau 2005 Kultur im Rhythmus der Natur. Die Bitumenbahn präsentiert sich in Zelle c4 „Der Maulwurfshügel“ – versteckt unter der Erde. Der Maulwurfshügel ist ein Themengarten innerhalb des temporären Ausstellungsbereiches der Bundesgartenschau München 2005. Landschaftsarchitekt Christian Wagner berichtet: „Die Aufgabenstellung bestand darin, den Boden als Lebensbereich für Tiere und Pflanzen zu thematisieren und den Besuchern auf überraschende Art und Weise zu präsentieren. Die Ausformung und Organisation des Gartens als komplexes und offenes Gang- und Höhlensystem, als innen und außen begehbares Erdbauwerk steht für den Lebensbereich und die Autonomie unzähliger Bodentiere.“ Für die Abdichtung des Bauwerkes kamen nur hochwertige Polymerbitumen- und Bitumenbahnen in Frage. Gerade bei begrünten Flächen kommt es auf starke mechanische Belastbarkeit, besten Perforationsschutz und sicheren Durchwurzelungsschutz an.