Technische Regeln Baustoffe

Stoffe für den Dachaufbau von nicht genutzten und genutzten Dachflächen müssen für den Verwendungszweck geeignet sowie aufeinander und auf die Unterlage der Dachabdichtung abgestimmt sein.

Für eine dauerhafte Funktionstüchtigkeit des Dachaufbaus kommt der richtigen Auswahl der Stoffe eine entscheidende Bedeutung zu.

Bitumenvoranstrichmittel
Voranstriche auf Bitumenbasis sind als Lösung oder Emulsion verfügbar. Die Verarbeitung lösemittelhaltiger Voranstriche darf nur im Freien erfolgen. Die einschlägigen Vorschriften und Richtlinien (z.B. BG Bau (Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft)) für den Umgang mit lösemittelhaltigen Anstrichen sind einzuhalten.

Bitumenklebemassen und Deckaufstrichmittel (heiß zu verarbeiten)
(1) Als Klebemassen sind Oxidationsbitumen mit einem Erweichungspunkt nach DIN EN 1427 von 80 °C bis 125 °C oder Polymerbitumen mit einem Erweichungspunkt ≥ 100 °C zu verwenden.

(2) Heiß zu verarbeitende Oxidbitumenklebemassen sind auf ca. 200 °C zu erhitzen. Bei der Aufbereitung der Klebemasse darf eine Temperatur von 230 °C nicht überschritten
werden. Heiß zu verarbeitende Polymerbitumenklebemassen sind auf ca. 170 °C bis max. 200 °C zu erhitzen.

(3) Für die Verklebung von Bitumenbahnen auf Dachneigungen ≥ 3° und von Elastomerbitumen-Dachdichtungsbahnen sind Klebemassen aus Oxid- oder Polymerbitumen mit einem Erweichungspunkt ≥ 100 °C zu verwenden. Abhängig von den örtlichen Verhältnissen können zusätzliche Maßnahmen nach Kapitel Massnahmen auf geneigten Flächen notwendig werden.

Kaltklebemassen und Klebstoffe

Kaltklebemassen aus Bitumen

(1) Für das punkt- und/oder unterbrochen streifenweise Aufkleben von Dampfsperren, von Wärmedämmschichten aus Schaumstoffen oder Mineralfasern oder der ersten Abdichtungslage können Kaltklebemassen aus Bitumen verwendet werden. Die Einsatz- und Verarbeitungshinweise der Hersteller sind zu beachten.

(2) Bei der Verklebung der ersten Lage auf lösemittelempfindlichen Dämmstoffen (z. B. Polystyrol) mit lösemittelhaltigen Bitumenklebemassen sind die Herstellervorschriften zu beachten.

Klebstoff aus Polyureuthan

Für das streifenweise Aufkleben von Dampfsperren, Wärmedämmschichten oder Abdichtungen können Klebstoffe aus Polyurethan verwendet werden.

Die Einsatz- und Verarbeitungshinweise der Hersteller sind zu beachten.

Wärmedämmstoffe

Wärmedämmstoffe für nicht belüftete Dächer

Tabelle 2, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Wärmedämmstoffe für belüftete Dächer

Tabelle 2, vdd Technische Regeln
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Die in Tabelle 2 aufgeführten Dämmstoffe können auch in belüfteten Dachkonstruktionen eingesetzt werden. Die Mindestanforderungen an die Eigenschaften nach DIN V 4108-10 (Anwendungsgebiet DZ) sind zu beachten. Diese Dämmstoffarten werden in der Regel lose verlegt.

Platten und Dämmbahnen

(1) Für die Wärmedämmung von Dachflächen dürfen nur genormte und bauaufsichtlich zugelassene Dämmstoffe verwendet werden. Dämmstoffe der Baustoffklasse B3 „leicht entflammbar“ bzw. Euroklasse F dürfen nicht verwendet werden.

(2) Soll bei Dämmbahnen die Kaschierung als erste Lage einer mehrlagigen Dachabdichtung gelten, siehe Kapitel Ausführung der Dachabdichtung Punkt (4).

Gefälledämmung

(1) Zur Herstellung von geneigten Dachflächen können keilförmig geschnittene Dämmplatten und Dämmbahnen eingesetzt werden.

(2) Bitumengebundene Schüttungen aus expandierten Mineralien können ebenfalls zur Gefällegebung und zum Niveauausgleich verwendet werden. Die Einsatz- und Verarbeitungshinweise der Hersteller sind zu beachten.

