Bitumenbahnen Eigenschaften von Bitumenbahnen

Bitumenbahnen bestehen im Wesentlichen aus Bitumendeckschichten und Trägern. Diese bestimmen die jeweiligen Eigenschaften der Bahn.

Polymerbitumen- und Bitumenbahnen werden bei der Ausführung von Dachaufbauten mit Abdichtungen verwendet für:

• flache Dächer (z. B. Bungalows, Garagen, Industriebauten)
• geneigte Dächer (z. B. Sheddächer, Tonnendächer, unter Dachdeckungen)
• genutzte Dächer (z. B. Parkgaragen, Gründächer)

Die Bahnen der heutigen Generation sind nicht mit den "Dachpappen" vergangener Zeiten vergleichbar.

Bitumenbahnen sind hoch belastbar. Die heute verwendeten Bitumenmassen sind kunststoffmodifizierte High-Tec-Produkte und die Träger bestehen aus verstärkten Glasvliesen, gewebten Glasfäden, Kunststoffspinnvliesen sowie aus der Kombination dieser Werkstoffe. Träger und Bitumendeckschichten sind aufs Sorgfältigste aufeinander abgestimmt, um allen Beanspruchungen standzuhalten, denen Flachdachkonstruktionen ausgesetzt sind. Und sie wurden für die handwerksgerechte Verarbeitung unter den rauen Bedingungen der Baustellenwirklichkeit konzipiert.

Bitumenbahnen der heutigen Generation sind für verschiedene Applikationen verfügbar: zur Verklebung mit Heißbitumen, als Schweißbahnen, als Bahn für die einlagige Verlegung, zur losen Verlegung und zur mechanischen Befestigung, kaltselbstklebend, mit Dampfdruckausgleichsflächen, mit Klebstoffen für die Wärmedämmung etc. Die Qualität polymermodifizierter Bitumenbahnen lässt sich direkt an den technischen Eigenschaften der Bahnen, insbesondere den thermischen und mechanischen Eigenschaften, ablesen. Sie korrelieren mit den - thermischen und mechanischen - Beanspruchungen, denen die Abdichtung insgesamt unterliegt und bieten die Basis für die hohe Qualität heutiger Flachdächer und deren Dauerhaftigkeit, Langlebigkeit und Sicherheit.

Einfluss der Bitumendeckschichten auf die Eigenschaften der Bitumenbahn

Zur Herstellung von Polymerbitumenbahnen kommt Destillationsbitumen zum Einsatz, das mit bestimmten Polymer-Arten modifiziert wurde.

Die Polymermodifikation des Bitumens bewirkt eine hohe Wärmestandfestigkeit (mehr als 150°C) der Bahnen.

Bei der Modifikation mit Styrol-Butadien-Styrol (SBS) entsteht Elastomerbitumen. Elastomerbitumen weist ein elastisches ("gummiartiges") Verhalten auf, ist auch bei tiefen Temperaturen flexibel und hat eine hohe Alterungsbeständigkeit.

Dieser Zusatz von Kunststoffen sorgt für eine hohe Kälteflexibiltät von Bitumenbahnen von -35°C und niedriger. Das ermöglicht die Verlegung von Bitumenbahnen auch bei niedrigen Außentemperaturen, die Inspektion von Flachdächern im Winter und die Funktionstüchtigkeit von Abdichtungen auch bei extremer Kälte.

Eine Modifikation des Destillationsbitumens mit Polypropylen (aPP) führt zu Plastomerbitumen. Dieses Material weist thermoplastisches Verhalten (Geschmeidigkeit) auf, hat einen hohen Erweichungspunkt und ist langfristig alterungsbeständig.

Einfluss der Trägereinlage auf die Eigenschaften der Bitumenbahnen

Die mechanischen und thermischen Eigenschaften von Bitumenbahnen werden durch die Träger mitbestimmt. Entsprechende Träger bewirken eine sehr hohe Reißfestigkeit und Dehnungsfähigkeit. So können z. B. Bahnen mit hochwertigen Polyestervliesen Zugkräfte von 1200 N und mehr bei einer Dehnung von 50 % erreichen. Bahnen, die in der Lage sind, derartige Kräfte aufzunehmen und gleichzeitig ein entsprechend hohes Dehnungsvermögen besitzen, können die wechselnden mechanischen Beanspruchungen schadlos überstehen. Streifenweise unverklebt können sie u. U. sogar über Bewegungsfugen eingesetzt werden. Bahnen früherer Generation hätten hier hoffnungslos versagt. Verstärkte Träger ermöglichen - ohne die erforderliche Dehnung der Bahn einzuschränken - eine hervorragende Dimensionsstabilität (< 0,1%), was insbesondere bei mechanisch befestigten Dachsystemen von Bedeutung ist. Eine hohe Perforationsfestigkeit der Bitumenbahnen wird durch moderne Kombinationsträger erreicht.

