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Die flachen Dächer der Wohnmaschinen
Es ist schon merkwürdig, dass Häuser im Bauhausstil immer flache Dächer haben. Wollten sich die Bauhausarchitekten um jeden Preis abheben aus der grauen Masse der Steildacharchitekten? Ging es nur um eine neue Formensprache?

- Das Doppelhaus von Le Corbusier in Stuttgart steht heute Besuchern als Besichtigungsobjekt zur Verfügung.
Bauhausarchitektur – seit 90 Jahren am Puls der Zeit
Es ist schon merkwürdig, dass Häuser im Bauhausstil immer flache Dächer haben. Wollten sich die Bauhausarchitekten um jeden Preis abheben aus der grauen Masse der Steildacharchitekten? Ging es nur um eine neue Formensprache? Tatsache ist, dass Bauhausarchitektur noch heute auffällt. Vor allem in den Speckgürteln großer Städte, wo ein gleichförmiges Steildachhaus neben dem anderen steht. Bauhausarchitektur ist modern und das seit 90 Jahren. Davon berichtete unter anderem die Ausstellung „Modell Bauhaus“ im Berliner Martin-Gropius-Bau.

- Das ehemalige Direktorenhaus Gropius
Foto: Silvia Höll 2005, Stiftung Bauhaus Dessau
Baukasten für Große
Eine neue Ästhetik des Bauens zu finden, war nicht der einzige Antrieb der Bauhausarchitekten. Es ging ihnen vor allem um eine verbesserte Funktion. Sie wollten einen Weg aus der Anfang der 1920er Jahre herrschenden Wohnmisere finden. Dazu musste der vorhandene Raum effizienter genutzt werden. Das geht mit einem flachen Dach ungleich besser als mit einem Steildach, wo nicht selten der Spitzboden ungenutzt bleibt. Zudem ist das flache Dach begehbar, was Wartung und Pflege deutlich erleichtert.
Das Herstellen eines Dachstuhls durch einen Zimmermann erachteten die Bauhausarchitekten angesichts der Industrialisierung als nicht mehr zeitgemäß. Neue Technologien wurden erprobt. Das handwerkliche Bauen sollte der industriellen Fertigung weichen. Der Bauhausgründer Walter Gropius übernahm den von Le Corbusier geprägten Begriff der „Wohnmaschine“. Es ging ihm um „größtmögliche Typisierung und größtmögliche Variabilität“. Entsprechend einer Maschine musste auch ein Haus industriell herstellbar sein. In seinem Buch „Idee und Aufbau des staatlichen Bauhauses“ beschreibt er den Wunsch, „aus neuen technischen und neuen räumlichen Voraussetzungen einen Baukasten im großen zu schaffen, aus dem sich je nach Kopfzahl und Bedürfnis der Bewohner verschiedene Wohnmaschinen zusammenfügen lassen.“
„Neue Funktionen, neue technologische und materialtechnische Möglichkeiten sollten ihren zeitgemäßen, künstlerischen Ausdruck finden“, so Michael Siebenbrodt, Kustos des Bauhaus-Museums in Weimar. „Dass die Avantgardekünste dabei eine inspirierende Rolle gespielt haben, dafür ist das Bauhaus berühmt. Europäische Künstler wurden ans Bauhaus berufen, um neue Gestaltungsideen in Architektur und Design einzubringen.“ Die Form des Kubus erschien unter diesen Aspekten als adäquate Formensprache der Avantgarde.

- Weißenhofsiedlung Stuttgart 1930
Wasser im Haus
In südlichen Ländern und im Orient ist der Kubus als häusliche Grundform schon seit Jahrhunderten alltäglich. Der Grund, warum in Deutschland das Steildach nicht wegzudenken war, liegt schlicht an der Tatsache, dass es hier häufiger regnet. Wasser sucht sich den Weg des geringsten Widerstandes. Bei heute gebauten oder sanierten Flachdächern, abgedichtet mit hochwertigen Materialien wie z.B. Polymerbitumenbahnen, läuft es in den dafür vorgesehenen Gully. Zu Bauhauszeiten, als die Kenntnisse noch dürftiger waren, wurden häufig zu geringe Dachneigungen gewählt und Abdichtungsmaterialien und Verarbeitung waren noch weniger ausgereift. Wasser lief dann nicht selten in die darunter liegenden Räume. Die Bauherrin der von Le Corbusier errichteten Villa Savoye, Madame Savoye, schrieb an ihren Architekten: "Es regnet in den Flur, es regnet auf die Treppe, und die Garagenwand ist pitschnass. Schlimmer ist, dass es immer noch in mein Bad regnet. Bei schlechtem Wetter wird es geradezu überschwemmt, da das Wasser selbst durch das Oberlicht hereinströmt... Nach unzähligen Beschwerden meinerseits werden Sie sich endlich damit abfinden müssen, dass dieses Haus einfach unbewohnbar ist."
Mittlerweile ist das Flachdach aus der modernen Architektur nicht mehr wegzudenken – ohne dass private Bauherren solche Briefe schreiben müssen. Die richtige Dachneigung und ausgereifte Abdichtungsbahnen aus Polymerbitumen sorgen für ein sicheres Dach über dem Kopf, jahrzehntelang.

- Das Haus am Horn ist das einzige, realisierte Bauhausgebäude in Weimar und gilt als Musterbeispiel des variablen Grundrisses. Zufälligerweise wählte man hier die richtige Dachneigung, sodass das Dach seine Funktion über lange Zeit erfüllte.
Weitere Informationen finden Sie in der Linksammlung:
Ausstellung Modell Bauhaus in Berlin
http://www.modell-bauhaus.de/
Stiftung Bauhaus Dessau:
http://www.bauhaus-dessau.de/
Bauhaus-Archiv Museum für Gestaltung:
http://www.bauhaus.de/
Das Bauhaus in Thüringen:
http://bauhaus2009.itsrv.de/cms/website.php
Die Weißenhofsiedlung in Stuttgart:
http://www.weissenhofsiedlung.de/

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