(3) Die Dachabdichtung ist abhängig von der Dachneigung entsprechend Kapitel Dachabdichtungen mit Bitumenbahnen bei nicht genutzten Dächern auszubilden.

Dämmstoffdicken auf Stahltrapezprofilen

Tabelle 3, vdd Technische Regeln
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In der Praxis ist es im Allgemeinen nicht möglich, die Dämmplattenstöße stets auf den Obergurten anzuordnen, da die Abmessungen der Stahltrapezprofile quer zur Spannrichtung und die der Dämmplatten nicht übereinstimmen. Häufig liegen deshalb die Dämmplattenstöße über den Untergurten (Tiefsicken). Der Einsatz von durchtrittsicheren Bitumendampfsperrbahnen ist zu empfehlen. Falls keine durchtrittsicheren Bitumendampfsperrbahnen eingebaut werden, wird die Verwendung von Dämmplatten mit einer Mindestdicke nach Tabelle 3 empfohlen.
Diese Angabe gilt unabhängig von den sich aus DIN V 4108 oder EnEV oder EnEV ergebenden Dämmstoffdicken, die in jedem Fall als Mindestdicken eingehalten werden müssen.

Tabelle 3: Mindestdämmstoffdicken auf Stahltrapezprofile

Bitumenbahnen

Bahnen für Dampfsperren
Bitumenbahnen können als Dampfsperre nach Kapitel Verarbeitung von Dampfsperre und Ausgleichsschicht verlegt werden.
Bitumen-Dampfsperrbahnen werden den verschiedensten Beanspruchungen und Anforderungen gerecht. Sie bieten folgende Vorteile:

  • Wasserdampfdichtheit
  • Luftdichtheit
  • einfache und sichere Fügbarkeit der Nähte
  • einfache Anschlussmöglichkeit an aufgehende Bauteile
  • sehr gute Eignung als behelfsmäßige Abdichtung
  • bei geeigneter Oberflächenausrüstung kein zusätzlicher Klebstoff erforderlich für das Aufbringen von Dämmstoff
  • bei brandlastarmer Ausrüstung hoher Widerstand gegen Brandbeanspruchung von unten
  • Durchtrittfestigkeit auf Profilblechen
  • Perforationsfestigkeit auf massiven Untergründen
  • Windsogsicherheit
  • Winddichtheit
  • Dauerhaftigkeit
  • einfache Verlegung

Die für Bitumen-Dampfsperrbahnen maßgeblichen Eigenschaften sind in DIN EN 13970 definiert.

Bahnen für die Abdichtung nicht genutzter und genutzter Dächer
Bitumenbahnen können in Dachabdichtungen einlagig oder mehrlagig nach Kapitel Ausführung der Dachabdichtung verlegt werden. Je nach Vereinbarung können Stoffe nach DIN V 20000-201 und DIN V 20000-202 oder davon abweichende, durch abP (allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis) zugelassene Bahnen verwendet werden.

Durch die Verwendung von Abdichtungsbahnen, die vom Anforderungsprofil der Normen abweichen, kann vielfach gezielter auf die Belastungen durch thermo-mechanische Einwirkungen auf die Dachabdichtung reagiert werden.

Nicht genutzte Dächer

Tabelle 4, vdd Technische Regeln
© vdd Technische Regeln

Die für Bitumenbahnen für Dachabdichtungen maßgeblichen Eigenschaften sind in DIN EN 13707 definiert.
Bitumenbahnen für Dachabdichtungen sind in DIN 18531-2 genannt.
Die Mindestanforderungen an die Produkteigenschaften und die Anwendungstypen sind in der Anwendungsnorm DIN V 20000-201 festgelegt.
DE = Bahnen für einlagige Dachabdichtungen
DO = Bahnen für die Oberlage einer mehrlagigen Dachabdichtung
DU = Bahnen für die untere Lage einer mehrlagigen Dachabdichtung
DZ = Bahnen für die Zwischenlage bzw. Zusatzlage einer mehrlagigen Dachabdichtung
Bei geeigneter Oberflächenausrüstung können Bahnen für einlagige Abdichtungen auch als Oberlagen, untere Lagen und Zwischenlagen, Bahnen für Oberlagen auch als untere Lagen und Zwischenlagen und untere Lagen auch als Zwischenlagen verwendet werden.
Die Konstruktionsnorm DIN 18531 legt für die einzelnen Produkte je nach Beanspruchungsart Eigenschaftsklassen fest.