Hoher Anspruch an die Eigenschaften von Bitumenbahnen

Die wesentliche Funktion der Dachabdichtung ist der nachhaltige und dauerhafte Schutz des Gebäudes vor dem Eindringen von Niederschlägen. Um diese Funktion zu erfüllen, muss die Abdichtung verschiedenen Beanspruchungen gewachsen sein. Neben fotochemischen Einflüssen, Einwirkungen durch UV-Strahlung und Ozon sowie chemischen und biogenen Belastungen, unterliegen Abdichtungen vor allem mechanischen und thermischen Beanspruchungen, die jeweils unterschiedlich hoch sein können.

Hohe mechanische Beanspruchungen können sich aus dem Untergrund der Dachabdichtung oder aus der Tragkonstruktion ergeben. So unterliegen z. B. Betonfertigteile oder Betondielen mitunter Verformungen und leiten entsprechende Kräfte an die Abdichtung weiter, die von dieser schadlos aufgenommen werden muss. Oder die Abdichtung muss die Bewegung von harten, scharfkantigen Dämmstoffen, schwingenden Unterkonstruktionen oder das Quellen und Schwinden von Unterkonstruktionen aus Holz und Holzwerkstoffen absorbieren. Windsogkräfte wirken auf lose verlegte, mechanisch befestigte Dachabdichtungen ein und stellen hohe Anforderungen an die Abdichtungswerkstoffe und deren Nahtverbindungen. Darüber hinaus stellt ein häufiges Begehen der Dachfläche zu Inspektions- und Wartungsarbeiten, wie es bei Grün- oder Industriedächern häufig erforderlich ist, eine hohe mechanische Beanspruchung dar, die durch weiche Dämmstoffe noch vergrößert wird. Dazu kommt, dass die Belastungen durch extreme Wetterereignisse wie z.B. Hagelschlag größer werden, da diese häufiger auftreten und auch immer stärker ausgeprägt sind.

Abdichtungen müssen hohe thermische Beanspruchungen verkraften, wenn sie ungeschützt starken thermischen Schwankungen ausgesetzt sind. So erreichen Abdichtungen im Hochsommer leicht Temperaturen von ca. 80° C und kühlen sich z. B. durch einen Gewitterregen schlagartig ab. Ein weiteres Beispiel ist die "Schattenfuge" bei Sheddächern, die eine erhebliche Temperaturdifferenz auf engstem Raum nahezu dauerhaft festschreibt. Ähnliches gilt für die Ränder von Pfützen, die bei nicht ausreichendem Gefälle auf Dächern verbleiben.


Welche Beanspruchungsstufen die DIN 18531 unterscheidet und welche Beanspruchungsklassen für Dachabdichtungen daraus abgeleitet werden, lesen Sie hier in den Technische Regeln.

Optik und Funktion

Die Optik einer Bitumenbahn wird maßgeblich durch die Bestreuung bestimmt. Die Einfärbung des Schiefersplitts ermöglicht eine Reihe von unterschiedlichen farbigen Bitumenbahnen. Zusätzlich können Bestreuungen auch besondere Funktionen erfüllen wie z. B. die Umwandlung von schädlichen Stickoxiden aus der Luft in Nitrate. Über die Vielzahl an Möglichkeiten informieren die deutschen Bitumenbahnen-Hersteller, die mit Erfahrung und Beratungskompetenz auch individuelle Lösungen anbieten können: von speziellen Farbanpassungen der Beschieferung nach Vorgaben bis zu Sonderlängen der einzelnen Bahnen für besondere Architektur-Objekte ist vieles möglich.

Farbige Beschieferung

Mediterraneo, Bremerhaven

Das Mediterraneo ist ein außergewöhnliches Einkaufszentrum im mediterranen Stil. Die Oberlage – eine Polymerbitumen-Schweißbahn mit einer mechanisch extrem hochbelastbaren Polyesterverbundträgereinlage – ist eine Sonderanfertigung in der Farbe "mediterranrot". Das gesamte Entwicklungsprojekt "Havenwelten" wurde mit seiner herausragenden Architektur im Jahr 2010 mit dem Deutschen Tourismuspreis belohnt.


Zuckersilo Juülich am Niederrhein
Die Zuckerfabrik Juülich wählte fuür den Neubau des Zuckersilos im Jahr 2011 eine Sonderbestreuung in Weiß. Die helle Farbe ermöglicht eine bessere Sonnen-Reflexion, um den Bau vor starker Erhitzung zu schuützen. Daruüber hinaus lässt die weiße Bestreuung den Zuckersilo optisch als gigantischen Zuckerhut erscheinen.