Tabelle 4: Eigenschaftsklassen der Abdichtungsbahnen (aus DIN 18531-2)*
*Wiedergegeben mit Erlaubnis des DIN Deutsches Institut für Normung e.V. Maßgebend für das Anwenden der DIN-Norm ist deren Fassung mit dem neuesten Ausgabedatum, die bei der Beuth Verlag GmbH, Burggrafenstraße 6, 10787 Berlin, erhältlich ist.

Genutzte Dächer

Die für Bitumenbahnen für Abdichtungen genutzter Dächer maßgeblichen Eigenschaften sind in DIN 13969 definiert.

Bitumenbahnen für Abdichtungen genutzter Dächer sind in DIN 18195-2 genannt.

Die Mindestanforderungen an die Produkteigenschaften und die Anwendungstypen sind in der Anwendungsnorm DIN V 20000-202 festgelegt.

BA = Bahnen für die Bauwerksabdichtung gegen Bodenfeuchte und Wasser
MSB = Bahnen für waagerechte Abdichtungen in oder unter Wänden (Mauersperrbahnen)

Übersicht genormter Bahnen - Teil 1

Tabelle 5 T1, vdd Technische Regeln
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Die genormten Werkstoffe für Abdichtungen sind in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet:

Tabelle 5: Übersicht der Bitumen- und Polymerbitumenbahnen
(Zusammenfassung der Mindestanforderungen aus DIN V 20000-201 und DIN V 20000-202)

Legende zur Tabelle:

a Bestimmung nach DIN 52123, DIN 52141, DIN 52142, DIN 18191 bzw DIN 18192
b Bestimmung nach DIN 52123
c Bestimmung der Wasserdichtheit nach DIN EN 1928, Verfahren B.
d nur bei Dachabdichtungen mit geringer mechanischer Beansprchng der Beanspruchungsklassen IIA, IIB nach DIN 18531-1
e um eine einwandfreie Verarbeitung sicherzustellen, ist bei Unterschreitung der Mindestdicke der Mindestgehalt an Löslichem von 2 600 g/m² einzuhalten
f nur als Oberlage bei Abdichtungen unter Dachbegrünungen
g nur als zusätzliche Lage oder als Trennlage
h nur PYE-Typen

Beispiele:
DO/E1 PYE-PV 200 S5
Oberlage einer mehrlagigen Dachabdichtung aus Polymerbitumen (PYE) mit Polyestervlieseinlage 200 g/m², Schweißbahn, 5,2 mm dick inkl. leichtem Oberflächenschutz

BA PYE-PV 200 S5
Lage einer Bauwerksabdichtung aus Polymerbitumen (PYE) mit Polyestervlieseinlage 200 g/m², Schweißbahn, 5,0 mm dick

Übersicht genormter Bahnen - Teil 2

Tabelle 5 T2, vdd Technische Regeln
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Die genormten Werkstoffe für Abdichtungen sind in der nachfolgenden Tabelle aufgelistet:

Tabelle 5: Übersicht der Bitumen- und Polymerbitumenbahnen
(Zusammenfassung der Mindestanforderungen aus DIN V 20000-201 und DIN V 20000-202)

Legende zur Tabelle:

a Bestimmung nach DIN 52123, DIN 52141, DIN 52142, DIN 18191 bzw DIN 18192
b Bestimmung nach DIN 52123
c Bestimmung der Wasserdichtheit nach DIN EN 1928, Verfahren B.
d nur bei Dachabdichtungen mit geringer mechanischer Beansprchng der Beanspruchungsklassen IIA, IIB nach DIN 18531-1
e um eine einwandfreie Verarbeitung sicherzustellen, ist bei Unterschreitung der Mindestdicke der Mindestgehalt an Löslichem von 2 600 g/m² einzuhalten
f nur als Oberlage bei Abdichtungen unter Dachbegrünungen
g nur als zusätzliche Lage oder als Trennlage
h nur PYE-Typen

Beispiele:
DO/E1 PYE-PV 200 S5
Oberlage einer mehrlagigen Dachabdichtung aus Polymerbitumen (PYE) mit Polyestervlieseinlage 200 g/m², Schweißbahn, 5,2 mm dick inkl. leichtem Oberflächenschutz

BA PYE-PV 200 S5
Lage einer Bauwerksabdichtung aus Polymerbitumen (PYE) mit Polyestervlieseinlage 200 g/m², Schweißbahn, 5,0 mm dick

Übersicht genormter Bahnen - Teil 3

Tabelle 5 T3, vdd Technische Regeln
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